Branchen | Subsahara-Afrika | Gas-, Ölversorgung, Pipelines
Subsahara-Afrika baut Erdgasförderung weiter aus
Neue Projekte verändern die Energiemärkte der Region. Europa zählt zu den wichtigen Abnehmern, sichert langfristige Lieferungen aber nur begrenzt durch Verträge ab.
12.10.2026
- Europäische Abnehmer bleiben bei Langfristverträgen zurückhaltend
- Asiatische Unternehmen übernehmen zentrale Projektrollen
- Lokale Gasnachfrage gewinnt an Bedeutung
- Transkontinentale Pipelineprojekte als langfristige Optionen
- Chancen für deutsche Unternehmen liegen in Spezialsegmenten
- Projektübersicht: Große Vorhaben konzentrieren sich auf wenige Länder
Die Erschließung neuer Erdgasfördergebiete, Investitionen in Anlagen zur Verflüssigung und länderübergreifende Pipelineprojekte verändern die afrikanische Erdgaswirtschaft. Neben zusätzlichen Exporten gewinnen die heimische Versorgung von Kraftwerken und Industrie sowie die regionale Gasinfrastruktur an Bedeutung. Europa bleibt ein wichtiger Absatzmarkt.
Afrikas Exporte von Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) stammen bislang vor allem aus Algerien, Ägypten, Nigeria und Angola. Zusätzliche Mengen dürften künftig insbesondere aus Mosambik sowie von neuen oder expandierenden Anbietern in West- und Zentralafrika wie Mauretanien, Senegal, der Republik Kongo oder Gabun kommen.
Laut einer Prognose von BMI, einem Unternehmen der Fitch Solutions Group, könnten die LNG-Exporte Subsahara-Afrikas von 35,7 Milliarden Kubikmetern im Jahr 2024 auf rund 98 Milliarden Kubikmeter im Jahr 2034 steigen. Nigeria und Mosambik sollen einen wesentlichen Teil dieses Wachstums tragen.
Europäische Abnehmer bleiben bei Langfristverträgen zurückhaltend
Das Erdgas aus Subsahara-Afrika gewinnt für europäische Abnehmer als zusätzliche Bezugsquelle an Bedeutung. Dazu trägt auch die starke Präsenz westlicher Energiekonzerne in vielen afrikanischen Gasprojekten bei. Unternehmen wie Shell, TotalEnergies, BP, Eni oder Equinor sind an zahlreichen Vorhaben auf dem Kontinent beteiligt. Hinzu kommt, dass die Seewege von Westafrika zu europäischen LNG-Terminals häufig kürzer sind als aus anderen Lieferregionen.
Angesichts der europäischen Klimaziele und eines langfristig voraussichtlich sinkenden Erdgasverbrauchs bleibt allerdings die Bereitschaft europäischer Abnehmer begrenzt, neue Projekte durch Abnahmeverträge mit Laufzeiten von mehreren Jahrzehnten abzusichern. Für die Finanzierung neuer LNG-Anlagen sind solche Verträge jedoch oft ein zentraler Baustein, da sie die künftigen Einnahmen absichern und damit die Kreditwürdigkeit der Projekte erhöhen.
Asiatische Unternehmen übernehmen zentrale Projektrollen
Vor diesem Hintergrund gewinnen asiatische Unternehmen im afrikanischen Erdgassektor an Gewicht. Sie treten als Anteilseigner, LNG-Abnehmer, Anlagenbauer oder Finanzierer auf. Der chinesische Erdölkonzern CNPC und das koreanische Unternehmen KOGAS sind beispielsweise an Coral North und Rovuma LNG in Mosambik beteiligt. Zum Konsortium von Mozambique LNG gehören außerdem Unternehmen aus Indien, Japan und Thailand. Bei Coral North übernehmen JGC aus Japan und Samsung Heavy Industries aus Südkorea gemeinsam mit der französischen Technip Energies wesentliche Planungs-, Beschaffungs- und Bauleistungen.
Lokale Gasnachfrage gewinnt an Bedeutung
Mehrere Vorhaben dienen ausdrücklich der Versorgung afrikanischer Binnenmärkte. Das geplante senegalesische Pipelinenetz soll Offshoregas zu Kraftwerken und Industriebetrieben transportieren. In Nigeria ist die Ajaokuta-Kaduna-Kano (AKK)-Pipeline für die Versorgung der nördlichen Landesteile mit Erdgas vorgesehen, während das Projekt Obiafu-Obrikom-Oben (OB3) die östlichen und westlichen Gasnetze miteinander verbindet. In der Republik Kongo werden die Gasvorkommen der Offshorelizenz Marine XII sowohl für LNG-Exporte als auch für die Versorgung des einheimischen Energiemarktes erschlossen. Das Gas aus dem neuen Fördergebiet Baleine Phase 3 vor der Küste von Côte d'Ivoire ist für den ivorischen Markt bestimmt.
Transkontinentale Pipelineprojekte als langfristige Optionen
In der Planung befinden sich zwei große grenzüberschreitende Pipelinevorhaben. Sie sind allerdings deutlich weniger weit fortgeschritten als die genannten LNG-Projekte. Die Idee einer Transsahara-Gaspipeline existiert seit Jahrzehnten. Sie soll Erdgas aus Nigeria über Niger nach Algerien transportieren und dort an das bestehende Leitungs- und Exportnetz Richtung Europa anschließen. Am 4. Juni 2026 begann offiziell der Bau des algerischen Teilstücks. Die durchgehende Verbindung von Nigeria über Niger nach Algerien bleibt jedoch ein mit Finanzierungs- und Sicherheitsrisiken verbundenes Vorhaben. Mit einer Länge von mehr als 4.000 Kilometern und einer vorgesehenen Transportkapazität von rund 30 Milliarden Kubikmetern pro Jahr gehört sie zu den ambitioniertesten Infrastrukturvorhaben Afrikas.
Die geplante Nigeria-Morocco Atlantic Gas Pipeline soll von Nigeria entlang der westafrikanischen Küste durch mehrere Transitstaaten nach Marokko und bis zum europäischen Gasnetz führen. Das Vorhaben ist weiterhin in der Planungs- und Finanzierungsvorbereitung. Eine abschließend bestätigte Transportkapazität liegt bislang nicht vor.
Chancen für deutsche Unternehmen liegen in Spezialsegmenten
Große Aufträge für Planung, Beschaffung und Bau werden überwiegend an internationale Konsortien vergeben. Für deutsche Anbieter entstehen Geschäftsmöglichkeiten vor allem bei Komponenten und Dienstleistungen. Dazu zählen Verdichter, Pumpen, Armaturen, Mess- und Regeltechnik, Prozessautomatisierung, Leckageerkennung, Brandschutz, Speziallogistik, Wasseraufbereitung und Emissionskontrolle. Zusätzliche Nachfrage kann sich aus Gas-to-Power-Projekten sowie aus Investitionen in die Düngemittel-, Methanol- und Petrochemieproduktion ergeben.
Projektübersicht: Große Vorhaben konzentrieren sich auf wenige Länder
Wie die Tabelle zeigt, konzentrieren sich die größten fortgeschrittenen Erdgasvorhaben in Subsahara-Afrika auf Mosambik, Nigeria, die Republik Kongo und Gabun. Mosambik verbindet das wiederaufgenommene Onshoreprojekt Mozambique LNG mit Coral North FLNG (Floating LNG); Rovuma LNG befindet sich dagegen noch vor der endgültigen Investitionsentscheidung.
Nigeria erweitert mit Train 7 den bestehenden Standort auf Bonny Island und baut mit AKK und OB3 zugleich sein Transportnetz aus. In der Republik Kongo und in Gabun stehen schwimmende Verflüssigungsanlagen im Vordergrund. Noch ohne endgültige Investitionsentscheidung sind unter anderem Rovuma LNG, Tanzania LNG, GTA-Phase 2 und mehrere nigerianische FLNG-Vorhaben. Ihre Realisierungschancen unterscheiden sich erheblich.
| Projekt und Ort | Status | Investition (in Mrd. US$) / Kapazität 2) | Projektart / Realisierungschance 3) / Einordnung / Unternehmen |
|---|---|---|---|
| Mozambique LNG (Area 1) Afungi, Mosambik | Force Majeure im November 2025 aufgehoben; Onshore- und Offshoreaktivitäten seit dem 29. Januar 2026 vollständig wiederaufgenommen; Projektfortschritt rund 40 Prozent | über 20 / 13,1 mtpa | Onshore-LNG / hoch / Bauarbeiten vollständig wiederaufgenommen; erste Produktion für 2029 erwartet / TotalEnergies und Konsortialpartner |
| Coral North FLNG Mosambik | FID erfolgt; EPCIC-Auftrag vergeben; im Bau | bis zu 7,2 / 3,6 mtpa | Offshore-FLNG / hoch / Produktion für 2028 geplant; Baufortschritt und Großauftrag belegt / Eni; CNPC; ENH; KOGAS; XRG sowie weitere Area-4-Partner |
| Rovuma LNG Mosambik | Pre-FID; begrenzte Engineering- und Beschaffungsarbeiten vergeben | rund 30 / 18,6 mtpa | Onshore-LNG / mittel bis hoch / FID für Ende 2026 angestrebt; begrenzte Engineering- und Beschaffungsarbeiten bereits vergeben, FID noch ausstehend / ExxonMobil; Eni; CNPC; ENH; KOGAS; XRG |
| NLNG Train 7 Nigeria | im Bau; Mitte 2025 zu rund 80 Prozent fertiggestellt | 4,3 / Standortkapazität steigt von 22 auf 30 mtpa | LNG-Erweiterung / hoch / Bau weit fortgeschritten / NNPC; Shell; TotalEnergies; Eni |
| AKK Gas Pipeline Nigeria | zu 95 Prozent fertiggestellt; erste Gaslieferungen nach Abuja für 2026 vorgesehen | 2,8 / keine belastbare Kapazitätsangabe veröffentlicht | Onshore-Pipeline / hoch / Bau weit fortgeschritten / NNPC |
| UTM FLNG Yoho-Feld, Nigeria | Pre-FID; Gasliefervertrag im Juli 2026 abgeschlossen; FID für 2026 angestrebt | 5,0 / 1,5 mtpa LNG; 300.000 t LPG pro Jahr | Offshore-FLNG / mittel / Gasversorgung vertraglich vorbereitet; endgültiger LNG-Abnahmevertrag und FID noch ausstehend / UTM Offshore; NNPC; JGC; Technip Energies; KBR |
| Ace Gas FLNG Offshore Escravos, Nigeria | FEED-Phase; FEED-Vertrag im Dezember 2024 unterzeichnet; FID und Baubeginn noch nicht erfolgt | keine belastbare Investitionsangabe veröffentlicht / 3,0 mtpa LNG; zusätzlich LPG, Kondensat und Power Barge vorgesehen | Offshore-FLNG / niedrig bis mittel / FEED läuft; Finanzierung, FID und Baubeginn noch nicht abschließend belegt / Ace Gas & FLNG Company; Wison New Energies |
| Congo LNG Phase 2/Nguya FLNG Republik Kongo | technische Inbetriebnahme im Dezember 2025; erste LNG-Ladung am 7. Februar 2026 | 5,0 (Gesamtprojekt) / 3,0 mtpa | Offshore-FLNG-Erweiterung / realisiert / Phase 2 seit Februar 2026 im kommerziellen Exportbetrieb / Eni |
| Cap Lopez FLNG Gabun | im Bau | 1,0 / 0,7 mtpa LNG; zusätzlich rund 20.000 t Butan pro Jahr | Offshore-FLNG / hoch / FLNG-Einheit im Bau; Betriebsbeginn für 2026/27 angestrebt / Perenco |
| Tanzania LNG Lindi, Tansania | Pre-FID; Verhandlungen und technische Vorbereitung | 42 / je nach Projektstand 10 bis 15 mtpa | Onshore-LNG / mittel / Verhandlungen und technische Vorbereitung laufen; endgültige Auslegung noch offen / Shell; Equinor; ExxonMobil; Medco Energi; Pavilion Energy; TPDC |
| GTA Phase 2 Mauretanien/Senegal | Konzept- und Engineeringphase; keine FID | keine belastbare Investitionsangabe veröffentlicht / je nach Entwicklungskonzept rund 3 bis 5 mtpa | Offshore-Erweiterung / mittel / Phase 1 in Produktion; Ausgestaltung und Investitionsentscheidung für Phase 2 noch offen / BP; Kosmos Energy; Petrosen; SMHPM |
| Senegal Gas Pipeline Network Senegal | in Planung; erste Segmente in Marktzuteilung | rund 1,1 / je Segment: 150 bis 713 Mio. scf pro Tag | Onshore-Pipelinenetz / mittel / Planung und Segmentdaten liegen vor; Finanzierung und Umsetzung erfolgen abschnittsweise / Réseau Gazier du Sénégal; öffentliche und private Finanzierungspartner |
| Yakaar-Teranga Senegal | Entwicklungsoption; nach Rückzug von Kosmos Energy unter Kontrolle von Petrosen; neuer Entwicklungspartner noch offen | rund 7,5 / keine belastbare Kapazitätsangabe veröffentlicht | Offshore-Gasentwicklung / niedrig bis mittel / Betreiberstruktur und Entwicklungskonzept werden neu geordnet / Petrosen |
| Baleine Phase 3 Côte d’Ivoire | FID am 25. Mai 2026 | rund 4 / Gesamtgasförderung steigt von 80 auf 200 Mio. scf pro Tag | Offshore-Öl- und Gasentwicklung / hoch / FID liegt vor; gesamtes Gas für den ivorischen Markt bestimmt / Eni; Vitol; Petroci; SOCAR |
| Virginia Gas, Phase 2 Free State, Südafrika | Erweiterung geplant; Finanzierung und Zeitplan in Entwicklung | 1,2 (Phase 2) / 34.400 GJ LNG und 4.200 kg Flüssighelium pro Tag | Onshore-Gas-, LNG- und Heliumprojekt / mittel / Finanzierung und Zeitplan noch in Entwicklung; umfangreiches Bohr-, Leitungs- und Anlagenprogramm erforderlich / Tetra4/Renergen; seit Januar 2026 Teil von ASP Isotopes |
| Yoyo-Yolanda Kamerun/Äquatorialguinea | Unitisierungsabkommen zwischen den beiden Ländern vom 3. Februar 2026 | keine belastbare Investitionsangabe veröffentlicht / keine belastbare Kapazitätsangabe veröffentlicht | Offshore-Gasentwicklung / mittel / grenzüberschreitende Lagerstätte, Unitisierungsabkommen zur gemeinsamen Erschließung liegt vor; Betriebsvereinbarung und FID noch ausstehend / Chevron als technischer Betreiber; staatliche Partner |
| 1) Abkürzungen: FLNG = Floating Liquefied Natural Gas; FEED = Front-End Engineering Design; FID = Final Investment Decision; EPCIC = Engineering, Procurement, Construction, Installation and Commissioning; NNPC = Nigerian National Petroleum Company Limited; CNPC = China National Petroleum Corporation; ENH = Empresa Nacional de Hidrocarbonetos; KOGAS = Korea Gas Corporation; TPDC = Tanzania Petroleum Development Corporation; SMHPM = Société Mauritanienne des Hydrocarbures et du Patrimoine Minier. | |||
| 2) Einheiten und Mengenangaben: mtpa = Millionen Tonnen pro Jahr; scf pro Tag = Standardkubikfuß pro Tag; bcm pro Jahr = Milliarden Kubikmeter pro Jahr; Tcf = Billionen Standardkubikfuß; GJ pro Tag = Gigajoule pro Tag; LNG = verflüssigtes Erdgas; LPG = Flüssiggas. | |||
| 3) Die Einschätzung der Realisierungschance berücksichtigt Investitionsentscheidung, Finanzierung, Auftragsvergaben, Baufortschritt, Abnahmeverträge sowie politische und sicherheitsbezogene Risiken. | |||