Wirtschaftsumfeld | Österreich | Wirtschaftsstruktur
Wirtschaftsstruktur Österreichs ähnelt der Deutschlands
Die deutsche und österreichische Wirtschaft sind eng vernetzte, sich ergänzende Wirtschaftsräume und Industriestandorte. Deutsche Firmen nutzen die Vorzüge der Alpenrepublik.
15.04.2024
Wie in Deutschland so ist auch in Österreich die verarbeitende Industrie ein bedeutender Wirtschaftsmotor. Der Industrialisierungsgrad in beiden Ländern ist ähnlich hoch. Das Herz der österreichischen Industrie bilden über 1.200 Unternehmen aus den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Stahlbau, Metallwaren und Gießerei.
Die metalltechnische Industrie ist auch in Österreich mittelständisch strukturiert, besteht zu mehr als 85 Prozent aus Familienbetrieben und ist für ein Viertel aller Exporte verantwortlich. In vielen Fällen handelt es sich um Hidden Champions.
Hohe Industriekompetenz
Österreich besitzt hohe Kompetenz in vielen Bereichen, darunter Verkehr (Bahn, Kfz, Luft- und Raumfahrt), Gesundheitswirtschaft, Lebensmittelherstellung, Filmproduktion sowie Informations- und Telekommunikationstechnologie. In der Landwirtschaft liegt der Anteil von Biobetrieben deutlich über dem EU-Durchschnitt. Aufgrund seiner attraktiven Landschaft spielt in Österreich auch der Tourismus eine große Rolle. Einschließlich tourismusnaher Branchen macht er etwa 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) des Landes aus.
Weitere Indikatoren zur österreichischen Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.
Deutsche Firmen schätzen den Standort
Österreich ist ein beliebter Standort zahlreicher deutscher Unternehmen, darunter als regionales Headquarter für den ost-, mittel- und südosteuropäischen Raum. Von den 412 im Land ansässigen regionalen Hauptsitzen hatten 2022 insgesamt 133 einen deutschen Mutterkonzern, so die österreichische Standortförderagentur ABA.
Rund ein Drittel der deutschen regionalen Headquarter entfallen auf den Bereich Handel, 23 Prozent auf die verarbeitende Industrie. Besonders in der Gesundheitswirtschaft/Biotechnologie setzen deutsche Firmen auf das innovationsfreundliche Umfeld in Österreich. Im Einzelhandel sind Rewe, Aldi und Lidl sehr präsent, und nehmen hinter der lokalen Spar-Gruppe größere Marktanteile ein.
Neben der guten Infrastruktur ist die Verfügbarkeit von Fachkräften in den Bereichen Maschinenbau und Metallverarbeitung ein weiterer Standortvorteil Österreichs. Bedingt wird dies nicht zuletzt durch zugezogene Arbeitskräfte aus den östlichen Nachbarländern.
Deutsche Unternehmen nutzen Österreich auch gerne als Testmarkt. So testete der Henkel-Konzern kürzlich erfolgreich, wie eine andersfarbige Waschmittelverpackung aus Recyclingmaterial vom Markt aufgenommen wird.
Biotechnologie und Unternehmensdienstleistungen im Aufwind
Österreich hat sich als Standort für forschungs- und entwicklungsnahe Branchen etabliert. Das Land besitzt hier eine lange Tradition. So kommen unter anderem Penicillin, Wasserturbinen und Solarthermieanlagen für den Hausgebrauch aus der Alpenrepublik. Der Staat fördert Forschung und Entwicklung mit attraktiven Zuschlägen. In der Folge kommt Österreich bei Patentanträgen und Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Bezug zum BIP in der EU jeweils unter die Top 3.
Die Industrie ist ein bedeutender Wirtschaftszweig in Österreich. Laut Statistik Austria stand sie 2023 für rund ein Viertel der gesamten Bruttowertschöpfung des Landes. Größtes Segment ist aber der Dienstleistungssektor mit dem wichtigen Tourismus. Auch bei Beratungsdienstleistungen wird Österreich immer beliebter.
Sektoren | Anteil an der Bruttowertschöpfung 2023 | Anteil an den Beschäftigten 2022 |
|---|---|---|
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 1,5 | 3,5 |
Verarbeitendes Gewerbe (inklusive Bergbau) | 17,7 | 17,0 |
Energieversorgung (inklusive Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung) | 4,1 | 1,2 |
Baugewerbe | 7,4 | 8,3 |
Dienstleistungen | 69,3 | 70,0 |
Cluster nicht nur in Wien
Österreich besitzt in allen Landesteilen industrielle Cluster, oft auch über die Grenzen der Bundesländer hinaus. Das höchste Wirtschaftswachstum erzielte 2023 das Bundesland Burgenland. Dort ist in den vergangenen Jahren unter anderem ein Kunststoff-Cluster entstanden.
Wichtigstes Wirtschaftszentrum bleibt Wien als Sitz vieler Firmenzentralen, von denen unter anderen der Vertrieb für den osteuropäischen Raum koordiniert wird. Auch die Elektroindustrie, inklusive Mikroelektronik, sowie die Chemieindustrie mit Biotech und Kosmetik sind präsent.
In Oberösterreich sind viele Betriebe der Metallindustrie und des Maschinenbaus ansässig, Dort produziert auch das deutsche Automobilunternehmen BMW Motoren. In Niederösterreich ist unter anderem die Lebensmittel-, die chemische sowie die Holz- und Papierindustrie aktiv. Weitere wichtige Bereiche sind Mechatronik und Umwelttechnik.
Wichtige Zweige im Bundesland Salzburg sind neben dem Tourismus die Getränkeproduktion, der Maschinenbau und die Bauwirtschaft. In der Steiermark sind Holz- und Papierindustrie, Maschinenbau und Chemie aktiv, in Vorarlberg die Kfz- und Metallindustrie sowie die Textil- und Bekleidungsindustrie. Tirol punktet mit Tourismus, erneuerbaren Energien, IT, Life Sciences und Mechatronik. Kärnten produziert IT-Ausrüstung/Halbleiter, Holz- und Glaswaren sowie Maschinen.
Einen Überblick über die Cluster bietet die Wirtschaftskammer Österreich.
Bundesland | Anteil am BIP (in %) | BIP pro Kopf (in Euro) | Bevölkerung (in 1.000) |
|---|---|---|---|
Wien | 24,8 | 56.600 | 1.960 |
Oberösterreich | 17,2 | 50.700 | 1.515 |
Niederösterreich | 16,1 | 41.900 | 1.711 |
| Steiermark | 12,5 | 44.600 | 1.260 |
| Tirol | 8,8 | 51.200 | 768 |
| Salzburg | 7,5 | 58.900 | 566 |
| Kärnten | 5,5 | 43.600 | 567 |
| Vorarlberg | 5,3 | 58.300 | 404 |
| Burgenland | 2,3 | 34.900 | 300 |