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Branchen | USA | Pharmaindustrie, Biotechnologie

Spezialmedikamente sorgen für Wachstum im US-Pharmamarkt

Trotz staatlicher Preisregulierung und auslaufender Patente steigen die Umsätze in der Pharmabranche. Medikamente gegen Übergewicht entwickeln sich zum Kassenschlager.

Von Heiko Stumpf | San Francisco

Neue Medikamente gegen Krebs, Diabetes und Übergewicht bescheren den Pharmaunternehmen im US-Markt steigende Einnahmen. Laut Prognosen des IQVIA-Instituts sollen Umsätze mit Arzneimitteln im Jahr 2024 um 2,7 Prozent auf nominal 458 Milliarden US-Dollar (US$) steigen. Bis 2028 sagen die Analysten sogar einen Anstieg auf 537 Milliarden US$ vorher, was einer durchschnittlichen Steigerungsrate von 4,1 Prozent pro Jahr entspricht.

Als Wachstumstreiber erweisen sich teure Spezialtherapeutika, die komplexe und seltene Krankheitsbilder behandeln. Der Marktanteil solcher Wirkstoffe nimmt kontinuierlich zu, er lag im Jahr 2023 bei rund 51 Prozent. Vor zehn Jahren hatte der Wert noch 35 Prozent betragen. Die Entwicklung geht auf Kosten klassischer Präparate, die zwar einen höheren Adressdatenkreis erreichen, aber ein deutlich geringeres Preisniveau aufweisen.

Viele Krebsmedikamente kommen auf den Markt

In Zukunft dürfte sich der Trend verfestigen. Experten erwarten, dass die Regulierungsbehörde Federal Drug Administration (FDA) in den kommenden fünf Jahren die Zulassung für mehr als 250 Medikamente erteilt. Spezialmitteln kommt dabei eine dominante Rolle zu.

So werden bis 2028 beispielsweise rund 100 neue Behandlungen gegen Krebs erwartet. Die Ausgaben in diesem Marktsegment werden dadurch nach Prognosen auf etwa 191 Milliarden US$ katapultiert. Damit erzielen Krebsmedikamente mit 13,6 Prozent pro Jahr ein überdurchschnittliches Wachstum.

Insbesondere Pfizer setzt auf die Tumorforschung, nicht zuletzt um sinkende Umsätze aus dem Covid-Impfgeschäft auszugleichen. Dazu übernahm der Konzern 2023 das auf Krebstherapien spezialisierte Biotech-Unternehmen Seagen: Bis 2030 sollen mindestens acht umsatzstarke Blockbuster entwickelt werden.

Gen- und Zelltherapien vor dem Durchbruch

Eng mit dem Feld der Krebsbehandlung verbunden ist das Wachstumssegment der Gen- und Zelltherapien. Bei diesen neuartigen Verfahren werden veränderte Zellen oder DNA in den Körper eingeführt, um die Ursachen schwer behandelbarer Krankheiten zu bekämpfen.

Mit mehr als zehn erwarteten Neuzulassungen könnte 2024 ein bahnbrechendes Jahr für solche Therapieansätze werden. Zudem laufen Tausende klinische Studien. Auch wenn viele davon scheitern, erwartet die FDA, dass in den Folgejahren jeweils 10 bis 20 Zell- und Gentherapien zugelassen werden. Mit Stand März 2024 hat die FDA bereits 36 entsprechende Zulassungen erteilt.

Der deutsche Pharmariese Bayer eröffnete im Oktober 2023 eine Zelltherapie-Produktionsanlage in Berkley, nordöstlich von San Francisco. Mit der Investition von 250 Millionen US$ wird Material hergestellt für klinische Studien zur Behandlung von Parkinson.

Mittel gegen Übergewicht boomen

Immense Gewinne verspricht der Markt für Medikamente gegen zu viele Kilos. Die zugelassenen Produkte Zepbound von Eli Lilly und Wegovy von Novo Nordisk sind bereits Verkaufsrenner. Sie wurden ursprünglich zur Behandlung von Diabetes entwickelt und basieren auf dem Wirkstoff Semaglutid. Dieser ahmt das Hormon GLP-1 nach, welches ein Gefühl der Sättigung erzeugt.

Infolge der hohen Nachfrage kommen die Hersteller mit der Produktion kaum hinterher. Um sich zusätzliche Kapazitäten zu sichern, gab Novo Nordisk Anfang 2024 die Übernahme des in New Jersey ansässigen Auftragsfertigers Catalent bekannt. Eli Lilly wiederum kauft den Auftragshersteller Nexus Pharmaceuticals in Wisconsin. Zudem fließen bis 2027 rund 3,7 Milliarden US$ in den Bau zweier Fertigungsstätten in Indiana. Weitere 450 Millionen US$ steckt Eli Lilly in eine dritte Anlage in North Carolina, welche ab 2025 Diabetespräparate und solche zum Abnehmen ausliefern soll.

Der Erfolg ruft auch die Konkurrenz auf den Plan: Das Institut Global Data schätzt, dass bis 2028 etwa 13 Medikamente gegen Übergewicht eine Zulassung durch die FDA erhalten könnten. So wollen sich beispielsweise auch Unternehmen wie Pfizer, Amgen oder Boehringer Ingelheim Anteile im lukrativen Markt sichern.

Gewichtsprobleme sind in den USA weitverbreitet, das Marktpotenzial demzufolge riesig. Laut dem 2023 State of Obesity Report des Trust for America's Health leiden rund 42 Prozent der Bevölkerung unter Übergewicht. Vor 20 Jahren lag der Wert noch bei 31 Prozent. J.P. Morgan Research prognostiziert, dass bis zum Jahr 2030 rund 15 Millionen Amerikaner Medikamente zur Gewichtsregulierung nutzen das sind rund 9 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Umsätze dürften dadurch auf etwa 44 Milliarden US$ hochschnellen von geschätzten 5,1 Milliarden im Jahr 2023.

Regierung schreibt billigere Medikamente vor

Durch die vorgenannten Trends trotzt die US-Pharmabranche auch Entwicklungen, welche in den kommenden Jahren zu Einnahmeausfällen führen werden. So schreibt die Regierung durch den Inflation Reduction Act (IRA) erstmals verbindliche Preisverhandlungen für Arzneimittel im staatlichen System Medicare vor, welches ältere Menschen versorgt. Ziel ist es, die Medikamentenpreise um 25 bis 60 Prozent zu senken – abhängig von den Umständen des Einzelfalls.

Für die ersten zehn Pharmazeutika (außerhalb des Patentexklusivitätsrechts) mit den höchsten Kosten sollen die Preisvorgaben bereits ab 2026 greifen. In den Jahren 2027 und 2028 soll es für jeweils 15 Arzneimittel Verhandlungen geben. Ab 2029 könnten es 20 sein.

Auch durch eine Welle auslaufender Patente gehen den Pharmakonzernen Umsätze verloren. Bis 2030 sind rund 200 Medikamente betroffen, darunter viele umsatzstarke Blockbuster. Wegen der dadurch aufkommenden Konkurrenz durch Generika und Biosimilars drohen den betroffenen Herstellern Einbußen von mehr als 200 Milliarden US$ jährlich.

Als Ausweg bleibt den Pharmaunternehmen deshalb nur, neue Medikamente zu entwickeln und dadurch frische Einnahmequellen zu erschließen. Laut der BDO-Umfrage "2024 Life Sciences CFO Outlook" wollen 77 Prozent der Unternehmen ihre Forschungsausgaben im Jahr 2024 erhöhen.

US-Importe ausgewählter medizinischer und pharmazeutischer Erzeugnisse In Millionen US-Dollar
Warengruppe (SITC-Position)

2019

2020

2021

2022

2023

Glykoside; Drüsen und andere Organe und ihre Auszüge; Antiseren, Vakzine und ähnliche Erzeugnisse (541.6)

43.508

53.176

58.898

65.350

82.481

   davon aus Deutschland

8.617

12.281

12.791

8.655

11.748

Arzneiwaren, Hormone oder andere Erzeugnisse der Untergruppe 541.5, jedoch keine Antibiotika enthaltend (542.2)

12.147

12.635

13.909

13.917

13.472

   davon aus Deutschland

1.672

1.392

1.347

1.149

1.325

Arzneiwaren, Alkaloide oder ihre Derivate, jedoch weder Hormone noch andere Produkte der Untergruppe 541.5 oder Antibiotika enthaltend (542.3)

1.674

1.569

1.284

1.302

1.409

   davon aus Deutschland

1.179

1.084

704

681

685

Arzneiwaren, a. n. g. (542.9)

61.401

63.036

65.968

73.930

71.057

   davon aus Deutschland

5.101

4.804

6.597

6.686

4.608

Quelle: U.S. International Trade Commission 2024

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