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EU finanziert Krankenhaus über Global Gateway in der Mongolei
Der Bau eines modernen Krankenhauses in Darchan ist ein Flagship-Projekt der EU-Initiative Global Gateway. Bei einem weiteren Vorhaben kooperiert die Mongolei mit Deutschland.
29.08.2025
Von Viktor Ebel | Ulan Bator
Mit der wirtschaftlichen Aufholjagd in der Mongolei steigen auch die Ansprüche an die soziale und medizinische Infrastruktur. Die Ziele für das laufende Jahrzehnt sind eine Ausdehnung der Primärversorgung, verbesserte Behandlungsmöglichkeiten für Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen sowie Fortschritte bei der Mutter-Kind-Fürsorge, heißt es im Regierungspapier "Vision 2050". Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) greift dem Land hierbei unter die Arme und stellt Kredite für zwei Krankenhausprojekte bereit. Eines davon ist ein Flagship-Projekt der Initiative Global Gateway, mit der die EU weltweit strategische Investitionen tätigt.
Krankenhaus in Darchan ist ein Leuchtturmprojekt der Global-Gateway-Initiative
Im Jahr 2024 genehmigte die EBRD ein Darlehen in Höhe von 43 Millionen US-Dollar (US$), um in Darchan, der bevölkerungsmäßig drittgrößten mongolischen Stadt, ein modernes Krankenhaus mit 250 Betten zu errichten. Die gleichnamige Provinz ist eine der am dichtesten besiedelten Regionen des Landes, besitzt bislang aber nur ein größeres Krankenhaus. Die Einrichtung stammt aus den 1970er Jahren, der beispielsweise MRT- und Angiografiegeräte fehlen.
Federführend bei dem Projekt sind das Gesundheitsministerium und die Provinzverwaltung von Darchan-Uul. Im Rahmen der für das 4. Quartal 2025 vorgesehenen Ausschreibung wird ein Unternehmen bestimmt, das das Krankenhaus planen und bauen soll. Der Fokus wird neben modernen medizinischen Geräten auf Energieeffizienz liegen, wie dem Projektentwurf der EBRD zu entnehmen ist. Das Vorhaben gilt als Modellversuch, der künftig auf andere Regionen übertragen werden könnte.
EBRD unterstützt Ausbau eines kardiovaskulären Zentrums
Einen weiteren Kredit in Höhe von 35 Millionen US$ genehmigte die EBRD 2025 für das Nationale Kardiovaskuläre Zentrum (NCC) in Ulan Bator, wo eine medizinische Einrichtung mit 120 Betten geplant ist. Das Gesundheitsministerium betreut das Vorhaben gemeinsam mit dem NCC und dem Dritten Zentralkrankenhaus der Hauptstadt, in dessen Nähe die neue Klinik entstehen soll.
Neben einer verbesserten Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Kapazitäten für Lehre und Telemedizin geplant. Ländlichen Regionen soll durch die Schulung von medizinischem Personal und durch den Einsatz digitaler Technik zumindest eine Grundlagenversorgung ermöglicht werden. Auch bei diesem Vorhaben gelten hohe Anforderungen an die Energie- und Wassereffizienz. Mit einer Ausschreibung ist im 2. Halbjahr 2026 zu rechnen.
Mutter-Kind-Gesundheit hat sich wesentlich verbessert
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bescheinigt der Mongolei große Verbesserungen bei der Mutter-Kind-Fürsorge. Um die Gesundheitsversorgung der Kleinsten noch weiter zu verbessern, hat die Regierung im Jahr 2025 die Initiative Gesunde Neugeborene gestartet. In deren Rahmen sollen bestehende Behandlungen wie Neugeborenenscreening und Frühgeburtenprävention ausgeweitet und neue Methoden eingeführt werden, darunter:
- Behandlung von Lungenhochdruck,
- offene Herzoperationen bei Neugeborenen,
- Gehirnkühlungstherapie.
Mongolische Ärzte werden hierfür im Ausland ausgebildet und es besteht ein Interesse an langfristigen Fortbildungsprogrammen, wie die WHO die Gesundheitsministerin des Landes zitiert.
Gesundheitssystem befindet sich im Wandel
betrug der durchschnittliche Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP im Zeitraum 2016 bis 2020.
Die aktuellen Zahlen des mongolischen Gesundheitsministeriums betreffen das Jahr 2022 und fallen somit in die Hochphase der Coronapandemie. Repräsentativer sind die Daten aus den Jahren 2016 bis 2020. Auf staatliche Kliniken entfiel in diesem Zeitraum mit durchschnittlich 43 Prozent der größte Anteil an den Gesundheitsausgaben, gefolgt von privaten medizinischen Dienstleistern und Händlern mit 35 Prozent. Das mongolische Gesundheitsministerium schätzt, dass sich dieses Verhältnis aufgrund des Vormarsches des Privatsektors im Gesundheitswesen in Zukunft drehen wird. Die Investitionsstruktur lässt sich nur für staatliche Einrichtungen nachvollziehen, die zwischen 2016 und 2022 umgerechnet etwa 280 Millionen US$ investierten.
Die durchschnittlichen Gesundheitsausgaben pro Kopf sind zwischen 2016 und 2020 im Schnitt um 10 Prozent jährlich auf rund 200 US$ gestiegen, bevor sie sich coronabedingt auf über 400 US$ im Jahr 2022 verdoppelten. Mittlerweile dürfte sich der Wert dazwischen eingependelt haben. Kostenbeteiligungen der privaten Haushalte – direkte (Selbstbehalte) und indirekte (private Zahlungen) – gelten im mongolischen Gesundheitssektor mit einem Anteil von durchschnittlich rund 40 Prozent als hoch. Für einen tiefgreifenden Wandel in der Finanzierungsstruktur des Gesundheitswesens sorgte die Einführung des Single-Purchaser-Systems im Jahr 2021, durch die der Staat seine Mittel im Krankenversicherungsfonds bündelt.
Seit dem 1. Januar 2021 gilt ein Single-Purchaser-System
Durch die Bündelung im Versicherungsfonds wurden bisher getrennte Finanzierungswege vereint. Der zentrale Einkäufer entscheidet, welche Leistungen finanziert werden, bei welchen Anbietern und zu welchen Bedingungen. Ziel ist eine effizientere, gerechtere und strategisch gesteuerte Gesundheitsversorgung.
Krankenhäuser erhalten mehr Autonomie und werden nach Leistung bewertet. Ihre Finanzierung erfolgt über den Versicherungsfonds sowie Einnahmen aus erlaubten kostenpflichtigen Leistungen. Sie können ihr Budget selbst verwalten und sollen dabei Qualität und Effizienz priorisieren.
Mongolische Medizinerdelegation zu Gast in Deutschland
Um die medizinische Versorgung der Bevölkerung Ulan Bators zu verbessern, ist zudem ein neues Allgemeinkrankenhaus im Stadtbezirk Khan-Uul geplant. Es soll spätestens im Oktober 2026 seine Pforten öffnen. Im Zuge der Vorbereitung darauf war eine mongolische Medizinerdelegation im April 2025 für eine mehrtätige Informationsreise im Bundesland Brandenburg zu Gast. Dabei fand unter anderem im Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann (EvB) ein Austausch zum Einsatz von Medizintechnik, modernen Operationstechniken und Managementprozessen im Gesundheitswesen statt.
Solche Formate eignen sich gut, um Entscheidungsträger aus dem Ausland mit Ausrüstung und Beratungsdienstleistungen aus Deutschland vertraut zu machen. "Wir nehmen sehr viel praktisches Wissen mit aus dem offenen Wissensaustausch", zitiert die EvB Gruppe die künftige Direktorin des Khan-Uul-Krankenhauses. Das Hospital wird von der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) mitfinanziert. Die zweite Tranche dieses ADB-Projekts, das auch andere Kliniken und Gesundheitszentren im Land umfasst, wird zwischen 2024 und 2029 implementiert und sieht einen Kredit in Höhe von etwa 83 Millionen US$ vor.