Wirtschaftsumfeld | Österreich | Wirtschaftsstruktur

Wirtschaftsstruktur Österreichs ähnelt der Deutschlands

Die deutsche und österreichische Wirtschaft sind eng vernetzte, sich ergänzende Wirtschaftsräume und Industriestandorte. Deutsche Firmen nutzen die Vorzüge der Alpenrepublik. 

Oliver Döhne

Von Oliver Döhne | Bonn

Wie in Deutschland so ist auch in Österreich die verarbeitende Industrie ein bedeutender Wirtschaftsmotor. Der Industrialisierungsgrad in beiden Ländern ist ähnlich hoch. Das Herz der österreichischen Industrie bilden über 1.200 Unternehmen aus den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Stahlbau, Metallwaren und Gießerei.

Die metalltechnische Industrie ist auch in Österreich mittelständisch strukturiert, besteht zu mehr als 85 Prozent aus Familienbetrieben und ist für ein Viertel aller Exporte verantwortlich. In vielen Fällen handelt es sich um Hidden Champions.

Hohe Industriekompetenz

Österreich besitzt hohe Kompetenz in vielen Bereichen, darunter Verkehr (Bahn, Kfz, Luft- und Raumfahrt), Gesundheitswirtschaft, Lebensmittelherstellung, Filmproduktion sowie Informations- und Telekommunikationstechnologie. In der Landwirtschaft liegt der Anteil von Biobetrieben deutlich über dem EU-Durchschnitt. Aufgrund seiner attraktiven Landschaft spielt in Österreich auch der Tourismus eine große Rolle. Einschließlich tourismusnaher Branchen macht er etwa 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) des Landes aus.

 

9,1 Mio.

Personen lebten 2026 im Land.

Quelle: United Nations 2026

513,5 Mrd.

Euro betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025.

Quelle: IWF 2026

55.928

Euro machte das BIP pro Kopf damit 2025 aus.

Quelle: IWF 2026

Rang 7

belegte das Land 2025 unter den deutschen Exportzielen.

Quelle: Destatis 2026

Rang 21

nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2025 ein (unter 182 Ländern).

Quelle: Transparency International 2026

0,9 %

betrug die Quote der Analphabeten im Jahr 2013.

Quelle: Unesco 2024

Weitere Indikatoren zur österreichischen Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt

Deutsche Firmen schätzen den Standort

Österreich ist ein beliebter Standort zahlreicher deutscher Unternehmen, darunter als regionales Headquarter für den ost-, mittel- und südosteuropäischen Raum. Von den 412 im Land ansässigen regionalen Hauptsitzen hatten 2022 insgesamt 133 einen deutschen Mutterkonzern, so die österreichische Standortförderagentur ABA.

Rund ein Drittel der deutschen regionalen Headquarter entfallen auf den Bereich Handel, 23 Prozent auf die verarbeitende Industrie. Besonders in der Gesundheitswirtschaft/Biotechnologie setzen deutsche Firmen auf das innovationsfreundliche Umfeld in Österreich. Im Einzelhandel sind Rewe, Aldi und Lidl sehr präsent, und nehmen hinter der lokalen Spar-Gruppe größere Marktanteile ein.

Neben der guten Infrastruktur ist die Verfügbarkeit von Fachkräften in den Bereichen Maschinenbau und Metallverarbeitung ein weiterer Standortvorteil Österreichs. Bedingt wird dies nicht zuletzt durch zugezogene Arbeitskräfte aus den östlichen Nachbarländern.

Deutsche Unternehmen nutzen Österreich auch gerne als Testmarkt. So testete der Henkel-Konzern kürzlich erfolgreich, wie eine andersfarbige Waschmittelverpackung aus Recyclingmaterial vom Markt aufgenommen wird.

SWOT-Analyse Österreich

S

Stärken Strengths

  • Breit aufgestellte Industrie 
  • Kulturelle Nähe/enge Verbundenheit zu Deutschland
  • Gesellschaftliche und makroökonomische Stabilität
  • Brückenfunktion nach Osteuropa
  • Gute Infrastruktur
W

Schwächen Weaknesses

  • Kleiner Inlandsmarkt/Exportabhängigkeit
  • Importabhängigkeit bei Rohstoffen und Energie
  • Bürokratie/teilweise komplexe Zuständigkeiten
  • Geringer Anteil von Hochschulabsolventen
  • Wirtschaftliche Abhängigkeit von Deutschland
O

Chancen Opportunities

  • EU-Gelder für Nachhaltigkeit und Digitalisierung
  • Förderung von F&E, Mobility, Erneuerbaren Energien und Wasserstoff
  • Gutes Image deutscher Produkte
  • Zuzug qualifizierter Arbeitskräften aus Osteuropa
  • Ausbau strategischer Kompetenzzentren vieler Konzerne
T

Risiken Threats

  • Alternde Gesellschaft
  • Seit Corona wenig Weiterentwicklung in der Digitalisierung
  • Politische Skandale/Intransparenz
  • Soziale Spannungen bei der Integration
  • Schwache Konjunktur im Land und auf Absatzmärkten

Biotechnologie und Unternehmensdienstleistungen im Aufwind

Österreich hat sich als Standort für forschungs- und entwicklungsnahe Branchen etabliert. Das Land besitzt hier eine lange Tradition. So kommen unter anderem Penicillin, Wasserturbinen und Solarthermieanlagen für den Hausgebrauch aus der Alpenrepublik. Der Staat fördert Forschung und Entwicklung mit attraktiven Zuschlägen. In der Folge kommt Österreich bei Patentanträgen und Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Bezug zum BIP in der EU jeweils unter die Top 3. 

Die Industrie ist ein bedeutender Wirtschaftszweig in Österreich. Laut Statistik Austria stand sie 2023 für rund ein Viertel der gesamten Bruttowertschöpfung des Landes. Größtes Segment ist aber der Dienstleistungssektor mit dem wichtigen Tourismus. Auch bei Beratungsdienstleistungen wird Österreich immer beliebter. 

Bedeutung der Wirtschaftszweige in Österreich (Anteile in Prozent)

Sektoren

Anteil an der Bruttowertschöpfung 2023

Anteil an den Beschäftigten 2022

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

1,5

3,5

Verarbeitendes Gewerbe (inklusive Bergbau)

17,7

17,0

Energieversorgung (inklusive Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung)

4,1

1,2

Baugewerbe

7,4

8,3

Dienstleistungen

69,3

70,0

Quelle: Statistik Austria 2024

Cluster nicht nur in Wien

Österreich besitzt in allen Landesteilen industrielle Cluster, oft auch über die Grenzen der Bundesländer hinaus. Das höchste Wirtschaftswachstum erzielte 2023 das Bundesland Burgenland. Dort ist in den vergangenen Jahren unter anderem ein Kunststoff-Cluster entstanden.

Wichtigstes Wirtschaftszentrum bleibt Wien als Sitz vieler Firmenzentralen, von denen unter anderen der Vertrieb für den osteuropäischen Raum koordiniert wird. Auch die Elektroindustrie, inklusive Mikroelektronik, sowie die Chemieindustrie mit Biotech und Kosmetik sind präsent.

In Oberösterreich sind viele Betriebe der Metallindustrie und des Maschinenbaus ansässig, Dort produziert auch das deutsche Automobilunternehmen BMW Motoren. In Niederösterreich ist unter anderem die Lebensmittel-, die chemische sowie die Holz- und Papierindustrie aktiv. Weitere wichtige Bereiche sind Mechatronik und Umwelttechnik.

Wichtige Zweige im Bundesland Salzburg sind neben dem Tourismus die Getränkeproduktion, der Maschinenbau und die Bauwirtschaft. In der Steiermark sind Holz- und Papierindustrie, Maschinenbau und Chemie aktiv, in Vorarlberg die Kfz- und Metallindustrie sowie die Textil- und Bekleidungsindustrie. Tirol punktet mit Tourismus, erneuerbaren Energien, IT, Life Sciences und Mechatronik. Kärnten produziert IT-Ausrüstung/Halbleiter, Holz- und Glaswaren sowie Maschinen. 

Einen Überblick über die Cluster bietet die Wirtschaftskammer Österreich.

Eckdaten der Bundesländer in Österreich (Jahr 2022)

Bundesland

Anteil am BIP (in %)

BIP pro Kopf (in Euro)

Bevölkerung (in 1.000)

Wien

24,8

56.600

1.960

Oberösterreich

17,2

50.700

1.515

Niederösterreich

16,1

41.900

1.711

Steiermark

12,5

44.600

1.260

Tirol

8,8

51.200

768

Salzburg

7,5

58.900

566

Kärnten

5,5

43.600

567

Vorarlberg

5,3

58.300

404

Burgenland

2,3

34.900

300

Quelle: Statistik Austria 2023

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