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Special | Thailand | Nahrungsmittel

Thailand schützt seine Lebensmittelindustrie

Deutsche Nahrungsmittelhersteller liefern bislang nur wenige Waren nach Thailand. Sie hoffen, dass die laufenden Gespräche zum Freihandelsabkommen mit der EU den Markt bald öffnen.

Von Frank Malerius | Bangkok

Der durchschnittliche Haushalt in Thailand hat monatlich etwa 700 US-Dollar (US$) für Konsumausgaben zur Verfügung. Laut statistischem Jahrbuch 2024 entfällt etwa ein Drittel davon auf Nahrungsmittel. Größter Posten ist Gemüse, gefolgt von Getreideprodukten, Fleisch und Fisch. In Thailand werden überwiegend frische Nahrungsmittel konsumiert, doch insbesondere Städter greifen vermehrt zu stärker verarbeiteten Produkten. Der zunehmende Wohlstand treibt den Fleischkonsum und den Bedarf nach ausländischen Produkten. Nicht-traditionelle Lebensmittel wie Milchprodukte und Backwaren legen zu.

Praktisch alle Haushalte besitzen einen Kühlschrank mit Gefrierfach, daher wird oft auf Vorrat eingekauft. Thailändische Hausstände bestehen zumeist aus einer Kernfamilie mit ein oder zwei Kindern. Aber die Zahl der Single-Haushalte steigt.

Nahrungsmittelindustrie deckt heimischen Bedarf

Thailand verfügt über eine für den Entwicklungsstand seiner Volkswirtschaft ausgesprochen starke und exportorientierte Nahrungsmittelindustrie, die auf einer expansiven Landwirtschaft basiert. Die heimischen Produzenten decken das Angebot im Einzelhandel weitgehend ab. Importiert werden überwiegend Nahrungsmittel, die aus klimatischen Gründen nicht oder nicht ausreichend produziert werden können, wie Weizen- und Milchprodukte, Olivenöl oder Wein. In den Supermärkten Bangkoks ist darüber hinaus ein reichhaltiges Angebot an ausländischen Produkten erhältlich.

Auf die Nahrungsmittelverarbeitung entfällt in Thailand fast ein Viertel des verarbeitenden Gewerbes. Sie ist damit doppelt so groß wie die Automobilindustrie. Das Königreich gehört je nach Berechnungsart zu den zehn größten Nahrungsmittelexporteuren der Welt. Setzt man diese Ausfuhren ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung, so ist Thailand die Nummer eins in diesem Ranking. Das Land gehört zu den weltgrößten Exporteuren von Reis, Zucker, Fischkonserven, Hühnerfleisch und einigen Früchten.

Inklusive Agrarrohstoffen erwirtschaftet Thailand hinter Brasilien den weltweit zweitgrößten Handelsüberschuss bei Nahrungsmitteln. Ein Grund dafür sind die hohen Hürden für Einfuhren durch Importzölle und nichttarifäre Handelshemmnisse. So sind beispielsweise thailändisches Bier und Schweinefleisch vor ausländischer Konkurrenz weitgehend abgeschottet.

Der Trend geht zu Fleisch und verarbeiteten NahrungsmittelnAbsatz von Nahrungsmitteln in Thailand; in Millionen US-Dollar
Warengruppen (Auswahl)

2021

2024

 Veränderung 2024/2021 (in %)

Fleischwaren

5.462,7

6.083,7

11,4

Molkereiprodukte

2.227,8

2.203,2

-1,1

Süßwaren

20,6

32,6

57,6

Backwaren

1.273,6

1.368,8

7,5

Fertiggerichte

1.332,3

1.419,4

6,5

2021: 1 US-Dollar = 31 Baht; 2024: 1 US-Dollar = 35 Baht.Quelle: Office of Industrial Economics 2025

Marktzugang für deutsche Produkte ist schwierig

Deutschland exportiert jährlich Nahrungsmittel im Wert von circa 100 Millionen US$ nach Thailand. Das entspricht lediglich 2 bis 3 Prozent aller deutschen Warenlieferungen dorthin. Es handelt sich dabei vor allem um Getreideerzeugnisse und Milchprodukte. Darüber hinaus finden sich in thailändischen Supermärkten deutsche Snacks wie Fruchtgummis, Schokolade und Salzgebäck. Sie tragen als Qualitätssignal oft eine deutsche Flagge auf der Verpackung und kosten doppelt bis dreimal so viel wie in Deutschland.

Als Vertriebskanal für verarbeitete Nahrungsmittel spielen neben den Supermärkten vor allem die Convenience Stores von 7/11 eine herausragende Rolle. Sie gibt es an nahezu jeder Straßenecke, bieten ein Grundversorgungssortiment zu niedrigen Preisen und teilweise auch einen Lieferservice in die Nachbarschaft.

Für deutsche Nahrungsmittelproduzenten ist der thailändische Markt zu klein, als dass sich dort eine Produktion lohnen würde. Viele Lieferanten klagen darüber, dass die Zulassung ihrer Produkte bei der Food and Drug Administration bis zu einem Jahr dauert und bei der kleinsten Veränderung der Rezeptur erneuert werden muss.

Generell gelten nichttarifäre Handelshemmnisse als größere Hürden als die Importzölle. Diese bewegen sich zumeist zwischen 5 und 30 Prozent. Bei Produkten, die Thailand nicht in ausreichender Menge selbst herstellen kann, wie etwa Milch und Milchprodukte, sind sie niedrig. Stellen sie hingegen eine direkte Konkurrenz zu heimischen Produkten dar, fallen sie höher aus.

Thailand ist ein Nischenmarkt für deutsche ProdukteEinfuhren von Nahrungsmitteln 2024; in Millionen US-Dollar
SITC 1)Produktgruppe 

Wert

darunter aus Deutschland 

01Fleisch und Fleischprodukte

367,7

3,6

02Milch und Milchprodukte, Vogeleier

876,4

21,0

03Fische, andere Wassertiere und Zubereitungen 2)

3.876,1

1,1

04Getreide und Getreideprodukte, Teig- und Backwaren 

2.412,1

23,1

05Gemüse, Früchte und Zubereitungen

3.354,2

33,5

06Zucker, Zuckerwaren, Honig

724,9

11,7

07Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze und Waren daraus

1.104,6

7,5

09Verschiedene Lebensmittel und Zubereitungen

1.584,0

22,2

22, 41 bis 43Ölsaaten, ölhaltige Früchte, Öle und Fette, etc.

2.318,4

3,7

 Nahrungsmittel insgesamt

16.618,4

123,9

1 Standard International Trade Classification; 2 Einfuhr überwiegend zur Exportverarbeitung.Quelle: UN Comtrade 2025

Freihandelsabkommen mit EU naht

Die Europäische Kommission hat in einem Handbuch zum Markteintritt in Thailand zahlreiche Marktbarrieren identifiziert. Dazu gehören übermäßige Verzögerungen bei den Importverfahren, häufige Einfuhrverbote mit Verweis auf Vogelgrippe, schwierige Genehmigungsprozesse bei der Einfuhr von Futterweizen oder technische Hürden bei der Lieferung von alkoholischen Getränken.

All diese und weitere Barrieren können nur über ein umfassendes Freihandelsabkommen aus dem Weg geräumt werden. Die EU und Thailand haben die 2014 unterbrochenen Verhandlungen über ein solches 2023 wieder aufgenommen. Sechs Verhandlungsrunden gab es bereits. Dem Vernehmen nach gehört die Öffnung der thailändischen Nahrungsmittelmärkte zu den schwierigsten Themen. Die politisch gut vernetzten großen Branchenunternehmen sind fest entschlossen, ihre Monopole zu verteidigen. In der Presse sind oft Hoffnungen über einen Abschluss eines EU-Thailand-Freihandelsabkommens noch 2025 zu lesen. Vertraute der Brüsseler Behörden schließen das aber aus.

Einige Länder in Asien sowie Australien und Neuseeland profitieren bereits von bilateralen Freihandelshabkommen mit Thailand. Gegenüber Herstellern aus Deutschland und der EU haben sie daher einen klaren Vorteil.

Nahrungsmittelmärkte in Süd- und Südostasien im Detail

Germany Trade & Invest hat für Sie verschiedene wichtige Nahrungsmittelmärkte in Süd- und Südostasien untersucht. Lesen Sie mehr in unseren Länderberichten!

Kontaktadressen

BezeichnungAnmerkung
AHK Thailand (Deutsch-Thailändische Handelskammer)Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Department of Agriculture (DOA)Landwirtschaftsministerium
Thai Retailers AssociationEinzelhandelsverband
Food and Drug AdministrationZulassungsbehörde
Department of Intellectual PropertyPatent- und Markenamt
Thailand Retail, Food & Hospitality ServicesJährliche Nahrungsmittel- und Einzelhandelsmesse; Bangkok; 23.-26. Juli 2026
Food & Hospitality Thailand (FHT)Jährliche Nahrungsmittel- und Gastronomiemesse; Bangkok; August 2026
THAIFEX-Anuga AsiaJährliche Nahrungsmittelmesse; Bangkok; 26.-30. Mai 2026

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