Sie sind ein ausländisches Unternehmen, das in Deutschland investieren möchte?

Futuristic city VR wire frame with businesswoman walking. 3D generated image. ©GettyImages/gremlin/Karan Kapoor Futuristic city VR wire frame with businesswoman walking | © GettyImages/gremlin/Karan Kapoor

Special | Saudi-Arabien | Seidenstraße

Saudi-Arabien wird Teil der digitalen Seidenstrasse

Saudi-Arabien verfügt bereits über eine gut ausgebaute digitale Infrastruktur und arbeitet dabei sowohl mit westlichen als auch mit chinesischen Technologieanbietern zusammen.


  • Saudi-Arabien baut digitale Infrastruktur zügig aus

    Saudi-Arabien will sich mit einem leistungsfähigen 5G-Netz, Cloud-Dienstleistungen und Glasfasertechnologie international profilieren. China beteiligt sich an einigen Stellen.

    Schneller Ausbau der 5G-Netze

    Zu den Eckpfeilern der saudi-arabischen Entwicklungsplanung (Vision 2030) gehört, sich als digitales Zentrum der Region zu etablieren. Aufgrund dieser strategischen Ausrichtung und der Position Saudi-Arabiens als G20-Wirtschaftsmacht begann das Königreich schneller als einige andere Länder der Region mit dem Aufbau von 5G-Netzen. Entsprechend hat Saudi-Arabien im 5G-Sektor bereits große Fortschritte erzielt. Die Installation von 5G-Netzen begann 2019. Etwa 7.000 5G-Funkmasten waren Mitte 2020 installiert. Mittlerweile existiert in den meisten Groß- und Mittelstädten ein 5G-Service.

    Nach Angaben der staatlichen Communications and Information Technology Commission (CITC) wurde in den 5G-Netzen der drei Mobilfunkbetreiber (Saudi Telecommunication Company/STC; Etihad Etisalat Company/Mobily; Mobile Telecommunications Company Saudi Arabia/Zain) im zweiten Quartal 2020 eine durchschnittliche Download-Geschwindigkeit von 393 Mbps (Megabits per second) gemessen. Den besten Wert lieferte STC mit 467 Mbps.

    Huawei mit starker Position

    Das chinesische Unternehmen Huawei tritt in Saudi-Arabien stark auf. Huawei war das erste chinesische Unternehmen, das sich 2016 als 100 Prozent ausländisches Unternehmen registrieren konnte. Der erste "Huawei Flagship Store", der größte in der MENA Region, wurde 2019 eröffnet. Eigenen Angaben zufolge konnte Huawei 2018 in Saudi-Arabien dem Umsatz nach zum zweitgrößten Smartphone-Anbieter aufsteigen.

    In der ersten Phase des Aufbaus der 5G-Netze installierte Huawei 2019 die Netzinfrastruktur für Zain. Das Zain 5G-Netz deckte Ende 2019 bereits 27 Städte ab, insgesamt 2.600 Funkmasten waren in Betrieb.

    STC kooperiert mit Huawei beim Aufbau eines 5G-Netzes für das Megastadtentwicklungsprojekt NEOM. Seit Juni 2019 arbeitet STC an einem landesweiten 5G-Netz, Ende 2019 umfasste das Netz 2.300 Funkmasten.

    Saudi-Arabien: Aktive chinesische Firmen

    Sektor

    Firmenname

    Tätigkeitsfeld

    5G Netztechnik

    Huawei

    IT-Infrastruktur, Netzwerke

    Mobiltelefonie

    Huawei

    Hersteller von Smartphones

    Mobiltelefonie

    Honor

    Hersteller von Smartphones

    Mobiltelefonie

    Oppo

    Hersteller von Smartphones

    Mobiltelefonie

    Xiaomi

    Hersteller von Smartphones

    Cloud, Datenzentren

    Huawei Cloud

    Cloud Services

    Cloud, Datenzentren

    Alibaba Cloud

    Cloud Services

    Quelle: Firmenangaben

    Eine Multi-Vendor-Integration (MVI) hat STC angekündigt, diese soll für STC "den Weg ebnen, durch vielfältige 5G-Kooperationen Innovationen anführen zu können". STC nennt Huawei und Cisco als Lieferanten der 5G-Kerninfrastruktur, während Ericsson und Nokia mit der Installation von Funkstationen beauftragt wurden.

    Huawei gibt an, in Saudi-Arabien jährlich 20 Millionen US$ für Forschungszentren auszugeben. Das Unternehmen investiert in die Ausbildung saudi-arabischer Fachkräfte und Studenten unter anderem im Rahmen des "Seeds for the Future"-Programms und eröffnete 2015 ein Joint Innovation Center gemeinsam mit Saudi Aramco und der King Fahad University of Petroleum and Minerals.

    Harter Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt

    Auf dem saudi-arabischen Mobilfunkmarkt wird sich die Wettbewerbsintensität durch die Zulassung weiterer Mobilfunkdiscounter (Mobile Virtual Network Operator/MVNO) erhöhen. Als MVNO-Anbieter sind schon das Virgin Mobile Saudi Consortium (Virgin; nutzt STC-Netz) und die Etihad Jawraa for Telecom and Information Technology Company (Lebara; Mobily-Netz) aktiv.

    Die Zahl der Mobilfunkanschlüsse ist in Saudi-Arabien seit Jahren unter anderem aufgrund regulatorischer Maßnahmen (Registrierungspflichten etc.) rückläufig. Nach CITC Angaben waren 2014 rund 52,7 Millionen SIM-Karten registriert, bis 2017 ging es auf 40,2 Millionen zurück. Es folgte 2018 ein Anstieg auf 41,3 Millionen. Die CITC gibt für Mitte 2019 die Zahl der Mobilfunkanschlüsse mit 41,5 Millionen an. Anfang 2020 waren es wieder 40,2 Millionen. Im Jahresverlauf 2020 könnte die Zahl der Mobilfunkanschlüsse aufgrund der krisenbedingten Abwanderung ausländischer Arbeitskräfte deutlich unter die 40 Millionen-Marke gesunken sein.

    Zain weist zwischen September 2019 und September 2020 eine Schrumpfung seiner Mobilfunkanschlüsse in Saudi-Arabien um 9 Prozent auf 7 Millionen aus. In den ersten neun Monaten 2020 verbuchte Zain gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode einen Umsatzrückgang um 5 Prozent auf 1,56 Milliarden US$. Zain hat 2018 und 2019 in Saudi-Arabien für insgesamt 1 Milliarde US$ investiert, in den ersten neun Monaten 2020 für 373 Millionen US$.

    Markt für Cloud-Services expandiert

    In der Vergangenheit dominierten lokale Anbieter das Angebot im Cloud Datacenter-Sektor. Aber auch deutsche Expertise ist gefragt. SAP betreibt seit April 2018 das erste öffentliche Cloud Datencenter in Saudi-Arabien. SAP wurde 2020 als erstes Unternehmen von der CITC als "Level-3 Cloud Service Provider" anerkannt.

    Die deutsche Detasad (Detecon Al Saudia) betreibt in Jeddah und Riad Datencenter. Kürzlich erhielt das Unternehmen den Auftrag, das IT System eines im Bau befindlichen Megafreizeitparks (Qiddiya) in den nächsten fünf Jahren zu managen.

    Auch die staatliche STC investiert in neue Datencenter. Im Dezember 2020 gab STC bekannt, in Riad, Jeddah und Medina neue Datencenter in Betrieb genommen zu haben, die Gesamtinvestition wird mit 267 Millionen US$ angegeben.

    Die drei Center werden als erste Phase des "New Generation" Datencenter-Programms bezeichnet. Die "Critical IT Power" (white space ready) der Center wird mit insgesamt 10,8 Megawatt angegeben, mit Erweiterungsmöglichkeiten auf 16,8 Megawatt. Die Phase 2 mit vier weiteren Datenzentren ist bereits im Bau und soll die Leistung auf 40,8 Megawatt erhöhen, in einem nächsten Schritt sind 105 Megawatt angestrebt.

    STC hat angekündigt, im Rahmen einer Partnerschaft mit eWTP Arabia Capital, einem regionalen Risikokapitalfonds, und Alibaba Cloud rund 500 Millionen US$ in Cloud-Services zu investieren.

    Andere große Cloud-Anbieter sind ebenfalls im Land aktiv. Seit 2020 betreibt Oracle ein Cloud Datencenter in Jeddah, ein weiteres soll folgen. Amazon Web Services ist seit 2019 im benachbarten Bahrain vertreten.

    Die Zahl der Glasfaseranschlüsse hat sich 2020 stark erhöht. Weniger als 1 Million waren es Mitte 2019. Ende 2020 verfügten etwa 3,5 Millionen Haushalte über eine FTTH-Verbindung (Fiber To The Home). Bis 2030 sollen in dicht besiedelten Regionen 90 Prozent der Haushalte und in anderen urbanen Regionen 66 Prozent angeschlossen sein.

    Von Hanna Riehle, Robert Espey | Riad, Dubai

  • Saudi-Arabien setzt auf Smart City-Technologien - auch aus China

    In Saudi-Arabien wird intensiv an Smart City-Strategien gearbeitet. Das chinesische Unternehmen Huawei ist an vielen Projekten beteiligt.

    Die saudi-arabische Entwicklungsplanung, die 2016 durch die Vision 2030 und das National Transformation Program 2020 (NTP) konkretisiert wurde, enthält die Implementierung von Smart City-Strategien als wichtiges Ziel.

    Industriestadt Yanbu war Vorreiter

    Die an der Ostküste liegende Industriestadt Yanbu bezeichnet sich als erste Smart City des Königreichs. Chinas Technologiefirma Huawei ist hier ein wichtiger Kooperationspartner. Bereits 2016 war in Yanbu mit der zweiten Phase des Smart City-Programms begonnen worden. Die erste Phase umfasste unter anderem die Installation eines Breitbandnetzes und den Aufbau von Cloud-Kapazitäten.

    Zu den Projekten der zweiten Phase gehören Systeme (1) zur Überwachung des Schwerlastverkehrs, (2) zur Abfallentsorgung, (3) zur intelligenten Steuerung der Straßenbeleuchtung, (4) zum Parkplatzmanagement, (5) zur Senkung des Stromverbrauchs in Bürogebäuden, (6) zur Kontrolle von Kanaldeckeln und (7) zur Überwachung von Menschenansammlungen.

    Diese zweite Phase wurde 2018 weitgehend abgeschlossen. Als Ergebnis sollen durch Kontrolle des Lkw-Verkehrs (Erfassung von Gewicht und Geschwindigkeit) die Kosten der Straßeninstandhaltung deutlich gesenkt worden sein. Durch Überwachung des Füllstands von Müllcontainern kann nun die Abfallsammlung effektiver organisiert werden. Die Smart Street Light-Technologien haben zur Reduzierung des Stromverbrauchs geführt. Das Smart Parking-System verbessert die Parkraumauslastung.

    In der laufenden dritten Phase des Yanbu Smart City-Programms werden nun unter anderem Big Data-Analysesysteme, IoT-Plattformen (Internet of Things) sowie Plattformen zur Integration von Kommunikationssystemen aufgebaut. Ein Projekt der dritten Phase ist das in Kooperation mit Huawei 2019 installierte e-Police System. An 16 Straßenkreuzungen sind insgesamt 256 HD-Kameras im Einsatz. Das durch KI (Künstliche Intelligenz) gesteuerte ITM-System (Intelligent Traffic Management) erkennt Verkehrsverstöße und regelt die Ampelanlagen je nach Verkehrsaufkommen.

    Die erste Phase der 2017 verabschiedeten Smart City-Initiative des Ministry of Municipal and Rural Affairs (MOMRA) umfasst die Einführung von Smart City-Technologien auch in den Städten Mekka, Riad, Jeddah, Medina und Dammam. Ein Abschluss der ersten Phase war für 2020 geplant. Smarte Technologien werden in folgenden Sektoren eingesetzt: Parkplatzmanagement, Straßenbeleuchtung, Abfallentsorgung und Überwachung der Umwelt-/Luftverschmutzung.

    Huawei kooperiert mit der Smart City Solutions Company

    Im Juni 2020 hat Huawei eine Vereinbarung mit der saudi-arabischen Smart City Solutions Company (SC2) geschlossen. SC2 gehört zur saudi-arabischen Batic Investments and Logistics Company. Als erste gemeinsame Vorhaben sind Smart City-Projekte in den Ostküstenstädten Al Khobar, Dammam und Dhahran geplant.

    In den drei Städten sollen KI-Systeme zum Parkplatzmanagement und zur Steuerung der Straßenbeleuchtung sowie Video-Analysesysteme installiert werden. Ferner soll die IKT-Infrastruktur stark erweitert werden. Auch über die Bereiche Abfallentsorgung und Sicherheitsdienstleistungen wird gesprochen.

    Die Kooperation von Huawei und SC2 soll die gemeinsame Nutzung von Smart City-Plattformen ermöglichen –mit entsprechenden Vorteilen für ihre Kunden. In Dammam hat SC2 einen Vertrag mit einer Laufzeit von 25 Jahren für den Betrieb eines Parkplatzmanagementsystems erhalten.

    Intelligente Verkehrssteuerung ist gefragt

    Regierungsplaner sehen die Beseitigung/Reduzierung von Mobilitätsproblemen als zentrales Element einer Smart City. Dabei sind intelligente Systeme zur Regulierung des hohen Verkehrsaufkommens in den Großstädten und auf Autobahnen gefragt. Es sollen integrierte Systeme zur Analyse von Unfallursachen und zur Sammlung und Auswertung relevanter Verkehrsdaten aufgebaut werden.

    Auch die Schieneninfrastruktur soll intelligent werden. Im Juli 2019 unterzeichneten Huawei und die Saudi Railway Company (SAR) eine Absichtserklärung über Kooperationen im Bereich Smart Rail, die auf das seit langem geplante Saudi Landbridge-Projekt sowie auf die erste Hochgeschwindigkeitstrecke des Landes, die Haramain High-Speed Railway, zielen.

    5G-Netze im Aufbau

    Für die Umsetzung von Smart City-Strategien sind leistungsfähige 5G-Netze erforderlich. Da Saudi-Arabien eine Position als digitales Zentrum der Region anstrebt, wurde hier schneller als in einigen anderen Ländern der Region mit dem Aufbau von 5G Netzen begonnen. Etwa 7.000 5G-Funkmasten waren Mitte 2020 installiert. Mittlerweile existiert in den meisten Groß- und Mittelstädten ein 5G-Service.

    In der ersten Phase des Aufbaus der 5G-Netze installierte Huawei 2019 die Netzinfrastruktur für den Mobilfunkbetreiber Zain (Mobile Telecommunications Company Saudi Arabia). Das 5G-Netz von Zain deckte Ende 2019 bereits 27 Städte ab, insgesamt 2.600 Funkmasten gingen in Betrieb.

    Huawei installiert außerdem im Auftrag der Saudi Telecommunication Company (STC) ein 5G-Netz für das Megastadtentwicklungsprojekt NEOM (siehe unten). Seit Juni 2019 arbeitet STC an einem landesweiten 5G-Netz. Ende 2019 umfasste das Netz 2.300 Funkmasten.

    NEOM soll die weltweit führende Smart City werden

    In der Wüstenprovinz Tabuk am Roten Meer im Nordwesten des Königreichs ist das zukunftsweisende Megastadtentwicklungsprojekt New Future (NEOM) im Aufbau, das unter anderem neue Maßstäbe für urbanes Leben und Smart Cities setzen will. Das 500-Milliarden-US$-Projekt, das 2017 von Kronprinz Mohammed bin Salman vorgestellt worden war, soll auf einer Fläche von 25.600 Quadratkilometern realisiert werden.

    Im Januar 2021 hat Mohammed bin Salman als Teil des NEOM-Projekts zudem die Vision The Line vorgestellt. Hierbei handelt es sich um eine 170 Kilometer lange "hyper-connected" Siedlungszone mit einer Million Einwohnern, aber ohne Autos oder Straßen. Die Kosten der smarten Infrastruktur werden mit 200 Milliarden US$ kalkuliert. Das Projekt soll im Wesentlichen durch private in- und ausländische Investoren finanziert werden.

    Von Hanna Riehle, Robert Espey | Riad, Dubai

nach oben
Feedback

Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.