Wirtschaftsstandort | Republik Moldau

Moldau wirbt um Investoren

Moldau gilt als Wirtschaftsstandort mit hohen Geschäftsrisiken. Trotzdem versucht das Land, etwa durch Steuerprivilegien im IT-Sektor, Investoren zu gewinnen. 

Dominik Vorhölter

Von Dominik Vorhölter | Chisinau

Die Republik Moldau ist mit einer Fläche von 33.843 Quadratkilometern etwa so groß wie Belgien. Sie hat weniger als 3 Millionen Einwohner und zählt neben der Ukraine zu den ärmsten Ländern Europas. Das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf beträgt mit umgerechnet 5.428 Euro etwas mehr als ein Drittel des Wertes von Rumänien und weniger als ein Fünftel des EU-Durchschnitts.
 

  • KMU bilden in der Republik Moldau das Rückgrat der Wirtschaft. Die Zukunft liegt dabei in der Entwicklung der digitalen Wirtschaft. 

    Die Wirtschaftsleistung verlagert sich langfristig von der Landwirtschaft und vom verarbeitenden Gewerbe auf den Dienstleistungssektor. Rund 95 Prozent der in Moldau tätigen Firmen sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Sie bilden damit das Rückgrat der moldawischen Wirtschaft

    Ihnen fehlt aber oftmals das Geld für neue Maschinen und Ausrüstungen. Hier versucht die moldawische Regierung mit Förderprogrammen gegenzusteuern. Aber auch ausländische Investoren halten sich mit Investitionen zurück, denn der russische Angriffskrieg auf das Nachbarland Ukraine hat die Risiken dafür massiv verschärft.

    Besonders stark wächst dagegen das Angebot der IT-, Versicherungs-, Rechtsberatungs- und Logistikdienstleistungen. Im IT-Bereich versucht die Regierung kurzfristig neue Investoren anzulocken. Denn dies ist die einzige Branche, die für ausländische Unternehmen angesichts des hohen Sicherheitsrisikos im Land attraktiv ist, weil IT-Unternehmer sich nicht im Land aufhalten müssen. 

    Einen nicht unerheblichen Beitrag zum Wirtschaftswachstum leistet außerdem der informelle Sektor. In der Landwirtschaft, im Bausektor und im Handel liegt der Anteil der illegal Beschäftigen insgesamt bei 22 Prozent, berichtet die EU-Kommission im Country Report vom Dezember 2023. 

    2,5 Mio.

    Personen lebten 2023 in der Republik Moldau.

    Quelle: Nationales Statistikbüro der Republik Moldau 2024

    13,8 Mrd.

    Euro betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2022.

    Quelle: Eurostat, Februar 2024

    5.428

    Euro machte das BIP pro Kopf damit 2022 aus.

    Quelle: Eurostat, Februar 2024

    0,6 %

    betrug die Analphabetenquote im Jahr 2015.

    Quelle: Weltbank 2022

    Rang 83

    belegte die Republik Moldau 2022 unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis, November 2023

    Rang 76

    nimmt die Republik Moldau im Corruption Perceptions Index 2023 ein (unter 180 Ländern).

    Quelle: Transparency International, Februar 2024

    Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

    Moldau bietet sich als alternativer Beschaffungsmarkt an

    Die Republik Moldau bietet sich als alternativer Beschaffungsmarkt für deutsche Unternehmen an, insbesondere für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Produkte der Elektronindustrie. Dies ist besonders interessant für Unternehmen, die bereits in der Region Südosteuropa aktiv sind und ihre Versorgung mit einzelnen Komponenten diversifizieren möchten. So bieten moldawische Hersteller von Komponenten für die Automobilindustrie etwa an, einzelne Produktionsschritte für Unternehmen aus Rumänien zu übernehmen. Deutsche Unternehmen halten sich aktuell mit Investitionen in Moldau zurück. Eine Möglichkeit für Sie sich gegen politische Risiken wie Kriegshandlungen abzusichern, bietet jedoch eine Investitionsgarantie des Bundes

    Krieg bleibt größtes Geschäftsrisiko 

    Der russische Angriffskrieg auf das Nachbarland Ukraine gefährdet die Sicherheit in Moldau. Der Krieg ist neben der Korruption das größte Geschäftsrisiko. Am meisten verwundbar ist Moldau durch Russland auf dem Landstrich Transnistrien, der östlich des Flusses Nistru/Dnjestr liegt. 

    Über Transnistrien hat die Zentralregierung in Chisinau seit 1990 de facto keine Kontrolle mehr. Dort sind etwa 1.500 russische Soldaten stationiert und etwa ein Viertel der dort lebenden Bevölkerung sind ethnische Russen. Politische Beobachter befürchten, dass Russland Moldau von Transnistrien aus angreifen könnte. Es besteht außerdem das Risiko, dass dort die Versorgung mit Erdgas stoppen könnte. Denn der Landstrich wird noch mit russischem Gas über Pipelines, die durch ukrainisches Kriegsgebiet verlaufen, versorgt.

    SWOT-Analyse Republik Moldau

    S

    Stärken Strengths

    • EU-Freihandelsabkommen und vereinfachtes Zollverfahren mit EU-Märkten
    • Niedrige Betriebs- und Lohnkosten
    • Niedrige Körperschaftssteuer (12%; in Freizonen 6%; in Freihäfen 3%)
    • Zugang zum Schwarzen Meer
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Stark ausgeprägter informeller Sektor 
    • Große Abhängigkeit von Energieimporten 
    • Schwach entwickelter Kapitalmarkt
    • Hohe Abwanderung von Fachkräften und wenig Geburten

     

    O

    Chancen Opportunities

    • International geförderte Projekte
    • Potenzieller Standort für Lohnfertigung
    • Reformen und EU-Annäherung
    • IT-Park mit pauschalem Steuersatz von 7 Prozent
    T

    Risiken Threats

    • Transnistrien gefährdet politische Stabilität
    • Sozialer Zusammenhalt brüchig durch pro-russische Gruppierungen
    • Klimawandel ist spürbar
    • Korruption im Land bleibt hoch, trotz politischer Reformen dagegen

    IT-Branche zieht aktuell Investitionen an

    Das Dienstleistungsgewerbe wächst seit den vergangenen fünf Jahren stetig, besonders im Bereich IT, Telekommunikation, Software und Logistik. Dabei wachsen die ausländischen Investitionen im Bereich Versicherungen sowie im IT-Sektor. Dies gelingt, weil Unternehmer der Branche sich nicht dauerhaft im Land aufhalten müssen. Der Gesetzgeber erlaubt es, ein IT-Unternehmen mit steuerlicher Ansässigkeit in der Republik Moldau über die Botschaften im EU-Ausland zu gründen.

    Unternehmen fehlt Geld für neue Maschinen

    Obwohl der Dienstleistungssektor wächst, behält die Landwirtschaft ihre zentrale wirtschaftliche Bedeutung. Denn sie beschäftigt rund 21 Prozent aller Erwerbstägigen im Land. Dies könnte sich langfristig ändern, wenn die landwirtschaftlichen Betriebe mehr Geld in Agrartechnik investieren, um ihre Produktion zu steigern. Dazu treibt sie langfristig der Klimawandel, denn es häufen sich die Dürreperioden. Mit moderner Agrartechnik lassen sich Ernteausfälle zum Teil abmildern und auch Personalkosten reduzieren.

    Unternehmen suchen neue Partner in der EU

    Der Beitrag des verarbeitenden Gewerbes zum BIP wird kurzfristig rückläufig bleiben. Einige Unternehmen müssen durch den Krieg auf neue Beschaffungs- und Absatzmärkte ausweichen. Viele haben aber bereits weniger Aufträge und somit knappe Kassen. Trotzdem müssen sie neue Geschäftspartner in der EU finden und dafür gegebenenfalls ihre Produktionsstandards an die Regelungen der EU anpassen.

    Dies ist zum Teil mit zusätzlichen Kosten verbunden. Das verarbeitende Gewerbe produziert hauptsächlich Lebensmittel und Vorprodukte für die Automobilindustrie, die Textilbranche sowie für die Kosmetik- und Pharmaindustrie. Zu den größten deutschen Investoren gehören Kaufland, Südzucker, Dräxlmaier und Steinel Electronic.

    Bedeutung der Wirtschaftszweige in der Republik Moldau2022, Anteil in Prozent

    Sektoren

    Anteil am Bruttoinlandsprodukt

    Anteil an den Beschäftigten *)

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    10,1

    20,8

    Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

    0,3

    0,1

    Verarbeitendes Gewerbe

    17,8

    12,4

    Energieversorgung (inklusive Wasserversorgung, falls dies in der Statistik zusammen mit Energie aufgeführt ist)

    3,3

    1,4

    Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen (falls nicht mit Energieversorgung aufgeführt)

    0,6

    1

    Baugewerbe

    11,5

    7,7

    Dienstleistungen

    56,4

    56,3

    * 862.300 Erwerbstätige landesweit.Quelle: Nationales Statistikbüro der Republik Moldau, Februar 2024

    Chisinau entwickelt sich zum Zentrum der digitalen Wirtschaft

    Wichtige Wirtschaftszentren sind neben der Hauptstadt Chisinau die Städte Balti im Norden und Ungheni im Zentrum, Calhul im Süden sowie die Sondergebiete Gagausien und Transnistrien. Letztere beiden haben jeweils einen autonomen Status, das heißt sie verfügen über eine eigene Regierung und Verwaltung. In Transnistrien befindet sich das Stahlwerk Moldova Steel Works sowie das Kraftwerk Cuicurgan. Chisinau entwickelt sich zunehmend zu einem Dienstleistungszentrum der digitalen Wirtschaft. In den übrigen Landesteilen sind die Landwirtschaft und die Industrieunternehmen die größten Arbeitgeber. 

    Eckdaten der wichtigsten Regionen in der Republik Moldau (2021)

    Gebiet

    Anteil am BIP (in %)

    BIP pro Kopf (in Euro) *)

    Bevölkerung (in Mio.)

    Chisinau

    60,4

    10.417

    0,6

    Nord

    15,3

    2.472

    0,7

    Zentrum

    15

    2.371

    0,7

    Süd

    7

    2.242

    0,4

    Gagausien

    2,3

    2.198

    0,1

    * 1 Euro = 20,9255 MDL.Quelle: Nationales Statistikbüro, Januar 2024.

    Dominik Vorhölter

    Von Dominik Vorhölter | Chisinau

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  • Die Regierung bietet Steuerprivilegien für die digitale Wirtschaft. Die EU fordert dagegen die Abschaffung von Steuer,- und Zollprivilegien in den freien Wirtschaftszonen. 

    Noch bietet die Republik Moldau ausländischen Unternehmen, die eine Produktionsstätte in einer der sieben freien Wirtschaftszonen des Landes betreiben, großzügige steuerliche Vergünstigungen und Privilegien bei der Zollabwicklung. Damit soll aber mittelfristig Schluss sein, fordert die EU. Die zollfreie Wareneinfuhr für die Veredelung sowie das präferenzielle Zollverfahren, das die Wirtschaftszonen anbieten, harmoniert nicht mit den EU-Richtlinien. 

    Denn seit Januar 2024 gilt ein mit den EU-Regeln konformer Zollkodex. Mit dem neuen Zollkodex gelten die bestehenden Privilegien für bereits angesiedelte Residenten nur noch für maximal zehn Jahre. Für Investoren, die sich in den freien Wirtschaftszonen neu ansiedeln möchten, werden sie seit Januar 2024 nicht mehr gewährt. 

    Derzeit arbeitet die moldawische Regierung an einem Konzept, um die geltenden Privilegien für die Unternehmen in den freien Wirtschaftszonen in Übereinstimmung mit den EU-Regeln zu erhalten. Im Gespräch sind dabei Steuerrabatte für Unternehmen aus ausgewählten Branchen. Dazu werde die Elektroindustrie zählen, heißt es aus Regierungskreisen.

    Deutsche Unternehmen investieren in freien Wirtschaftszonen

    Die meisten ausländischen Direktinvestitionen entfallen aktuell auf Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe und der IT-Industrie. 

    Die Republik Moldau konnte dabei auch deutsche Firmen gewinnen, die weniger kapitalintensive Investitionen tätigen. Ein Beispiel ist die Produktionsstätte des Herstellers für elektrische Bauelemente Magnetec in der Wirtschaftszone Balti. 

    Ebenfalls kündigte das deutsche Unternehmen Erich-Jaeger an, sich in der Wirtschaftszone Valkanes niederzulassen. Das Unternehmen liefert eigenen Angaben zufolge an Hersteller von elektrischen Verbindungen und Kabelsätzen für die Automobilindustrie. Diese Wirtschaftszone befindet sich in der Stadt Valkanesti in der autonomen Region Gagausien.

     

    Investitionsförderung: Moldau lockt digitale Wirtschaft mit niedrigen Steuern

    Die Republik Moldau kann im IT-Sektor erfolgreich Investoren gewinnen. Seit 2018 bietet der Moldova IT-Park ein wettbewerbsorientiertes Geschäftsumfeld für IT-Dienstleister aus der Kreativindustrie, Webdesigner sowie für Anbieter von IT-Dienstleistungen und Software an. Die Regierung lockt Unternehmen mit einem pauschalen Steuersatz von 7 Prozent auf den Umsatz. Die die dort ansässigen Unternehmen sind dafür von der Einkommensteuer, der Lohnsteuer und Sozialversicherungsabgaben befreit, heißt es im Gesetz zu den IT-Parks

    Um mehr Unternehmen anzulocken, plant die Regierung eine Erweiterung der Branchen. Künftig sollen auch Unternehmen mit Dienstleistungen im Bereich Business-Process-Outsourcing, wie Call-Center oder Personaldienstleistungen, von dem pauschalen Steuersatz von 7 Prozent profitieren können. 

    Zusätzlich bietet die Republik Moldau ein sogenanntes IT-Visum an, um ausländische Fachkräfte der IT-Branche einfacher ins Land zu locken. Mit dem IT-Visum verspricht die Regierung eine bevorzuge Registrierung von Mitarbeitern sowie von Unternehmen. Seit 2023 bieten diesen Service auch die ausländischen Vertretungen der Republik Moldau im EU-Ausland an. 

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Dominik Vorhölter

    Von Dominik Vorhölter | Chisinau

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  •  

    BezeichnungAnmerkung
    AHK Rumänien Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
    Moldovas Deutschprachiger Wirtschaftsverband Lokaler Verband deutscher Unternehmen
    Moldova IT-Park 
    Invest Moldova AgencyInvestitionsförderagentur der Republik Moldau 
    Organizatia pentru Dezvoltarea Antreprenoriatului, ODAOrganisation zur Föderung des Unternehmertums in der Republik Moldau