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Special | Peru | Seidenstraße

China stellt sich in Peru breiter auf

Die Aktivitäten der Volksrepublik in dem Andenstaat beschränken sich nicht mehr nur auf den Bergbau. Neue Großprojekte bauen Chinas Stellung weiter aus. (Stand: 27.12.2022)

Von Janosch Siepen | Bogotá

Peru hat sich in den letzten 20 Jahren zu einem der wichtigsten Partner Chinas in Lateinamerika entwickelt. Im China Index 2022, der die Einflussnahme Chinas misst, belegt Peru in der Region und außerhalb Asiens den ersten Platz (weltweit Rang 5). Mittlerweile nimmt das Land vordere Plätze bei den chinesischen Investitionen und dem Handel mit der Region ein. Das Verhältnis beider Länder gilt als eine Win-Win-Situation. Peru stillt den chinesischen Hunger nach wichtigen Rohstoffen und Fischprodukten. Perus Wirtschaft profitiert dagegen von Finanzierung bei Großprojekten und günstiger Technologie. Dabei greift die Präsenz der Volksrepublik in dem Andenstaat auf immer mehr Bereiche über.

Chinesischer Riesenhafen besorgt Perus Nachbarn

Inzwischen gehören auch bedeutende Infrastrukturprojekte zum Portfolio Chinas in Peru. Das größte chinesische Projekt ist der Hafen Chancay, rund 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Lima. Cosco, der weltweit größte Hafenbetreiber, errichtet dort den ersten Großhafen in Lateinamerika, der mit chinesischen Investitionen gebaut wird.

Viele Peruaner fiebern dem Projekt entgegen. Es soll die Wettbewerbsfähigkeit des Landes in der Region maßgeblich vorantreiben. In Chile indes besteht die Sorge, dass künftig ein beträchtlicher Teil des Handels zwischen China und der lateinamerikanischen Pazifikküste exklusiv über Peru laufen könnte. Für Perus Nachbarn würden erhebliche Mehrkosten entstehen.

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Energie und Telekommunikation werden wichtiger

Auch im Energiebereich wird China aktiver. Dabei kontrollieren chinesische Investitionen zunehmend alle Teile des Stromkreislaufs: China Three Gorges besitzt inzwischen nicht nur den Energieproduzenten Huallaga, sondern ebenfalls den größten peruanischen Stromverteiler Luz del Sur sowie dessen Baufirma Tecsur. Aktuell investiert China zudem in das Wasserkraftwerk San Gabán III (209 Megawatt) in Puno. Der Technologiekonzern Huawei Digital Power hat signalisiert, künftig auch in Peru im Bereich intelligenter Fotovoltaiktechnologie stärker aktiv werden zu wollen. Bei der Solaranlage Sol de Verano I stellt Huawei Wechselrichter und Umspannanlagen bereit.

Der Telekommunikationsbereich wird ebenfalls wichtiger: Yangtze Optical Fibre and Cable baut mit peruanischen Partnern ein 7.500 Kilometer langes Glasfasernetz, um entlegenen peruanischen Gemeinden am Amazonas und in den Anden Internetzugang zu ermöglichen. Kostenpunkt: über 400 Millionen US-Dollar (US$).

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Neben den neuen Wirtschaftszweigen hält China an seiner Präsenz im Bergbau fest. Unternehmen aus der Volksrepublik betreiben zwei der fünf größten Kupferminen des Landes (Las Bambas und Toromocho). Das chinesische Unternehmen Shougang ist Perus einziger Eisenerzproduzent. Neue Projekte für über 5 Milliarden US$ sollen in den kommenden Jahren dazu beitragen, den chinesischen Bedarf an Rohstoffen weiter zu decken (siehe Projektkarte).

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Chinesische Firmen haben Wettbewerbsvorteile

Seit Anfang der 2010er Jahre ist China Perus wichtigster Handels- und Investitionspartner. Die Präsenz der Volksrepublik im Land beschränkt sich noch vornehmlich auf Großprojekte, Handel und die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen. Ein chinesischer Technologiepark oder eine Vielzahl von Produktionsanlagen existiert bisher noch nicht. Zudem ist China in Branchen wie der peruanischen Landwirtschaft noch kaum aktiv.

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Doch die zunehmende Aktivität in der Bauwirtschaft und Telekommunikation zeigt Chinas Ambitionen. Züge, Lastkraftwagen, Gabelstapler und Spezialmaschinen kommen vermehrt aus Fernost. Dabei wird Chinas Technologie immer wettbewerbsfähiger. Die zunehmende Ausweitung der Tätigkeit auf immer mehr Wirtschaftsbereiche in Peru stellt daher auch für Firmen aus Deutschland ein Risiko dar. Im Wettbewerb können chinesische Firmen dank großer Kapitaldecken höhere Risiken in Kauf nehmen, so Landeskenner.

Doch es gibt auch Gegenwind. Im Oktober 2022 begann eine Untersuchungskommission des peruanischen Kongresses, mögliche Unregelmäßigkeiten bei Vergaben von öffentlichen Bauaufträgen an chinesische Unternehmen zu untersuchen. Anfang 2022 war ein Skandal rund um manipulierte Vergabeverfahren in der Bauwirtschaft bekannt geworden. Die peruanische Kammer für Bauwirtschaft (Capeco) kritisiert die Wettbewerbsverzerrung zugunsten chinesischer Firmen. Das Transportministerium habe Kreditvorgaben bei Ausschreibungen gesetzt, die nur von finanzstarken chinesischen Unternehmen erfüllt werden könnten.

Größte chinesische Investoren in Peru*

Investor

Sektor

Summe (in Mio. US$)

Anzahl der Investitionen

China Minmetals (zusammen mit Jiangxi Copper, Suzhou Guoxin, CITIC)

Bergbau

7.400

2

China Three Gorges

Energie

6.080

6

Chinalco

Bergbau

4.250

3

CNPC

Öl

2.890

1

Zhongrong Xinda

Bergbau

2.360

1

Shougang

Bergbau

1.490

2

Cosco

Logistik

1.010

2

* Die Daten umfassen chinesische Investitionen und Bauvorhaben zwischen 2007 und 2021 in PeruQuelle: American Enterprise Institute, China Global Investment Tracker, November 2022

 

Peru hat bislang von der China Development Bank lediglich einen Kredit über 50 Millionen US$ im Jahr 2009 erhalten. Geschäftsbanken unterstützten dagegen Großprojekte mehrmals in der Vergangenheit.

Peru und China brauchen sich

"Das Ansehen Chinas in Peru ist generell positiv", sagt Rosario Santa Gadea, Direktorin des Zentrums für China- und Asien-Pazifik-Studien der Universidad del Pacífico in Lima. Das Land hat eine lange Geschichte asiatischer Einwanderung - gerade auch aus China. Die Gerichte der sehr beliebten Chifa-Kulinarik kombinieren chinesische mit peruanischen Einflüssen und Zutaten. Chinesen gelten in Peru als geschäftstüchtig. Andererseits schaden Konflikte mit lokalen Gruppen bei Großprojekten wie Las Bambas oder dem Chancay Hafen dem Ruf Chinas.

Wirtschaftspolitische Kooperation zwischen Peru und China

Abkommen:

  • Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB): Mitgliedschaft Perus seit 14. Januar 2022
  • Absichtserklärung Perus zum Beitritt zur Belt and Road Initiative (BRI): unterzeichnet am 27. April 2019
  • Comprehensive Strategic Partnership: seit 9. April 2013
  • Freihandelsabkommen: in Kraft seit 1. März 2010
  • Multilaterale Foren: China-CELAC Forum, Pazifikallianz, FEALAC, APEC

Die breite peruanische Bevölkerung sähe China allerdings nicht als Eindringling, sagt Carlos Aquino vom Zentrum für Asienstudien der Universität San Marcos in Lima. Viele Verbraucher nutzen das günstige Angebot chinesischer Produkte. Umgekehrt fühlen sich die chinesische Gemeinschaft und chinesische Geschäftsleute in Peru wohl und werden nicht diskriminiert, sagt er.

Laut Santa Gadea könnte China künftig ein Motor für die Modernisierung des Landes sein. Auch Aquino ist sich sicher: Die Rolle Chinas in Peru wird sich in Zukunft noch ausweiten. "Beide Länder brauchen sich. Und Peru hat nicht viele Alternativen."

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