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Special | Spanien | Smart Farming

Agrarwirtschaft: Erzeugung für den Binnenmarkt und den Export

Spaniens Agrarsektor produziert vor allem Gemüse, Obst und Schweinefleisch. Smart Farming wird bereits von einer Reihe von Weingütern genutzt.

Von Oliver Idem | Madrid

Spanien besitzt im internationalen Vergleich einen hohen Anteil an landwirtschaftlichen Nutzflächen. Von 50,6 Millionen Hektar Landesfläche fallen 16,8 Millionen Hektar unter diese Kategorie.

Die landwirtschaftliche Produktion in Spanien legte 2019 um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Da die Preise um 1,5 Prozent nachgaben, verringerte sich der Wert der Erzeugung jedoch um 0,9 Prozent.

Agrarsektor erwirtschaftete 2019 knapp 52 Milliarden Euro

Die Gesamtproduktion von 51,7 Milliarden Euro 2019 entfiel zu 58 Prozent auf Pflanzen. Die wichtigsten Untergruppen waren Gemüse und Obst. Die Tierproduktion stellte 39 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Erzeugung. Darunter war die Produktion von Schweinefleisch die mit weitem Abstand wichtigste Aktivität.

Abzüglich der Vorleistungen betrug die Bruttowertschöpfung laut dem spanischen Landwirtschaftsministerium knapp 28,1 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2018 fiel sie um 2,4 Prozent niedriger aus. 

Die Landwirtschaft ist ein erheblicher Wirtschaftsfaktor in Spanien. Ihre Produktion dient zur Versorgung des heimischen Marktes mit circa 47 Millionen Einwohnern. Eine wichtige Rolle spielt auch der Export etwa von Obst, Gemüse, Olivenöl und Schweinefleisch.

Zudem werden in der ebenfalls exportstarken Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie spanische Agrarprodukte verarbeitet. Der Fachverband FIAB ging 2020 von einem Umsatzrückgang um 3,6 Prozent auf 116,7 Milliarden Euro aus. Dafür war die Nachfrageschwäche der inländischen Gastronomie maßgeblich verantwortlich.

Während der Hochphase der Coronakrise im Frühjahr 2020 galt der Agrarsektor als strategisch wichtige Branche und konnte durchgängig produzieren. Trotz zwischenzeitlicher Schwierigkeiten wie Arbeitskräftemangel kam die Landwirtschaft besser als große Teile der Industrie und des Dienstleistungssektors durch das Jahr 2020.

Mehrere Faktoren sorgten jedoch für schlechte Stimmung. Seit 2017 fielen die Preise für einige landwirtschaftliche Erzeugnisse. Im Jahr 2020 betraf das zum Beispiel Milch, Speiseöl, rote Paprika sowie Rind- und Kalbfleisch. 

Zugleich stiegen laut einem Bericht der Zeitung El País die Kosten für Brennstoffe, Strom sowie Dünge- und Futtermittel. Der Mindestlohn steigt zumeist jährlich und wirkt sich ebenfalls direkt auf die Kosten landwirtschaftlicher Betriebe aus. Landarbeiter werden üblicherweise nach geleisteten Stunden bezahlt.

Für manche kleineren Anbieter, die auf die Gastronomie oder Hotellerie angewiesen waren, brach 2020 ein wichtiges Standbein weg. Als Gegenmaßnahme vermarkteten sie ihre Produkte vielfach stärker über das Internet oder boten Lieferdienste an.

Insgesamt prägen viele Kleinunternehmen und kleine Kooperativen das Bild. Laut einer Zusammenstellung der Zeitung El Mundo von 2020 erwirtschafteten 3.500 Kooperativen in Spanien den gleichen Umsatz wie vier große niederländische. Im Durchschnitt erzielte ein spanischer Zusammenschluss 7 Millionen Euro, während dänische, niederländische und schwedische Kooperativen auf zwischen 300 Millionen und 400 Millionen Euro kamen.

Diese vorwiegend kleinteilige Struktur sorgt dafür, dass zum Beispiel bei Landtechnik weniger Synergien zwischen den Landwirten genutzt werden können. Bei der Vermarktung ihrer Erzeugnisse verfügen die Anbieter zudem über eine geringere Verhandlungsmacht.

Hoher Handelsbilanzüberschuss bei Agrarprodukten

Spaniens Ausfuhren von Agrarprodukten wuchsen 2019 laut dem Landwirtschaftsministerium schneller als die Einfuhren. Insgesamt wurden landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von 44,7 Milliarden Euro exportiert. Dieser Wert lag um 6,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Ausfuhren setzen sich aus 16,2 Milliarden Euro unverarbeiteten und 28,5 Milliarden Euro verarbeiteten Agrarprodukten zusammen.

Die Einfuhren konnten lediglich um 2,5 Prozent auf 27,1 Milliarden Euro zulegen. Unverarbeitete Agrarprodukte wurden im Wert von 10,3 Milliarden Euro nach Spanien geliefert. Hinzu kamen verarbeitete Erzeugnisse im Wert von 16,8 Milliarden Euro.


Eckdaten zur Landwirtschaft und Infrastruktur in Spanien

2020

Einwohner (in Millionen) 

46,8

Ackerfläche (in 1.000 Hektar)1)

17.116

Anteil der Landwirtschaft an der Entstehung des BIP (in Prozent)2)

2,9

IMD Digital Competitiveness Ranking (Rang unter 63 untersuchten Ländern)

33

1) 2019; 2) Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei (2019)Quelle: Vereinte Nationen (UN); Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD); IMD World Digital Competitiveness Ranking 2020

Drohnen verbreiten sich im spanischen Weinbau

Im spanischen Weinbau mischten sich in den vergangenen Jahren Tradition und Moderne. Das Land zählte 2018 knapp 4.400 Weingüter. Zunehmend kommen dort Drohnen zum Einsatz, die mit Bildern in Echtzeit, Fotografien oder Videos einen schnellen Überblick über die Reben ermöglichen.

Der Weinbau zählt nicht zu den größten landwirtschaftlichen Zweigen Spaniens. Unternehmen wie Bodegas Matarromera, Bodegas Moro, García Carrión, Pernod Ricard und Ramón Bilbao arbeiten aber bereits mit dem Werkzeugkasten des Smart Farmings. Mit Hilfe von Drohnen, Sensoren und Wetterstationen verbessern sie ihre Prozesse und Erträge.

Spanier sind für moderne Technik aufgeschlossen

Im Fokus der Berichte über Smart-Farming-Anwendungen stehen in Spanien der Nutzen und die Möglichkeiten. Tendenziell ist die spanische Bevölkerung technischen Neuerungen gegenüber aufgeschlossen. Über Datenschutzaspekte wird in der Öffentlichkeit weniger debattiert als in Deutschland.

Die grundsätzlich gut ausgebaute Kommunikationsinfrastruktur im Land bietet eine wesentliche Basis für internetbasierte Anwendungen des Smart Farmings. Die Infrastruktur zählt in verschiedenen Zweigen zu den besonderen Stärken Spaniens, wie Investorenbefragungen bestätigen. Der Ausbau wird zudem weiter vorangetrieben.

Es bestehen jedoch Unterschiede zwischen dem städtischen und ländlichen Raum. Manche dünner besiedelten Regionen verfügen über eine schlechtere Telekommunikationsbasis. Entsprechend kommt es trotz der guten Gesamtinfrastruktur auf die Bedingungen vor Ort an.

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