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Special | Spanien | Wasser - Die knappe Ressource

Spanien: EU-Gelder sollen den Investitionsstau im Wassersektor auflösen

Spanien braucht mehr Investitionen in den Wassersektor. Die Wasserpreise liegen jedoch weit unter dem europäischen Durchschnitt. Darum sind es Fördergelder, die neue Impulse geben.

Von Oliver Idem | Madrid

In der spanischen Wasserwirtschaft sorgen vor allem öffentliche Fördermittel des spanischen Zentralstaats und der EU für Dynamik. Die Gelder kurbeln Investitionen an, für die wiederum Technik und Expertise zur Umsetzung benötigt wird. 

Strategieplan fördert Investitionen in den Wasserkreislauf

Mit dem Strategieplan PERTE zur Digitalisierung des Wasserkreislaufs will die spanische Regierung öffentliche und private Investitionen von insgesamt 3,5 Milliarden Euro mobilisieren. Wasserversorger, Bewässerungsgemeinschaften und andere Akteure haben damit außergewöhnliche Möglichkeiten, dass ihre Projekte mit öffentlichen Geldern unterstützt werden.

Momentan befindet sich die von der EU geförderte Initiative zur Digitalisierung des Wasserkreislaufs in der Umsetzung. Diese erfolgt durch mehrere Runden von Ausschreibungen. Inhaltlich geht es zum Beispiel um die Echtzeitüberwachung von Gewässersystemen. Zudem sollen mehr Zähler an landwirtschaftlichen Entnahmestellen installiert werden. Um die Feuchtigkeit der Böden zu messen, sind bessere Kontrollsysteme vorgesehen. Die Effizienz von Bewässerungsanlagen soll durch Automatisierung gesteigert werden.  

Bis Ende Dezember 2023 gingen 137 PERTE-Projektvorschläge zum Thema Digitalisierung der Bewässerung beim Umweltministerium ein. Innerhalb von sechs Monaten entscheidet das Ministerium über die Vorschläge und ein Gesamtbudget von 80 Millionen Euro. Die einzelnen Förderanträge lauten auf 0,1 Millionen bis 4 Millionen Euro.

In der zweiten Runde zur Vergabe der Fördergelder zum Thema Digitalisierung städtischer Wasserkreisläufe reichten unter anderem kommunale und regionale Institutionen 238 Projektanträge bis Ende Januar 2024 beim Umweltministerium ein. Insgesamt befinden sich 1,09 Milliarden Euro im Fördertopf. Pro Antrag geht es um Beträge zwischen 0,5 Millionen und 10 Millionen Euro. 

Die Liste mit den Projekten, die in der ersten Runde zur der Digitalisierung städtischer Wasserkreisläufe eine Förderung erhalten, gab das Umweltministerium im November 2023 bekannt. Weitere Informationen zum Strategieplan, den Projekten und den Förderrunden in spanischer Sprache finden Sie unter dem Internetlink am Ende des Artikels. Immer wenn eine neue Förderrunde ausgeschrieben wird, können Projektvorschläge für diesen Bereich eingereicht werden. 

Ohne Meerwasserentsalzung geht es nicht

Die Meerwasserentsalzung gilt als teure, aber notwendige Option zur Süßwassergewinnung. Im Dezember 2023 beschloss der spanische Ministerrat die Erweiterung der landesweit größten Entsalzungsanlage in Torrevieja (Alicante). Für knapp 109 Millionen Euro soll die Jahreskapazität von 80 auf 120 Millionen Kubikmeter erhöht werden.

Anfang Februar 2024 gab die Zentralregierung bekannt, zwei neue Entsalzungsanlagen in Katalonien zu finanzieren. Das Staatsunternehmen Acuamed errichtet für insgesamt 467 Millionen Euro die Anlagen Tordera II und Foix. Diese sollen 2028 beziehungsweise 2029 den Betrieb aufnehmen und mit Solarmodulen ausgerüstet werden. 

Falls Katalonien im Sommer 2024 wieder unter massiver Wasserknappheit leidet, wird die Region täglich mit bis zu 40.000 Kubikmeter Wasser aus der Entsalzungsanlage Sagunto in Valencia versorgt werden - transportiert mit zwei Schiffen. Das kündigte Umweltministerin Teresa Ribera an.

Neben Großanlagen wie in Torrevieja rücken kleinere und kompaktere Anlagen in den Blickpunkt, mit denen bestehende Einrichtungen ergänzt sowie die Sommermonate in der Landwirtschaft oder in besonders trockenen Gemeinden überbrückt werden können.

Leitungsnetze müssen trotz niedriger Wasserpreise ausgebaut und erneuert werden

Der baskische Wasserversorger Consorcio de Aguas Bilbao Bizkaia (CABB) investiert in Bilbao und Umgebung bis 2026 insgesamt 146 Millionen Euro in neue Frischwasserversorgungsinfrastruktur. In der spanischen Hauptstadt wird bei dem Städtebauprojekt Madrid Nuevo Norte von Beginn an mit einem ressourcenschonenden Wasserkonzept geplant. Das Vorhaben soll mit innovativer Technik bis zum Jahr 2040 umgesetzt werden. Ideen ausländischer Unternehmen sind willkommen. 

Der Investitionsbedarf ist weitaus größer als das Projektgeschehen andeutet. In Spanien sind 248.245 Kilometer Wasserleitungen verbaut. Die jährliche Erneuerungsrate beträgt nur 0,2 Prozent. Untersuchungen des Bauverbands Seopan und der Unternehmensberatung PwC beziffern den Gesamtverlust an transportiertem Wasser auf etwa 25 Prozent. Diese Verluste resultieren zu 15 Prozentpunkten aus technischen Defekten und zu 10 Prozentpunkten aus Messfehlern, Nichterfassung und Betrug. Damit geht überdurchschnittlich viel Wasser im Vergleich zu anderen europäischen Ländern verloren.

Die Wassergewinnung erfolgt dem Branchenverband Aeas zufolge zu 65 Prozent aus Oberflächenwasser. Weitere 26 Prozent stellen Grundwasser und Brunnen. Außerdem werden 9 Prozent des Wassers durch Entsalzung gewonnen. 

Trotz der Wasserknappheit sind die Tarife bei Weitem nicht kostendeckend und liegen um circa 50 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt. Die Preise sind auf die Betriebskosten der Versorgung ausgerichtet und nicht auf den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur. Zudem bestehen große lokale Unterschiede in der Bepreisung.

Im Mittel zahlen private Haushalte vor Steuern 1,09 Euro für einen Kubikmeter Frischwasser. Die Wasserrechnung fällt mit 0,7 Prozent der Haushaltsausgaben kaum ins Gewicht, der niedrige Preis schmälert die Investitionsmöglichkeiten der Versorger und reduziert die finanziellen Anreize, sparsam mit Wasser umzugehen. Der Durchschnittsverbrauch pro Kopf betrug 2022 laut Aeas 131 Liter pro Tag. In Deutschland ist der Verbrauch ähnlich: Jeder Einwohner verbrauchte 128 Liter pro Tag (2019).

Baskenland und Extremadura verbessern Abwasserbehandlung

Der baskische Wasserversorger Consorcio de Aguas Bilbao Bizkaia (CABB) investiert 170 Millionen Euro bis 2026 in die lokale Abwasserinfrastruktur

Die Unternehmen Ayesa, Estudio de Ingeniería Civil und Medios Técnicos Extremeños erweitern für 100 Millionen Euro das Klärwerk El Marco in Cáceres. Ein Schwerpunkt liegt auf der verbesserten Beseitigung von Nährstoffen und Behandlung der Schlämme.

Insgesamt ist das spanische Abwassernetz mit 189.203 Kilometern kürzer als die Versorgungsleitungen. Allerdings beträgt die jährliche Erneuerungsrate hier 0,4 Prozent. Damit ist das Sanierungstempo doppelt so hoch wie beim Frischwassernetz. Private Haushalte zahlen vor Steuern durchschnittlich 0,88 Euro pro Kubikmeter Abwasser.

Ein großes Problem bleibt die ländliche Abwasserbehandlung. Die EU hat Spanien bereits mehrfach wegen der unzureichenden Behandlung von Abwasser kritisiert und sanktioniert, weil die Anforderungen der Direktive 271/91 nicht erfüllt werden.

Effizientere landwirtschaftliche Bewässerung hat hohes Einsparpotenzial 

Die Landwirtschaft ist als Großverbraucher von Wasser sowohl ein zentrales Problem als auch ein Schlüssel für wirksame Modernisierungen und Einsparungen. Häufig ist in Spanien nur Bewässerungslandwirtschaft möglich. Von 13 Millionen Hektar mit Nutzpflanzenanbau müssen circa 30 Prozent bewässert werden. In Agrarregionen ist auch die illegale Wasserentnahme ein Problem. Außerdem sind mancherorts die Nutzungsrechte nicht eindeutig geregelt.

Im Winter 2023/24 fielen die Niederschläge in Spanien zweigeteilt: Wo es im Norden und Nordwesten viel regnet, regnete es tendenziell noch wesentlich mehr. Zugleich kämpften trockene Gebiete - zum Beispiel in Nordkatalonien und Andalusien - mit extremer Trockenheit. Verbrauchsbeschränkungen wurden teils schon im Januar verhängt. 

Starke Regenfälle um Ostern im ganzen Land sorgten kurzfristig für einen Anstieg der Pegelstände in den Talsperren. Die Zweiteilung zwischen regenreichen und niederschlagsarmen Gebieten bleibt jedoch bestehen. So enthielten im April 2024 die Talsperren der Flüsse Duero und Tajo 12 beziehungsweise 14 Prozentpunkte mehr Wasser als im Zehnjahresdurchschnitt. Der Küstenfluss Segura im Süden erreichte nur rund die Hälfte der üblichen Wassermengen.

Laut Seopan sind 72 Prozent der Landesfläche extrem hohem Wasserstress ausgesetzt. Die Vereinten Nationen erwarten, dass Spanien bis 2100 zwischen 24 und 40 Prozent weniger Wasser zur Verfügung stehen wird als heute.

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Die Statistik zum Wasserverbrauch ist als grober Richtwert zu verstehen. Andere Angaben beziffern den Anteil der Landwirtschaft auf 80 bis 85 Prozent des Verbrauchs. Die nicht registrierte Wasserentnahme in Form von etwa 500.000 illegalen Brunnen in Spanien erschwert jede genaue statistische Erfassung.

Intensiver Wettbewerb auf dem spanischen Wassermarkt

Private Unternehmen erwirtschaften laut der Wirtschaftszeitung Expansión etwa 1,6 Milliarden Euro Jahresumsatz auf dem spanischen Wassermarkt. Zwischen den in- und ausländischen Akteuren herrscht ein intensiver Wettbewerb. Zwei große französische Anbieter sind beispielsweise Gestagua, das zum Saur-Konzern gehört, und das Veolia-Tochterunternehmen Agbar.

Insgesamt erfolgt die Wasserbereitstellung zu 35 Prozent durch staatliche Versorger, zu 33 Prozent durch private Unternehmen sowie zu 22 Prozent durch öffentlich-private Mischgesellschaften. Die Gemeinden kommen auf einen Anteil von 10 Prozent und spielen insbesondere in kleineren Städten und Dörfern die zentrale Rolle.

Wichtige Informationsquellen zum Wassersektor in Spanien

Zuständig für das Thema Wasser ist das Umweltministerium MITECO

Wichtige Branchenverbände sind der Verband für Wasserversorgung und -entsorgung AEAS und der Unternehmensverband der städtischen Wasserversorgung IAGUA.

Ausschreibungen erscheinen auf der zentralen Plattform Plataforma de Contratación del Sector Público.

Kontaktadressen
BezeichnungAnmerkung
PERTE de digitalización del ciclo de aguaEU-geförderter Strategieplan zur Digitalisierung des Wasserkreislaufs
SeopanFachverband landesweit tätiger Bauunternehmen
AcuaesStaatsunternehmen für Talsperren und Stauseen
AcuamedStaatsunternehmen für Meerwasserentsalzung
SmaguaFachmesse in Zaragoza, nächster Termin 4. bis 6. März 2025

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