Special | Ukraine | Polnische Förderprogramme
Polen erweitert das Angebot an Ukraine-Hilfen für Unternehmen
Werden bestimmte Voraussetzungen erfüllt, stehen viele Ukraine-Programme der polnischen Fördergesellschaften auch deutschen Firmen offen.
09.07.2025
Von Christopher Fuß | Warschau
In den drei Jahren zwischen Januar 2022 und Ende April 2025 hat Polens Regierung bilaterale Hilfen an die Ukraine im Umfang von 5,1 Milliarden Euro geleistet. Das geht aus Analysen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW) hervor. Zusätzlich beteiligte sich Polen an gemeinsamen europäischen Initiativen, wie Hilfspaketen der EU oder Programmen der Europäischen Investitionsbank (EIB). Polen ist damit der mit Abstand größte finanzielle Unterstützer der Ukraine in Mittel- und Osteuropa.
Gleichzeitig will sich das Land als Drehkreuz für den Wiederaufbau positionieren. Die staatlichen Wirtschaftsfördergesellschaften haben eine Reihe von Programmen gestartet, um Unternehmen auf dem Weg in die Ukraine unter die Arme zu greifen.
Deutsche Firmen können Lieferungen in die Ukraine in Polen versichern
Die Versicherungsgesellschaft KUKE erhielt im April 2025 eine Freigabe der Europäischen Kommission für ein staatlich gefördertes Rückversicherungsprogramm im Logistiksektor. Der Hintergrund: Transportunternehmen wollen sich Lieferungen in die Ukraine gegen Kriegsschäden versichern lassen. Allerdings zögern Versicherungsanbieter, weil sie am freien Markt kaum Rückversicherungsangebote für Policen für Kriegsgebiete finden.
Hier kommt KUKE ins Spiel. Sie übernimmt als Rückversicherer jetzt bis zu 80 Prozent des Risikos. Das Angebot richtet sich an alle Versicherer, die in Polen Dienstleistungen anbieten dürfen. Eine begünstigte Logistikfirma wiederum muss in Polen mit einer Steuernummer (NIP) registriert sein. Es macht keinen Unterschied, ob das Unternehmen einem polnischen oder einem internationalen Eigentümer gehört. Die Ware kann aus Polen oder aus einem anderen EU-Land in die Ukraine geliefert werden. Der Umfang des Rückversicherungsprogramms liegt bei 1,5 Milliarden Euro.
Internationale Firmen mit einer NIP-Nummer in Polen haben außerdem Zugang zu den Exportversicherungen von KUKE. Die Kosten richten sich nach unterschiedlichen Faktoren, beispielsweise dem Auftragswert.
Polnische Investitionsgarantien auch für deutsche Firmen zugänglich
KUKE unterstützt darüber hinaus Investitionen von Unternehmen aus Polen in der Ukraine. Die staatlich kontrollierte Gesellschaft versichert bis zu 95 Prozent der Investitionssumme gegen Kriegsschäden. Entscheidend ist auch hier, dass der Investor in Polen über eine NIP-Nummer verfügt. Die polnische Niederlassung des Investors muss über 50 Prozent der neuen Tochtergesellschaft in der Ukraine kontrollieren.
Ein weiteres Programm der KUKE betrifft Wiederaufbauprojekte in der Ukraine. Der Rückversicherer unterstützt internationale Projektträger bei der Suche nach Geldgebern. Voraussetzung ist, dass mindestens 30 Prozent der benötigten Materialien und Dienstleistungen von polnischen Lieferanten stammen. Ist dies Erfüllt, bietet die KUKE auch eine Investitionsgarantie für das entsprechende Projekt an.
KUKE hat bereits Erfahrungen in der Ukraine gesammelt. Im Oktober 2024 gab das Unternehmen sein bis dato größtes Projekt mit 45 Millionen Euro bekannt. Gemeinsam mit MIGA, der Versicherungsagentur der Weltbank, sichert KUKE die Fabrik eines nicht näher genannten polnischen Unternehmens in der Ukraine gegen Kriegsschäden ab.
Förderbank erhält neue Kompetenzen und vergibt Niedrigzinskredite
Neben der KUKE bietet auch die staatliche Förderbank BGK verschiedene Maßnahmen für die Ukraine an. Hierzu gehören Exportkredite und Investitionskredite sowie Garantien gegen Zahlungsausfälle. Und das Angebot stößt auf Interesse. Der polnische Hersteller von Haushaltschemie Vaco Retail sichert seinen Export in die Ukraine mit einer Zahlungsgarantie von BGK ab. So kann der Produzent sicher sein, dass eine Rechnung beglichen wird, denn bei Zahlungsausfall des Kunden übernimmt BGK den ausstehenden Betrag.
Die BGK ist in Polen der einzige Betreiber der EU-Ukrainefazilität, die Garantien für Wiederaufbauprojekte bereitstellt. Bislang durfte die staatliche Förderbank keine Projekte im Bereich der Entwicklungshilfe finanzieren. Ein neues Gesetz ermöglicht es ihr nun, Mittel aus der Ukrainefazilität und dem Staatshaushalt über einen neu geschaffenen Entwicklungsfonds FIWR zu bündeln und weiterzugeben. Das Gesetz trat Ende April 2025 in Kraft.
Darüber hinaus stellt BGK knapp 60 Millionen Euro an Niedrigzinskrediten für Unternehmen in Polen bereit. Die Gelder richten sich an alle Unternehmen, die ihre polnischen Niederlassungen und Logistikzentren erweitern wollen, um den ukrainischen Markt bedienen zu können. Die Kredite unterstützen Firmen auch bei Ausgaben rund um den Export von Waren. Ein Darlehen darf nicht größer sein als 2,2 Millionen Euro. Der Zinssatz liegt laut BGK bei 2 Prozent und die Rückzahlungsfrist bei 10 Jahren.
Staatlicher Fonds beteiligt sich an Übernahmen in der Ukraine
BGK und KUKE sind Teil der staatlichen Fördergesellschaft Grupa PFR. Ein weiterer Bestandteil dieser Gruppe ist der Fonds für Auslandsexpansionen FEZ. Der Geldtopf unterstützt Firmen aus Polen bei Übernahmen und Beteiligungen (Mergers & Acquisitions, M&A) auf internationalen Märkten. Eine Option hier lautet, dass sich der Fonds bei solchen Projekten als Minderheitsinvestor beteiligt. Der private Partner zahlt anschließend über einen Zeitraum zwischen 5 und 10 Jahren die Anteile zurück.
So half FEZ Anfang 2025 dem polnischen IT-Unternehmen Euvic einen weiteren Partner in der Ukraine zu übernehmen. Für den Programmier-Dienstleister aus Polen war es der fünfte Firmen-Aufkauf in der Ukraine. FEZ unterstütze die jüngste Expansion mit 2,5 Millionen Euro.
Neben in Polen registrierten Unternehmen steht das FEZ-Angebot auch internationalen Konsortien mit einem polnischen Partner zur Verfügung, die in der Ukraine investieren wollen. Die Unterstützungsmöglichkeiten richten sich nach den Anteilen der Konsorten ab.
| Adresse | Beschreibung |
|---|---|
| KUKE S.A. | Staatlicher Rückversicherer Polens |
| BGK | Staatliche Förderbank Polens |
| PFR TFI | Verwalter des staatlichen Fonds für Auslandsinvestitionen |
| PUIG | Polnisch-Ukrainische Industrie- und Handelskammer |
| Ukraiński Dom | Hilfsorganisation für Ukrainerinnen und Ukrainer in Polen |