Special | Kolumbien | Wasser - Die knappe Ressource

Kolumbiens Wasserwirtschaft fragt moderne Technik nach

Kolumbien investiert in seine Wasseraufbereitung und sorgt damit für großes Geschäftspotenzial. Schon jetzt trägt deutsche Technologie dazu bei, landestypische Probleme zu lösen.

Von Janosch Siepen | Bogotá

Mit 4 Prozent der globalen Wasserressourcen gehört Kolumbien zu den wasserreichsten Ländern der Welt. Im Schnitt entfällt dreimal so viel Wasser auf einen Quadratkilometer wie im übrigen Lateinamerika. Doch obwohl es durchschnittlich gesehen in kaum einem anderen Land der Erde mehr regnet, ist sauberes Wasser in vielen Teilen Kolumbiens Mangelware. Zahlen der Vereinten Nationen zeigen, dass ein Viertel der Bevölkerung keinen Zugang zu einer sicheren Trinkwasserversorgung hat. Sicher aufbereitet wird nicht einmal ein Fünftel des Wassers.  

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Wir haben besonders aussichtsreiche Wassermärkte in Lateinamerika, Asien, Afrika und Europa unter die Lupe genommen. Alle Länderanalysen finden Sie auf unserer Seite zum Wassersektor.

Neue Finanzspritzen und viele Vorhaben

Ein neues Paket aus 42 Wasserprojekten (CONPES 4.165) könnte solche Probleme in Zukunft mildern. Bei der Initiative handelt es sich um Finanzierungszusagen der kolumbianischen Regierung in einem Umfang von rund 310 Millionen US-Dollar (US$) zwischen 2026 und 2028. Das Geld soll vor allem die Wasserversorgung in den entlegenen Regionen verbessern.

Auch auf lokaler Ebene tut sich einiges. Im Bundesstaat Cundinamarca verabschiedete die Regierung Ende 2025 einen neuen Regionalen Wasserplan (PDA), der rund 500 Millionen US$ für Wasservorhaben bereitstellt. Durch Projekte, die diese Gelder ermöglichen sollen, steigt der Bedarf an Wassertechnik.  

Mehrere Regionen schieben die Abwasserbehandlung an

Verschiedene Abwasserprojekte laufen bereits, weitere sind in der Planung. So führt EAAB, der Wasserversorger der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, Gespräche mit vorqualifizierten Unternehmen zum Bau des Klärwerks Canoas. Neue Kredite der Interamerikanischen Entwicklungsbank über 100 Millionen US$ für EAAB könnten die Wasserprojekte in Bogotá beschleunigen. Es herrscht dringender Handlungsbedarf, weil in der Metropole mit ihren rund 8 Millionen Einwohnern noch zu wenig Wasser aufbereitet wird. Trotz des vielen Regens mangelt es in Dürreperioden an Wasser. So musste 2024 das Wasser in der Hauptstadt acht Monate lang streng rationiert werden. 

Ausgewählte Wasserprojekte in Kolumbien
Projektname (Stadt, Bundesstaat)KapazitätInvestitionssumme (in Millionen US-Dollar)ProjektstandProjektbetreiber
Klärwerk Canoas (Bogotá)16.000 Liter pro Sekunde

1.500

Vergabeverfahren läuft, Bau ab Frühjahr 2027Empresa de Acueducto, Alcantarillado y Aseo de Bogotá
Klärwerk Cañaveralejo (Cali, Valle del Cauca)604.800 Kubikmeter pro Tag

516

Studien, Betrieb ab Ende 2028Empresas Municipales de Cali
Trinkwasserversorgung und Abwassersystem Santa Marta (Santa Marta, Magdalena)4.000 Liter pro Sekunde, 40 Kilometer

445

Studien- und EntwurfsphaseEmpresa de Servicios Públicos del Distrito de Santa Marta
Klärwerk Río de Oro (Bucaramanga, Santander)1.845 Liter pro Sekunde

350

Studien abgeschlossen, Baubeginn für Ende 2026 vorgesehenEmpresa Pública de Alcantarillado de Santander
Klärwerk El Paraíso Pereira/Dosquebradas, Risaralda)140.000 Kubikmeter pro Tag

114

Vergabeverfahren wird vorbereitet, Bau ab Mitte 2027Empresa de Acueducto y Alcantarillado de Pereira
Klärwerk Neiva (Neiva, Huila)k.A. 

60

Technische Studien laufenLas Ceibas Empresas Públicas de Neiva
Modernisierung EBAR Norte (Santa Marta, Magdalena)k.A.

10

Arbeiten zur Hälfte abgeschlossenAlcaldía de Santa Marta
Quelle: BNamericas 2026, Recherchen von Germany Trade & Invest

In Cali schreitet die Modernisierung des Klärwerks Cañaveralejo voran. Pereira bereitet die Vergabe für das Klärwerk El Paraíso vor. Die Stadt Neiva arbeitet an technischen Studien für den Bau einer neuen Kläranlage. An der Karibikküste um die Stadt Santa Marta ist der Modernisierungsbedarf besonders groß. Wasserprojekte wie der Bau neuer Meerwasserentsalzungsanlagen, Investitionen in Wassernetze und die Instandsetzung des Abwasserpumpwerks EBAR Norte erfordern Investitionen von fast 900 Millionen US$. 

Firmen aus Deutschland konnten im Zuge dieser Maßnahmen Geschäfte abschließen. So liefert Huber aus Bayern Screeningtechnologie für das EBAR-Projekt, um Verstopfungen und Beschädigungen von Pumpen zu verhindern. Auch bei anderen Klärprojekten in Kolumbien kommt oft deutsche Technik zum Einsatz - zum Beispiel Pumpen und Rührwerke von Wilo und KSB oder Zentrifugen von Flottweg. Allerdings wächst der Wettbewerb mit Anbietern aus Asien.

Deutsche Firmen lösen Probleme bei der Trinkwasserversorgung

Viele deutsche Anbieter können mit Lösungen punkten, die auf die regionalen Besonderheiten Kolumbiens zugeschnitten sind und gezielt Wasserprobleme einzelner Landesteile adressieren. Dazu gehören dezentrale, kostengünstige Lösungen wie modulare Anlagen, Regenauffangbecken und energiesparende Technologien zur Trinkwasseraufbereitung - besonders in den vielen entlegenen Gemeinden des Landes. Boreal Light aus Berlin etwa betreibt solarbetriebene Entsalzungsanlagen im nordöstlichen La Guajira. Isabel Castro, Projektleiterin für Lateinamerika bei Boreal Light, empfiehlt deutschen Firmen, den sozialen Mehrwert ihrer Produkte hervorzuheben, um Vertrauen bei der lokalen Bevölkerung zu schaffen.

 

Ein Markt mit interessanten Trends und Standortvorteilen

In Kolumbien gehen durchschnittlich 4 von 10 Litern des aufbereiteten Wassers verloren – ein strukturelles Problem, das zugleich Chancen für deutsche Unternehmen eröffnet. Mit Mikromesstechnik, IoT‑Sensorik und künstlicher Intelligenz können Leckagen und Wasserverluste frühzeitig identifiziert und effizient behoben werden. Phoenix Contact aus Blomberg zum Beispiel verkauft an mehreren Standorten in Kolumbien intelligente und datenbasierte Wassermanagementsysteme. 

Laut Diego Fernández, Geschäftsführer bei Phoenix Contact in Kolumbien, bietet der Trinkwassersektor viel Investitionspotenzial sowie eine strukturierte und stabile Projektpipeline. 

"Technologische Trends in Kolumbien wie Automatisierung und Cloud-Lösungen kommen unserem Geschäft entgegen", 

so Fernández. Außerdem überzeuge der Markt durch gut ausgebildete Fachkräfte und geordnete öffentliche Sektorpläne, deren Projekte oft durch private Generalunternehmer umgesetzt werden. Er rät deutschen Unternehmen, lokale Talente langfristig zu binden und sich auf regulatorische Änderungen rechtzeitig einzustellen.

Gesetze und Richtlinien sorgen für Anreize. So führt Resolution 1.005 von 2024 neue Grenzwerte für den Wasserverbrauch von Verbrauchern und Versorgern ein, was eine rationale und effiziente Wassernutzung fördern soll. Das ist notwendig, da Kolumbiens jährlicher Wasserverbrauch mit 2.445 Kubikmetern pro Einwohner rund viermal so hoch ist wie der OECD-Durchschnitt mit 673 Kubikmetern. Die größten Belastungen für die Wasserressourcen gehen vom Agrar-, Energie- und Viehzuchtsektor aus.

Rechtsrahmen und zuständige Behörden für Wasser

Hürden bestehen weiterhin

Trotz der vielversprechenden Entwicklung im Wassersektor existieren zahlreiche Hindernisse, die das Geschäft erschweren können: 

  • Zum Teil herausfordernde Ausschreibungen: Mangelnde Koordinierung und fehlende Erfahrung von zuständigen Behörden im Sektor, insbesondere bei kleineren Projekten, können den Ausschreibungsprozess komplex machen. Einige Kriterien begünstigen lokale Unternehmen, etwa wenn Geschäftserfahrung im Land als wichtiger Faktor vorausgesetzt wird.
  • Höheres Geschäftsrisiko in kleinen und mittleren Gemeinden: Finanzierungsengpässe, politische Einflussnahme und Korruption können dort Geschäftsabschlüsse verzögern oder verhindern.
  • Mitunter fragile Finanzierung: Öffentliche Gelder fließen in dem Sektor oft in Subventionen, so dass nur begrenztes Kapital für Neuinvestitionen zur Verfügung steht. Zudem werden Projekte in der Branche häufig einzeln je Gemeinde vergeben, ohne Skaleneffekte zu nutzen. Bei einigen Projekten hängt die Finanzierung zudem von Tarifeinnahmen in kapitalschwachen Regionen ab, was die Rentabilität unattraktiv machen kann.
  • Technologische Hürden: Die technische Regulierung im Wassersektor gilt unter Experten teilweise als veraltet und wirkt dadurch innovationshemmend. Bei Projekten wird oftmals noch mehr Wert auf die Anfangsinvestitionen gelegt, als auf die Betriebskosten, wodurch effiziente Technologien Nachteile haben.

Letzteres bessert sich aber, zumindest in der Privatwirtschaft, berichtet der Vertreter eines deutschen Unternehmens. So setzt die kolumbianische Regulierung inzwischen Qualitäts- und Effizienzstandards. Das erschwert es minderwertigeren und weniger effizienten Produkten – etwa bestimmten Elektromotoren aus Asien – auf den Markt zu kommen. Auch wegen der hohen Strom- und Energiekosten entscheiden sich immer mehr Unternehmen für energieeffizientere Lösungen aus Deutschland. 

Relevante Akteure im kolumbianischen Wassersektor

Kontakt

Beschreibung

Viceministerio de Agua y Saneamiento Básico

Vizeministerium für Wasser und sanitäre Grundversorgung

Comisión de Regulación de Agua Potable y Saneamiento Básico (CRA)

Aufsichtsbehörde für Trinkwasser und sanitäre Grundversorgung

Asociación Colombiana de Ingeniería Sanitaria y Ambiental (ACODAL)

Kolumbianischer Verband für Sanitär- und Umwelttechnik

Asociación Nacional de Empresas de Servicios Públicos Domiciliarios (ANDESCO)

Nationaler Verband der öffentlichen Versorgungsunternehmen

 

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