Wirtschaftsumfeld | Saudi-Arabien | Lieferketten, Transport & Logistik

Regionale Spannungen belasten Geschäftsreisen und Lieferketten

Flugausfälle, höhere Transportkosten und verschobene Veranstaltungen haben Auswirkungen auf das Geschäft in Saudi-Arabien. Unternehmen reagieren mit Anpassungen.

Von Lucie Käppner | Riad

Die Sicherheitslage in Saudi-Arabien hat sich seit Anfang Oktober 2026 im Zuge der Eskalation des Jemenkonflikts verschärft. Die Huthi-Bewegung aus Jemen reklamierte wiederholt Angriffe auf das Königreich für sich. 

Betroffen sind strategische Verkehrs- und Energieinfrastrukturen, darunter die Flughäfen in Riad und Dammam. Angriffe und daraus folgende Sicherheitsmaßnahmen beeinträchtigen den Flugverkehr und erschweren internationale Geschäftsreisen. 

Nach Angaben des Luftfahrtdatenanbieters Cirium wurden seit dem 8. Oktober mehr als 45 Prozent der Abflüge an saudischen Flughäfen gestrichen. Die Lufthansa-Gruppe hat ihre Flüge nach Riad bis zum 18. November ausgesetzt. Geschäftsreisen aus Deutschland bleiben damit schwer planbar. 

Internationale Veranstaltungen verschoben

Auch internationale Veranstaltungen sind betroffen. Die Future Investment Initiative (FII) sollte vom 26. bis 29. Oktober in Riad stattfinden und wurde auf 2027 verschoben. Der EU-GCC-Gipfel war für den 24. Oktober in Riad geplant und soll zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Die Global Health Exhibition, eine der wichtigsten Fachmessen des saudischen Gesundheitssektors, wurde vom 26. bis 29. Oktober 2026 auf Oktober 2027 verlegt. Für 2026 ist ersatzweise ein digitales Forum vorgesehen. 

Bereits im Juli hatten Messe Frankfurt und Dechema die erste ACHEMA Middle East mit Verweis auf das regionale Geschäftsumfeld auf Oktober 2027 verschoben. Für den deutschen Gemeinschaftsstand der Prozessindustrie-Messe waren rund 50 Unternehmen gelistet. Für deutsche Unternehmen entfallen damit kurzfristig wichtige Plattformen für die Geschäftsanbahnung. 

Der WPC Energy Congress fand dagegen planmäßig statt. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche nahm am 11. und 12. Oktober an der Energy Week in Riad teil. Dort warb sie für alternative Transportrouten und verlässliche Lieferbeziehungen. Der Besuch unterstrich die Bedeutung Saudi-Arabiens als Partner für die deutsche Energieversorgung.

Absicherung der Lieferketten rückt in den Mittelpunkt

Neben dem Reiseverkehr trifft die Eskalation vor allem die Logistik. Laut Nachrichtenplattform AGBI weichen Logistiker auf andere Flughäfen und Seehäfen aus und transportieren Waren per Lkw nach Riad. Der Hauptstadtflughafen schlug 2025 knapp 600.000 Tonnen Fracht um. 

Die Verlagerungen verlängern Lieferzeiten und erhöhen Kosten. Versorgungsengpässe erwarten Fachleute jedoch nicht. Logistiker wie DHL arbeiten an Notfalllösungen für Luftfracht. Für Unternehmen mit zeitkritischen Sendungen oder regelmäßigen Luftfrachttransporten steigt damit das Risiko von Verzögerungen und höheren Ausgaben.

Auch die Industrie spürt die Folgen. Seit der Sperrung der Straße von Hormus weichen saudische Exporteure auf teurere Landwege zu den Häfen am Roten Meer aus. Die Drohungen der Huthi an der Meerenge Bab al-Mandab gefährden nun auch diese Route. Sie zwingen Exporte wie Importe auf längere Wege. 

Die Belastung zeigt sich in den Quartalszahlen: Der Düngemittelhersteller Sabic Agri-Nutrients meldete für das dritte Quartal 2026 einen Gewinnrückgang um 62 Prozent. Der belgische Chemiekonzern Solvay senkte seine Jahresprognose, unter anderem wegen des Stillstands einer Peroxidanlage im Industriekomplex Sadara in Jubail.

Für europäische Unternehmen mit Produktion oder Lieferbeziehungen in Saudi-Arabien wird die Absicherung der Lieferwege damit zum zentralen Thema.

Starke Nachfrage treibt Ölpreisprognosen

Für die Einnahmen des saudischen Staatshaushalts spielt die Entwicklung am Ölmarkt eine wichtige Rolle. Der Ölpreis bewegt sich seit Mitte Oktober um 110 US-Dollar je Barrel. Zugleich hat Saudi-Arabien seine Förderung im September deutlich ausgeweitet. 

Die Öleinnahmen sind seit Beginn des Irankriegs gestiegen. Die Inflation lag im September stabil bei 1,9 Prozent. Belastend wirken dagegen höhere Importkosten infolge der Bedrohungen im Roten Meer. Die OPEC rechnet für 2027 mit einer höheren Ölnachfrage. Abnehmer in Deutschland müssen weiterhin mit hohen Kosten für Energie und Transporte rechnen.

Deutsche Unternehmen passen Abläufe an 

Auch deutsche Unternehmen in Saudi-Arabien spüren die Einschränkungen bei Geschäftsreisen und Lieferketten und passen ihre Abläufe an. Alternative Transportwege verlängern teilweise die Lieferzeiten, Geschäftsreisen erfordern mehr Planung. Vereinzelt verzögern sich Projekte oder werden zeitweise unterbrochen. Die Unternehmen bleiben jedoch weitgehend im Markt präsent.

Entscheidend ist, wie lange die Einschränkungen andauern und wie sich die Transportwege entwickeln. Kurzfristig sollten Unternehmen Reiseverbindungen, Liefertermine und alternative Logistikoptionen regelmäßig prüfen.

Großprojekte laufen trotz Unsicherheit weiter

Trotz der aktuellen regionalen Unsicherheit werden zentrale Infrastruktur- und Zukunftsprojekte in Saudi-Arabien weiterverfolgt. So vergab die Royal Commission for Riyadh City Mitte Oktober einen Auftrag für den Bau einer Brücke über 246 Millionen US$. Auch die Ausschreibung für ein Rechenzentrum mit 100 Megawatt Leistung des PIF-Unternehmens Humain in Riad läuft weiter.

Der Alltag in Riad ist bislang nur wenig beeinträchtigt. Geschäfte und Restaurants sind geöffnet, lokale Veranstaltungen finden weiterhin statt. Einzelne Behörden und Unternehmen haben auf mobiles Arbeiten umgestellt.

Die laufenden Projekte und wirtschaftlichen Aktivitäten zeigen, dass der Konflikt das Geschäft bislang nicht zum Erliegen gebracht hat. Für internationale Unternehmen führen die veränderten Rahmenbedingungen jedoch zu höheren Kosten und einem größeren Planungsaufwand. 

Wie stark Investitionsentscheidungen und saudische Projekte künftig betroffen sein werden, hängt vor allem von Dauer und Verlauf des Konflikts ab.

Aktuelle Hinweise für Reisen nach Saudi-Arabien finden Sie in den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts.