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Special | Spanien | Wasserstoff

Vor allem große Energieversorger schmieden Wasserstoffpläne

Erste Vorhaben in Spanien und anderen europäischen Ländern treten in die Umsetzungsphase ein. Unternehmen und Forschungseinrichtungen organisieren sich in lokalen Clustern.

Von Oliver Idem | Madrid

In Spanien haben vor allem große Energie- und Infrastrukturkonzerne bereits das Thema Wasserstoff aufgegriffen. Sie produzieren zum Teil schon den Wind- und Solarstrom, der als Grundlage für Wasserstoffprojekte dienen soll.

Zudem ist in den kommenden Jahren mit einem massiven Ausbau der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien zu rechnen. Damit verfügen die Betreiber von Wind- und Solarparks über einen der wichtigsten Bausteine zur Produktion von grünem Wasserstoff.

Zu den besonders aktiven Unternehmen in Spanien zählen Acciona, Enagás, Endesa, Iberdrola, Naturgy und Repsol. Die bislang bekanntgegebenen Pläne gehen über die in der Projekttabelle genannten Vorhaben zur Produktion von Wasserstoff und Elektrolyseuren hinaus. So hat die AHK Spanien im Juli 2021 eine Liste geplanter Projekte erarbeitet, die dem spanischen Staat mit dem Ziel einer Förderung aus Hilfsgeldern der Europäischen Union (EU) vorgeschlagen wurden.

Die Wirtschaftszeitung Cinco Días wagte im Februar 2021 einen weiten Ausblick auf die spanische Wasserstoffwirtschaft im Jahr 2040. Die geplante Infrastruktur wurde dort auch auf einer Karte veranschaulicht.

Für einen Überblick über die Wasserstoffwirtschaft bietet sich der Fachverband Asociación Espanola del Hidrógeno an. Dessen sortierte Mitgliederliste nach Tätigkeitsfeldern enthält unter anderem Bosch, Messer und Siemens Energy.

Im europäischen Projekt Renewable Hydrogen Coalition engagieren sich auch deutsche Akteure. Die Unternehmen Baywa r.e., Wacker Chemie und RWE haben sich dem Verbund angeschlossen.

Unternehmen denken bereits über Spanien hinaus

Beim internationalen Projekt HyDeal Ambition deutet bereits der Name auf den Ehrgeiz der circa 30 Akteure hin. Diese zielen auf die Schaffung von 67 Gigawatt Elektrolyseurkapazität bis 2030 und den Export nach Frankreich und Deutschland ab. Der deutsche Gas-Fernleitungsbetreiber Open Grid Europe (OGE) gehört ebenso dazu wie Enagás, Naturgy und Dhamma Energy aus Spanien.

In eine ähnliche Richtung zielt ein deutsch-spanisches Gemeinschaftsprojekt. Das geplante Vorhaben SolarHy Córdoba soll ab 2024 mit Solarstrom grünen Wasserstoff produzieren. Dieser soll per Zug und Lkw nach Karlsruhe transportiert werden und ein innovatives Projekt an der Mineralölraffinerie unterstützen.

Der Energiekonzern Iberdrola kündigte im Dezember 2020 eine internationale Allianz an, um die Kosten für grünen Wasserstoff zu halbieren. Dieser Zusammenschluss besteht aus ACWA Power, CWP Renewables, Envision, Orsted, Snam und Yara.

Iberdrola engagiert sich bereits in einem Projekt in Italien, wo gemeinsam mit Partnern Ersatz für Dieselzüge auf nicht elektrifizierten Eisenbahnstrecken geschaffen werden soll. 

Der baskische Zughersteller CAF führt ein Konsortium von acht Unternehmen an, um mit Wasserstoff betriebene Züge zu entwickeln und diese in Spanien und Portugal zu testen.

Das Iberdrola-Tochterunternehmen Scottish Power setzt mit mehreren großen Whisky-Destillerien ein Projekt in Schottland um. Die Destillerien werden mit grünem Wasserstoff versorgt. Gemeinsam mit der schottischen Global Energy Group soll auch der Hafen von Nigg grünen Wasserstoff erhalten.

Lokale Wasserstoffcluster bilden sich heraus

In den industriellen Schwerpunktregionen Spaniens haben sich Cluster gebildet, die sich dem Thema Wasserstoff widmen. Der Corredor Vasco del Hidrógeno setzt mit insgesamt 34 Projekten an verschiedenen Stellen der Wertschöpfungskette an. Der Initiative haben sich 78 Partner angeschlossen.

In der Hauptstadtregion befindet sich das Projekt Valle del Hidrógeno Renovable in der Studienphase. Ein Elektrolyseur soll gebaut werden, um jährlich 8.500 Tonnen Wasserstoff mit Hilfe von Solarenergie zu erzeugen.

In Katalonien wurde das Valle del Hidrógeno de Catalunya gegründet. Mit dem Standort Tarragona befindet es sich in der Schwerpunktregion der Chemieindustrie Spaniens. Für viele industrielle Verbraucher dort dürfte das Thema Wasserstoff künftig wichtiger werden.

Im Verkehrssektor spielt Wasserstoff bislang eine sehr geringe Rolle. Der Kfz-Verband Anfac zählte 2020 lediglich sieben Neuzulassungen von Wasserstoff-Pkw. Landesweit wurden sechs Toyota Mirai und ein Hyundai Nexo angemeldet.

Der Automobilzulieferer Grupo Antolin könnte dazu beitragen, dass künftig mehr Dynamik entsteht. Das Unternehmen arbeitet an emissionsfreien Systemen auf der Basis von Brennstoffzellen.

Als eines der führenden europäischen Industrieländer verfügt Spanien über viele Wirtschaftszweige mit einem hohen Strom- und Wärmebedarf und entsprechend zahlreichen Einsatzfeldern für grünen Wasserstoff.

Im Zusammenhang mit dem Green Deal der EU entstand eine Projektidee für die spanische Keramikindustrie. Laut der Wirtschaftszeitung Cinco Días geht es darum, einen Elektrolyseur mit 100 Megawatt Leistung zu bauen. Dadurch sollen im Keramikzentrum Castellón die Emissionen massiv verringert werden. Der Cluster steht für ein Drittel der CO2-Emissionen der Autonomen Gemeinschaft Valencia. 

Der mexikanische Zementhersteller Cemex setzt in seinen Fabriken in Spanien und dem Rest Europas künftig auf Wasserstoff, um die Emissionen durch die energieintensive Produktion zu verringern.

Ausgewählte Wasserstoffprojekte in Spanien

Unternehmen/ Projektbezeichnung

Projektspezifika 

Status

Investitionsvolumen*
 

Endesa: Anlage zur Wasserstoffproduktion  (As Pontes, Galizien)

Pilotprojekt zum Ersetzen des jetzigen Kohlekraftwerkes durch eine Wasserstoffanlage und sechs Windparks. Geplant sind ein 100-MW-Elektrolyseur und 611 MW Windkraft. Aufbauzeit: 18 Monate.

Endesa hat der Regierung einen Plan mit 23 Vorhaben vorgelegt, um ihre Kohlekraftwerke in Wasserstoffproduktionszentren umzuwandeln. Dafür sind 340 MW Elektrolyseure und 2.000 MW erneuerbare Energien vorgesehen.

Projektphase

730

Konsortium: Naturgy, Enagas: Anlage zur Wasserstoffproduktion (Hafen El Mosel, Asturien)

Testanlage zur Umrüstung einer Wiederverdampfungsanlage für den Export von Wasserstoff. Dazu gehören ein Offshore-Windpark von 50 MW und ein weiterer von 100 MW sowie zwei Elektrolyseure von 5 MW (offshore) und 100 MW (onshore). In der zweiten Phase Erweiterung bis auf 250 MW Offshorewind und einen zusätzlichen Elektrolyseur von 100 MW.

Die Offshore-Windparks sollen mit Technologie des Konsortiums Navantia-Windar errichtet werden.

Projektphase

400

Konsortium: Naturgy, Enagas: Anlage zur Wasserstoffproduktion (La Robla, Leon, Kastilien-Leon)

Umwandlung eines Wärmekraftwerkes in die größte Wasserstoffanlage Spaniens. Ziel: Erzeugung von 9.000 Tonnen grünen Wasserstoffs pro Jahr mit 400 MW Fotovoltaik und einem Elektrolyseur von 60 MW.

Projektphase

266

Konsortium: Iberdrola, Fertiberia: Wasserstoffproduktion Anlage (Puertollano, Kastilien-La Mancha)

Größte industrielle Wasserstoffproduktion Europas. Bestandteile sind ein Solarpark von 100 MW, ein Energiespeichersystem von 20 MW und ein Elektrolyseur mit 20 MW. Der Wasserstoff soll zur Ammoniakproduktion in der Düngemittelfabrik von Fertiberia in Puertollano genutzt werden.

Es handelt sich um ein Pilotprojekt beider Unternehmen in Fertiberias Werk. Das gesamtes Projekt bis 2027 geht von 800 MW Elektrolyseuren und 1.800 Mio Investition aus.

Im Bau; Inbetriebnahme noch 2021 geplant

150

Petronor (Repsol), Ente Vasco de Energia (EVE), Enagas; BH2C: Anlage zur Wasserstoffproduktion (Punta Sollana, Hafen Bilbao, Baskenland)

Projekt des baskischen Wasserstoff-Korridors (BH2C). Der Wasserstoff soll eine der weltweit größten Produktionsanlagen für synthetische Treibstoffe versorgen.

Projektphase; Inbetriebnahme 2024 geplant

143

Repsol, Sener, BH2C: PEM-Elektrolyseurfabrik (Bizkaia, Baskenland)

Projekt des baskischen Wasserstoff- Korridors (BH2C). Erste Fabrik in Spanien zur Herstellung von Wasserstoff-Elektrolyseuren.

Projektphase; Inbetriebnahme Ende 2022 geplant

120

GranSolar: Anlage Wasserstoffproduktion (Almería, Andalusien)

Meerwasser und Fotovoltaikstrom  sollen direkt von einem 20-MW-Elektrolyseur mit einer Protonen-Austausch-Membran zu grünem Wasserstoff verarbeitet werden. Geplante Erzeugung: 1000 Tonnen pro Jahr. Der Wasserstoff soll zu einer Tankstelle bei Almerias Hafen transportiert werden und den öffentlichen Nahverkehr versorgen. 

Projektphase

80

Konsortium: Cummins, Iberdrola: PEM-Elektrolyseurfabrik, (Guadalajara, Kastilien-La Mancha)

Fabrik zur Herstellung von Wasserstoff-Elektrolyseuren. Geplant ist eine Phtotovoltaikanlage von 100 MW und ein Lithium-Ionenbatterie-Einspeisesystem mit 20 MWh. Erwartete Erzeugung von 500 MW pro Jahr.

Im Genehmigungsprozess; Inbetriebnahme 2023 erwartet

50

Konsortium: White Summit Capital, Castleton Commodities International (CCI), Nortegas, Sener: WEZ-Elektrolyseur (Amorebieta, Bizkaia, Baskenland)

Pilotprojekt zur Wasserstofferzeugung für die industrielle Verwendung. Bestandteile sind ein 20-MW-Elektrolyseur und eine Wasserstofftankstelle; geplante Produktion von 1.500 Tonnen pro Jahr. Ein Teil davon soll für das Kombi-Kraftwerk von CCI in Amorebieta genutzt werden. Bis 2030 soll die Kapazität auf 200 MW steigen.

Projektphase

50

*in Millionen EuroQuelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Wasserstoffwirtschaft bietet breit gefächerte Chancen

Die begonnenen und geplanten Wasserstoff-Initiativen lassen eine steigende Dynamik in Spanien erwarten. Der Ersatz von fossilem erzeugten Wasserstoff sowie die Produktion von Ausrüstung und von Wasserstoff selbst dürften stark zunehmen.

Die bisher geschmiedeten Allianzen in diesem Sektor zeigen, dass sowohl branchen- als auch länderübergreifend Kooperationschancen bestehen. Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit können die spanischen Branchencluster bieten.

Spanische Unternehmen sind allgemein aufgeschlossen für die Chancen gemeinsamer Aktivitäten. Ein im Markt etablierter lokaler Partner kann den Einstieg wesentlich erleichtern und beschleunigen. Die AHK Spanien bietet mit ihrem Netzwerk die Suche nach passenden Geschäftspartnern für deutsche Unternehmen an.

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