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Industrie bleibt Hauptakteurin in Mexikos Wirtschaftsstruktur
Immer mehr hochwertige Produkte sind "Hecho en México" (Made in Mexico). Hightechcluster haben sich etabliert.
29.05.2026
Mexikos Entwicklung von der "verlängerten Werkbank der USA", wo hauptsächlich Lohnveredelung betrieben wurde, zum modernen Produktionsstandort verlief beeindruckend. Erst sorgte der nordamerikanische NAFTA-Vertrag, seit 2020 das Folgeabkommen USMCA (United States-Mexico-Canada Agreement) für eine strategische Ausrichtung der mexikanischen Wirtschaft auf Nordamerika. Heute werden im Land immer mehr Hightechprodukte gefertigt – vom Premiumfahrzeug über Komponenten für die Luft- und Raumfahrtindustrie bis zu innovativer Medizintechnik. Mittlerweile gehört Mexiko zur Gruppe der größten zehn Exportnationen und ist Lateinamerikas wichtigster Exporteur.
Internationale Unternehmen, darunter auch viele aus Deutschland, nutzen Mexiko seit Jahren als Produktions- und Exporthub für den US-Markt.
Das USMCA-Abkommen wird 2026 einer turnusmäßigen Revision unterzogen. Nach Einschätzung von Experten wird die US-Regierung darauf drängen, den regionalen – also in den USA, Mexiko und Kanada erbrachten – Fertigungsanteil weiter zu erhöhen. Das dürfte vor allem die Automobilindustrie vor neue Herausforderungen stellen, die bereits heute 75 Prozent der Komponenten im nordamerikanischen Wirtschaftsraum fertigen muss, um einen zollfreien Zugang zum US-Markt zu haben. Zugleich könnte die Erhöhung des regionalen Fertigungsanteils perspektivisch zu neuen Ansiedlungen von Produktionsstätten in Mexiko führen. Denn mit Blick auf die Verfügbarkeit junger Mitarbeiter, wettbewerbsfähiger Löhne und einer ausgeprägten Industriekultur setzt sich das Land im Vergleich der drei nordamerikanischen Nationen häufig durch.
Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt Mexiko.
Mexiko weiterhin wichtigster Handelspartner der USA
Nach Angaben des US-Handelsministeriums stieg das bilaterale Handelsvolumen 2025 auf 873 Milliarden US-Dollar (US$). Der Warenfluss erreichte im Durchschnitt ein tägliches Volumen von knapp 2,4 Milliarden US$. Dabei entfielen 535 Milliarden US$ auf Importe aus Mexiko, womit das Land der wichtigste US-Handelspartner bleibt.
Deutsche Unternehmer wieder optimistischer
Laut den Mexiko-Ergebnissen der Konjunkturumfrage "World Business Outlook" der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) vom Frühjahr 2026 erwarten 50 Prozent der Mitglieder der AHK Mexiko in den nächsten zwölf Monaten eine bessere, 38 Prozent eine konstante Geschäftsentwicklung. Das ist eine deutliche Aufhellung der Stimmung im Vergleich zum Frühjahr 2025, als nur 28 Prozent eine bessere Entwicklung prognostizierten. Als größte Risiken bezeichnen sie aktuell die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (66 Prozent), die Rechtssicherheit und die Nachfrage (jeweils 44 Prozent).
Der zunehmende Optimismus spiegelt sich in den Investitionsabsichten wider: In den nächsten zwölf Monaten ihre Investitionen erhöhen wollen 25 Prozent der Unternehmen, 45 Prozent wollen sie konstant halten, 19 Prozent planen eine Reduzierung. Die Beschäftigtenzahl wollen im selben Zeitraum 24 Prozent der Firmen erhöhen, 64 Prozent planen mit gleicher Personalstärke, 12 Prozent wollen sie verringern.
Unverändert kritisch beurteilen die Kammermitglieder die Sicherheitslage im Land. Gut ein Drittel gibt an, die Sicherheitslage habe sich weiter verschlechtert, 16 Prozent sehen eine "deutliche Verschlechterung". Gleichwohl ist bisher kein Fall bekannt, in dem ein Unternehmen das Land aufgrund von Sicherheitserwägungen verlassen hätte. Die detaillierten Ergebnisse finden Sie hier.
Die Automobilindustrie bleibt Schlüsselbranche
Anfang 2025 verhängte US-Präsident Donald Trump Strafzölle auf mexikanische Produkte, die nicht die USMCA-Ursprungsregeln erfüllen. Das trifft vor allem Autohersteller, die den regionalen Fertigungsanteil von 75 Prozent nicht nachweisen können. Und selbst wer ihn erfüllt, hat nicht unbedingt einen zollfreien Zugang auf den US-Markt. Denn auch auf die nicht in den USA produzierten Teile eines USMCA-konform hergestellten Fahrzeugs entfällt inzwischen ein Zusatzzoll von 25 Prozent. Diese Zölle haben bisher aber nur zu einer leichten Delle in der Automobilproduktion geführt. Diese lag 2025 nach Angaben des mexikanischen Verbandes der Automobilindustrie AMIA mit 3,95 Millionen Einheiten lediglich 0,9 Prozent unter dem Wert von 2024. Weiterhin gingen neun von zehn Pkw in den Export. Mexiko bleibt damit weltweit siebtgrößter Produzent. Bei der Herstellung von Kfz-Teilen belegt es den vierten Rang.
Einen starken Rückgang verzeichnete 2025 die Lkw-Produktion. Dem Branchenverband ANPACT zufolge sank sie gegenüber dem Vorjahr um 35 Prozent auf 139.000 Einheiten. Gründe waren unter anderem eine schwache Inlandsnachfrage (auch infolge hoher Importe von gebrauchten US-Trucks) und die US-Strafzölle.
Tourismus legt weiter zu
Der internationale Tourismus entwickelt sich weiter positiv: Das Statistikamt INEGI meldete für 2025 rund 48 Millionen internationale Besucher, 6,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Für 2026 wird ein neuerliches Wachstum erwartet, zumal Mexiko eines der Austragungsländer der Fußball-WM der Männer ist.
Dynamisch entwickelt sich seit Jahren die Logistikbranche. Wichtigste Treiber sind das Nearshoring und der stark wachsende E-Commerce-Sektor. Im Zuge des Nearshoring haben zahlreiche Unternehmen ihre Produktion von Asien nach Mexiko verlegt, um dem US-Markt näher zu sein. Dadurch steigen die Transport-, Lager- und Zollabwicklungsvolumina im grenzüberschreitenden Lkw-Verkehr mit den USA stark an. Nach Angaben der US-Regierung wurden 2025 insgesamt 7,6 Millionen Einfahrten von Lkw aus Mexiko registriert, das entspricht 20.800 Lkw pro Tag. Fast 40 Prozent entfallen auf den Grenzübergang Laredo (Texas).
Regierung prüft Erlaubnis von Fracking
Die Bedeutung der Öl- und Gasförderung geht weiter zurück. Wurden im Rekordjahr 2004 noch 3,4 Millionen Barrel pro Tag gefördert, so waren es 2025 mit 1,65 Millionen Barrel nur noch die Hälfte.
Aktuell decken Gasimporte aus den USA 75 Prozent des nationalen Bedarfs. Um diese Abhängigkeit zu senken, will die Regierung das Fracking im Land erlauben.
Im klassischen Bergbau ist Mexiko wichtiger Produzent von Silber und Gold, aber auch von Industriemineralien wie Bismut oder kritischen Rohstoffen wie Fluorit. Die Lithiumvorkommen sind seit 2022 verstaatlicht. Unklar ist, wie das Staatsunternehmen LitioMX die Erschließung realisieren will.
Sektoren | Anteil am BIP 2025 *) | Anteil an den Beschäftigten |
|---|---|---|
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 3,9 | 10,4 |
Bergbau | 2,7 | 0,7** |
Verarbeitendes Gewerbe | 20,0 | 15,6 |
Groß- und Einzelhandel | 18,4 | 19,9 |
Baugewerbe | 6,5 | 7,7 |
| Transport und Logistik | 7,7 | 5,9 |
| Tourismus | 8,7*** | 8,5 |
Zentrum und Norden treiben die Wirtschaft an
Beliebte Investitionsstandorte sind seit Jahren Mexiko-Stadt und der benachbarte Bundesstaat Mexiko, die sogenannte Bajío-Region im Zentrum des Landes mit den Bundesstaaten Querétaro, Guanajuato und San Luis Potosí sowie die grenznahen Bundesstaaten Nuevo León, Baja California und Chihuahua.
Industriecluster haben sich herausgebildet. Zwischen dem Standort Puebla-Tlaxcala im Süden und Nuevo León im Norden gibt es mehrere Cluster der Automobilindustrie. Über 300 Unternehmen sind in der Luft- und Raumfahrtindustrie tätig und schwerpunktmäßig in den Bundesstaaten Baja California, Sonora und Querétaro ansässig. Pharmahersteller haben sich vor allem im Großraum Mexiko-Stadt, dem Bundesstaat Mexiko und Jalisco angesiedelt. Komponenten für die Halbleiterfertigung sowie weitere elektronische Komponenten werden in den nördlichen Bundesstaaten Baja California, Sonora, Coahuila und Nuevo León produziert sowie im Landeszentrum.