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Branche kompakt | Saudi-Arabien | Chemische Industrie

Saudi-Arabiens Chemieindustrie expandiert weiter

Der Ausbau und die Diversifizierung der Chemieproduktion gehören zu den zentralen Elementen der saudi-arabischen Industrialisierungsstrategie. Ausländische Partner sind gefragt.

Von Heena Nazir | Dubai

Ausblick der chemischen Industrie in Saudi-Arabien

Bewertung:

 

  • Hohe Investitionen in den Kapazitätsausbau.
  • Produktionspalette wird weiter diversifiziert.
  • Ausländische Partner spielen zunehmend eine wichtige Rolle.
  • Lokalisierungsanforderungen verschärfen sich.

Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage des prognostizierten Umsatz- und Produktionswachstums, von Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Januar 2026

  • Saudi-Arabien ist der mit Abstand wichtigste Chemie- und Petrochemiestandort im Golfraum und treibt den regionalen Ausbau von Kapazitäten und Projekten maßgeblich voran.

    Saudi-Arabien nimmt im Chemiemarkt des Golfkooperationsrats (Gulf Cooperation Council, GCC: Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Kuwait, Oman und Bahrain) eine klar dominierende Stellung ein und prägt die Entwicklung der Region maßgeblich. Die Petrochemie bildet dabei das industrielle Rückgrat des saudi-arabischen Chemiesektors und bestimmt sowohl Produktionsstruktur als auch Exportausrichtung.

    120

    Millionen Tonnen kann die saudi-arabische Petrochemie jährlich produzieren.

    Nach Angaben des regionalen Chemieverbands Gulf Petrochemicals and Chemicals Association erreichte der petrochemische Markt im GCC im Jahr 2025 ein Volumen von rund 96 Milliarden US-Dollar (US$). Für den Zeitraum von 2026 bis 2032 wird ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 5,7 Prozent erwartet. Damit dürfte das Marktvolumen bis 2032 auf etwa 141 Milliarden US$ anwachsen. Legt man den saudi-arabischen Anteil an den regionalen Produktionskapazitäten von rund drei Vierteln zugrunde, ergibt sich rechnerisch ein Marktvolumen von etwa 72 Milliarden US$ im Jahr 2025 und rund 106 Milliarden US$ im Jahr 2032. Dieses Wachstum wird vor allem durch die hohe Verfügbarkeit kostengünstiger Einsatzstoffe sowie die steigende Nachfrage aus nachgelagerten Industrien wie Verpackung, Bauwirtschaft und Automobilindustrie getragen.

    Die petrochemische Produktionskapazität Saudi-Arabiens liegt bei rund 120 Millionen Tonnen pro Jahr. Das Produktspektrum reicht von Basischemikalien wie Ethylen, Propylen, Methanol und Aromaten bis hin zu Kunststoffen und chemischen Zwischenprodukten. Die industrielle Fertigung ist stark konzentriert und erfolgt überwiegend in integrierten Industrieclustern in Jubail am Persischen Golf sowie in Yanbu am Roten Meer. Die enge räumliche Verzahnung mehrerer Produktionsstufen entlang der Wertschöpfungskette ermöglicht erhebliche Skaleneffekte und trägt zu vergleichsweise niedrigen Produktionskosten bei.

    Projektpipeline deutet auf Belebung ab 2026 hin

    Neben der bestehenden Produktionsbasis spielt Saudi-Arabien auch im regionalen Projektmarkt eine zentrale Rolle. Nach Daten von MEED Projects beläuft sich der Wert der im GCC geplanten, aber noch nicht vergebenen Chemie- und Petrochemieprojekte auf deutlich über 80 Milliarden US$. Auf Saudi-Arabien entfallen davon rund 30 Milliarden US$. Es folgen Oman mit etwa 21 Milliarden US$ sowie die Vereinigten Arabischen Emirate mit rund 16 Milliarden US$. Mehr als 55 Prozent der Vorhaben befinden sich noch in einer frühen Phase, entweder in der Studienphase oder in der technischen Vorplanungsphase. Konkrete Investitionsentscheidungen und Ausschreibungen sind daher vielfach erst in den kommenden Jahren zu erwarten.

    Ein erheblicher Teil des Projektvolumens, rund 37,6 Milliarden US$, entfällt auf wasserstoffbezogene Vorhaben. Der Ausbau entsprechender Kapazitäten ist eng mit den langfristigen Dekarbonisierungs- und Diversifizierungszielen des Landes verknüpft und ergänzt die klassische petrochemische Wertschöpfung zunehmend um neue industrielle Anwendungen.

    Bedeutende Wasserstoffprojekte in Saudi Arabien in Milliarden US-Dollar
    ProjektProjektstatus

    Investitionsvolumen

    PIF – Clean Hydrogen PlantStudie

    10,0

    ACWA Power / SEFE – Green Hydrogen CorridorStudie

    8,0

    PIF – Green Hydrogen and Ammonia ComplexStudie

    6,5

    NEOM Green Hydrogen Company – Oxagon Southern ClusterBau (55 Prozent)

    5,7

    SABIC Agri-Nutrients – Low Carbon Hydrogen Complex (Horizon I)Angebotsauswertung

    3,0

    SARCO / Go Energy – Green Hydrogen-Ammonia PlantStudie

    1,0

    Saudi Aramco – Jafurah Blue Hydrogen PlantStudie

    1,0

    NEOM Green Hydrogen Company – Oxagon Green Fuels PlantBau (87 Prozent)

    0,9

    MIIHG / ICE / Saudi Aramco – Renewable Energy Hub (SAREH)Studie

    0,5

    Cummins / SWA – Hydrogen Gas Production PlantStudie

    0,5

    Quelle: MEED Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest; Januar 2026

    Zu den wichtigsten Einzelprojekten zählt die geplante Erweiterung des Petrochemiekomplexes Yasref in Yanbu, ein Gemeinschaftsvorhaben von Saudi Aramco und Sinopec. Vorgesehen sind unter anderem der Bau eines Mixed-Feed-Steamcrackers mit einer Kapazität von 1,8 Millionen Tonnen pro Jahr sowie eines integrierten Aromatenkomplexes. Ein weiteres Großprojekt ist der geplante Mixed-Feed-Cracker-Komplex von Sipchem und LyondellBasell mit einem Investitionsvolumen von rund 5 Milliarden US$. Geplant sind Produktionskapazitäten von etwa 1,5 Millionen Tonnen Ethylen und 1,8 Millionen Tonnen Derivaten pro Jahr.

    Ausgewählte Chemieprojekte in Saudi Arabienin Milliarden US-Dollar
    ProjektProjektstatus

    Investitionsvolumen

    Sipchem / LyondellBasell – Mixed Feed Cracker ComplexStudie

    5,0

    Saudi Aramco / SABIC / Sinopec – Yanbu COTC Petrochemical ComplexTechnische Vorplanungsphase

    5,0

    Saudi Aramco / Sinopec – Yasref Petrochemical Complex ExpansionTechnische Vorplanungsphase

    4,0

    Saudi Aramco / Rongsheng Petrochemical – Liquids-to-Chemicals ExpansionTechnische Vorplanungsphase

    4,0

    SATORP – Amiral Complex: Utility, Flare & Interconnection (Package 4)Bau (46 Prozent)

    2,5

    SATORP – Amiral Complex: Mixed Feed Cracker (Package 1)Bau (46 Prozent)

    2,5

    SABIC – High Purity Ethylene Oxide Unit (YANPET)Technische Vorplanungsphase

    2,0

    SATORP – Amiral Complex (Masterplan)Bau (54 Prozent)

    1,9

    INEOS / SATORP – Amiral Complex: Derivatives Unit (Package II)Bau (48 Prozent)

    1,9

    Maaden / Mosaic / SABIC – Phosphate 3: DAP Package IBau (62 Prozent)

    1,5

    Quelle: MEED Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest; Januar 2026

    Deutschland zählt zu den wichtigsten Chemielieferanten

    Trotz der starken eigenen Produktionsbasis bleibt Saudi-Arabien in vielen Segmenten auf Chemieimporte angewiesen. Nach Angaben von UN Comtrade importierte das Land im Jahr 2024 Chemieprodukte der SITC-Warengruppe 5 – darunter chemische Erzeugnisse, Kunststoffe und pharmazeutische Produkte – im Wert von rund 24,3 Milliarden US$. Im Jahr 2023 lag der Importwert noch bei 21,9 Milliarden US$. Zu den wichtigsten Lieferländern zählten 2024 die USA mit 3,1 Milliarden US$, China mit 2,5 Milliarden US$ sowie Deutschland mit 2,4 Milliarden US$.

    Die Chemieimporte aus China, den USA und Deutschland haben zwischen 2019 und 2024 deutlich zugenommen. Besonders stark fiel der Zuwachs bei Lieferungen aus China aus, deren Importwert sich im Zeitraum mehr als verdoppelte. Insbesondere im Bereich preislich wettbewerbsfähiger Chemikalien und Vorprodukte wächst die Bedeutung chinesischer Anbieter. Der stetige Anstieg der Importe spiegelt die anhaltende Nachfrage nach hochwertigen Chemikalien, Spezialprodukten und industriellen Vorleistungen wider.

    Auch Deutschland konnte seine Chemielieferungen nach Saudi-Arabien mit plus 36 Prozent spürbar ausweiten. Das Importwachstum weist auf stabile Marktchancen für deutsche Anbieter hin, vor allem in höherwertigen Segmenten wie Spezialchemikalien, industriellen Vorprodukten sowie chemienahen Anwendungen für Industrie- und Infrastrukturprojekte. Für ausländische Unternehmen bleibt Saudi-Arabien ein attraktiver, aber anspruchsvoller Markt, in dem technologische Kompetenz zunehmend mit lokaler Präsenz, langfristigen Partnerschaften und einer Einbindung in regionale Wertschöpfungsketten verknüpft werden muss.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Die Produktion hochwertiger Chemieerzeugnisse soll deutlich steigen. Die zu Saudi Aramco gehörende Saudi Basic Industries Corporation (SABIC) dominiert die Branche. 

    Trotz eines breiten Produktspektrums mit inzwischen mehr als 140 chemischen Erzeugnissen bleibt die Wertschöpfungstiefe in der saudi-arabischen Chemieindustrie bislang begrenzt. Die Produktionsstruktur ist weiterhin stark auf volumengetriebene Grundstoffe und Standardprodukte ausgerichtet, während höherwertige Segmente eine untergeordnete Rolle spielen.

    Nach Schätzungen der Gulf Petrochemicals and Chemicals Association entfielen 2025 rund 90 Prozent der installierten Produktionskapazitäten auf chemische Grundstoffe, Zwischenprodukte, Standardpolymere wie Polyethylen, Polypropylen und Polyvinylchlorid sowie auf Düngemittel. Hochwertige Chemieprodukte, darunter Spezialchemikalien, hochveredelte Derivate sowie Hochleistungskunststoffe und -kautschuke, stellten lediglich etwa 10 Prozent der Produktionskapazitäten. Sie erwirtschafteten jedoch mehr als ein Drittel des Branchenumsatzes. Diese Diskrepanz verdeutlicht die erheblichen Wertschöpfungsunterschiede innerhalb der Industrie.

    Industriepolitik zielt auf höhere Wertschöpfung

    Vor diesem Hintergrund treibt Saudi-Arabien die strukturelle Weiterentwicklung seiner Chemieindustrie gezielt voran. Ziel ist es, die Abhängigkeit von klassischen Basischemikalien schrittweise zu reduzieren und die industrielle Wertschöpfung im Land zu erhöhen. Der strategische Fokus verlagert sich zunehmend auf nachgelagerte Produktionsstufen, insbesondere auf Spezialchemikalien und anwendungsnahe chemische Vorprodukte mit höherem technologischem Anspruch.

    Ein Beispiel hierfür ist die von der Saudi Basic Industries Corporation geplante High-Purity-Ethylenoxid-Anlage am Standort Yanbu. Hochreines Ethylenoxid gilt als Schlüsselvorprodukt für Spezialderivate, etwa für pharmazeutische Anwendungen und funktionale Polymere. Das Projekt befindet sich in der technischen Vorplanungsphase, das Investitionsvolumen liegt bei rund 2 Milliarden US$. Der Baustart ist für 2027 vorgesehen, die Inbetriebnahme für 2029.

    Ein weiteres Vorhaben ist die geplante "Agricultural Chemicals Manufacturing Facility" des internationalen Konzerns UPL (United Phosphorus Limited) im Raum Riad. Vorgesehen ist die Herstellung von Pflanzenschutzmitteln und formulierten Agrarchemikalien. Das Investitionsvolumen beträgt rund 1 Milliarde US$. Derzeit befindet sich das Projekt in der Studienphase; Baubeginn und Inbetriebnahme sind für 2027 beziehungsweise 2029 geplant.

    Stark konzentrierte Wettbewerbsstruktur

    Die Wettbewerbsstruktur der saudi-arabischen Chemieindustrie ist stark konzentriert und wird von wenigen, überwiegend staatsnahen Großunternehmen geprägt. Diese verfügen über eine enge Verzahnung von Raffinerie- und Chemieaktivitäten sowie über einen privilegierten Zugang zu kostengünstigen Rohstoffen. Klassischer Wettbewerb zwischen einer Vielzahl gleichwertiger Anbieter spielt eine untergeordnete Rolle, entsprechend hoch sind die Markteintrittsbarrieren.

    Zentraler Akteur ist die Saudi Basic Industries Corporation. Der 1976 gegründete Konzern deckt große Teile der Wertschöpfungskette ab, von Basischemikalien und Polymeren bis hin zu ausgewählten Spezialchemikalien. Seit 2020 hält die staatliche Ölgesellschaft Saudi Aramco 70 Prozent der Anteile. Nach eigenen Angaben stellt der Konzern rund die Hälfte der gesamten Chemieproduktion des Landes.

    Neben dem Marktführer prägen mehrere großskalige Joint Ventures das Wettbewerbsumfeld, darunter Sadara Chemical Company, Petro Rabigh, SATORP und YASREF. Diese Unternehmen sind überwiegend im Bereich der Basischemikalien und Standardpolymere tätig und häufig direkt an Raffineriestandorte angebunden. Ihr Fokus liegt auf integrierten Refinery-to-Chemicals-Konzepten, die die Wertschöpfungstiefe erhöhen und die Abhängigkeit vom klassischen Kraftstoffgeschäft reduzieren sollen.

    Indirekte Marktchancen für ausländische Anbieter

    Der Wettbewerb wird damit weniger durch Produktdifferenzierung als durch Skaleneffekte, Integrationstiefe und Kostenvorteile bestimmt. Während bei Basischemikalien und Standardpolymeren der Preiswettbewerb dominiert, gewinnen Spezialchemikalien im Zuge der industriepolitischen Zielsetzungen an Bedeutung.

    Für ausländische Unternehmen, darunter insbesondere deutsche Anbieter, ergeben sich daraus vor allem indirekte Marktchancen. Aufgrund der hohen Marktkonzentration treten sie vor allem als Technologie-, Ausrüstungs- und Lösungspartner auf, etwa in den Bereichen Verfahrenstechnik, Spezialanlagen und Prozessautomatisierung, wie Branchenexperten gegenüber der GTAI berichten.

    Wichtige Branchenunternehmen in Saudi-Arabien (Auswahl)in Milliarden US-Dollar
    UnternehmenSparte/Produkte (Auswahl)

    Umsatz (2024)

    Saudi AramcoÖl & Gas, Petrochemie

    280,0 ¹

    Saudi Basic Industries Corporation (SABIC)Petrochemie, Agrarchemikalien, Spezialchemikalien, Metall

    37,3

    Saudi Aramco Total Refining & Petrochemical Company (SATORP)Raffinerie, Petrochemie

    20,5

    Rabigh Refining & Petrochemical Company (Aramco / Sumitomo)Raffinerie, Polymere, Monomere

    10,5

    Sadara Chemical Company (Aramco / Dow Chemicals)Ethoxylate, PEG, TDI, Benzol, MDI, Butanol, Polyole, Epoxidharze, Acrylate

    8,8

    Saudi Aramco Base Oil Company (Luberef)Base Oil (Grundöl)

    2,8

    Saudi Kayan Petrochemical CompanyEthylen, Propylen und Derivate, Downstream-Produkte

    2,3

    Sahara International Petrochemical Company (Sipchem)Propylen, Polypropylen, Ethylen, LLD-Polyethylen, Methanol, Butandiol, CO, Essigsäure, Vinylacetat

    1,9

    Yanbu National Petrochemical Company (YANSAB)Ethylen, Ethylenglycol, HD- & LLD-Polyethylen, Polypropylen, Butene, MTBE, BTX

    1,6

    Saudi Industrial Investment Group (SIIG) ²Benzol, Styrol, Polypropylen, HD-Polyethylen, 1-Hexen

    k.A.

    1 nur Geschäftsbereich "Downstream" (Raffinerien, Petrochemie etc.); 2 ist beteiligt unter anderem an Saudi Polymers, Saudi Chevron Phillips und Jubail Chevron Phillips.Quelle: Unternehmensangaben; Recherchen von Germany Trade & Invest; Januar 2026

    Deutsche Chemieunternehmen produzieren im Königreich

    Deutsche Unternehmen sind in der saudi-arabischen Chemieindustrie mit Fertigungsaktivitäten vertreten. Henkel betreibt über seine in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Tochterfirma Henkel Polybit eine Produktionsstätte in Dammam. Dort werden Abdichtungsmaterialien und weitere Chemieprodukte für den Bausektor hergestellt. Das Familienunternehmen Bischof + Klein aus Lengerich produziert in Al Khobar Verpackungsfolien für flexible Anwendungen, darunter SmartFlex- und FFS-Lösungen.

    Darüber hinaus ist Evonik mit 25 Prozent an der Saudi Acrylic Polymers Company beteiligt. Das Joint Venture nahm 2014 im Chemiepark Jubail die Produktion von Superabsorbern auf. Mit einer Kapazität von 80.000 Tonnen pro Jahr zählt die Anlage zu den bedeutenden Produktionsstandorten dieser Produktgruppe in der Region. Superabsorber sind ein zentrales Basismaterial für Hygieneprodukte wie Windeln oder Binden.

    Auch im Bereich der Industriegase engagieren sich deutsche Konzerne langfristig. Die Linde-Gruppe investierte rund 380 Millionen US$ in eine Anlage zur Herstellung von Kohlenmonoxid, Wasserstoff und Ammoniak. Die Fabrik ging 2017 auf dem Gelände des Sadara-Komplexes in Jubail in Betrieb und ist eng in die dortige chemische Wertschöpfung integriert.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Saudi-Arabien will internationale Technologieanbieter dazu bewegen, verstärkt lokal zu produzieren und bietet entsprechende Förderprogramme an.

    Mit strengen Lokalisierungsvorschriften verfolgt die saudi-arabische Regierung das Ziel, die inländische Wertschöpfung zu erhöhen sowie Beschäftigung und Qualifizierung einheimischer Arbeitskräfte zu fördern. Diese industriepolitischen Zielsetzungen spielen in der Chemiebranche eine zentrale Rolle.

    Für ausländische Unternehmen ist eine erfolgreiche Marktteilnahme zunehmend an einen hohen Grad lokaler Wertschöpfung geknüpft. Insbesondere bei Ausschreibungen des führenden Chemiekonzerns Saudi Basic Industries Corporation (SABIC) reicht die reine Lieferung und Montage von Maschinen und Ausrüstungen immer seltener aus. Erwartet werden vielmehr lokale Fertigungsschritte, eine langfristige Präsenz im Land sowie die Einbindung saudischer Zulieferer und Arbeitskräfte. Eine weitere Verschärfung der Local-Content-Regelungen dürfte den Marktzugang für ausländische Anbieter von Anlagen und Ausrüstungen im Chemiesektor spürbar erschweren.

    Zur Unterstützung von Unternehmen, die ihre lokale Wertschöpfung in Saudi-Arabien ausbauen wollen, hat SABIC das NUSANED-Programm etabliert. Dieses Lokalisierungsprogramm ähnelt in Zielsetzung und Methodik dem IKTVA-Programm (In-Kingdom Total Value Add) des nationalen Ölkonzerns Saudi Aramco und dient dem systematischen Aufbau lokaler Lieferketten. Ergänzend flankiert der Staat die Lokalisierungspolitik mit einer Reihe von Förderinstrumenten, die sowohl in- als auch ausländische Investoren adressieren. Über die staatliche Investitionsförderagentur Invest Saudi erhalten Unternehmen unter anderem Zugang zu Zuschüssen, zinsgünstigen Finanzierungen, Industrieflächen in spezialisierten Chemieparks sowie Unterstützung bei Genehmigungs- und Ansiedlungsprozessen. Ziel dieser Programme ist es, internationale Technologieanbieter zu einer stärkeren lokalen Produktion zu bewegen und Investitionen in nachgelagerte chemische Wertschöpfungsstufen zu lenken.

    Förderprogramme für Investitionen in der Chemieindustrie in Saudi-Arabien (Auswahl)
    FörderprogrammTrägerFörderinstrumente (Auswahl)Bedeutung für Chemieinvestitionen
    Standard Incentives Program for the Industrial SectorMinistry of Investment (MISA)Zuschüsse bis zu 35% der Investitionskosten (max. 10 Mio. bis 13 Mio. US$), phasenweise AuszahlungBesonders relevant für neue Chemieanlagen, Kapazitätserweiterungen sowie Downstream- und Spezialchemieprojekte
    Invest Saudi – Investor SupportInvest SaudiProjektbegleitung, Genehmigungen, Standortsuche, Partner-MatchmakingZentrale Anlaufstelle für ausländische Chemie- und Technologieinvestoren
    Saudi Industrial Development Fund (SIDF)Staatlicher IndustriefondsLangfristige Kredite, Co-Finanzierung zu bevorzugten KonditionenFinanzierung kapitalintensiver Chemie- und Prozessanlagen
    MODON – Industrial CitiesSaudi Authority for Industrial CitiesSubventionierte Industrieflächen, Infrastruktur, ServicesZugang zu Chemieclustern wie Jubail, Yanbu und spezialisierten Industrieparks
    Made in Saudi ProgramSaudi Export Development AuthorityMarkenzugang, Sichtbarkeit, Unterstützung bei staatlicher BeschaffungFörderung lokal produzierter Chemie- und Vorprodukte
    Local Content & Government Procurement Authority (LCGPA)LCGPALocal-Content-Vorgaben, Bewertungsvorteile bei öffentlichen AusschreibungenZunehmend entscheidend für Marktzugang und Wettbewerbsfähigkeit
    Quelle: Ministry of Investment of Saudi Arabia, Invest Saudi, Saudi Industrial Development Fund, Saudi Authority for Industrial Cities, Saudi Export Development Authority, Local Content & Government Procurement Authority, Januar 2026

    Im Chemiesektor unterliegen ausländische Direktinvestitionen keinen formalen Beschränkungen. Invest Saudi weist derzeit rund 450 Chemieindustrieprojekte als Investitionsmöglichkeiten aus (Stand: Anfang 2026), was die strategische Bedeutung des Sektors für die saudi-arabische Industrialisierungsagenda unterstreicht. Viele internationale Chemieunternehmen verfügen bereits über eigene Produktionsbetriebe im Land, häufig in Kooperation mit lokalen Partnern.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Saudi-Arabien (Delegation der Deutschen Wirtschaft für Saudi-Arabien, Bahrain und Jemen)

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministry of Industry & Mineral ResourcesFederführendes Ministerium für die chemische Industrie
    Ministry of CommerceMinisterium für Handel
    Ministry of InvestmentMinisterium für Investitionen
    Royal Commission for Jubail & YanbuBehörde mit starken Engagements im Chemiesektor
    Saudi Industrial Development FundStaatlicher Industriefonds
    Gulf Petrochemicals & Chemicals AssociationRegionaler Fachverband
    Saudi Plastics & PetrochemFachmesse, jährlich; nächster Termin: 12. bis 15. April 2026 in Riad 
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