Den Zufluss von Direktinvestitionen nach Österreich bezeichnen Experten als robust. Besonders als Hauptsitz für die Region Osteuropa liegt die Alpenrepublik im Trend.
Österreich punktet bei ausländischen Unternehmen unter anderem mit einem stabilen Umfeld sowie mit Anreizen für Forschung und Entwicklung. Dank seiner Lage und der guten Infrastruktur ist das Land für viele Unternehmen eine attraktive Brücke nach Ost- und Südosteuropa. In die Kritik geraten hin und wieder starre Verwaltungsprozesse, ein rigides Arbeitsrecht und ein gewisser Rückstand bei der Digitalisierung.
Für Start-ups ist insbesondere die neue Rechtsform FlexCo interessant. Damit bietet Österreich Jungunternehmern seit dem 1. Januar 2024 die Möglichkeit, eine flexible und international wettbewerbsfähige Kapitalgesellschaft zu gründen. Mit der Senkung der Körperschaftsteuer auf 23 Prozent wird der Standort für Unternehmen attraktiver, denen mehr Spielraum für Investitionen und Innovation bleibt.
Pro Jahr werden in Österreich rund 360 Start-ups gegründet, davon etwa die Hälfte in Wien, gefolgt von der Steiermark (Graz), Oberösterreich, Niederösterreich und Tirol, wobei besonders die beiden letztgenannten an Beliebtheit gewinnen.
Direktinvestitionen legen stabil zu
Der Zufluss und der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Österreich nimmt stetig zu. Der größte Teil des Bestandes entfiel 2022 auf Headquarter-Dienstleistungen, das heißt die regionale Koordination für den Mutterkonzern, vor Finanzen/Versicherungen und Handel.
Die wichtigsten Zweige für FDI in der verarbeitenden Industrie waren 2022 laut Österreichischer Nationalbank:
- chemische Industrie (Bestand: 5,4 Milliarden Euro)
- Maschinenbau (3,3 Milliarden Euro)
- Elektroindustrie (2,8 Milliarden Euro)
- Metallindustrie (2,3 Milliarden Euro)
- Nahrungsmittel- (1,8 Milliarden Euro) und
- Kfz-Industrie (1,2 Milliarden Euro)
Beim Zufluss stachen 2022 besonders die Bereiche Headquarters, Immobilien und der Finanzsektor positiv hervor, gefolgt von der Chemieindustrie, dem Maschinenbau, der Landwirtschaft sowie Information/Telekommunikation und Kfz.
Im Laufe des Jahres 2023 beriet die österreichische Standortagentur ABA nach eigenen Angaben insgesamt 1.354 interessierte Investoren, von denen sich 496 zu einer Betriebsansiedlung oder -erweiterung entschlossen. Deutschland hat den mit Abstand größten Anteil am Bestand der FDI in Österreich, gefolgt von Russland, der Schweiz, den USA, Italien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die höchsten Zuflüsse kamen 2022 aus Luxemburg, Deutschland und Russland.
Größere deutsche Präsenz
Auch künftig dürfte das Engagement deutscher Unternehmen in Österreich steigen. So kamen 2023 rund 20 Prozent der neuen internationalen Investoren, die ABA beriet und ansiedelte, aus Deutschland. Von 292 beratenen deutschen Firmen nahmen 2023 laut ABA 95 eine Direktinvestition vor. Im Mittelpunkt standen dabei die Bereiche wirtschaftsnahe Dienstleistungen, Energie- und Umwelttechnologie sowie IKT.
Zahlreiche deutsche Unternehmen haben Österreich als Standort für Kompetenzzentren bestimmter Unternehmensbereiche sowie für Forschung und Entwicklung ausgewählt. Henkel beliefert von Wien aus 30 Länder in Osteuropa. Boehringer Ingelheim unterhält in der österreichischen Hauptstadt sein globales Haupt-Krebsforschungszentrum und einen der weltweit größten biopharmazeutischen Produktionsstandorte. Siemens bündelt in Österreich unter anderem seine Bahntechnikaktivitäten und schloss 2023 einen Rahmenvertrag über 400 Millionen Euro mit den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) zur Modernisierung der Bahninfrastruktur.
Zu den jüngsten deutschen Investitionen zählt der Aufbau eines Wasserstoffkompetenzzentrums von Bosch in Linz für innovative Lösungen entlang der weltweiten Wertschöpfungskette von grünem Wasserstoff und die Produktion von Wasserstoff-Einblasventilen und Elektrolyse-Stacks.
Auch Start-ups entdecken Österreich für sich. So siedelte sich das deutsche Life Science-Unternehmen Dezimal in Wien an. Dezimal hat ein optisches System entwickelt, bei dem Menschen, die unter Alterssichtigkeit leiden, bereits vor der Operation testen können, wie sie mit der künstlichen Linse sehen werden.
Das Health Care-Unternehmen Fresenius Kabi hat in den vergangenen drei Jahren mehr als 60 Millionen Euro in den Standort in Graz investiert und wird weitere 28 Millionen Euro in die strategische Erweiterung des Standorts bis 2026 investieren.
Auswahl großer deutscher Investoren mit Produktion in Österreich (Stand: März 2024)Unternehmen/Ort | Branche/Aktivität | Investitionssumme |
|---|
| BMW/Steyr | Motorenproduktion und -entwicklung, ab 2025 Produktion von E-Motoren, 4.500 Mitarbeitende | 1 Mrd. Euro (bis 2030) |
| Infineon/Villach | Vollautomatisierte Halbleiterfertigung, 300mm-Wafer insb. für die Kfz-Industrie, erneuerbare Energien und Rechenzentren, F&E | 1,6 Mrd. Euro (2018-2021) |
| Bosch/u.a. Linz | Produktion von Einspritzsystemen für Großmotoren, Automatisierungstechnik, Heiz- und Heißwasserkessel für industrielle und kommunale Anwendungen, Kompetenzzentren Mobilitätslösungen und Wasserstoff, 12 Standorte, 3.100 Mitarbeitende | 15 Mio. Euro (2022) |
| Henkel/Wien | Produktion von Reinigungsmitteln/Osteuropazentrale für Reinigungsmittel, Kosmetik, Klebstoffe | rund 1 Mrd. Euro (2012-22) |
| Siemens/u.a. Wien | Engineering und Produktion Schienenfahrzeuge/Fahrwerke, Industriestromversorgung, 6 Werke, 9.300 Mitarbeitende | k.A. |
Quelle: Pressemeldungen; Unternehmenswebsites
Investitionsförderung: Forschung & Entwicklung, Umwelt und Produktion
Zuschussförderungen sind hauptsächlich für Innovations-, Forschungs-, Wachstums- und Kooperationsprojekte, Investitionen in umweltrelevante Maßnahmen sowie die Einstellung und Qualifizierung von Arbeitskräften verfügbar. Für Aufwendungen für Forschung und experimentelle Entwicklung gibt es zum Beispiel eine Forschungsprämie in Höhe von 14 Prozent der Forschungsaufwendungen, sowohl für die eigenbetriebliche Forschung als auch für in Auftrag gegebene Forschung, wobei nur letztere in der Höhe begrenzt ist (1 Million Euro pro Wirtschaftsjahr).
Geförderte Kredite stehen zum Beispiel für Modernisierungs- und Erweiterungsinvestitionen, Innovationsprojekte, F&E-Projekte und Internationalisierungsmaßnahmen durch Bundes- und Landesförderstellen zur Verfügung. Zusätzlich zu Abschreibungen kann ein Investitionsfreibetrag (IFB) in Höhe von 10 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten für Wirtschaftsgüter des abnutzbaren Anlagevermögens als Betriebsausgabe geltend gemacht werden. Bei Wirtschaftsgütern, die der Ökologisierung zuzuordnen sind, beträgt der IFB 15 Prozent. Unternehmer können einen Gewinnfreibetrag in Höhe von maximal 15 Prozent des Gewinnes als Gewinnfreibetrag steuermindernd gelten machen.
Eine Übersicht über die Fördermittel finden Sie auf dem Transparenzportal des österreichischen Finanzministeriums und im Förderpilot. Die EU-Förderung Österreichs finden sie hier.
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.