Special | Ukraine | Französische Unterstützung
Frankreich hält der Ukraine den Rücken frei
Auf internationaler Ebene zählt Frankreich zu den wichtigsten Gebern für die Ukraine. In Frankreich registrierte Unternehmen können umfangreiche Förderung in Anspruch nehmen.
09.07.2025
Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Paris
Frankreich steht nicht nur moralisch, sondern auch mit finanzieller Unterstützung fest hinter der Ukraine. Bis Ende April 2025 hat das Land zwar "nur" 7,4 Milliarden Euro bilateraler Hilfen an die Ukraine geleistet. Laut dem Ukraine Support Tracker des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Kiel zahlte Frankreich aber 11,8 Milliarden Euro ins Unterstützungsbudget für die Ukraine der EU ein. Der zweitgrößte Beitrag nach Deutschland.
Die Chancen, dass die französische Regierung die Förderung der Ukraine trotz einer angespannten Kassenlage auch in Zukunft fortführt, stehen gut. Denn die Bevölkerung Frankreichs steht nach wie vor zum französischen Engagement: 67 Prozent der Bevölkerung hatte sich laut Ipsos im März 2025 für eine weitere Ukraineunterstützung ausgesprochen.
Offenes 400 Millionen-Kreditprogramm für den lokalen Wiederaufbau
Das mit 400 Millionen Euro ausgestattete Ukrainekreditprogramm ist das höchstdotierte Förderinstrument Frankreichs. Es wurde im Juni 2024 aufgelegt. Ziel ist die Unterstützung ukrainischer Städte und Regionen bei der Wiederherstellung grundlegender Dienstleistungen und Infrastruktur. Zentrale Stelle für Koordinierung und Vergabe der finanziellen und humanitären Unterstützung ist die französische Agence Francaise pour le Développement (AFD). Zudem ist die Agentur verantwortlich für die Vergabe weiterer 50 Millionen Euro an Zuwendungen für den Wiederaufbau des Landes. Projekte vergibt die AFD in der Regel über Ausschreibungen, die auch nicht französischen Unternehmen offen stehen.
Die konkrete Durchführung von AFD-Programmen fällt regelmäßig in den Zuständigkeitsbereich der beiden AFD-Tochtergesellschaften Expertise France und Proparco, der französischen Entwicklungsbank. Im Rahmen des Ukrainekreditprogramms ist Proparco damit beauftragt, Handelsgarantien, Darlehen und Co-Finanzierungen mit Institutionen wie der Europäischen Investitionsbank (EIB) an privatwirtschaftliche Akteure zu vergeben.
Hilfsprogramme bieten auch kleineren Unternehmen Chancen
Zusätzlich zum Ukrainekreditprogramm hat Frankreich 2024 den mit 200 Millionen Euro dotierten "Fonds d’Aide Civile" aufgelegt. Der Fonds finanziert Projekte zur Aufrechterhaltung kritischer Infrastruktur in den Bereichen Energie, Transport, Wasser- und Gesundheitsversorgung. 19 Vorhaben wurden durch den französischen Staat ausgewählt. Seit März 2025 gehen die Projekte in die Umsetzungsphase, die jeweils 16 Monaten dauern soll. Preisträger sind unter anderem führende Unternehmen des Landes wie Thales, Schneider Electric, EDF France oder Saint Gobain, die Aufträge in den Bereichen Infrastruktur, Wasser oder Energie gewonnen haben. Aber auch kleine und mittelständische Unternehmen wie das ostfranzösische Medizintechnikunternehmen Dessintey beteiligen sich.
Kleinere, spezialisierte Programme wie das mit 14,5 Millionen Euro dotierte Wiederaufbauprogramm "Facilité mAIDan Ukraine" unter der Ägide der AFD-Tochter Expertise France ergänzen das Unterstützungsportfolio.
Für gesonderte, zwischenstaatlich ausgehandelte Projekte mit umfassender französischer Beteiligung stellt die Direction Générale du Trésor (DGE) zudem bei Bedarf zinsgünstige Darlehen (Soft Loan) zur Verfügung. So bewilligte im Jahr 2024 die DGE 35 Millionen Euro für die Lieferung modularer Krankenhäuser durch die französische Gruppe Ellipse Projects.
Politische Rückendeckung für französische Unternehmen
Auch auf politischer Ebene räumt die französische Regierung der Ukraineunterstützung einen besonderen Rang ein. Im März 2023 hat Präsident Macron den Posten eines Sonderbeauftragten für die Unterstützung und den Wiederaufbau der Ukraine geschaffen. Der Sondergesandte verantwortet die französische Strategie zur zivilen Unterstützung der Ukraine. Zudem setzt er sich bilateral und auf internationaler Ebene aktiv für die Beteiligung französischer Unternehmen beim Wiederaufbauprozess ein.
Förderinstrumente
| Name | Förderart | Antragsberechtigung / Voraussetzung | Zielgruppe |
|---|---|---|---|
| FASEP (Private Sector Study and Aid Fund) | Zuwendung oder Vorschuss | 85 Prozent französische Wertschöpfung | Kleine und mittlere Unternehmen |
| BPI France Assurance Export | Exportversicherung | Unternehmen französischen Rechts; weitere Bedingungen (Anteil französischer Wertschöpfung) in Abhängigkeit von Art und Umfang der gewünschten Absicherung | Alle Unternehmen |
| BPI France Assurance Investissements | Investitionsversicherung | Unternehmen französischen Rechts | Alle Unternehmen |
Unternehmen können für ihr Ukraineengagement auf umfassende staatliche Absicherungsinstrumente wie Export- und Investitionsversicherungen zurückgreifen. Voraussetzung ist allerdings regelmäßig, dass der Antragsteller ein französisches Unternehmen ist. Zum Teil wird auch ein französischer Wertschöpfungsanteil zur Auflage für die Bewilligung einer staatlichen Förderung gemacht. Deutsche Unternehmen können damit in der Regel nicht direkt von den französischen Förderinstrumenten Gebrauch machen. Möglich aber ist eine mittelbare Absicherung beispielsweise im Rahmen von Kooperationen mit oder Zulieferung an französische Unternehmen.
Frankreichs Unternehmen positionieren sich
Trotz des Krieges ist Frankreich bereits heute in der Ukraine gut vertreten. Mit rund 30.000 Mitarbeitern in 180 Unternehmen war Frankreich laut der französisch-ukrainischen Handelskammer CCI Franco-Ukrainienne im Jahr 2024 der wichtigste ausländische Arbeitgeber in der Ukraine. Französische Unternehmen steigern ihr Engagement, auch im Hinblick auf einen Wiederaufbau nach Kriegsende.
So legen erste französische Großunternehmen strategische Investitionen auf. Die französische NJJ Holding hat den ukrainischen Telekom- und Bezahlfernsehanbieter Lifecell aufgekauft. NJJ Holding zählt zum Firmenimperium von Xavier Niels, dem Gründer des französischen Telekommunikationsanbieters Free.
EDF kooperiert mit dem ukrainischen Atomkraftbetreiber Energoatom. Schneider Electric hat mit dem größten Energieunternehmen der Ukraine, der DTEK-Gruppe, eine Absichtserklärung über die Modernisierung der Energieinfrastruktur unterzeichnet. Und Saarstahl Rail hat 20.000 Tonnen Schienen an die Eisenbahngesellschaft Ukrzaliznytsia geliefert.
Auch kleine und mittlere französische Unternehmen engagieren sich vor Ort. Nicht wenige dieser Unternehmen waren schon vor Kriegsausbruch in der Ukraine aktiv. Sie hoffen nunmehr darauf, nach Beendigung des Krieges von ihrem Beharrungswillen, aber auch der lokalen Erfahrung und Eingebundenheit beim Wiederaufbau profitieren zu können.