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Wirtschaftsstandort | Südkorea
Südkorea zwischen Technologieführerschaft und Konkurrenzdruck
Asiens viertgrößte Volkswirtschaft zählt in einigen Industrien zum wichtigsten Anbieter. Unter dem Druck chinesischer Konkurrenz sucht das Land nach neuen Wachstumsmotoren.
19.08.2026
VonKatharina Viklenko|Seoul
Der wirtschaftliche Aufstieg Südkoreas gilt als bemerkenswert: Aus einem der ärmsten Länder der Welt wurde bis 2025 die 13. größte Volkswirtschaft. Firmen des Landes gehören in vielen Hightech-Sektoren zur Weltspitze. Dazu zählen etwa die Elektronikindustrie, die Kfz-Industrie und der Maschinenbau. Im Bereich Halbleiter hält Südkorea bei Speicherchips weltweit größere Anteile. Im Global Innovation Index 2025 der World Intellectual Property Organization belegt es Rang 4. In Asien liegt es sogar auf Platz 1.
Zwar dominieren große Unternehmensgruppen (Chaebols) das wirtschaftliche Geschehen. Zugleich gewinnt das Land für Start-ups an Bedeutung. Für deutsche Exporteure war Südkorea 2025 der viertgrößte Absatzmarkt außerhalb Europas, in Asien zugleich das drittgrößte Exportziel.
Technologische Stärke, Industriekompetenz und Innovationskraft prägen Südkorea. Langfristig beeinflussen Dekarbonisierung, Diversifizierung und demografischer Wandel den Standort.
Südkorea hat sich binnen weniger Jahrzehnte von einer der ärmsten Volkswirtschaften der Welt zu einem hochentwickelten Hightech- und Industriestandort in Asien gewandelt. Gegenüber kostengünstigeren Produktionsstandorten wie Vietnam oder Indonesien punktet das Land weniger über niedrige Kosten, sondern über seine technologische Kompetenz, eine leistungsfähige Infrastruktur, innovative Großunternehmen und eine hohe Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Technologien.
51,1 Mio.
Menschen lebten Ende Juni 2026 im Land.
Quelle: Ministry of the Interior and Safety 2026
1.872 Mrd.
US-Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025 laut Prognosen.
Quelle: IWF 2026
36.227
US-Dollar machte das BIP pro Kopf damit 2025 aus.
Quelle: IWF 2026
Rang 19
belegte das Land 2025 unter den deutschen Exportzielen.
Quelle: Destatis 2026
Rang 31
nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2025 ein (unter 182 Ländern).
Aus deutscher Sicht ist Südkorea ein anspruchsvoller, aber attraktiver Markt. Für den Standort sprechen die starke industrielle Basis und die hohe Innovationskraft. Das Land eignet sich als Absatzmarkt, Kooperationspartner und Innovationsstandort für technologieorientierte Firmen. Aufgrund hoher Löhne ist Südkorea für einfache Massenproduktion weniger attraktiv, als Standort aber bedeutend für Forschung und Entwicklung (F&E) sowie Hightech-Fertigung. Deutsche Firmen beklagen jedoch teils intransparente regulatorische Vorgaben sowie nichttarifäre Handelshemmnisse in Bereichen, in denen lokale Player sich bedroht fühlen.
Gleichzeitig steht der Standort unter spürbarem Anpassungsdruck. Chinesische Wettbewerber holen in mehreren Kernbranchen auf, etwa bei Batterien, E-Autos, Displays, Schiffbau und in Teilen der Elektronik. Südkoreas Vorteil als schneller Nachahmer reicht in vielen Bereichen nicht mehr aus. Auf eine Positionierung als "First Mover" zielt die staatliche Industriepolitik ab, die Zukunftstechnologien wie Halbleiter, Batterien, künstliche Intelligenz (KI) und Digitalisierung, Robotik, Biotechnologie sowie Luft- und Raumfahrt besonders fördert.
Dekarbonisierung und Geopolitik als Treiber des Wandels
Langfristig prägen drei Faktoren den Standort: Dekarbonisierung, geopolitische Diversifizierung und demografischer Wandel. Südkorea hat sich zur Klimaneutralität bis 2050 bekannt und investiert in Wasserstoff, Energieeffizienz, Recycling und neue Energietechnologien. Gleichzeitig setzt das Land weiterhin auf Kernenergie. Parallel will die Regierung die Abhängigkeit von China bei kritischen Rohstoffen verringern und Lieferketten resilienter gestalten. Davon profitieren Investitionen in alternative Bezugsquellen, Recycling und stärkere Lokalisierung.
Die sehr niedrige Geburtenrate und die alternde Bevölkerung belasten den Arbeitsmarkt und das langfristige Wachstum. Gleichzeitig entstehen neue Geschäftsmöglichkeiten bei altersgerechten Produkten und Dienstleistungen für den sogenannten Silbermarkt.
SWOT-Analyse Südkorea
S
StärkenStrengths
International starke Position im verarbeitenden Gewerbe
Industrielle Cluster mit eng vernetzten Wertschöpfungsketten
Hervorragend ausgebaute IT-Infrastruktur
Große Aufgeschlossenheit der Bevölkerung gegenüber neuen Technologien und Luxusgütern
Hohe Bildungsaffinität
W
SchwächenWeaknesses
Internationale Wettbewerbsfähigkeit oftmals auf große Unternehmensgruppen (Chaebol) beschränkt
Hohe Abhängigkeit von wenigen Großindustrien und Exporten
Geringe Arbeitsproduktivität, vor allem im tertiären Sektor
Administratives Regelwerk teils widersprüchlich und intransparent
Schwieriger Arbeitsmarkt mit starken Gewerkschaften und hohen Löhnen
O
ChancenOpportunities
Hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E)
Dichtes Netzwerk bilateraler Freihandelsabkommen
Modernisierung der Wirtschaft in Richtung "First Mover" und Förderung neuer Wachstumssektoren
Wachsender Bedarf an Lösungen für Industrie 4.0 und Automatisierung
Steigende Zahl von Singlehaushalten, expandierender "Silbermarkt" und zunehmende Individualisierung
T
RisikenThreats
Demografische Entwicklung mit sehr niedriger und weiter sinkender Geburtenrate
Handelskonflikte zwischen USA und China, angespanntes Verhältnis zu Nordkorea
Hohe Verschuldung von Firmen und privaten Haushalten
Weitere Auslagerung der produzierenden Industrie in Drittländer
Starker Wettbewerb und nichttarifäre Handelshemmnisse gegenüber internationalen Firmen
Sektoren: Starke Stellung des verarbeitenden Gewerbes
Das verarbeitende Gewerbe bildet das Rückgrat der Wirtschaft. Mit fast 30 Prozent im Jahr 2025 hatte es einen im internationalen Vergleich hohen Anteil an der Bruttowertschöpfung. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit ist jedoch häufig auf große Unternehmensgruppen (Chaebol) konzentriert. Kleine und mittlere Unternehmen sind vielfach weniger produktiv und international schwächer aufgestellt.
Bei Dienstleistungen gewinnen im Einzelhandel der E-Commerce und Lieferdienste an Bedeutung. Zur Weltspitze zählt Südkorea beim Aufbau und Betrieb einer leistungsfähigen IT-Infrastruktur. So hat das Land weltweit als erstes ein funktionierendes Mobilfunknetz im 5G-Standard aufgebaut. Ein 6G-Netz soll folgen.
Bedeutung der Wirtschaftszweige in Südkorea *)Anteile in Prozent
Sektoren
Anteil an der Bruttowertschöpfung 2025
Anteil an den Beschäftigten 2025
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
1,6
4,8
Bergbau
0,1
0,0
Verarbeitendes Gewerbe
29,5
15,2
Strom-, Gas- und Wasserversorgung
2,8
0,8
Baugewerbe
4,5
6,7
Dienstleistungen
61,5
74,5
* Abweichungen durch Rundungen.Quelle: Bank of Korea 2026; Statistics Korea 2026
In der Elektronik steht das Land bei Speicherchips und OLED-Displays an der Spitze. Daneben gibt es starke Anbieter bei Smartphones, Batterien und Haushaltsgeräten, darunter bei Kühlschränken, Waschmaschinen und Klimaanlagen. Die Hyundai Motor Group war bei der Anzahl verkaufter Fahrzeuge 2025 der drittgrößte Automobilhersteller der Welt. Im Maschinenbau liegen die Schwerpunkte bei Ausrüstungen für die Halbleiter- und Displayproduktion, Kälte- und Lufttechnik, Baumaschinen, Fördertechnik, Formenbau und Werkzeugmaschinen.
Trotz fehlender Rohstoffvorkommen gibt es führende Anbieter in der Petrochemie, bei elektronischen Chemikalien und Kunststoffen sowie eine große Stahlindustrie. Im Schiffbau sind südkoreanische Werften Weltmarktführer in einzelnen Segmenten, etwa bei großen Flüssiggastankern. An Bedeutung gewinnen Verteidigung und Raumfahrt. Ergänzt wird die industrielle Stärke durch Softpower-Sektoren wie Kosmetik, Lebensmittel und Unterhaltung, die von wachsender Popularität der "Korean Wave" profitieren. Zudem sind Baufirmen stark im Auslandsbau aktiv, vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern.
Südkorea zählt zu den innovativsten Industriestandorten weltweit und investiert gezielt in Zukunftsfelder wie KI, Robotik, Halbleiter und Biotechnologie. Für deutsche Unternehmen eröffnen sich dadurch attraktive Chancen, insbesondere bei Technologiepartnerschaften, Forschung und anspruchsvollen Industrielösungen.
Marie Antonia von Schönburg
Geschäftsführerin, AHK Korea (Korean-German Chamber of Commerce and Industry)
Regionen: Großraum Seoul dominiert Wirtschaft
Das politische und wirtschaftliche Zentrum bildet der Großraum rund um die Hauptstadt Seoul. Die angrenzende Provinz Gyeonggi steht mit den Standorten Pyeongtaek, Hwaseong, Icheon und Yongin für das Herz der Halbleiter- und Elektronikindustrie. Incheon ergänzt den Hauptstadtgürtel als wichtiger Standort für Logistik, Luftfahrt und Biopharma. Seoul dominiert bei Dienstleistungen, insbesondere im Finanzsektor. Auf diesen industriellen Speckgürtel der Hauptstadt entfallen rund die Hälfte der Bevölkerung sowie etwa 50 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes.
Die zweite wichtige Wirtschaftsregion befindet sich in Nord-Gyeongsang im Südosten mit Schwerpunkt auf der Schwerindustrie. Dort liegt etwa der Hauptsitz der Pohang Steel Corporation (POSCO). Daneben gibt es dort Cluster der Petrochemie sowie des Automobil- und Schiffbaus. Die Provinz Süd-Chungcheong ist ein bedeutender Standort für die Displayproduktion, Petrochemie sowie Kfz- und Stahlindustrie. Die Stadt Daejeon gilt als führendes Forschungs- und Innovationszentrum, verfügt über die höchste Konzentration wissenschaftlicher Einrichtungen und wird daher oft als Silicon Valley Südkoreas bezeichnet.
Eckdaten der wichtigsten Regionen in Südkorea 2024
Gebiet
Anteil am BIP (in %)
BIP pro Kopf (in US$)
Bevölkerung (in Mio.) *)
Großraum Seoul
52,8
36.513
26,1
Gyeonggi
25,4
34.458
13,7
Seoul
22,5
44.883
9,3
Incheon
4,9
30.198
3,1
Süd-Chungcheong
5,9
49.678
2,1
Süd-Gyeongsang
5,9
34.128
3,2
Nord-Gyeongsang
5,3
38.344
2,5
Busan
4,7
27.185
3,2
Süd-Jeolla
4,1
43.388
1,8
Ulsan
3,7
62.457
1,1
* abweichende Angaben für 2025.Quelle: Statistics Korea 2026
Zu den wichtigsten Knotenpunkten des Luftverkehrs zählen die Flughäfen Incheon und Gimpo in der Hauptstadtregion sowie Gimhae nahe der Hafenmetropole Busan. Incheon nahm 2024 im internationalen Frachtaufkommen Rang 6 ein. Im selben Jahr war Busan im Schiffsverkehr der siebtgrößte Containerhafen weltweit. Andere wichtige Seehäfen für den Containerumschlag sind Incheon und Gwangyang in der Provinz Süd-Jeolla.
Regierung will neue regionale Wachstumszentren schaffen
Südkorea will regionale Ungleichgewichte verringern und Investitionen in strukturschwächere Provinzen lenken. Als Branchenschwerpunkte gelten dabei Halbleiter, KI, Rechenzentren und andere Zukunftstechnologien.
Ende Juni 2026 kündigte die Regierung gemeinsam mit mehreren Chaebols drei Megaprojekte an: In der Honam-Region im Südwesten des Landes mit der Provinz Süd-Jeolla und der Stadt Gwangju entsteht zum einen für rund 560 Milliarden US-Dollar (US$) ein neues Halbleiter-Cluster mit vier Chipfabriken. Bis 2035 ist zudem der Aufbau von KI-Rechenzentren mit einer Kapazität von bis zu 10 Gigawatt geplant, unter anderem in der Chungcheong-Region. Hinzu kommen Vorhaben in den Bereichen physische KI und Robotik.
Anfang Juli 2026 kündigte die Regierung mit Firmenvertretern von SK, Hanwha, Samsung, Hyundai Motor Group, LG und Doosan weitere regionale Vorhaben von mehr als 200 Milliarden US$ an. Schwerpunkt ist hier die Yeongnam-Region mit den Provinzen Nord- und Süd-Gyeongsang sowie den Städten Busan, Ulsan und Daegu. Auch dort konzentrieren sich die angekündigten Vorhaben auf Halbleiter, Datenzentren und physische KI.
Von Katharina Viklenko
|
Seoul
Der Staat fördert Investitionen in Zukunftsbranchen. Deutschen Firmen dient Südkorea nicht nur als Absatzmarkt, sondern ist auch für lokale F&E und teils Produktion interessant.
Südkorea ist über ein dichtes Netz an Freihandelsabkommen bestens in globale Wertschöpfungsketten eingebunden. Es unterhält Abkommen etwa mit den USA, China sowie der ASEAN, dem Verband Südostasiatischer Nationen. Mit dem Regional Comprehensive Economic Partnership Agreement (RCEP) verbessert sich seit 2022 auch der Marktzugang zu Japan.
Für deutsche Unternehmen ist Südkorea nicht nur ein wichtiger Absatzmarkt, sondern auch ein bedeutender Standort für Forschung und Entwicklung (F&E). Einige deutsche Firmen produzieren vor Ort zudem nicht nur für den lokalen Markt, sondern für die gesamte Asien-Pazifik-Region. Außerdem kann die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern zur Erschließung von Drittmärkten beitragen. Im Auslandsbau greifen südkoreanische Player auf erprobte Zulieferer zurück. Dabei steuert die Hauptzentrale in Südkorea häufig die Auftragsvergabe.
Herausfordernd sind dagegen in den vergangenen Jahren verschärfte Compliance-Verpflichtungen sowie Anpassungen im Arbeitsrecht. Dazu zählt der Severe Accidents Penalties Act (SAPA), der seit 2022 die Haftungsregeln für Geschäftsinhaber verschärft. Demnach drohen bei schweren Arbeitsunfällen empfindliche persönliche Geld- oder Haftstrafen. Seit März 2026 ist zudem der Yellow Envelope Act in Kraft, der die Rechte von Gewerkschaften stärkt und das Risiko von Arbeitskonflikten für Arbeitgeber erhöhen kann.
Der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen nach Südkorea lag 2025 nach Angaben der Bank of Korea (BOK) bei 18,7 Milliarden US-Dollar (US$).Das Geld floss vor allem in die Sektoren Finanz- und Versicherungswesen, Metallindustrie, Groß- und Einzelhandel, Informations- und Telekommunikationstechnik (IKT) sowie in die Chemieindustrie.
Insgesamt betrug der Bestand ausländischer Direktinvestitionen in Südkorea Ende 2025 laut BOK rund 328 Milliarden US$. Wichtigste Zielbranchen sind das Finanz- und Versicherungswesen (Anteil: 45,1 Prozent), die Chemieindustrie (29,6 Prozent), Elektronik und Elektrotechnik (23,6 Prozent) sowie der Bereich IKT (16,8 Prozent).
Nach Art der Investition entfiel laut BOK etwas mehr als die Hälfte des Gesamtbestands auf Greenfield-Investitionen und rund 35 Prozent auf Fusionen und Übernahmen (M&A-Zukäufe). Bei den restlichen 11 Prozent der Transaktionen wurde keine Angabe gemacht.
EU ist größter ausländischer Investor
Der EU war 2025 dem Bestand nach der größte Investor mit rund einem Drittel der getätigten Investitionen. Dahinter folgten die USA mit einem Anteil von 15,9 Prozent vor Japan mit 12 Prozent und der ASEAN mit 11,8 Prozent sowie dem Vereinigten Königreich mit 5,9 Prozent. Innerhalb der EU lagen die Niederlande und Malta auf den ersten beiden Plätzen. Deutschland folgte auf Rang 3 mit einem Anteil von 4,2 Prozent am Gesamtbestand. Südkorea profitiert von seiner Offenheit gegenüber Zukunftstechnologien wie Biotechnologie, Robotik und Digitalisierung und setzt damit wichtige Impulse.
Langjährige Marktpräsenz deutscher Unternehmen
Die deutschen Direktinvestitionen in Südkorea beliefen sich nach BOK-Angaben Ende 2025 auf 13,8 Milliarden US$. Den höchsten jährlichen Zufluss aus Deutschland verzeichnete das Land 2021 mit 1,4 Milliarden US$, als Delivery Hero den südkoreanischen Lieferdienst Woowa Brothers übernahm.
Traditionell sind in Südkorea von deutscher Seite Kfz-Zulieferer, die chemische Industrie sowie Anbieter von Elektrotechnik und Logistik stärker investiert. In den jüngeren Jahren stieg die Bedeutung von Zulieferern der Elektronikindustrie und der Vertriebsnetze deutscher Automobilhersteller.
Laut Angaben des Auswärtigen Amtes sind in Südkorea circa 540 deutsche Firmen aktiv, die vor Ort rund 100.000 Mitarbeitende beschäftigen. Nach Mitgliedszahlen ist die AHK Korea nach der US-Handelskammer zahlenmäßig die zweitgrößte ausländische Wirtschaftsvertretung im Land. Das Ministry of Trade, Industry and Resources (MOTIR) listet Mitte 2026 sogar knapp 570 deutsche Niederlassungen in Südkorea auf. Laut MOTIR-Angaben sind Boehringer Ingelheim (Pharma, Registrierungsjahr 1977), Festo Korea (Maschinen- und Anlagenbau, 1981), Klüber Lubrication Korea, (Chemieindustrie, 1982), Adidas Korea (Groß- und Einzelhandel, 1982) und Carl Zeiss (Optik, Halbleiter, 1986) am längsten in Südkorea registriert.
Größte deutsche Investoren in SüdkoreaStand: August 2026
Unternehmen
Branche
Anzahl Mitarbeitende
Siemens, Siemens Healthineers
Industrieautomatisierung, Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), Medizintechnik
2.500
Schaeffler
Kfz-Zulieferindustrie, Maschinen- und Anlagenbau
2.500
Merck
Chemie, Pharma, Elektronik (Halbleiter)
1.900
Bosch
Kfz-Zulieferindustrie, Maschinen- und Anlagenbau, IKT, Elektronik
1.820
TK Elevator
Maschinen- und Anlagenbau, Bauwirtschaft, Logistik
1.425
Webasto
Kfz-Zulieferindustrie (Dach- und Batteriesysteme)
1.375
Quelle: Unternehmensangaben 2026; Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
"Wer vor Ort erfolgreich sein will, muss wie ein koreanisches Unternehmen agieren"
Sascha Jovanovic ist Representative Director der Webasto Gruppe Korea sowie zugleich CFO für die Region Asien-Pazifik. Webasto begann 1987 in einem Joint Venture mit einem südkoreanischen Partner mit der Produktion von Fahrzeug-Dachsystemen in Ulsan. Nach der Übernahme des Joint Ventures 2019 erweiterte es seine Aktivitäten auf Batteriesysteme für E-Autos. Vor Ort ist das Unternehmen neben Ulsan auch in Dangjin und Uiwang nahe der Hauptstadt Seoul mit insgesamt rund 1.400 Beschäftigten präsent.
Herr Jovanovic, Webasto ist seit fast vier Jahrzehnten in Südkorea aktiv. Was zeichnet den Standort aus Ihrer Sicht besonders aus?
Südkorea ist ein sehr anspruchsvoller Markt. Kunden erwarten ein hohes Maß an Geschwindigkeit, Flexibilität und Loyalität. Wer erfolgreich sein will, muss die Bedürfnisse der Kunden vor Ort schnell aufgreifen. Das bedeutet oft, so agil "wie ein koreanisches Unternehmen" zu agieren, auch wenn man Teil eines internationalen Konzerns mit deutscher Firmenzentrale ist.
Welche Rolle spielt das Land innerhalb des globalen Netzwerks von Webasto?
Neben dem Absatz spielt Südkorea für uns auch eine zentrale Rolle als Produktions- und Entwicklungsstandort. Grundlegende Innovationen entstehen bei uns in der Regel in Deutschland. In Südkorea forschen und entwickeln wir allerdings auch gemeinsam mit Hyundai und Kia, unseren wichtigsten Partnern. Die enge Zusammenarbeit in der Entwicklung ist essenziell, weil sich neue Produktanforderungen häufig direkt im südkoreanischen Markt abzeichnen und unsere Partner wichtige Entscheidungen nur vor Ort treffen. Bei großen und sperrigen Komponenten wie Dachsystemen zahlt sich die Kundennähe außerdem durch geringere Transport- und Lagerkosten aus. Generell gilt: Einzelne in Südkorea entwickelte Lösungen können wir später auch in anderen Märkten einführen. Andere sind ausschließlich auf die Bedürfnisse koreanischer Kunden zugeschnitten.
Welche Bedeutung hat Südkorea für Aktivitäten in Asien-Pazifik?
Asien ist ein großer Absatzmarkt und liegt am Puls der Zeit. Südkorea setzt dabei industrielle Standards und zählt zu den stabilsten Standorten der Region. Das Land ist für uns aber auch eine Brücke für weltweites Geschäft. Wir liefern unsere lokal gefertigten Produkte direkt an Hyundai und Kia. Beide bauen sie in ihre Fahrzeuge ein und exportieren sie von Südkorea aus in alle Welt. So dringen unsere Webasto-Produkte auf internationale Märkte vor.
Welchen Rat würden Sie deutschen Unternehmen für den Markteintritt geben?
Wer in Südkorea erfolgreich sein will, braucht einen langen Atem. Geschäftserfolge und vertrauensvolle Beziehungen entstehen nicht über Nacht. Sprachliche und kulturelle Kompetenz sowie belastbare Netzwerke sind entscheidend, um Vertrauen bei Kunden aufzubauen. Der wichtigste Erfolgsfaktor ist eine dauerhafte Präsenz vor Ort. Darüber hinaus sollten Firmen innovative Produkte mitbringen, die einen klaren Mehrwert bieten.
Investitionsförderung mit Fokus auf Zukunftstechnologien
Südkorea bietet ausländischen Investoren ein Förderpaket aus direkten Zuschüssen und Steuervergünstigungen. Eine Besonderheit ist die starke Bedeutung von Steuergutschriften für F&E und Ausrüstungsinvestitionen sowie für strategische Industrien. Ergänzend gibt es für ausländische Investoren direkte Zuschüsse in ausgewählten Bereichen. Dies gilt insbesondere für Zukunftsbranchen wie Halbleiter, Batterien, Biotechnologie oder KI. Hinzu kommen Befreiungen von Zöllen sowie von Mehrwert- und Verbrauchsteuern auf importierte Investitionsgüter.
Für deutsche Unternehmen mit Produktions- oder F&E-Vorhaben sind insbesondere die Freien Wirtschaftszonen (Foreign Investment Zones, FEZ) sowie die seit 2024 ausgebauten Opportunity Development Zones interessant. Neben zusätzlichen Steuererleichterungen bieten diese Standorte häufig vergünstigte Industrieflächen, Infrastrukturförderung und administrative Unterstützung. Dabei lenkt die Regierung neue Vorhaben gezielt in Regionen außerhalb der Hauptstadtregion und gewährt dort oftmals höhere Anreize als im Großraum Seoul.
Einen Überblick zu Förderprogrammen in Südkorea für ausländische Unternehmen gibt die staatliche Investitionsagentur Invest Korea auf ihrer Website. Sie ist eine Einrichtung der Außenwirtschaftsfördergesellschaft Korea Trade-Investment Promotion Agency (KOTRA).
Finden Sie alle relevanten Informationen zur Wirtschaft in Südkorea: Wirtschaftsumfeld, Branchen, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekte.
Die Region Asien-Pazifik hat in den vergangenen Jahrzehnten enorm an wirtschaftlicher Bedeutung gewonnen. Für Deutschland sind die asiatischen Länder wichtige Absatzmärkte und Partner.
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