Special | Ukraine | Ukrainische Förderprogramme
Ukraine fördert Investitionen
Ukrainischen Unternehmen stehen einige Förderprogramme zur Verfügung. Direkt oder indirekt können auch deutsche Unternehmen profitieren.
09.07.2025
Von Waldemar Lichter | Warschau
Ungeachtet des Krieges und trotz angespannter Budgetsituation – die ukrainische Regierung nimmt einiges Geld in die Hand, um die Entwicklung der lokalen Unternehmen und ihre Investitionen zu unterstützen. Neben Geldern nationaler Programme können dafür auch Fördermittel internationaler Finanzinstitutionen und Geberländer oder eine Kombination beider genutzt werden.
Die Förderpolitik verfolgt mehrere Ziele. Die Unternehmen sollen gegen kriegsbedingte Störungen resilienter und ihre Exportfähigkeit erhöht werden. Das bringt der Ukraine dringend benötigte Devisen. Mittelfristig soll ferner die industrielle Basis der Wirtschaft gestärkt, der Anteil des verarbeitenden Gewerbes am Bruttoinlandsprodukt von derzeit 10,3 auf 20 Prozent gesteigert werden. Das soll durch mehr Investitionen in Produktionsanlagen und höhere lokale Wertschöpfung erreicht werden.
"5-7-9-Prozent" – günstige Kredite sind Flaggschiff der Förderprogramme
Das staatliche Programm "Erschwingliche Kredite 5-7-9" ist das wichtigste Förderinstrument der Regierung mit dem größten Volumen. Seit dem Start des Programms im Februar 2020 wurden so 112.300 Kredite in Höhe von umgerechnet 9,8 Milliarden Euro an Unternehmen vergeben. Das Programm diente anfangs vor allem um Betriebskapital aufzufüllen. Doch der Anteil der Investitionskredite nimmt zu und belief sich Anfang 2025 auf rund 25 Prozent.
Das Programm bietet zinsvergünstigte Kredite zu Zinssätzen von 5, 7 oder 9 Prozent je nach Unternehmensgröße und Tätigkeitsdauer. Die maximale Kredithöhe für Betriebskapital beträgt umgerechnet etwa 125.000 Euro, für Investitionszwecke etwa 3,75 Millionen Euro. Besonders gefördert werden Kredite an die Verarbeitungsindustrie und an Unternehmen in Hochrisikogebieten. An dem Programm beteiligt sind aktuell 46 Banken. Die aktivsten sind die PrivatBank, Oschadbank und Ukrgasbank.
"Made in Ukraine" – Kaufanreize sollen Investitionen beflügeln
Das von Präsident Selenskyj initiierte Programm "made in Ukraine" zielt auf die Stärkung der lokalen Industrieproduktion. Es bietet Investitionszuschüsse, günstige Kredite und Subventionen für Erweiterung der Produktionskapazitäten. Wichtiges Förderlelement des Programms ist: Unternehmen mit hohem Lokalanteil sollen bei öffentlichen Aufträgen bevorzugt werden.
Außerdem soll die Nachfrage nach Erzeugnissen mit hohem Lokalanteil gezielt stimuliert werden. So erhalten Landwirte beim Kauf ukrainischer Landmaschinen 25 Prozent der Kosten erstattet. 2024 wurden so über 6.000 Maschinen verkauft, was einem Umsatz von über 84 Millionen Euro entsprach. Die ausgezahlte Fördersumme betrug rund 21 Millionen Euro. Ein anderes Beispiel: Beim Wiederaufbau zerstörter Wohnungen und Häuser (Programm eRecovery) sollen Familien bevorzugt Baustoffe aus ukrainischer Produktion beziehen.
Nutznießer des Programms sind vor allem verarbeitende Betriebe, KMU, Agrarunternehmen und Investoren in Industrieparks. Eingeschränkt wird die Attraktivität des Programms durch Kofinanzierungspflichten. Unternehmen müssen einen Teil der Investitionssumme selbst aufbringen – meist 50 Prozent – oder in bestimmten Fällen bei besonders förderwürdigen Projekten (Bedeutung für den Wiederaufbau, die Modernisierung und die nachhaltige Entwicklung des Landes) 20 Prozent. Das bedeutet, dass der Staat nur einen Teil der Kosten übernimmt.
Zu einem der zentralen Instrumente der ukrainischen Wirtschaftspolitik gehört die Förderung von Industrieparks. Hier werden nationale und internationale Fördermittel kombiniert, um Unternehmen in diesen Parks Zugang zu Zuschüssen, Steuer- und Zollvergünstigungen sowie Unterstützung beim Infrastrukturausbau zu gewähren. Für 2025 sind mindestens 11,5 Millionen Euro an direkten Fördermitteln und 22,6 Millionen Euro für Infrastrukturmaßnahmen vorgesehen.
Die Inanspruchnahme der Förderung setzt größtenteils Investitionen deutscher Unternehmen voraus
Auch ausländische Unternehmen, darunter deutsche Investoren, profitieren von diesen Vorteilen: Sie erhalten gleiche Förderbedingungen, langfristige Planungssicherheit und profitieren von der steigenden Nachfrage nach Maschinen und Know-how. Industrieparks stärken somit nicht nur die ukrainische Industrie, sondern fördern auch internationale Investitionen und die Integration in globale Lieferketten.
Ausländische Unternehmen können auch von den anderen nationalen Förderprogrammen direkt profitieren. Für die meisten Programme, etwa "5-7-9-Prozent, "Made in Ukraine", Industriepark-Förderung, das Wohnungsbauprogramm Oselia, ist allerdings eine Präsenz in der Ukraine – in der Regel über eine Tochtergesellschaft oder ein Joint Venture im Land – zwingend erforderlich.
Für international finanzierte Programme (beispielsweise Ukraine Investment Framework (UIF) der EU, EIB-, EBRD-, Weltbank- oder KfW-Programme) gilt diese Voraussetzung nicht. Hier können sich ausländische Unternehmen auch ohne eigene Tochtergesellschaft in der Ukraine beteiligen, etwa als Lieferanten, Konsortialpartner oder im Rahmen internationaler Ausschreibungen. Die Zusammenarbeit mit einem ukrainischen Partner ist allerdings meist sinnvoll oder erforderlich. Deutsche Unternehmen können sich als Technologie- oder Lieferpartner, Konsortialführer oder im Rahmen von Joint Ventures mit ukrainischen Unternehmen beteiligen, so Fachleute.
| Förderprogramm | Direkter Zugang für deutsche Unternehmen | Indirekter Zugang als Lieferant/Partner |
|---|---|---|
| Made in Ukraine | Ja, bei lokaler Produktion/Joint Venture | Ja, als Maschinen-/Techniklieferant |
| Erschwingliche Kredite 5-7-9 Prozent | Nein (nur für ukrainische Firmen) | Ja, als Lieferant für geförderte Betriebe |
| Industrieparkförderung | Ja, bei Ansiedlung in der Ukraine | Ja, durch Belieferung ansässiger Firmen |