Arbeitsmarkt | Spanien

Spaniens Arbeitsmarkt zwischen Wachstum und Fachkräftelücke

In Spanien waren noch nie so viele Menschen beschäftigt wie im 2. Quartal 2026. Gleichzeitig bleibt die Arbeitslosenquote eine der höchsten in der EU.

Von Friedrich Henle, Birte Gerster (AHK Spanien) | Madrid

Spanien erlebt aktuell eine Phase wirtschaftlichen Aufschwungs. Unternehmen stellen verstärkt Personal ein. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Insbesondere der Dienstleistungssektor profitiert von einer kräftigen Zuwanderung. Fachleute beschreiben die Suche nach qualifiziertem Personal zwar als herausfordernd, aber dennoch einfacher als beispielsweise in Deutschland. 

Stärken des Arbeitsmarkts

  • Gutes Niveau der akademischen Bildung
  • Großer Pool an potenziellen Arbeitskräften
  • Image von Ausbildungsberufen verbessert sich zunehmend

Schwächen des Arbeitsmarkts

  • Ausbildungssystem weniger praxisorientiert
  • Produktivität wächst langsamer als im Durchschnitt der Eurozone
  • Sehr unterschiedliches Niveau von Englischkenntnissen

  • Das Angebot an akademischen Fachkräften ist gut. Die duale Ausbildung nach deutschem Vorbild ist aber noch eine Seltenheit. Zuwanderung füllt Lücken vor allem bei Dienstleistungen.

    Unternehmen berichten immer wieder davon, dass es zwar nicht an Bewerbungen mangele. Die Suche nach passenden Fachkräften in Spanien sei jedoch oft mühsam. In einer im September 2025 veröffentlichten Analyse hebt das ICER (Instituto de Ciencias del Empleo y las Relaciones Laborales) die Paradoxie des spanischen Arbeitsmarktes hervor: Trotz der höchsten Arbeitslosenquote in der EU bleiben im Schnitt rund 150.000 Stellen unbesetzt. Der Grund ist die Lücke zwischen Ausbildung und den Anforderungen der Wirtschaft.

    Martin Beck, Verantwortlicher des "German Desk" beim spanischen Personaldienstleister Catenon, sieht den Arbeitsmarkt dennoch in Bewegung: "Die wirtschaftliche Stimmung in Spanien ist gut, Unternehmen stellen vermehrt Personal ein. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote höher und der Pool an Arbeitskräften größer als in Deutschland." Technische Positionen könne man deshalb hierzulande besser besetzen. Auch die in historischer Betrachtung hohe Jugendarbeitslosenquote verringert sich. Spanien gewinnt als internationaler Talent-Hub zunehmend an Bedeutung.

    "Das Recruiting ist in Spanien lebendiger als in Deutschland. Man kommt mit potenziellen Fachkräften schneller ins Gespräch. Und bis zum Abschluss vergeht viel weniger Zeit",

    so Beck weiter. In Spanien sei es durchaus üblich, dass ein Bewerbungsverfahren mit einem sogenannten "Offer Letter" ende. Darin fixiere der Arbeitgeber neben dem Gehalt nur die groben Rahmendaten der Jobvereinbarung. Der eigentliche Arbeitsvertrag werde dann später oder am ersten Arbeitstag unterzeichnet. Die in der Regel nur 15-tägige Kündigungsfrist durch die Arbeitnehmer erhöhe zusätzlich die Flexibilität bei einem Jobwechsel.

    Einwanderung vergrößert den Arbeitskräftepool

    Insbesondere der Dienstleistungssektor in Spanien profitiert von Migration, vor allem aus Lateinamerika. Menschen aus dieser Region können ohne Sprachbarriere in dem iberischen Land aktiv werden. Die drittgrößte Einwanderergruppe bilden Menschen aus Marokko.

    Neben legalen Beschäftigungsverhältnissen existieren auch Grauzonen bis hin zur Schwarzarbeit. Die spanische Regierung eröffnete Ausländern ohne Aufenthaltstitel im April 2026 die Möglichkeit, ihren Status zu legalisieren. Bis zum Stichtag 30. Juni 2026 gingen 1,2 Millionen Anträge ein.

    Die Anerkennung ausländischer Berufs- und Hochschulabschlüsse verläuft laut Presseberichten schleppend. Das führt dazu, dass mehr als die Hälfte der Einwanderinnen und Einwanderer in ihrem aktuellen Arbeitsverhältnis überqualifiziert sind.

    Duale Ausbildung nach deutschem Vorbild noch die Ausnahme

    Allgemein ist das Berufsbildungswesen bei technischen und handwerklichen Tätigkeiten in Spanien eher verschult und weniger praxisorientiert. Initiativen für eine duale Berufsausbildung nach dem deutschen Modell wie die FEDA Madrid werden sehr gut angenommen, bleiben jedoch zahlenmäßig begrenzt. FEDA (Formación Empresarial Dual Alemana) ist eine vom Auswärtigen Amt und der deutschen Kultusministerkonferenz anerkannte Berufsschule. Sie gehört zu den 135 Deutschen Auslandsschulen.

    Auch große deutsche Unternehmen wie Volkswagen und Mercedes bieten in Spanien duale Ausbildungsplätze an – in Kooperation mit der Deutschen Handelskammer für Spanien (AHK Spanien). Tanja Nause, Leiterin der Aus- und Weiterbildungsabteilung der AHK Spanien, ergänzt: "Aktuell führen wir mit Amazon ein neues duales Ausbildungsprogramm für Mechatronik im Baskenland durch. Ziel ist es, den Teilnehmenden auch Perspektiven für eine berufliche Zukunft bei Amazon in Deutschland zu eröffnen."

    Die spanische Regierung setzt darauf, das berufliche Bildungswesen zu stärken. Sie reformierte es zuletzt mit einem größeren Gesetz (Ley Orgánica 3/2022), das Ausbildung und Weiterbildung ganzheitlich betrachtet und die Lernergebnisse in verschiedene Grade einteilt. Zudem wurde der Praxisanteil bei Ausbildungsprogrammen auf mindestens fünf Monate erweitert. 

    Dem Vernehmen nach schwinden in der Bevölkerung die Vorurteile gegenüber Ausbildungsberufen. Zunehmend weniger Menschen betrachten die akademische Bildung als einzig erstrebenswerten Weg. Universitäten und Berufsschulen haben jedoch ein gemeinsames Problem: hohe Abbruchquoten.

    Wirtschaftsentwicklung und demografischer Wandel beeinflussen den Arbeitsmarkt

    Von einem hohen Niveau ausgehend, sinken sowohl die Arbeitslosenquote insgesamt als auch die Jugendarbeitslosigkeit seit der Coronakrise. Im 2. Quartal 2026 waren mit 22,8 Millionen so viele Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt wie nie zuvor. Der Zuwachs um 510.000 im Jahresvergleich ist der guten wirtschaftlichen Lage Spaniens als auch einer deutlichen Nettozuwanderung geschuldet.

    Trotz des weiteren Rückgangs der Arbeitslosigkeit liegt Spanien im 2. Quartal 2026 mit 9,9 Prozent weiterhin an der Spitze der EU-Staaten. Die hohe Quote betrifft besonders Frauen (11 Prozent) und junge Menschen der Altersgruppe 20 bis 24 Jahre (19,9 Prozent). Zugleich zeigen sich große regionale Unterschiede. Die Spannbreite reicht von 6,1 Prozent auf den Balearen bis 14,6 Prozent in Andalusien. In den beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla liegt die Arbeitslosenquote sogar bei knapp über 20 Prozent.  

    Mit einer Geburtenrate auf Rekordtief und einer besonders hohen Lebenserwartung erfährt Spanien einen intensiven demografischen Wandel. Die Alterung der Gesellschaft und damit vieler Fachkräfte schreitet voran. Damit droht einerseits ein Mangel an Expertise. Es bietet sich jedoch auch die Chance, dass die verfestigte hohe Arbeitslosigkeit sinken wird.

    Spanien im weltweiten Vergleich

    Folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

     

    Im Alltag zeigt sich immer wieder, dass gute Englischkenntnisse in Spanien nicht flächendeckend verbreitet sind. Positive Gegenbeispiele sind zumeist jüngere Fach- und Führungskräfte mit internationaler Erfahrung, beispielsweise aus den Bereichen Consulting, Bankwesen sowie Informations- und Kommunikationstechnologie.

    Von Friedrich Henle | Madrid

  • Auch in Spanien ist es für Unternehmen schwieriger geworden, passendes Personal zu rekrutieren und zu halten.

    Die Bereitschaft der spanischen Unternehmen, Personal einzustellen, nimmt 2026 stark zu. Laut der Veröffentlichung "Guía del Mercado Laboral 2026" des Personaldienstleisters Hays planen 81 Prozent der befragten Unternehmen, zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen. In der Vorjahresuntersuchung hatte dieser Wert nur bei 65 Prozent gelegen.

    Die Befragung zeigt auch in Spanien den zunehmenden Fachkräftemangel. 93 Prozent der Unternehmen sehen im Jahr 2026 Herausforderungen bei der Rekrutierung. Das entspricht einer Zunahme um weitere 4 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Von den befragten Beschäftigten wiederum geben 64 Prozent an, dass sie aktiv nach einem neuen Job suchen würden. 

    Hays führte die Befragung zwischen Anfang November und Anfang Dezember 2025 durch. Insgesamt beteiligten sich 4.300 Unternehmensvertreter und Fachkräfte daran.

    Mehr interne Entwicklungsmöglichkeiten und Benefits gefordert

    Personalberatungsfirmen bestätigen, dass Unternehmen nun auch in Spanien mehr Aufwand betreiben müssen, um potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten zu gewinnen und zu halten. Bei der Suche nach qualifiziertem Personal geht es nicht mehr allein ums Gehalt. Auch Entwicklungsperspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens spielen eine Rolle.

    "Das Thema 'Employer Branding' ist in Spanien im Kommen. Unternehmen sind gut darin beraten, eine Positionierung als Arbeitgeber zu kommunizieren, um für Bewerbende attraktiv zu sein",

    sagt Sabine Wimpissinger, Managing Partner im Madrider Büro der in Wien hauptansässigen Personalberatungsfirma ISG. Das Thema werde in Spanien bereits von Firmen aus dem deutschsprachigen Raum vorangetrieben, auch wenn festgehalten werden sollte, dass deutsche Unternehmen als Gruppe hier bereits mehrheitlich als positive "Marke" gesehen werden. Prinzipiell seien in Spanien mehr Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu finden als beispielsweise in Deutschland oder Österreich. Dies erkläre auch den Trend, dass insbesondere in der Region Madrid viele Hubs entstehen, die IT- oder technische Dienstleistungen innerhalb internationaler Konzerne erbringen.

    In einer Untersuchung von Pluxee geben 61 Prozent der befragten Unternehmen an, im Jahr 2025 eigene Talente gezielt gefördert und damit die interne Mobilität unterstützt zu haben. Weiterbildungen boten 60 Prozent der Unternehmen an.

    Neben dem festen Gehalt gewinnen flexible Gehaltskomponenten sowie Benefits an Bedeutung. Die wichtigsten Zusatzleistungen, die die von Pluxee befragten Unternehmen aktuell anbieten, sind: 

    • Private Zusatzkrankenversicherung (67 Prozent der Unternehmen)
    • Finanzielle Unterstützung bei Weiterbildung (57 Prozent)
    • Essensgutscheine (45 Prozent)
    • Zuschuss für Fitnesscenter (45 Prozent)
    • Zuschuss für den Hort/Kindergarten (36 Prozent)

    Pluxee ist ein weltweit tätiges Unternehmen, das sich auf Mitarbeiterbenefits, Incentives und Anerkennungsprogramme spezialisiert hat. Es entstand 2023 aus der Umbenennung von Sodexo Benefits & Rewards Services. Die Umfrage fand im Oktober 2025 in den Städten Madrid, Barcelona, Sevilla, Valencia, Málaga, Bilbao und Pamplona statt. An ihr beteiligten sich Personalverantwortliche aus 200 Unternehmen in Spanien.

    Personalberatungen und andere Wege führen zu neuem Personal

    Die Suche nach Fachkräften erfolgt in Spanien häufig über Personalberatungsfirmen. Zu den größten gehören Randstad, Adecco, Manpower, Eurofirms, Eulen Flexiplan und Hays. Ausgeschrieben wird darüber hinaus auf Jobportalen wie Infojobs, Trabajos und Monster. Soziale Medien wie LinkedIn sind eine weitere Quelle mit wachsender Bedeutung.

    Recruiting-Messen sind eine gute Möglichkeit, potenzielle Arbeitskräfte anzutreffen. Auch in den Hochschulen werden Unternehmen fündig: Praktikumsplätze für ein halbes Jahr sind dort gefragt. Ähnlich verhält es sich mit Ausbildungsstätten. Arbeitssuchende wiederum konsultieren häufig die Internetseiten der Unternehmen zu offenen Stellen.

    Die in deutsch- und spanischsprachigen Fach- und Führungskreisen gut vernetzte Deutsche Handelskammer für Spanien (AHK Spanien) bietet ebenfalls eine Stellenbörse auf ihrer Internetseite TalentoAHK an. Seit 2026 verstärkt sie ihre Aktivitäten in diesem Bereich mit einem eigenen "Talent Selection Service". Dessen Leiterin, Verónica Saez Thaler, sagt: "Fachliche Qualifikationen allein reichen oft nicht aus. Viele Unternehmen achten ebenso darauf, dass Kandidaten zur Unternehmenskultur passen. Oft wird auch Erfahrung in einem internationalen Arbeitsumfeld vorausgesetzt."

    Regelung für Hochqualifizierte aus Nicht-EU-Ländern

    Möchten Unternehmen hochqualifizierte Fachkräfte aus Staaten außerhalb der EU einstellen, können diese eine verlängerbare Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre beantragen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Arbeitserlaubnissen erleichtert dieses Visum die schnellere Einreise von Personal.

    Es erfordert zudem keinen nationalen Arbeitsmarkttest – Unternehmen müssen also nicht belegen, dass keine geeigneten lokalen Bewerber verfügbar sind. Die betreffenden Regelungen sind im Gesetz 14/2013 im Kapitel IV festgehalten. Dieses erläutert auch die Umsetzung des europäischen Aufenthaltstitels "Blaue Karte EU" in Spanien.

    Von Friedrich Henle | Madrid

  • Der Durchschnittslohn in Spanien ist im Jahr 2025 um 4 Prozent gestiegen. Unternehmen stellen sich 2026 auf weitere Lohnzuwächse ein.

    In den letzten drei Jahren stiegen die durchschnittlichen Gehälter in Spanien jeweils um 3 bis 4 Prozent. Auch im laufenden Jahr 2026 zeigt die Tendenz weiter nach oben: 59 Prozent der von der Personalberatung Hays befragten Unternehmen wollen die Gehälter um maximal 5 Prozent anheben. Weitere 13 Prozent stellen sich auf Steigerungen oberhalb dieses Wertes ein. Immerhin 29 Prozent rechnen nicht mit Gehaltserhöhungen.

    Hays hat auf der Grundlage von 7.000 Beispielen aus fünf spanischen Großstädten auch die zu erwartende Gehaltsentwicklung für unterschiedliche Bereiche ermittelt. Besonders hohe Zuwächse stehen demnach im Kundendienst und im Finanzwesen mit bis zu 7 Prozent an. In der IT-Branche könnten die Gehälter um 6 Prozent steigen. Beschäftigte in der Gesundheitsbranche müssen sich dagegen auf durchschnittliche Gehaltseinbußen von 1 Prozent einstellen.

    Die Lohnsteigerungen der vergangenen Jahre konnten die zwischenzeitlich hohe Inflation nur teilweise ausgleichen. Laut OECD-Berechnungen lagen die realen Löhne im 1. Quartal 2026 noch 2 Prozent unter dem Niveau des 1. Quartals 2021. Unter den größten OECD-Ländern verzeichneten nur Australien und Italien im gleichen Zeitraum einen stärkeren Rückgang der Reallöhne als Spanien.

    Im Gastgewerbe und der Landwirtschaft ist der Mindestlohn verbreitet

    Der Trend beim Mindestlohn zeigte in den vergangenen Jahren deutlich nach oben. Unter anderem als Ausgleich für Kaufkraftverluste aufgrund der Inflation erfolgten Anhebungen im oberen einstelligen Bereich. Kritisiert wird am landesweit einheitlichen Mindestlohn, dass er in Großstädten kaum zum Leben reicht. In ärmeren Provinzen hat er dagegen nur einen geringen Abstand zu den regulären Gehältern. Der Mindestlohn wird vor allem in der Hotellerie, Gastronomie und Landwirtschaft gezahlt. In diesen Branchen wird überdurchschnittlich lange gearbeitet. Bei der Bezahlung bilden sie zugleich das Schlusslicht.

    Trotz aller Gegenmaßnahmen der mächtigen Steuerbehörde spielt auch die Schattenwirtschaft weiterhin eine gewichtige Rolle in Spanien. Ihr Umfang soll etwa 23 bis 25 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes entsprechen.

    Unterschiede der Gehälter nach Regionen nehmen zu

    Dem Statistikamt INE zufolge verzeichneten die Regionen (Autonome Gemeinschaften) Baskenland, Navarra, Madrid und Katalonien 2024 die höchsten Bruttoeinkommen. Obwohl die Gehälter insgesamt steigen, nehmen die Unterschiede zwischen den Spitzenreitern und den Regionen mit den niedrigsten Gehältern zu.

    Für diese Unterschiede sind zumeist strukturelle Gründe verantwortlich: Während etwa in Madrid und dem Baskenland viele Jobs in besser bezahlten Sektoren vorhanden sind, verzeichnen andere Regionen einen höheren Anteil von Landwirtschafts- und Tourismusjobs. Diese ziehen den lokalen Durchschnittswert nach unten.

    Deutsche Unternehmen bevorzugen die wirtschaftlichen Hotspots

    Deutsche Unternehmen in Spanien sind schwerpunktmäßig in den wirtschaftlich starken Regionen Madrid, Katalonien und dem Baskenland präsent. Die Lohnkosten sind dort zwar höher als in anderen Teilen Spaniens. Jedoch spielen auch die Infrastruktur, Beschaffung, lokale Vernetzung, das örtliche Fachkräfteangebot und Exportwege eine Rolle. 

    Die Option des Homeoffice verbessert die Möglichkeiten, auch weiter entfernt lebende Fachkräfte in die Belegschaft einzugliedern. Der Boom des mobilen Arbeitens aus der Coronazeit wurde bei vielen Unternehmen durch hybride Arbeitsformen abgelöst. Manche Arbeitgeber setzen auch wieder stärker auf Präsenz. Dies ist auch ablesbar an der besseren Auslastung vor allem hochwertiger Büroimmobilien und an steigenden Investitionen in diesem Segment.

    Versorgungsunternehmen und Finanzbranche zahlen die höchsten Gehälter

    Strom- und Gasversorger zahlen im Durchschnitt die höchsten Gehälter in Spanien und liegen damit noch vor Banken und Versicherungen. Das Gastgewerbe bildet das Schlusslicht. Für Verwaltungstätigkeiten werden ebenfalls verhältnismäßig niedrige Gehälter gezahlt.

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Branchen In Euro, Veränderung in Prozent
    Branche

    2025

    Veränderung 2025/24

    Durchschnittslohn

    3.163,0

    4,0

    Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei 

    1.910,0

    2,5

    Verarbeitendes Gewerbe

    3.701,1

    5,4

    Strom-, Gas-, Wärme- und Kälteversorgung

    k.A.

     

    Wasserversorgung, Abfallwirtschaft

    k.A.

     

    Baugewerbe

    2.866,8

    4,3

    Groß- und Einzelhandel, Reparatur von Kfz

    2.566,5

    2,3

    Transport und Lagerhaltung

    3.059,2

    5,9

    Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie

    2.007,5

    2,8

    Informations- und Kommunikationsleistungen

    4.193,4

    6,9

    Finanz- und Versicherungswesen

    5.819,2

    17,3

    Quelle: ILO 2026

    Gemessen am Durchschnittseinkommen beziehen Führungskräfte genau das doppelte Gehalt. Hilfskräfte kommen auf rund die Hälfte des mittleren Gehalts in Spanien.

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Positionen In Euro, Veränderung in Prozent
    Position

    2025

    Veränderung 2025/2024

    Durchschnittslohn

    3.163,0

    4,0

    Führungskraft

    6.644,2

    5,7

    Personal mit akademischer Ausbildung

    4.423,0

    2,5

    Techniker:in

    3.381,4

    2,7

    Unterstützende Bürokraft

    3.008,5

    4,4

    Dienstleistungs- und Verkaufskraft

    2.197,0

    1,8

    Fachkraft in der Land-, Forst- und Fischwirtschaft

    2.003,7

    2,1

    Handwerker:in

    2.752,7

    3,6

    Anlagen- und Maschinenbediener:in, Montagekraft

    2.837,1

    4,6

    Hilfskraft

    1.979,8

    5,3

    Quelle: ILO 2026

     

    Weitere Lohnbestandteile

    Bei Führungskräften bestimmen variable Bestandteile immer mehr das Monats- beziehungsweise Jahresendeinkommen. Der Firmenwagen ist im Vertrieb oder im Servicebereich selbstverständlich. Er ist zum Teil auch bei den mittleren Unternehmenshierarchien üblich, ebenso wie Geschäftshandy oder Laptop. Sehr geschätzt wird eine Krankenzusatzversicherung, die die Behandlung als Privatpatient erlaubt.

    Zusatzleistungen wie Fahrkarten für den Nahverkehr, Betriebsrenten, kostenlose Betriebsaktien, Essenszuschüsse, Sozialleistungen sind üblich, unterliegen aber durch das Königliche Gesetzesdekret RDL 16/2013 der Sozialversicherungspflicht.

    Sozialversicherung

    In Spanien existiert für alle Beitragsarten eine einzige staatliche Versicherung, die Seguridad Social. Die monatliche Beitragsbemessungsgrenze beträgt 5.101,20 Euro. Die Abgaben summieren sich auf etwa 40,25 Prozent des Bruttolohns. Davon entfallen 6,5 Prozent auf den Arbeitnehmer und der Rest auf den Arbeitgeber.

    Sozialbeiträge 2026In Prozent der Bemessungsgrundlage
    Versicherungskomponente

    Arbeitgeberanteil

    Arbeitnehmeranteil

    Summe

    Insgesamt in Prozent des Bruttogehalts, davon:

    circa 33,75

    6,5

    circa 40,25

    Renten- und Krankenversicherung 

    23,6

    4,7

    28,3

    Arbeitslosenversicherung

    5,5

    1,55

    7,05

    Berufsbildungsabgabe

    0,6

    0,1

    0,7

    Lohngarantiefonds

    0,2

    0,0

    0,2

    Generationenausgleich

    0,75

    0,15

    0,9

    Arbeitsunfallversicherung*

    circa 3,1

    0,0

    circa 3,1

    * Grobstruktur im Standardfall (Arbeitsunfallversicherung ist abhängig von der gewerblichen Tätigkeit/leichte Abweichung bei befristeten Arbeitsverträgen)Quelle: AHK Spanien 2026

    Von Friedrich Henle | Madrid

  • Das Arbeitsgesetz (ET) und die Tarifverträge bilden die wichtigsten Grundlagen des Arbeitsrechts. Befristete Arbeitsverträge können nur noch in wenigen Fällen abgeschlossen werden.

    Gesetzliche Regelungen auf einen Blick
    Vergütung: gesetzlich vorgesehen ist eine Auszahlung des Jahresbruttogehalts in 14 Gehältern, in Form von zwölf Monatsgehältern und zwei Extragehältern im Sommer und zu Weihnachten
    Mindestlohn: der gesetzliche Mindestlohn beträgt 2026 pro Monat 1.221 Euro bei 14 Zahlungen; das entspricht einem Mindestjahresbrutto in Vollzeit von 17.094 Euro
    Arbeitsstunden pro Woche: 40 Stunden als Regelarbeitszeit nach Arbeiterstatut; die meisten Tarifverträge sehen im Jahresdurchschnitt eine geringere Stundenzahl vor
    Regelarbeitstage pro Woche: Montag bis Freitag
    Zulässige Überstunden: maximal 80 Überstunden pro Jahr dürfen vergütet werden, ansonsten müssen Überstunden durch Freizeit ausgeglichen werden
    Bezahlte gesetzliche Feiertage: 14 Tage
    Bezahlte Urlaubstage: in der Regel 30 Kalendertage = 23 Werktage
    Sonderzahlungen pro Jahr in Monatslöhnen (13. und/oder 14. Gehalt): siehe unter "Vergütung"
    Tage mit bezahltem Arbeitsausfall: die Grundlage bildet Artikel 37 ET (Arbeitnehmerstatut), Details werden durch Tarifverträge geregelt
    Tage mit Lohnfortzahlung bei Krankheit: der Arbeitgeber ist gesetzlich für die Lohnfortzahlung vom 4. bis 15. Krankheitstag verpflichtet, ab dem 16. Tag zahlt die Sozialversicherung
    Probezeit: Artikel 14 ET: je nach Position maximal sechs Monate
    Fernarbeit: wenn mehr als 30 Prozent der Tätigkeit vom Homeoffice aus erfolgt, ist eine schriftliche Vereinbarung hierüber zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber mit gesetzlich vorgeschriebenem Mindestinhalt erforderlich
    Quelle: AHK Spanien 2026

    Rechtsgrundlagen

    Das spanische Arbeitnehmergesetz (Estatuto de los Trabajadores, ET) bildet die wichtigste gesetzliche Grundlage des spanischen Arbeitsrechts. Weitere wichtige Rechtsquellen sind die Tarifverträge. Diese Kollektivverträge (Convenios Colectivos) haben grundsätzlich normativen Charakter und ergänzen die arbeitsrechtlichen Vorschriften. Es gibt fast 5.000 Tarifverträge in Spanien.

    Vertragsabschluss 

    Es ist üblich, die von der Arbeitsbehörde online zur Verfügung gestellten Modellverträge zu verwenden. Ausführliche Individualabsprachen sind unüblich. Das mag auch darauf zurückzuführen sein, dass die regelmäßig zur Anwendung kommenden Tarifverträge umfassende und detaillierte Regelungen des Beschäftigungsverhältnisses beinhalten. Bei Arbeitsbeginn muss der Vertrag bei der Arbeitsbehörde registriert werden.

    Befristete Arbeitsverträge sind nur in sehr wenigen Fällen möglich. Die Möglichkeit der befristeten Werk- und Dienstverträge (contratos por obra y servicio) ist gänzlich entfallen.

    Befristete Arbeitsverträge können aufgrund von Produktionsumständen (contratos temporales de circunstancias de la producción) abgeschlossen werden. Möglich sind sie auch bei der Vertretung eines anderen Arbeitnehmers (sustitución de un empleado).

    Befristete Arbeitsverträge aufgrund von nicht vorhersehbaren Produktionsumständen (contratos temporales de circunstancias de la producción) können jedoch nur noch für sechs Monate abgeschlossen werden. Alternativ besteht die Möglichkeit, einen Arbeitsvertrag aufgrund von Produktionsumständen für lediglich 90 Tage abzuschließen, wenn es sich dabei um einen absehbar vorübergehend erhöhten Arbeitsbedarf handelt. Dies betrifft insbesondere Saisongeschäfte wie die Weihnachtszeit und Erntezeiten.

    Vertragsbeendigung 

    Das spanische Recht kennt Massenentlassungen (ERE) und Individualkündigungen (despido). Im Falle einer begründeten Kündigung ist diese dem Arbeitnehmer und dem Arbeitnehmervertreter schriftlich 15 Tage im Voraus bekannt zu geben. Wird die Frist nicht eingehalten, sind dem Arbeitnehmer zusätzlich 15 Tagesverdienste beziehungsweise die Anzahl der nicht eingehaltenen Tagesverdienste zu zahlen. In der Kündigung sind die Gründe ausführlich darzustellen. Zusätzlich mit der Kündigung muss eine Entschädigung von 20 Tagesgehältern pro Betriebszugehörigkeitsjahr gezahlt werden (maximal zwölf Monatsgehälter), sonst ist die Kündigung unwirksam. Bei einer fristlosen Disziplinarkündigung ist keine Entschädigung zu zahlen.

    Klagt der Arbeitnehmer gegen die Kündigung und stellt sich heraus, dass keine ausreichende Begründung der Kündigung vorliegt, so kann der Arbeitgeber eine Weiterbeschäftigung vermeiden, indem er im Rahmen eines Schlichtungsverfahrens vor einer arbeitsrechtlichen Schlichtungsstelle (SMAC) eine höhere Abfindung (33 Tagesgehälter pro Betriebszugehörigkeitsjahr, maximal 24 Monatsgehälter) zahlt.

    Arbeitgeber können insbesondere individuell kündigen bei:

    • wirtschaftlichen, technischen, organisatorischen oder produktionsbedingten Gründen,
    • in der Person des Arbeitnehmers liegenden Gründen (eng begrenzt),
    • einer bestimmten Anzahl krankheitsbedingter Fehlzeiten (mit Einschränkungen).

    Bei einer unrechtmäßigen Kündigung eines unbefristeten Beschäftigungsverhältnisses erhält der Arbeitnehmer eine Abfindungszahlung von 33 Tagesgehältern pro Jahr Betriebszugehörigkeit.

    Aufhebungsverträge sind in Spanien nicht üblich, da der Arbeitnehmer dadurch seinen Anspruch auf gesetzliche Entschädigung und auch auf das Arbeitslosengeld verlieren würde.

    Bei einer Massenentlassung sind die rechtfertigenden Gründe dieselben wie bei der Individualkündigung, wobei in Krisenzeiten der Hauptgrund bei Massenentlassungen der wirtschaftliche ist. Weiter ist ein Verständigungsverfahren mit Arbeitnehmervertretern obligatorisch; allerdings hindert ein Scheitern das Unternehmen nicht, das Entlassungsverfahren voranzutreiben. Arbeitgeber müssen über das Vorliegen der Kündigungsgründe umfangreiche Dokumentationen vorlegen. Etliche Vorschriften sind zu beachten, um die Nichtigkeit des Verfahrens zu vermeiden. Schon kleinere Formfehler bei der Durchführung des Entlassungsverfahrens können dieses nichtig machen. Stellt ein Gericht die Nichtigkeit erst nachträglich fest, muss das Unternehmen die Arbeitnehmer rückwirkend weiter beschäftigen. Das kann zu einer hohen wirtschaftlichen Belastung führen.

    Die Kündigungsfrist für den Arbeitnehmer beträgt in der Regel ebenfalls nur 15 Tage. Einige Tarifverträge sehen für Mitarbeiter ranghöherer Berufsgruppen zuweilen längere Kündigungsfristen vor.

    Der Bereich Recht der AHK Spanien gibt einen Newsletter Recht & Steuern heraus, der monatlich viele unternehmensrelevante Themen behandelt. Zudem können Unternehmen in Spanien die Betreuung der Geschäfts- oder Lohnbuchhaltung über die AHK abwickeln.

    Einen Überblick über relevante Rechtsthemen bei einem Auslandsengagement in Spanien bietet die GTAI-Publikation Recht kompakt Spanien.

    Von Birte Gerster (AHK Spanien) | Madrid

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Spanien Deutsche Handelskammer für Spanien
    Ministerio de Trabajo y Economía Social  (MITESS)Ministerium für Arbeit und Sozialwirtschaft
    Seguridad SocialSozialversicherungsbehörde 
    Servicio Público de Empleo Estatal (SEPE)Staatliche Arbeitsvermittlungsagentur 
    Centro de Investigación Salarial (CEINSA) Strategieberatung und Zentrum für Lohnforschung