Branchen | Taiwan | Luftfahrtbranche
Taiwan will sichere Drohnenlieferketten aufbauen
Taiwan fördert seine Drohnenindustrie und setzt dabei auf von China unabhängige Lieferketten. Für deutsche Firmen entstehen Chancen bei Komponenten, Zertifizierung und Beschaffung.
23.09.2026
Taiwan will sich als Standort für die Herstellung von Drohnen und drohnenbezogenen Schlüsselkomponenten etablieren. Die Regierung unterstützt die Branche mit industriepolitischen Programmen, öffentlichen Aufträgen und strengeren Anforderungen an Herkunft und Sicherheit der eingesetzten Komponenten.
Im Mittelpunkt stehen Lieferketten ohne kritische Bauteile aus China, sogenannte „non-red“ beziehungsweise chinafreie Lieferketten. Taiwan will westlichen Beschaffungsstellen Alternativen zu chinesischen Drohnen bieten und den Aufbau von Kapazitäten für unbemannte Luft-, Boden- und Unterwassersysteme vorantreiben.
Deutsche Unternehmen können sowohl als Zulieferer als auch bei öffentlichen Beschaffungen profitieren. Gefragt sind vor allem technologieintensive Komponenten, Software, industrielle Anwendungen sowie Prüf- und Zertifizierungsleistungen. Zulieferer sollten früh prüfen, ob ihre Produkte Anforderungen an Herkunftsnachweise, Cybersicherheit und Exportkontrolle erfüllen. Das gilt besonders für Güter mit ziviler und militärischer Verwendung (Dual Use).
Branchenmesse mit deutschem Gemeinschaftsstand
Als wichtigste Messe für Drohnen ist in Taiwan die TADTE (Taiwan Aerospace and Defense Technology Exhibition) zu nennen. Sie findet alle zwei Jahre statt, das nächste Mal vom 23. bis 25. September 2027. Dazu organisiert das German Trade Office Taipei einen deutschen Gemeinschaftsstand.
Staat fördert lokale Drohnenindustrie
Die Regierung fördert die Branche bis 2030 mit einem sechsjährigen Programm über umgerechnet 1,38 Milliarden US-Dollar (US$). Der jährliche Produktionswert soll auf mehr als 1,25 Milliarden US$ steigen; 2024 lag er bei 156 Millionen US$.
Auch die Kapazitäten sollen wachsen: Derzeit können taiwanische Unternehmen laut Regierung etwa 15.000 Drohnen pro Monat herstellen. Bis 2030 sollen es mindestens 100.000 Einheiten werden.
Wichtigster Abnehmer ist der Staat. Für 2026 und 2027 sieht das Budget der Zentralregierung drohnenbezogene Beschaffungsmittel von umgerechnet 1,77 Milliarden US$ vor. Über Sonderbudgets sollen weitere Mittel für moderne autonome Systeme bereitgestellt werden.
Drohnenexporte nehmen stark zu
Die Exporte der Branche steigen kräftig: Taiwan führte 2025 rund 123.000 Drohnen aus; im 1. Halbjahr 2026 waren es bereits etwa 191.000 Einheiten. Ausgeführt werden vor allem Modelle mit einem Starthöchstgewicht zwischen 250 Gramm und 25 Kilogramm.
Ein großer Teil der Exporte geht nach Polen und Tschechien. Ein Teil davon könnte anschließend in die Ukraine gelangen. Neben fertigen Drohnen liefert Taiwan unter anderem Batterien, Motoren, Sensoren und Komponenten für faseroptische Kommunikation.
Mit steigenden Ausfuhren gewinnen taiwanische Anbieter Zugang zu europäischen Beschaffungsketten. Für deutsche Unternehmen können daraus neue Absatzchancen, aber auch zusätzliche Wettbewerber entstehen.
Auch die USA gewinnen als Markt an Bedeutung. Der im US-Kongress eingebrachte "Blue Skies for Taiwan Act" soll zukünftig in Taiwan hergestellten Drohnen und Komponenten den Zugang zur US-Militärbeschaffung erleichtern, sofern sie keine kritischen chinesischen Bauteile enthalten.
Indikator | 2024 | 2025 |
|
|
|---|---|---|---|---|
Export | 4,4 | 93,4 | 212,2 | 1.683 |
Import | 24,9 | 35,9 | 9,8 | -21 |
Importe konzentrieren sich auf leichte Modelle
Taiwan importiert bislang überwiegend leichte kommerzielle Drohnen aus China. Die USA folgen mit Abstand als zweitwichtigster Lieferant. Aufgrund der Bemühungen Taiwans, seine Abhängigkeit von chinesischen Drohnen und Komponenten zu verringern und auf chinafreie Lieferketten zu setzen, dürfte die Insel künftig mehr größere Drohnen aus demokratisch regierten Ländern beziehen. Das eröffnet ausländischen Herstellern und Zulieferern zusätzliche Chancen.
Dabei beziehen taiwanische Unternehmen weiterhin Kathoden- und Anodenmaterialien, Magnete und seltene Erden aus chinesischen Lieferketten. Alternativen sind häufig teurer und kurzfristig nur begrenzt verfügbar.
Industrie wächst von kleiner Basis
Taiwans größte Engpässe liegen damit weniger in der Endmontage als bei kritischen Komponenten, besonders Batterien und Motoren. Rund 250 Unternehmen sind in Taiwans Drohnenbranche tätig. Viele davon sind in einem Cluster in Chiayi (Mitteltaiwan) zu finden, wo ein staatlich gefördertes Ökosystem für unbemannte Luftfahrzeuge entsteht. Die Branche ist noch jung und eines der am schnellsten wachsenden Industriesegmente. Sie ist kleinteilig und vielen Firmen fehlen Kapital, internationale Vertriebsstrukturen, Zertifizierungserfahrung und Kapazitäten für Großserien.
Wenige größere Drohnenhersteller haben sich etabliert oder sind im Aufbau. Jedenfalls profitiert der Standort Taiwan dabei vom Know-how aus der Fertigung von Halbleitern, Präzisionsmechanik und optischen Baugruppen sowie aus der flexiblen Auftragsfertigung.
Um die Drohnenindustrie zu fördern, will die Regierung einheimische Forschung und Entwicklung wie auch internationale Kooperationsprojekte fördern. Ein Entwicklungszweig ist beispielsweise die Nutzung von Brennstoffzellen, um Drohnen leistungsfähiger zu machen.
Firma | Einordnung | Schwerpunkte/Anmerkungen |
|---|---|---|
Thunder Tiger Corporation | Profilierter Hersteller und Systemintegrator | FPV- und Langstreckendrohnen, maritime Systeme; Kooperationen mit US-Partnern |
Coretronic Intelligent Robotics Corporation (CIRC) | Optiknaher Systemanbieter mit OEM/ODM-Kompetenz | Aufklärungsdrohnen, optische und thermische Kamerasysteme, industrielle Inspektion |
HCG | Hersteller von Strukturteilen für große Drohnen | Keramik-Kohlenstofffaser-Kompositmaterial |
Geosat Aerospace & Technology | Anbieter kommerzieller Drohnenlösungen | Agrar-, Vermessungs- und Infrastrukturanwendungen |
Taiwan UAV Corporation | Spezialist für militärnahe Systemintegration | VTOL-Drohnen, maritime Überwachung, verschlüsselte Datenübertragung und Kontrollstationen |
Aerospace Industry Development Corporation (AIDC) | größter Produzent im Luft- und Raumfahrtbereich | baut einen Drohnenbereich auf, von Forschung & Entwicklung bis zu kompletten Drohnensystemen |
Nachfrage dürfte weiter steigen
Die weltweite Nachfrage wächst in Verteidigung, Katastrophenschutz, Infrastrukturüberwachung, Landwirtschaft und Logistik. Zugleich suchen westliche Staaten Alternativen zu chinesischen Drohnen und Komponenten.
Taiwan positioniert sich daher als Standort für sichere Drohnenlieferketten im asiatisch-pazifischen Raum. Industrieallianzen wie TEDIBOA (Taiwan Excellence Drone International Business Opportunities Alliance) sowie staatsnahe Einrichtungen wie AIDC (Aerospace Industrial Development Corporation) und ITRI (Industrial Technology Research Institute) sollen internationale Partnerschaften, Zertifizierungen, Cybersicherheit und Testverfahren voranbringen. Ein weiterer Akteur des taiwanischen Drohnen-Ökosystems ist die Taiwan Defense Industry Development Association (TW-DIDA).