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Philippinische IT-Dienstleistungen sind ein Exportschlager
Die Filipinos gelten als technologieaffin und die Löhne in den Philippinen sind niedrig. Das Land gilt daher als günstiger Beschaffungsmarkt für IT-Dienstleistungen.
21.05.2026
Von Boris Alex | Kuala Lumpur
Die Philippinen sind ein wichtiger Standort für IT-Dienstleistungen in Südostasien. Die Anbieter setzten 2025 rund 40 Milliarden US-Dollar (US$) um und damit 5 Prozent mehr als im Vorjahr, so die Daten der IT & Business Process Association of the Philippines (IBPAP). Für 2026 erwartet der Industrieverband einen Umsatz von 42 Milliarden US$. Die Branche hat einen Anteil von fast 70 Prozent an den gesamten Dienstleistungsexporten des Landes und beschäftigt fast 2 Millionen Menschen. Seit 2010 haben sich Umsatz und Mitarbeiterzahl vervierfacht.
Allerdings bedroht der Siegeszug der künstlichen Intelligenz (KI) das Geschäftsmodell vieler Unternehmen, denn die klassischen Aufgaben im Business Process Outsourcing (BPO) und Management (BPM) werden zunehmend von KI-Anwendungen erledigt. Einer Studie der Weltbankgruppe zufolge sind 40 Prozent der Beschäftigten im philippinischen IT-Sektor mit Tätigkeiten befasst, die durch Automatisierung und generative KI-Anwendungen ersetzt werden können.
IT-Dienstleister müssen auf Herausforderung durch KI reagieren
Die IT-Unternehmen müssen ihre Dienstleistungsangebote an das KI-Zeitalter anpassen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Die philippinische Regierung will dies mit KI-Qualifizierungsmaßnahmen flankieren. Bislang machen Kundensupport und Business Process Services (BPS), also ausgelagerte Dienstleistungen von Geschäftsprozessen, 80 Prozent des gesamten Branchenumsatzes aus. Etwa ein Drittel davon entfällt auf Kunden im Finanzsektor und jeweils 15 Prozent auf Telekommunikation, Einzelhandel und Gesundheit. Die USA sind mit einem Anteil von 70 Prozent der wichtigste Abnehmer von IT-Dienstleistungen aus den Philippinen - Englisch ist auf dem Archipel weit verbreitet.
Aus diesem Grund betreiben viele multinationale Unternehmen dort eigene Global Capability Center (GCC) und Shared Service Center (SSC), von denen aus BPS- und IT-Dienstleistungen konzernweit angeboten werden. Auch deutsche Unternehmen nutzen dieses Modell, so beispielsweise die Lufthansa und die Deutsche Bank, die über ihre Tochter Deutsche Knowledge Services am Standort Manila mit 1.200 Beschäftigten Backoffice-Dienste für die Bankengruppe erbringt. Neben den guten Englischkenntnissen sprechen die Verfügbarkeit von qualifiziertem und engagiertem Personal und das attraktive Gehaltsgefüge für den Standort, so die Aussage eines IBPAP-Vertreters gegenüber Germany Trade & Invest.
Softwareentwicklung ist ein wichtiges Segment im IT-Sektor
Gleiches gilt für den Bereich Softwareentwicklung und -services. Der Umsatz in diesem Segment lag laut IBPAP 2025 bei 6,2 Milliarden US$. Der Großteil der knapp 200.000 Beschäftigten programmiert, wartet und testet Software und Applikationen. Die firmenindividuelle Schnittstellenprogrammierung für Standardanwendungen ist ein weiterer Schwerpunkt, so IBPAP. Im Bereich Netzwerksicherheit sowie bei Data-Center- und Cloud-Applikationen sind die lokalen Softwaredienstleister ebenfalls gut aufgestellt.
Auch im Softwaresegment muss sich die Branche allerdings in Richtung KI weiterentwickeln, so die Aussage des IT-Verbands. Denn auch dort übernehmen zunehmend generative KI-Tools klassische Aufgaben aus der Programmentwicklung, die von vielen philippinischen Unternehmen angeboten werden, wie Codieren, Qualitätssicherung, Testen und Warten der Applikationen. Die Anbieter müssten sich daher künftig auf Softwaredesign und -architektur speziell für KI-Anwendungen fokussieren, so die Empfehlung von IBPAP.
Branche kann auf großen Talentpool zugreifen
Etwa ein Drittel der Bevölkerung ist zwischen 15 und 30 Jahre alt und gilt als sehr technologieaffin. Von den rund 900.000 Hochschulabsolventinnen und -absolventen machten 2024 knapp ein Viertel ihren Abschluss in Ingenieurs- und IT-Studiengängen. IBPAP geht davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten im IT-Sektor um durchschnittlich 5 Prozent pro Jahr wachsen wird. Viele der neu ausgebildeten Fachkräfte würden inzwischen Kenntnisse im Bereich KI mitbringen, so der Verband.
Die IT- und Softwaredienstleister konzentrieren sich traditionell in den wirtschaftlich starken Ballungszentren wie der Metropolregion Manila, Cebu, Clark, Bacolod und Davao. Wegen der steigenden Kosten an diesen Standorten sind viele Anbieter inzwischen in mittelgroße Städte - sogenannte Next Wave Cities - wie Baguio, Bulacan oder Cagayan de Oro expandiert, so eine Analyse des philippinischen Department of Information and Communications Technology (DICT).
Auch deutsche IT-Dienstleister in den Philippinen aktiv
Die Beschaffung von Softwaredienstleistungen in den Philippinen kann auch für deutsche Kunden eine Option sein. Die Einstiegsgehälter für Programmierer liegen im Schnitt bei umgerechnet 500 US$ pro Monat. Die Anbieter sind flexibel und können je nach Bedarf ihre Teamstärke schnell anpassen. Die Dienstleister decken ein breites Branchenspektrum ab. Schwerpunkte sind der Finanzsektor und das Gesundheitswesen, aber es gibt auch Anbieter, die sich auf die Entwicklung von Applikationen für die Industrie oder die öffentliche Verwaltung spezialisieren, so die Aussage von IBPAP.
Einige deutsche IT-Dienstleister und Softwareentwickler sind bereits auf dem Markt aktiv. Diese decken ein breites Dienstleistungsspektrum ab und bieten eine Brückenfunktion zwischen den Anforderungen der deutschen Kunden und der philippinischen Software- und IT-Branche. Über das Mitgliederverzeichnis der Deutsch-Philippinische Industrie- und Handelskammer (AHK) können Unternehmen nach potenziellen Dienstleistern suchen.