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Gesundheitssystem

Das Gesundheitssystem in den Philippinen kommt an seine Grenzen. Private Unternehmen investieren in Krankenhäuser und modernisieren diese. 

Von Alexander Hirschle | Taipei

Das philippinische Gesundheitswesen gilt als ausbaufähig und stößt in Teilen an seine Grenzen. So steht nur ein Krankenhausbett pro 1.000 Bewohnern zur Verfügung, während der Schnitt innerhalb der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) bei 5 Betten pro 1.000 Menschen liegt. In abgelegenen Regionen kann dieser Wert sogar noch deutlich unterschritten werden. Nur 50 Prozent der Einwohner haben Zugang zu ärztlicher Versorgung innerhalb von 30 Minuten. Vor allem regional gibt es große Disparitäten hinsichtlich der Qualität der Versorgung. Branchenkenner sprechen daher sogar von einem "2-Klassensystem" der Krankenversorgung.

Insgesamt finden sich auf dem Archipel rund 1.800 Krankenhäuser für mehr als 110 Millionen Einwohner. Davon sind etwa 60 Prozent private Institutionen (1.071 Einheiten) und circa 40 Prozent öffentliche Einrichtungen (721 Einheiten). Von letzteren wiederum werden 66 Krankenhäuser direkt vom Ministerium DOH (Department of Health) betrieben – 38 davon in Luzon, 16 in Mindanao und zwölf Einheiten in Visayas.

Die Region mit den meisten Hospitälern ist Calabarzon südlich der Hauptstadt Manila mit 228 Einheiten. An zweiter Stelle folgt die Region Central Luzon mit 196 Krankenhäusern und auf Rang drei die Hauptstadtregion NCR (National Capital Region) mit 186 Einheiten – darunter fast 60 sogenannte „Level-3-Hospitals“. Diese umfassen spezielle Einrichtungen unter anderem für die Ausbildung der Ärzte, Rehabilitation oder Dialyse. Die philippinische Klassifizierung von Hospitälern umfasst drei Stufen – beginnend mit „1“, welche Krankenhäuser mit einem Minimum an medizinischen Leistungen enthält.

Auf private Krankenhäuser entfällt der größte Teil der Umsätze. Die wichtigsten Akteure im Markt sind nach Einschätzung von Branchenexperten unter anderem Institutionen wie das Philippine Heart Center, Southern Philippines Medical Center, Makati Medical Center und St. Luke's Medical Center.

Krankenhäuser werden modernisiert

Derzeit engagieren sich zahlreiche Privatfirmen im Sektor, die kleinere Krankenhäuser erwerben und modernisieren. Die Entwicklung wird in erster Linie angekurbelt von den Aktivitäten großer Krankenhausgruppen, die über das notwendige Kapital für Investitionen verfügen. Übergeordnetes Ziel ist, vom medizinischen Niveau her zu den Top-Institutionen anderer Länder in der Region aufzuschließen wie etwa in Thailand oder Singapur. Um die Versorgung der Bevölkerung in abgelegenen Landesteilen zu erleichtern, wird in die Nutzung digitaler medizinischer Anwendungen intensiviert.

Geringes Gesundheitsbudget in der Kritik

In den vergangenen Jahren und vor allem während der Coronapandemie wurde Kritik an einer zu geringen Budgetierung des Gesundheitsministerium (Department of Health) laut. Die Mittel seien zu gering, um die Folgen der Coronakrise vollumfänglich bewältigen zu können, so die Stimmen. Auch das Budget für die krisengeschüttelte staatliche Gesundheitsversicherung PhilHealth wurde während der Pandemie zunächst nicht wesentlich aufgestockt. Erst 2022 hat die Regierung den Haushalt für den Gesundheitssektor dann maßgeblich um 27 Prozent nach oben geschraubt.

PhilHealth war 2020 mit Korruptionsvorwürfen und überteuerten Projekten massiv in die Negativschlagzeilen geraten. Schon in den Jahren zuvor hatte es diverse Kontroversen um die staatliche Agentur gegeben. Selbst eine Privatisierung der Gesellschaft stand Presseinformationen zufolge im Raum. Auch das Gesundheitsressort selbst hatte mit Schwierigkeiten zu kämpfen. So hatte ein Audit zutage gebracht, dass vom Ressort beschaffte Medikamente und medizinische Materialien im Wert von 45 Millionen US$ ihr Verfallsdatum überschritten hätten. 

Öffentliche Krankenversicherung übernimmt nicht alle Kosten

Die öffentliche Gesundheitsversorgung in den Philippinen wird von PhilHealth organisiert. Alle Einwohner sind auf Basis des 2019 implementierten Universal Health Care (UHC) Bill (Republic Act No. 11223) über deren Angebot abgesichert. Nach Einschätzung internationaler Experten ist die Qualität der staatlichen Gesundheitsversorgung relativ gut, variiert aber stark zwischen ländlichen und urbanen Regionen. Auch das medizinische Fachpersonal sei gut ausgebildet.

Beschäftigte sind dazu verpflichtet, sich über PhilHealth zu versichern. Die Beiträge werden zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern übernommen. Die Höhe beläuft sich derzeit auf mindestens 4 Prozent des Gehalts, wobei der Mindestsatz 400 philippinische Peso pro Monat umfasst. Ab einem Gehalt von 80.000 Peso wird der Beitrag bei 3.200 Peso gedeckelt. Der Satz soll bis 2025 weiter auf 5 Prozent angehoben werden.

Die Versicherung bezuschusst eine Reihe von Behandlungen inklusive Operationen und stationärer Aufenthalte, auch in privaten Einrichtungen. Allerdings werden nicht alle Behandlungen und Medikamente von PhilHealth abgedeckt. So muss etwa mit 85 Prozent der überwiegende Teil der Arzneimittel aus eigener Tasche bezahlt werden, vor allem die Versorgung außerhalb der Kliniken läuft größtenteils auf eigene Kosten. 

Das ärztliche Personal in öffentlichen Krankenhäusern sei gleich gut wie Ärzte im privaten Sektor, allerdings sind private Krankenhäuser besser ausgestattet als ihre staatlichen Pendants. Auch würden die Behandlungen dort schneller durchgeführt. Private Dienstleistungen seien für einen durchschnittlich verdienenden Philippiner im Regelfall relativ teuer, doch im internationalen Vergleich günstig.

Auf dem Archipel gibt es knapp 100 private Versicherungsunternehmen im Gesundheitsbereich, darunter die AIA Group (Hongkong), HSBC Group (Hongkong), Assicurazioni Generali (Italien), Aetna Inc. (Tochter der US-Gruppe CVS Health) sowie die deutsche Allianz und Pacific Cross (Philippinen). Branchenvertreter sehen derzeit viel Bewegung im Markt für private Krankenversicherungen, was sich in verstärkten Kooperationen und Übernahmen manifestiert. Neue Produkte werden lanciert, in vielen Fällen gemeinsam mit Lebensversicherungen. Bisher sind nur 2 Prozent der Einwohner privat krankenversichert. Die Gesellschaften wollen künftig versuchen, auch den Massenmarkt zu erschließen und mehr Kunden für ihre Produkte zu gewinnen. 



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