Special | Ukraine | Spaniens Unterstützung
Spanien bekräftigt Unterstützung für die Ukraine
Neben finanzieller Unterstützung internationaler Organisationen, die in offenen Verfahren ausschreiben, bietet Spanien einheimischen Firmen Kredit- und Garantielinien.
09.07.2025
Von Martin Gaber, Friedrich Henle | Bonn, Madrid
Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Spanien und der Ukraine haben noch Ausbaupotenzial. Zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine in der EU zählt Spanien aber schon heute. Nach Regierungsangaben hat das Land bis Ende April 2025 Finanzhilfen in Höhe von 600 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Ukraine zur Verfügung gestellt. Die Finanzhilfen werden vor allem durch multilaterale Institutionen wie die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), die Weltbank oder die Europäische Investitionsbank (EIB) vergeben.
Ministerpräsident bekräftigt Spaniens Unterstützung
"Wir werden die Ukraine so lange wie nötig unterstützen", sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez Ende Februar 2025 in Kyjiw. Damit bekräftigte er das spanische Engagement, dass 2024 mit der Unterzeichnung eines bilateralen Sicherheits- und Verteidigungsabkommens seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Das Abkommen ist auf einen Zeitraum von zehn Jahren ausgelegt und enthält neben den Finanzhilfen auch weitere Komponenten.
Dazu zählen 15 Millionen Euro für ein Sonderprogramm der Weltbank für die Ukraine und die Republik Moldau. Zudem wollen beide Länder den Austausch zwischen Unternehmen, aber auch gegenseitige Weiterbildungen stärken. Spanien wird außerdem einer bereits 2023 getätigten Zusage für Darlehen und Zuschüsse von über 50 Millionen Euro nachkommen. Diese sollen die Widerstandsfähigkeit der Privatwirtschaft stärken und über die International Finance Corporation (IFC) ausgegeben werden. Laut Ministerpräsident Sánchez werde Spanien Seite an Seite mit der Ukraine am Wiederaufbau arbeiten. Er rief spanische Unternehmen auf, sich aktiv am Wiederaufbau zu beteiligen.
Förderbank ICO hilft spanischen Firmen im Auslandsgeschäft
Eine wichtige Unterstützung beim Auslandsgeschäft für spanische Unternehmen bietet die Förderbank ICO (Instituto de Crédito Oficial). Sie hat zwar keine speziell für die Tätigkeit in der Ukraine geschaffenen Finanzierungslinien, nutzt dafür aber ihre vorhandenen Produkte. So stehen Internationalisierungs- oder Exportlinien für Aktivitäten im ukrainischen Markt zur Verfügung. Es gibt keine sektoralen Schwerpunkte. Die wichtigsten Instrumente sind:
- ICO Internacional ist eine öffentliche Kreditlinie, deren Ziel es ist, unternehmerische Aktivitäten und Investitionen spanischer Unternehmen sowie deren Tätigkeiten in Drittmärkten zu finanzieren.
- Eine weitere ICO-Linie, auf die spanische Unternehmen im Ausland zurückgreifen können, ist das Programm für internationale Garantien. Im Rahmen dieses Programms stellt ICO einem Unternehmen eine Bankgarantie aus, damit es an internationalen Ausschreibungen teilnehmen oder im Ausland vergebene Verträge abschließen kann, bei denen die Stellung von Garantien verlangt wird.
Spanisch-ukrainische Wirtschaftsbeziehungen haben Ausbaupotenzial
Die Ukraine gehört für Spanien nur in Teilbereichen zu den wichtigen Handelspartnern. Insgesamt lag der Handel der beiden Länder in 2024 bei knapp 4 Milliarden Euro. Allerdings verzeichnet Spanien ein großes Handelsdefizit mit der Ukraine. Das liegt daran, dass vor allem große Mengen an Getreide aus der Ukraine nach Spanien geliefert werden: 2024 im Wert von 2,2 Milliarden Euro.
Auch die Präsenz spanischer Unternehmen in der Ukraine ist überschaubar. Zwischen 2018 und 2024 gab es keine registrierten Investitionszuflüsse. Der Bestand beläuft sich aktuell auf etwas mehr als 35 Millionen Euro. Zu den namhaftesten spanischen Unternehmen in der Ukraine zählen:
- Acciona (Infrastruktur)
- Inditex (Mode)
- Roca (Badezimmer)
- Amadeus (IT-Lösungen für Reise- und Tourismusbranche)
- Teka (Haushaltgeräte)
- Grupo Lladró (Keramikhersteller)
- Mayoral (Textilien)
Das Modeunternehmen Inditex, zu dem auch Ketten wie Zara gehören, öffnet nach und nach wieder seine Läden in der Ukraine. Diese waren nach Kriegsbeginn geschlossen worden.
Interesse am ukrainischen Markt zeigen auch spanische Firmen aus dem Bau- und Ingenieursbereich, wie ihre zahlreiche Teilnahme an einem Treffen mit einer ukrainischen Wirtschaftsdelegation zeigt, die Spanien im Februar 2025 besuchte um Kooperationsmöglichkeiten für den Wiederaufbau der Ukraine zu sondieren.
Spanische Bevölkerung steht hinter der Ukraine-Unterstützung
Die beiden größten politischen Parteien in Spanien sind die Sozialistische Partei (PSOE), die den Vorsitz der Regierung innehat, und die konservative Oppositionspartei Partido Popular (PP). Beide unterstützen weiterhin entschieden die proukrainische Politik des Westens. Diese Haltung findet auch bei der Bevölkerung Zuspruch: Auch wenn keine aktuellen Umfragen direkt auf die Ukraineunterstützung abzielen, so benannten in einer im April 2025 von der Tageszeitung El País veröffentlichten Umfrage 78 Prozent der Befragten Russland als die größte Bedrohung für den Weltfrieden.
Trotzdem gehören weder der Krieg in der Ukraine noch Investitionen in die Verteidigung zu den Prioritäten des Landes. So geben zwei vom Meinungsforschungsinstitut 40dB für El País im März und April 2025 durchgeführte Umfragen weitere Einblicke in die Haltung der Bevölkerung zur Erhöhung der Militär- oder Verteidigungsausgaben. Verteidigung und äußere Sicherheit nahmen dabei nur eine sehr geringe Bedeutung ein. Sie lagen hinter Themen wie Migration, soziale Ungleichheiten, Wirtschaftswachstum, Handelsbeziehungen und sogar der Klimakrise. Auf die Frage, worin Europa investieren sollte, landeten Verteidigung und Sicherheit auf dem sechsten Platz, hinter dem Wohnungsbau, Informations- und Kommunikationstechnologien, der Industrie, der Sozialpolitik, der Grenzsicherheit und erneuerbaren Energien.