Special | Peru | Wasser - Die knappe Ressource
Peru geht seine Wasserprobleme an – und schafft Geschäftschancen
Kreislaufwirtschaft, Effizienz und Digitalisierung spielen im peruanischen Wassersektor eine immer größere Rolle. Das kommt deutschen Firmen entgegen.
10.03.2026
Von Janosch Siepen | Bogotá
Klimawandel und Extremwetter, ungleiche Wasserverteilung und Rückstand der Infrastruktur – Peru steht mit seiner Wasserwirtschaft vor zahlreichen Herausforderungen. Nur rund die Hälfte der Bevölkerung hat einen sicheren Trinkwasserzugang, zugleich steigt die Nachfrage danach. Regierungspläne und Tendenzen hin zu mehr Nachhaltigkeit können das langfristig ändern. Für Unternehmen aus Deutschland entsteht ein attraktives Geschäftsumfeld.
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Wir haben besonders aussichtsreiche Wassermärkte in Lateinamerika, Asien, Afrika und Europa unter die Lupe genommen. Alle Länderanalysen finden Sie auf unserer Seite zum Wassersektor.
Umfassende Projektpipeline sorgt für Absatzpotenzial
Eine lange Liste neuer Projekte soll die Wasserprobleme Perus lösen: Bis 2028 möchte die staatliche Investitionsagentur ProInversión 20 Projekte im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften (PPP) für insgesamt 5,6 Milliarden US-Dollar (US$) vergeben. Entsalzungsanlagen und Klärwerke in Lima, Ilo, Cajamarca und Ancash werden künftig hunderte Millionen Dollar an Investitionen benötigen. Geld für die Pläne des Landes kommt unter anderem von multilateralen Gebern. Ende 2025 gab die Weltbank ein zehnjähriges Finanzpaket zum Ausbau der Abwasserbehandlung frei. Sein Volumen: 200 Millionen US$.
| Projektname (Region) | Kapazität | Investitionssumme (in Millionen US-Dollar) | Projektstand | Projektbetreiber |
|---|---|---|---|---|
| Bewässerungssystem Chancay Tal (Lambayeque) | 108.000 Hektar | 600 | k.A. | Ministerio de Desarrollo Agrario y Riego del Gobierno de la República del Perú |
| Wiederaufbau Irchim Kanal Chinecas (Áncash) | 40 Kilometer | 500 | Vorinvestitionsstudie in Arbeit | Proyecto Especial Chinecas |
| Trinkwasserleitungen Nueva Rinconada – Sektor 300 (Lima) | 1.000 Kilometer | 496 | Baufortschritt bei 63 Prozent, Bauende 2032 | Servicio de Agua Potable y Alcantarillado de Lima |
| Trinkwassersystem Lima (Lima) | 200.000 Kubikmeter pro Tag | 486 | Vergabe in der zweiten Jahreshälfte 2026, Betriebsbeginn 2031 | Ministerio de Vivienda, Construcción y Saneamiento de la República del Perú |
| Bewässerungssystem Chavimochics (Libertad) | 47.000 Hektar | 450 | Studien laufen, Vergabe Ende 2027 | Concesionaria Chavimochic |
| Klärwerk Trujillo (Libertad) | 2.780 Liter pro Sekunde | 425 | Vergabe Ende 2026 | Ministerio de Vivienda, Construcción y Saneamiento de la República del Perú |
| Bewässerung Tumbus Fluss (Tumbes) | 25.000 Hektar | 394 | Government-to-Government-Vergabeverfahren im Gange | Ministerio de Desarrollo Agrario y Riego del Gobierno de la República del Perú |
| Klärwerk Yanacocha (Cajamarca) | 1.861 Liter pro Sekunde | 350 | Im Bau, Betrieb ab 2026 | Minera Yanacocha, Bechtel Perú |
| Flussbefestigung Chicama und Virú Flüsse (Libertad) | 87 Kilometer | 344 | Baufortschritt rund 50 Prozent, Betrieb ab Ende 2026 | Autoridad Nacional de Infraestructura, Obrascón Huarte Lain |
| Huachipa II Trinkwasseranlage (Lima) | 432.000 Kubikmeter pro Tag | 330 | Vergabe Mitte 2026 | Ministerio de Vivienda, Construcción y Saneamiento de la República del Perú |
| Flussbefestigungen Trujillo (Libertad) | k.A. | 323 | Baufortschritt bei 70 Prozent | Autoridad para la Reconstrucción con Cambios, Consorcio Besalco - Stracon |
| Klärwerk La Atarjea (Lima) | 900 Liter pro Sekunde | 250 | Im Bau, Betriebsbeginn Ende 2026 | Servicio de Agua Potable y Alcantarillado de Lima – Sedapal, Consorcio PTAR Atarjea |
| Meerwasserentsalzungsanlage Nordlima Ancón (Lima) | 86.400 Kubikmeter pro Tag | 205 | Entwurfs- und Machbarkeitsphase | Ministerio de Vivienda, Construcción y Saneamiento de la República del Perú |
| Klärwerk Cajamarca (Cajamarca) | 600 Liter pro Sekunde | 280 | Vergabe für 2026 vorgesehen | Ministerio de Vivienda, Construcción y Saneamiento de la República del Perú |
Dabei können deutsche Lieferanten zum Zug kommen, etwa bei Membrantechnik oder Ventilen. So liefert die Firma Necon aus Baden-Württemberg bereits chemikalienfreie Wasseraufbereitungslösungen nach Peru. GEA-Westfalia wiederum verkauft Dekanter, Zentrifugen und Wärmetauscher im Land.
Auch deutsche Beratung ist gefragt, denn den öffentlichen Institutionen im peruanischen Wassersektor mangelt es oftmals an technischer Expertise. Etablierte Dienstleister sind etwa die Beratungsunternehmen Fichtner, CES und Lahmeyer. Für den Bau des Klärwerks La Atarjea erstellte das Mannheimer Ingenieursbüro GKW Consult technische Studien und Entwürfe. Ein Teil der Finanzierung des Projekts kommt von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Starker Wettbewerb im Trinkwassersektor
"Der Abwassersektor in Peru ist sehr groß und bietet viele Projekte", sagt Daniel Ayulo, Geschäftsführer der Firma WES-FES, die verschiedene deutsche Marken im Land vertreibt. In der Branche seien jedoch einige Zertifikate erforderlich, etwa für Ventile, die deutsche Unternehmen oftmals für unnötig hielten, die in Peru aber verlangt werden. Zudem bestehe ein recht starker Wettbewerb, etwa durch chinesische oder türkische Firmen.
Er empfiehlt deutschen Firmen daher, dem Kunden die Vorteile der eigenen Produkte genau zu erklären, um Preisunterschiede zu günstigeren Marken zu rechtfertigen. "Zudem sollten Unternehmen mit öffentlichen Projektträgern sprechen, um über technologische Entwicklungen, Produkte und Verbesserungen aufzuklären", so Ayulo. Daraus könnten neue Geschäftsabschlüsse entstehen.
Trend zur Kreislaufwirtschaft – deutsche Firmen profitieren
Auch das bayerische Unternehmen Huber sieht Geschäftschancen im peruanischen Abwassersektor. Laut Ursula Rufino, Vertriebsleiterin von Huber Peru, macht die Abwasserbehandlung im Land große Fortschritte. Der Absatz werde durch den Bedarf an nachhaltigen Lösungen sowie Trends zur Kreislaufwirtschaft getrieben. Das Unternehmen liefert in Peru Filteranlagen, Technologie zur Feststoffabscheidung und Schlammbehandlung, die auf niedrigen Energieverbrauch ausgelegt sind.
Im Jahr 2025 brachte Peru gleich mehrere Roadmaps für die Kreislaufwirtschaft auf den Weg, unter anderem in den Bereichen:
- Industrie (D.S. Nr. 018-2025-PRODUCE)
- Umwelt (D.S. Nr. 003-2025-MINAM)
- Landwirtschaft und Bewässerung (D.S. Nr. 0007-2025-MIDAGRI)
- Wasser und Hygiene (R.M. Nr. 217-2025-VIVIENDA)
- Tourismus (R.M. Nr. 291-2025-MINCETUR)
Dadurch dürften bis 2030 unter anderem mehr Gelder für die nachhaltige Wassernutzung bereitstehen. Wasserversorgern werden höhere Ziele für Kreislaufmodelle und effiziente Wassernutzung gesetzt. Darüber hinaus verbessert das Gesetz Nr. 32.441 öffentlich-private Partnerschaften (PPP) im Land, sodass Projekte einfacher implementiert werden können.
Rechtsrahmen und zuständige Behörden
- Die für den Wassersektor zuständigen Ministerien und Behörden sind das Ministerium für Wohnungsbau, Bauwesen und Sanitärversorgung MVCS, das Ministerium für landwirtschaftliche Entwicklung und Bewässerung MIDAGRI, die Generaldirektion für Umweltgesundheit und Lebensmittelsicherheit DIGESA und die Nationale Wasserbehörde ANA.
- Träger der ausgeschriebenen Projekte sind Ministerien, regionale Wasserunternehmen und Provinzregierungen. Zudem ist die Investitionsförderagentur ProInversión in Projekte involviert.
- Für die Regulierung und Verwaltung des Sektors sorgen die Agentur für die Bewertung und Durchsetzung von Umweltvorschriften OEFA, die Nationale Aufsichtsbehörde für Abwasserentsorgung SUNASS und die jeweiligen Gemeinden, Provinzen und Distrikte.
Ein weiterer Trend ist die Kosteneinsparung bei Projekten. Der Sektor öffnet sich solchen Lösungen immer mehr, vor allem da Entsorgungskosten und -anforderungen steigen. Hinzu kommen Trends zur Digitalisierung urbaner Wassernetze. Ineffiziente Wassernetze und fehlende Daten sind einige der Gründe für die Wasserknappheit im Land. Bereits 2025 installierte das staatliche Wasserunternehmen Sedapal über 13.000 Ultraschallzähler zur Echtzeit-Leckage-Erkennung und Fernabschaltung.
Fokus auf Meerwasserentsalzung und Effizienz im Bergbau
Vor allem im peruanischen Bergbau sind verlässliche und langlebige Produkte aus Deutschland gefragt. KSB etwa verkauft elektrische Pumpen an Bergbaubetreiber im Land.
Auch in dieser Branche spielt effiziente Wassernutzung eine immer wichtigere Rolle - was deutschen Firmen entgegenkommt. Ein Beispiel ist das bayerische Unternehmen Flottweg, das energie- und wassersparende Zentrifugen für verschiedene Bergbauprojekte liefert. Zudem setzen die Minen verstärkt auf die Nutzung von Meerwasser. So sieht das Kupferprojekt Tía María Meerwasserentsalzung vor. Das steigert künftig den Bedarf an entsprechender Technik, etwa zur Umkehrosmose.
Klimawandel betrifft Landwirtschaft und erfordert Katastrophenvorsorge
Trockenheit macht Peru in vielen Landesteilen zu schaffen, was sich durch den Klimawandel verstärken dürfte. Gleichzeitig ist Wasser die wichtigste Ressource für den bedeutenden Agrarsektor. Um das große landwirtschaftliche Potenzial Perus weiter auszuschöpfen, soll die künftige Wasserzufuhr im Sektor sichergestellt und ausgebaut werden. Geplant sind 22 Bewässerungsprojekte im Wert von 24 Milliarden US$, größtenteils PPP. Sie sollen die Agrarexporte des Landes verdoppeln. ProInversión arbeitet etwa an Vorinvestitionsstudien für das Projekt Chinecas, während die Vergabe für das Chavimochic-Projekt für Ende 2027 vorgesehen ist. Es sind zwei Megaprojekte der Bewässerung im Norden Perus.
Investitionen in Hochwasserschutz dringend nötig
Fast die Hälfte Perus ist den Folgen des Extremwetterphänomens El Niño und des Klimawandels ausgesetzt, so die Weltbank. Überschwemmungen und Erdrutsche haben regelmäßig verheerende Folgen für Mensch und Umwelt. In Regionen wie Piura und Lambayeque starten neue Großprojekte zum Hochwasserschutz entlang der Flüsse. Das erfordert Abflusstechnik, den Bau von Schutzdeichen, modularen Brücken und Frühwarnsystemen. Unterstützt werden die Vorhaben durch den multisektoralen Plan zum Hochwasser- und Katastrophenschutz (D.S. Nr. 005-2025-PCM). Dieser soll die Koordinierung der Behörden verbessern und neue Gelder bereitstellen.
Weiterhin zahlreiche Hürden in der Branche
Trotz der zahlreichen Absatzchancen in den kommenden Jahren steht Perus Wassersektor vor erheblichen Herausforderungen. Dazu zählt die unzureichende Ausführung von öffentlichen Aufträgen, gerade in lokalen Gemeinden. So wurden in den vergangenen Jahren im Schnitt nur 60 bis 70 Prozent der öffentlichen Budgets abgerufen, wie Zahlen des peruanischen Finanzministeriums zeigen. Auch die langsame Umsetzung von Projekten stellt eine Hürde dar, unter anderem, weil Baufirmen die vertraglichen Anforderungen der Ausschreibungen nicht erfüllen.
Ein deutsches Planungsbüro berichtet zudem, dass politische Wechsel und Korruption das Geschäft mit der staatlichen Seite komplex machen. Hinzu kommt das geringe Lohnniveau des Landes, sodass manuelle Arbeit mitunter gegenüber Automatisierungstechnologie bevorzugt wird. Gleichzeitig mangelt es im Land an Fachkräften.
| Kontakt | Beschreibung |
|---|---|
| Ministerio de Vivienda, Construcción y Saneamiento (MVCS) | Ministerium für Wohnungsbau, Bauwesen und Sanitärversorgung |
| Autoridad Nacional del Agua (ANA) | Nationale Wasserbehörde |
| Superintendencia Nacional de Servicios de Saneamiento (SUNASS) | Nationale Aufsichtsbehörde für Abwasserversorgung |
| Asociación de Ingeniería Hidráulica y Ambiental (APIHA) | Verband für Wasser- und Umwelttechnik |