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Special Thailand Coronavirus

Gesundheitswesen in Thailand

Das Gesundheitssystem reagiert schnell und eliminiert Corona-Ausbrüche. Teile der Gesundheitswirtschaft leiden aber unter der Rezession.

Von Thomas Hundt | Bangkok

Experten der Weltgesundheitsorganisation und andere Fachleute sind der Meinung, Thailand verfüge über umfangreiche Kapazitäten zur Kontrolle des Coronavirus, zur Prävention von Übertragungen sowie zur Erkennung von Covid-19-Fällen. Auch die Kapazitäten für das klinische Management seien hinlänglich. Bangkok ist schließlich ein medizinisches Zentrum für ganz Südostasien.

Ausgewählte Indikatoren zum Gesundheitswesen in Thailand

Indikator

2019 (oder letztverfügbares Jahr)

Bevölkerung in Millionen

69,6

Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre in Prozent

12,5

Anzahl Ärzte pro 1.000 Einwohner (2017)

0,81

Anzahl Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner (2018)

2,25

Gesundheitsausgaben pro Kopf in US-Dollar (2017)

247

Quelle: United Nations Population Division; World Bank; Ministry of Public Health Thailand


Thailand identifizierte am 8. Januar 2020 die weltweit erste Infektion mit SARS-CoV-2 außerhalb Chinas. Das Gesundheitswesen war also frühzeitig alarmiert und hat professionell reagiert. Regierung und Bürger konnten vor allem durch strenge Einhaltung von Hygienemaßnahmen, Einlasskontrollen und das Tragen von Masken einen unkontrollierten Ausbruch von Covid-19 verhindern.

Hilfreich ist, dass die Menschen in Thailand selbstverständlich eine Maske tragen und Abstand halten, um Übertragungen an ihre Mitmenschen zu verhindern. Bereits vor der Coronapandemie dienten Gesichtsmasken dem Schutz vor grippalen Infekten und vor Luftverschmutzung.

Auf das Virus getestet werden hauptsächlich Einreisende und gefährdete Personen, zum Beispiel Kontaktpersonen von Covid-19-Erkrankten. Die Abteilung für medizinische Wissenschaften des Gesundheitsministeriums hat bis Anfang Januar 2021 insgesamt 248 Laboratorien lizenziert, die SARS-CoV-2-Tests ausführen dürfen. Sie haben 2020 insgesamt 1,7 Millionen Tests durchgeführt.

Erfolgreicher Kampf gegen SARS-CoV-2

Die zweite Krankheitswelle brach Mitte Dezember 2020 auf einem Fischmarkt in der Provinz Samut Sakhon südwestlich von Bangkok aus. Das Gesundheitsministerium hat anschließend über Isolierung, Nachverfolgung und gezieltes Testen eine Epidemie erneut verhindert.

Universitätskrankenhäuser haben im Rahmen der zweiten Welle zügig Feldhospitäler in stark betroffenen Regionen aufgebaut. Nach Regierungsangaben standen Anfang Januar 2021 insgesamt 22.690 Betten für Covid-19 Erkrankte zur Verfügung. Der Großraum Bangkok verfügt nach Angaben von Fachleuten auch über genügend Intensivbetten, die eine maschinelle Beatmung von schweren Fällen erlauben.

Gesundheitswirtschaft passt sich an

Alle Einreisenden werden in staatlichen Zentren oder Hotels für 15 Nächte unter Quarantäne gestellt. Hotels, die sich für die sogenannte Alternative State Quarantine (ASQ) qualifiziert haben, arbeiten mit einem Krankenhaus zusammen, das ASQ-Gäste auf das Coronavirus testet und positiv getestete Covid-19 Fälle behandelt. Die ASQ-Leistungen stellen eine interessante neue Einnahmequelle für die Hospitäler dar.

Die Menschen suchen im Krankheitsfall Krankenhäuser oder Kliniken auf. Das Gesundheitssystem ist nicht auf Hausärzte ausgerichtet, die Patienten untersuchen und überweisen. Staatliche Gesundheitszentren und öffentliche Krankenhäuser versorgen daher den Großteil der Bevölkerung. 48 Millionen Einwohner, also zwei Drittel der Bevölkerung, sind auf die annähernd gebührenfreie staatliche Grundversorgung Universal Coverage Scheme angewiesen. Sie übernimmt ebenso wie die Sozialversicherungen für Beamte und Angestellte Covid-19-Behandlungskosten.

Die privaten Krankenhäuser und Kliniken kümmern sich um selbstzahlende Patienten aus dem In- und Ausland. Den Gesundheitsbetrieben, die sich auf ausländische Medizintouristen spezialisiert haben, brechen die Umsätze weg. Ausländische Medizintouristen können seit Anfang Juli 2020 zwar wieder Einreiseanträge bei thailändischen Botschaften stellen. Allerdings dürften die Einnahmen aus dem Medizintourismus, die in den Vorjahren bei 600 Millionen bis 900 Millionen US-Dollar lagen, vorerst nicht mehr erreicht werden. Gesundheitseinrichtungen geben den Druck, den sie aufgrund der geringen Einnahmen spüren, an Lieferanten weiter, heißt es aus der Medizintechnikbranche.

Hälfte der Bevölkerung soll 2021 geimpft werden

Medizinische Geräte zur Behandlung von Covid-19 wie Infusionspumpen und Beatmungsgeräte sowie Verbrauchsmaterialien wie medizinische Handschuhe, persönliche Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel sind stark nachgefragt. Sie werden überwiegend im Inland hergestellt.

Auch die thailändische Pharmabranche rechnet mit Umsatzzuwächsen. Corona-Vakzine werden zunächst importiert. Die Regierung hat 2 Millionen Impfdosen beim chinesischen Hersteller Sinovac bestellt, die von Februar bis April 2021 kostenfrei verabreicht werden sollen.

Der Impfstoff des britisch-schwedischen Produzenten AstraZeneca soll ab Mai 2021 zur Verfügung stehen. Die lokale Firma Siam Bioscience beabsichtigt, das AstraZeneca-Vakzin in Lizenz zu produzieren. Zudem verhandelt die Regierung mit weiteren Herstellern, um im Laufe des Jahres wenigstens die Hälfte der Bevölkerung impfen zu können. Die Vakzine benötigen dafür eine Zulassung der Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA).

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