Wirtschaftsausblick | Österreich
Österreichs Wirtschaft bleibt auf moderatem Wachstumskurs
Die Aussichten für die österreichische Wirtschaft fallen für 2026 und 2027 leicht positiv aus. Kostensteigerungen und eine schwache Nachfrage trüben die Wachstumsprognose.
17.07.2026
Top-Thema: Energiepreisschock erhöht den Diversifizierungsdruck
Auch in Österreich prägt die Energieversorgung die wirtschaftliche Entwicklung. Erneuerbare Energien deckten 2024 rund 38 Prozent des Primärenergieangebots. In der Stromversorgung dominiert die Wasserkraft. Gebäude und Industrie heizen dagegen weiterhin überwiegend mit Erdgas.
Die Spannungen im Nahen Osten führen seit Februar 2026 zu einem neuen Energiepreisschock, der die ohnehin fragile Erholung der österreichischen Wirtschaft dämpft. Damit wächst der Druck, die Energieversorgung schneller zu diversifizieren.
Initiativen finden unter anderem im Wasserstoffbereich statt. Durch den Ausbau der Infrastruktur kann Österreich zu einer Wasserstoff-Drehscheibe heranreifen. Sowohl der Transport als auch die Speicherung stehen im Blickpunkt. Die Wasserstoffstrategie für 2030 sieht Elektrolysekapazitäten von 1 Gigawatt sowie internationale Partnerschaften vor.
Wirtschaftsentwicklung: Leichter Aufwind unter schwierigen Umständen
Laut Frühjahrsprognose der EU-Kommission soll das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) Österreichs 2026 wie im Vorjahr um 0,6 Prozent zunehmen. Das Land hat die Rezessionsjahre 2023 und 2024 überwunden. Der Konsum und die Investitionen legen allmählich zu. Der Außenhandel wächst. Eine starke Belebung der inländischen Wirtschaft lässt jedoch weiter auf sich warten.
Mehrere Faktoren bremsen den Auftrieb der österreichischen Wirtschaft. Die Importabhängigkeit bei Energie hält das Inflationsniveau oben. Zudem schlagen Zweitrundeneffekte, beispielsweise bei Dienstleistungen in Form höherer Preise, zu Buche.
Hohe Lohnkosten belasten die Industrie zusätzlich. Steigende Kosten und schwache Nachfrage schwächen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Die Regierung versucht, das Haushaltsdefizit zu begrenzen. Mit den von der EU-Kommission erwarteten rund 4 Prozent Defizit in den Jahren 2026 und 2027 verfehlt Österreich klar die Maastricht-Haushaltskriterien. Entsprechend nimmt der Druck zu, Ausgaben zu begrenzen. Damit fällt es dem Staat jedoch schwerer, Impulse für eine wirtschaftliche Belebung zu geben.
Bedingungen für Investitionen verbessern sich wohl erst 2027
Die Investitionsdynamik bleibt 2026 fragil. Ausrüstungs- und Bruttoanlageinvestitionen legen voraussichtlich geringfügig zu, während die Bauinvestitionen leicht rückläufig sind.
Vielen Industriebetrieben fehlt vor dem Hintergrund der aktuellen Auftragslage der Spielraum für Investitionen. Der Einkaufsmanagerindex von UniCredit Bank Austria sah im Juni 2026 die Produktionserwartung mit 50,6 Punkten noch leicht im positiven Bereich. Dieser Wert entsprach jedoch dem niedrigsten Stand seit anderthalb Jahren. Bei der Auftragsentwicklung wurde im Juni 2026 der niedrigste Wert seit Jahresbeginn gemessen. Aus Kostengründen nehmen Unternehmen Stellenkürzungen vor.
Besonders betroffen ist 2026 das Bauwesen. Die Bauinvestitionen sollen 2026 um 0,1 Prozent zurückgehen. Verantwortlich dafür ist vor allem die anhaltende Schwäche bei Wohnimmobilien. Mitte 2026 hellten sich die Aussichten im Tiefbau und den Nebengewerben etwas auf, insgesamt bleiben die Erwartungen aber verhalten. Eine spürbare Erholung wird erst 2027 erwartet.
Kaufzurückhaltung bremst den Privatverbrauch
Die österreichischen Haushalte sorgen sich über anhaltend ungünstige Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Gemäß der Eurostat-Definition wird 2026 mit einer Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent gerechnet. Branchen wie Handel, Freizeit und Tourismus litten Mitte 2026 unter der Kaufzurückhaltung.
Zudem tragen steigende Erdöl- und Gaspreise dazu bei, dass die Inflationsrate kaum sinken kann. Die Inflation bleibt mit 3 Prozent im Jahr 2026 relativ hoch. Eine leichte Entspannung errechnete die EU-Kommission in ihrer Frühjahrsprognose mit 2,5 Prozent für das Jahr 2027.
Außenhandel: Sowohl Importe als auch Exporte im Aufwind
Sowohl die Einfuhren als auch die Ausfuhren sollen im laufenden Jahr zunehmen. Die Europäische Kommission geht für 2026 von einer Zunahme der Importe von Waren und Dienstleistungen nach Österreich um real 1,5 Prozent aus, bei den Exporten um 1,6 Prozent.
Zu dem Anstieg der Importe tragen die Energiepreise bei. Ihr Einfluss auf die Ausfuhren dürfte hingegen begrenzt bleiben. Industrieunternehmen können aufgrund der fragilen Nachfrage Kostensteigerungen oft nicht an ihre Kunden weitergeben.
Deutsche Perspektive: Wachstumsschwäche überwinden durch Innovationen
Unter anderem wegen ähnlicher Branchenschwerpunkte sind Deutschland und Österreich eng verbunden. Aus deutscher Sicht war Österreich 2025 der siebtwichtigste Exportmarkt und das neuntwichtigste Bezugsland.
Der Warenhandel ist besonders ausgeprägt bei Maschinen, chemischen Erzeugnissen sowie Fahrzeugen und Fahrzeugteilen. Der bilaterale Handel mit Dienstleistungen legte in den Jahren 2023 bis 2025 in beide Richtungen ununterbrochen zu.
Beide Staaten eint eine hohe Forschungs- und Entwicklungsquote gemessen an der Wirtschaftsleistung. Die jüngsten verfügbaren Zahlen von 2024 lauten 3,2 Prozent für Deutschland und 3,4 Prozent für Österreich. Damit verzeichneten beide Länder zeitgleich Rekordwerte.
Weitere Informationen zum Investitionsstandort Österreich finden Sie im Wirtschaftsstandort Österreich.
Ausführliche Informationen zu Österreich finden Sie auf der GTAI-Länderseite Österreich.