Die Rahmenbedingungen für ausländische Investoren in Bangladesch verbessern sich stetig. Mehrere Sonderwirtschaftszonen werden ausgebaut. Hier gibt es oft attraktive Anreize.
Um die verarbeitende Industrie zu unterstützen, öffnete sich Bangladesch in der Vergangenheit massiv für ausländische Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment; FDI) und förderte diese beispielsweise mit niedrigeren Einkommenssteuern und Einfuhrabgaben sowie Sonderabschreibungen auf Maschinen. Die Regierung will laut ihrem Fünfjahresstrategieplan den Anteil der FDI am Bruttoinlandsprodukt innerhalb der nächsten fünf Jahre von 0,45 Prozent auf 2,5 Prozent erhöhen.
Das Land hat bereits einige erfolgreiche Cluster, vor allem in der Textilindustrie. Auch in der Elektronikbranche gibt es bereits auf Weltniveau produzierende Unternehmen, genauso wie im Bereich der Leichtindustrie.
Aktionsplan soll Rahmenbedingungen für Investoren verbessern
Der Vorsitzende der Bangladesh Investment Development Authority (BIDA), Ashik Chowdhury, stellte im März 2026 einen 180-Tage-Aktionsplan vor. Dieser soll das Geschäftsklima sowohl für lokale als auch für ausländische Investoren verbessern. Der Fokus der unmittelbaren Maßnahmen soll dabei vor allem auf lokalen Investoren liegen und auf den Unternehmen, die bereits in Bangladesch tätig sind, so Chowdhury in einer Pressemitteilung der BIDA.
Der Aktionsplan umfasst drei Säulen: Initiativen für eine robuste Infrastruktur zur Verbesserung von Logistik und Investitionsförderern, Initiativen zur Investitionserleichterung zur Verbesserung der Investorenunterstützung und Servicequalität sowie Initiativen unter Investitionsentwicklung zur Förderung gezielter Investitionen und zur Unterstützung von sektororientiertem Wachstum.
Eine Maßnahme beinhaltet auch die Vereinigung der Investitionsförderungsagenturen BIDA, Bangladesh Economic Zones Authority (BEZA), Bangladesh Export Processing Zone Authority (BEPZA), Bangladesh Hi-Tech Park Authority (BHTPA) und Public-Private Partnership Authority (PPPA). Zudem sollen FDI-Pipelines in ausgewählten Sektoren (Agrarindustrie, Pharma, Leder, Textil und IT) aus Prioritätsländern aufgebaut und ein FDI-Anreizsystem eingeführt werden. In Gesprächen mit BIDA erfuhr Germany Trade & Invest, dass Deutschland innerhalb Europas als eines der zentralen strategischen Prioritätsländer Bangladeschs gilt.
Kein leichter, aber interessanter Standort
Neben dem Infrastrukturausbau standen bereits bei der Übergangsregierung vor allem Bürokratieabbau, Digitalisierung von Prozessen und Korruptionsbekämpfung auf der Agenda. Das zeigt Wirkung: Im Jahr 2025 zogen ausländische Investitionen nach einigen schwierigen Jahren wieder an.
Im Jahr 2025 führten die Niederlande die Liste der wichtigsten Herkunftsländer bei den FDI-Nettotransfers an, gefolgt von China, Singapur, Südkorea und dem Vereinigten Königreich. Zielbranchen der Investitionen waren vor allem Energie, Nahrungsmittel, Textilien und Bekleidung sowie der Finanz- und Telekommunikationssektor.
Auswahl deutscher Investoren in BangladeschUnternehmen | Branche |
|---|
| Siemens | Gesundheitswesen, Automatisierung sowie Stromerzeugung- und -übertragung |
| BASF | Chemie |
| Bayer CropScience | Chemie |
| CHT | Chemie |
| Cube (Joint-Venture mit der bangladeschischen Firma Meghna) | Fahrräder |
| Kärcher | Reinigungsgeräte |
| Ospig | Bekleidung |
| Picard | Lederwaren |
| Robert Bosch | Mobilität, Industrietechnologie, Gebäudetechnik |
| WILO | Pumpen und Pumpensysteme |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Viele deutsche Unternehmen vor Ort haben die Erfahrung gemacht, dass Bangladesch zwar ein herausfordernder Standort ist, die Vorteile aber die Nachteile deutlich übertreffen. Das Land ist für ausländische Investoren vor allem wegen des niedrigen Lohnniveaus und des enormen Binnenmarktes attraktiv.
Bangladesch baut Sonderwirtschaftszonen massiv aus
Zur Entwicklung von Sonderwirtschaftszonen (SWZ) im ganzen Land entwickelt die Bangladesh Economic Zones Authority (BEZA) einen umfassenden dreistufigen Umsetzungsplan. Dabei sollen 20 SWZ in Bangladesch in 20 Jahren entstehen. Der Plan soll eine ausgewogene Industrialisierung, die Schaffung von Arbeitsplätzen und eine nachhaltige Infrastrukturentwicklung gewährleisten. Zudem sollen auch lokale und ausländische Investoren durch Steuererleichterungen oder durch teilweise sogar individuell vereinbarte Anreize angezogen werden.
In der ersten Phase von 2025 bis 2030 werden zehn SWZ Vorrang eingeräumt, die sich bereits in der Entwicklung oder in einem fortgeschrittenen Planungsstadium befinden. Davon sind die staatlichen SWZ in Chattogram und die Sreehatta Wirtschaftszone in Sylhet bereits in Betrieb. Allein Shreehatta soll bis zu 45.000 Menschen beschäftigen können. Fokus der staatlichen Zonen, die häufig von einer speziellen Behörde wie der BEZA verwaltet werden, sind vor allem exportorientierte Produktionsbetriebe.
Die zweite Phase wird von 2031 bis 2035 laufen und sich auf die Einführung von Großindustrien konzentrieren. Bis 2035 sollen in den SWZ große Industrieparks entstehen, die Bangladeschs Produktions- und Exportsektor stärken sollen. Die letzte Phase von 2036 bis 2046 zielt darauf ab, Bangladesch in ein globales Industriezentrum zu verwandeln.
Wegfall des "Least Developed"-Status könnte für Investoren zum Problem werden
Bangladesch soll am 24. November 2026 aus der Kategorie der "Least Developed Countries" (LDC) herausgeführt werden. Das Land hat in den letzten Jahren große wirtschaftliche Fortschritte erzielt und so die festgesetzten Entwicklungsziele der Vereinten Nationen erreicht. Doch der Wegfall des LDC-Status bedeutet gleichzeitig den Verlust des bevorzugten Marktzugangs durch das EU-Everything But Arms (EBA)-Programm und den Wegfall beziehungsweise Einschränkungen exportgebundener Subventionen. Solche Sonderkonditionen machen das Land bislang insbesondere für ausländische Investoren attraktiv.
Durch die Graduierung könnte nun die Wettbewerbsfähigkeit des Landes sinken, insbesondere gegenüber regionalen Konkurrenten wie Vietnam, die bereits ein Freihandelsabkommen mit der EU haben.
Die EU hat Bangladesch eine dreijährige Übergangszeit angeboten, die den Zugang zu EBA-Leistungen bis November 2029 ermöglicht. Dennoch müssen sich ausländische Unternehmer bereits jetzt Gedanken machen, ob sich eine Investition trotz sich verändernder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, geringeren Subventionen und strengeren Anforderungen an Compliance und Nachhaltigkeit lohnen wird.
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht-tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.
Von
Mareen Haring
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Berlin