Wirtschaftsumfeld | Chile | Investitionsklima
Investitionsklima in Chile verbessert sich
Chile gilt im regionalen Vergleich als stabil. Das Interesse ausländischer Unternehmen ist ungebrochen, an deutschen Firmen mangelt es jedoch.
22.04.2026
Auslandsinvestitionen ungebrochen hoch...
Dieses positive Bild spiegelt sich in den ausländischen Direktinvestitionen wider. Laut Zentralbank stiegen sie 2025 um fast 11 Prozent auf mehr als 14,5 Milliarden US-Dollar (US$). Hauptinvestor ist Kanada mit seinen großen Bergbauunternehmen, gefolgt von den USA, den Niederlanden und Spanien.
Das Gros der Gelder entfällt auf den Rohstoff- und den Energiesektor. Künftig könnte auch wieder mehr Geld in Projekte zur Erzeugung von grünem Wasserstoff und seinen Derivaten fließen.
...doch deutsche Investitionen unter ferner liefen
Der deutsche Anteil an den Direktinvestitionen liegt jedoch seit Jahren bei unter 1 Prozent. Auch die Zahl der im Land aktiven deutschen Firmen ist überschaubar. Die AHK Chile schätzt sie auf etwa 120 bis 150. Darin enthalten sind auch Unternehmen, die lediglich über Handelsvertreter im Land präsent sind, etwa Mercedes-Benz über den Distributor Kaufmann.
Fehlendes Doppelbesteuerungsabkommen bremst Investitionen aus Deutschland
Weniger als 0,4 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in Chile entfallen auf deutsche Investoren, so die chilenische Zentralbank. Die Statistik bildet das tatsächliche Engagement jedoch nur unvollständig ab. Viele deutsche Unternehmen investieren wegen des fehlenden bilateralen Doppelbesteuerungsabkommens über Drittstaaten mit entsprechenden Vereinbarungen. So ist der Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln BENEO‑Orafti ein Direktinvestment der deutschen Südzucker AG, wurde jedoch über deren belgische Tochter abgewickelt. Andere Unternehmen nutzen Spanien als Standort.
Zudem erfasst die Statistik keine reinvestierten Gewinne, deren Rücktransfer ohne Doppelbesteuerungsabkommen ebenfalls erschwert ist. Intransparent bleibt die Lage auch, weil Übernahmen lokaler Unternehmen zwar statistisch berücksichtigt werden, jedoch nicht als deutsche Investitionen erkennbar sind. Dazu zählt der Erwerb des Pharmaunternehmens Andromaco durch Grünenthal.
De facto dürfte der deutsche Investitionsanteil somit über 0,4 Prozent liegen. Gleichwohl bleibt er von untergeordneter Bedeutung und entwickelt sich derzeit eher rückläufig. Investoren wie RWE reduzieren ihr Engagement aus unternehmensinternen Gründen oder ziehen sich vollständig aus dem chilenischen Markt zurück.
Stabile Demokratie, offener Markt, wieder optimistische Unternehmen
Chile punktet mit einer funktionierenden Demokratie und stabilen Institutionen wie einer unabhängigen Zentralbank und verlässlichen Gerichten. Zugleich zählt das Land zu den weltweit offensten Volkswirtschaften und ist in ein dichtes Netz von Handels- und Wirtschaftsabkommen eingebunden. Das erleichtert ausländischen Unternehmen den Marktzugang und macht Chile für Firmen vor Ort zu einem attraktiven Sprungbrett in die Region.
Im zuletzt verfügbaren Economic Freedom Ranking des Fraser-Instituts belegte Chile 2023 Rang 26 unter 165 Ländern, drei Plätze besser als im Vorjahr. In Lateinamerika liegt es damit auf Platz 2 hinter Costa Rica. Gleichwohl beurteilte die chilenische Unternehmerschaft die Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre deutlich kritischer. Bemängelt wurden unter anderem ausgebliebene Reformen im Renten- und Steuersystem, steigende Kosten sowie strenge, teils über die Vorgaben hinausgehende Umweltprüfungen. Einigkeit besteht zudem über zu viel Bürokratie ("Permisiología") und wachsende Sicherheitsprobleme.
Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die neue Regierung Kast, die Abhilfe versprochen hat. Selten spiegelten die Unternehmerumfragen so viel Optimismus in Bezug auf Geschäftschancen wider wie im Februar 2026. Dies dürfte auch die bislang eher verhaltene Investitionsneigung beleben, erwartet etwa Fernando Parga, Partner bei EY Parthenon Chile, gegenüber der Wirtschaftszeitung Diarío Financiero.
Im World Competitiveness Ranking des International Institute for Management Development belegte Chile 2025 Platz 38 unter 69 Ländern. Zwar bleibt das Land damit im Mittelfeld, konnte sich seit 2021 (Rang 44) jedoch spürbar verbessern. Es liegt deutlich vor Mexiko (Position 51), Kolumbien (50) und Argentinien (58), aber hinter Brasilien (17; zum Vergleich: Deutschland Rang 18), das mit Marktgröße, breiterer Industriestruktur und höherer Innovationskraft punktet.
Produktivität bleibt niedrig, steigt aber wieder
Erste Fortschritte zeigen sich bei der Produktivität. Die Gesamtproduktivität der Wirtschaft verzeichnete zuletzt erstmals wieder Zuwächse: 2024 um 0,6 Prozent und 2025 um 0,5 bis 0,6 Prozent. Zuvor war sie mehr als ein Jahrzehnt rückläufig gewesen. Ursachen seien firmeninterne Umstrukturierungen und die steigende Automatisierung, so die Nationale Kommission für Evaluierung und Produktivität.
Für weitere Produktivitätsfortschritte bedürfe es neben einer Verbesserung des regulatorischen Rahmens aber:
- einer Erhöhung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung; diese lagen 2024 laut Wissenschaftsministerium bei 0,41 Prozent des BIP (zum Vergleich: Deutschland 2025 laut Destatis 3,13 Prozent) und
- einer besseren und kontinuierlichen Aus- und Weiterbildung.
Hemmschuh Fachkräftemangel
Zwar ist das Angebot an Universitätsabgängern, insbesondere im Ingenieurbereich, qualitativ und quantitativ grundsätzlich zufriedenstellend. Einschränkend wirkt jedoch die hohe Theorielastigkeit der Ausbildung. Anders stellt sich die Lage bei Technikern und Handwerkern dar. Hier besteht ein gravierendes Missverhältnis zwischen dem Angebot und dem Bedarf der Wirtschaft. "Chile fehlt das komplette Mittelfeld", sagt Cornelia Sonnenberg, Geschäftsführende Direktorin der AHK Chile. "Allein mit Universitätsabsolventen ist es eben nicht getan."
Nicht nur Automatisierung und künstliche Intelligenz werden Chiles Arbeitswelt massiv verändern. Hinzu kommt der demografische Wandel, sprich wachsende Anforderungen bei teilweise schwindendem Arbeitsethos der Generation Z und einer insgesamt alternden Belegschaft. Die Firmen werden daher künftig viel stärker in Qualifizierung investieren müssen.
| Unternehmen 1) | Branche | Investitionsvolumen (in US$) | Beschäftigte | Standorte |
|---|---|---|---|---|
Hapag-Lloyd 2)
| Logistik; Beteiligungen an Hafeninfrastruktur | circa 1 Mrd. | 350 bis 400 für Hapag-Lloyd (die im August 2023 übernommene Firma SAAM Terminals hat insgesamt circa 4.000 Beschäftigte, allerdings nicht nur in Chile, sondern auch in anderen lateinamerikanischen Ländern) | Regionalzentrale für Lateinamerika in Viña del Mar; über SAAM Terminals mit Sitz in Santiago in sechs Ländern tätig; Beteiligungen an weiteren Terminals in Chile (Iquique, Antofagasta, San Antonio, San Vicente und Corral) |
| WPD | Windparks | 500 Mio. | 58 | Santiago, Bío Bío und La Araucanía |
| Grünenthal | Pharma | k.A. | über 750 | Insgesamt zwei, darunter Laboratorios Andrómaco, Peñalolen, Santiago |
| BASF | Chemie | k.A. | k.A. | Insgesamt zwei: Santiago und Concón (Produktion) |
| Südzucker (über BENEO-Orafti) | Lebensmittelindustrie | k.A. | k.A. | Pemuco/Biobío |
| DHL | Logistik | k.A. | k.A. | Mehrere landesweit |
| Henkel (auch über die Tochter Bekron) | Chemie | k.A. | k.A. | Pudahuel und Quilicura in der Región Metropolitana de Santiago sowie zwei kleinere in Antofagasta und Arica |
| HDI | Versicherungen | k.A. | über 600 | Insgesamt zwölf landesweit verteilt von Iquique bis Puerto Mont |
Investitionsförderung wird in Chile kleingeschrieben
Chile ist aus wirtschaftspolitischer Sicht ein sehr liberales Land. Selbst klassische öffentliche Versorgungsaufgaben wie die Strom- und Wasserversorgung werden an Privatunternehmen als Konzessionen vergeben.
Fördermöglichkeiten für Unternehmen gibt es daher nur sehr beschränkt, zum Beispiel für in- und ausländische Start-ups. Gewisse Steuererleichterungen sind in den beiden Freihandelszonen in Punta Arenas und Iquique möglich. Da beide Städte jedoch relativ weit von den bisherigen industriellen Zentren des Landes entfernt liegen, spielen sie bei Investitionsentscheidungen nur eine sehr nachgeordnete Rolle. Für Punta Arenas könnte sich das jedoch im Zuge der dortigen Ausbaupläne im Bereich erneuerbare Energie beziehungsweise der Produktion von grünem Wasserstoff ändern.
"Diese Marktoffenheit ist nicht überall selbstverständlich"
Flixbus feiert im Oktober 2026 drei Jahre Eintritt in den chilenischen Markt. Damals startete das deutsche Logistikunternehmen mit sechs Bussen, die von der Hauptstadt Santiago aus die drei Destinationen Valparaíso, Viña del Mar und La Serena anfuhren. Heute umfasst die Flixbus-Flotte rund 250 Busse, welche insgesamt 50 Städte in Chile miteinander verbinden. Germany Trade & Invest (GTAI) sprach mit Pablo Pastega, Vize-Präsident für Südamerika bei Flixbus.
Herr Pastega, was macht Chile für Flixbus interessant?
Flixbus ist zu einem internationalen Unternehmen gewachsen, weltweit arbeiten wir in mehr als 40 Ländern. In Südamerika war Chile das zweite Land nach Brasilien, in dem wir aktiv geworden sind. Für uns entscheidend war damals dreierlei: erstens der rechtlich und politisch stabile Rahmen, den Chile bietet, und zweitens dass wir als ausländisches Unternehmen hier überhaupt tätig sein dürfen. Diese Marktoffenheit des Fernbusverkehrs ist nicht überall selbstverständlich.
Darüber hinaus haben wir drittens ein ausreichend großes Potenzial an Kunden gesehen mit Interesse an unserem Produkt. Wir bieten qualitativ hochwertige Busse zu sehr günstigen Ticketkosten. Außerdem profitieren wir von unserem hohen Wiedererkennungswert bei internationalen Passagieren, die uns von anderen Ländern kennen.
Welches sind für Sie die größten Herausforderungen in Chile?
Wie alle Unternehmen haben wir viel mit bürokratischen Prozessen und administrativen Vorgaben zu tun. Ein Beispiel: Anders als etwa in Deutschland dürfen Sie Busse, die für den Fernbusverkehr zugelassen und registriert sind, nicht für andere Zwecke wie den Personenverkehr im Bergbau einsetzen – oder umgekehrt, selbst wenn Sie alle sonstigen Voraussetzungen erfüllen. Man bekommt entweder die eine Zulassung oder die andere.
Damit muss man sich arrangieren – einerseits ist Chile, was seine Außenwirtschaftsbeziehungen angeht, ein sehr liberales und offenes Land, andererseits werden viele Prozesse im Innern mitunter sehr rigide gehandhabt.
Ganz aktuell sehen auch wir uns außerdem mit den Folgen des Iran-Krieges konfrontiert. Als Busunternehmen treffen uns die Erhöhungen der Treibstoffpreise unmittelbar. In Chile gibt es, anders als in anderen Märkten, keine staatliche Unterstützung, um diese Preiserhöhungen abzufedern und dies, obwohl Fernbusse im öffentlichen Fernverkehr angesichts des nur sehr kleinen Bahnnetzes eine herausragende Rolle spielen. Hinzu kommt, dass die chilenischen Buskunden sehr preissensitiv sind und der Wettbewerb zwischen den verschiedenen Gesellschaften hoch ist. Jetzt müssen wir abwarten, wie sich das auf die gesamte Branche auswirkt.
Welche Tipps würden Sie einem deutschen Unternehmer geben, der sich für Chile interessiert?
In Chile existiert ein breites Netzwerk an deutschen Institutionen und Initiativen, von der AHK, der Deutschen Botschaft, GTAI bis hin zu verschiedenen Ländervertretungen oder der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Nutzen Sie alle Hilfestellungen vor Ort – die richtigen Kontakte sind alles in Chile.
GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.