Mit neuen Ausbauplänen und verschärften gesetzlichen Vorgaben will Vietnam den Bergbausektor voranbringen. Für ausländische Investoren bleibt ein Engagement herausfordernd.
In Vietnams Boden steckt ein breites Spektrum an Ressourcen, das weit über kritische Rohstoffe hinausgeht. Der Abbau von Steinkohle vor allem im Quang Ninh-Becken bleibt die wichtigste Säule des vietnamesischen Bergbaus. Zusammen mit importierter Kohle sichert sie die Energieversorgung und versorgt die Zement- und Stahlindustrie. Da die oberflächennahen Flöze erschöpft sind, steht der Sektor vor einer Transformation zum Tiefbau.
Bergbau konzentriert sich auf Norden und Mitte des LandesWichtige Bergbauregionen und VorkommenRegion | Geologischer Charakter | Hauptrohstoffe | Wichtige Provinzen | Bergbau-Typ |
|---|
Nordwesten (Yunnan-Ausläufer) | Komplexe metallogene Zonen (Hard Rock) | Seltene Erden, Kupfer, Gold, Nickel, Wolfram | Lai Chau, Lao Cai,, Son La | Klassischer Erzbergbau (Tagebau & Untertage) |
Nordosten (Sedimentbecken) | Mächtige Flöze (Trias-Formation) | Anthrazitkohle, Eisenerz | Quang Ninh (Kohle-Zentrum), Thai Nguyen | Übergang zum Tiefbau (große Teufen bis -500 Meter), Tagebau |
Nördliches Zentrum | Karst- und Kalksteinmassive | Kalkstein (Zement), Marmor, Steinbruchstoffe | Ninh Binh, Thanh Hoa, Nghe An | Steinbruchbetrieb |
Zentralvietnamesische Küste | Marine Ablagerungen | Titansande (Ilmenit, Zirkon), weißer Quarzsand | Ha Tinh, Quang Tri, Lam Dong | Saugbagger, Nassaufbereitung |
Zentrales Hochland (Tay Nguyen) | Lateritische Verwitterung (Basalt) | Bauxit | Lam Dong | Großflächiger Flachtagebau |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Vietnam zählt zu den weltweit größten Zementproduzenten und -exporteuren mit umfangreichen Kalksteinvorkommen. Auch die Gewinnung von Quarzsand für die Glasindustrie und Natursteinen für den Export ist bedeutend. Hinzu kommt die Förderung von Infrastrukturmineralien wie Sand, Kies und Schotter für Bauprojekte.
Seltene Erden-Reserven nach unten korrigiert
Als wichtig im globalen Maßstab gelten die Reserven an Bauxit und seltenen Erden. Letztere wurden im Jahr 2025 signifikant neu bewertet: Der U.S. Geological Survey korrigierte die geschätzten Reserven Vietnams von zuvor 22 Millionen Tonnen auf 3,5 Millionen Tonnen nach unten. Die Revision stufte Vietnam im globalen Ranking vom zweiten auf den sechsten Platz zurück. Die Reserven bleiben dennoch bedeutend.
Weitere Rohstoffe wie Antimon, Baryt, Bismut, Kobalt, Kupfer, Flussspat, Mangan, Nickel, Phosphorit, Titan, Wolfram und Vanadium sind teils nur ansatzweise erforscht. Titansande lagern entlang der zentralvietnamesischen Küste, Wolframreserven konzentrieren sich auf den Norden und die Region um Hanoi. Viele Reserven sind bislang nach internationalen Standards nur unzureichend erkundet, was die Einschätzung von Umfang und Wirtschaftlichkeit erschwert.
Im vietnamesischen Bergbau dominieren Steinkohle, Bauxit und der Kalksteinabbau. Darüber hinaus bleibt die Förderung vieler Metalle und Industrieminerale vergleichsweise begrenzt. Die größten inländischen Akteure sind der staatliche Bergbaukonzern Vinacomin sowie – im Bereich ausgewählter Technologiemetalle – Masan High-Tech Materials.
Bei Kohle ist neben Vinacomin auch Dong Bac, ein Unternehmen des Verteidigungsministeriums, als wichtiger Produzent und Versorger relevant. Beide treten gemeinsam als langfristige Lieferpartner für den staatlichen Stromkonzern EVN auf. Zementhersteller und andere Baustoffunternehmen unterhalten eigene Kalksteinbrüche, aber auch Kohleminen.
Regierung setzt hohe Zielmarken
Trotz der begrenzten Erschließung kritischer Rohstoffe will Vietnam hoch hinaus. Die Regierung hat 2023 eine ambitionierte Ausbaustrategie bis 2030 und 2050 veröffentlicht, die zum Teil das Vielfache an jährlichen Abbaumengen vorgibt.
Der Masterplan legt konkrete Entwicklungsziele für Exploration, Abbau und Verarbeitung fest. Er zielt darauf, strategische Rohstoffe mit großen Reserven – darunter etwa Bauxit, Titan, seltene Erden, Chromit, Nickel, Kupfer und Gold – stärker zu erschließen und zugleich die Verarbeitungstiefe und Umweltstandards zu erhöhen. Allerdings beruhen die Zielmarken bei der Förderung auf Schätzungen einzelner Provinzen und nicht auf einer konkreten Projektpipeline. Sie dienen daher nicht als Maßstab zur Einschätzung des Maschinenbedarfs.
Ziele der vietnamesischen Regierung für Förderung von Mineralien im Vergleich zu 2025Förderung in 1.000 Tonnen pro JahrBauxit | 3.800,0 | 69.686 - 114.446 | 72.236 – 117.946 |
Mangan | 160,0 | 70 - 77 | 29 - 39 |
seltene Erden2) | 0,15 | 127 - 156 | 124 - 165 |
Titan (Ilmenit) | 271,1 | 1.814 - 2.153 | 2.175 - 2.891 |
Wolfram | 3,0 | 6,3 - 8,5 | 9,3 - 12,3 |
Flussspat | 200,0 | 643 - 756 | 642 - 756 |
1 Konzentrate, wenn nicht anders angegeben; 2 in Tonnen seltene-Erden-Äquivalent.Quelle: U.S. Geological Service 2026; Plan für Erforschung, Erschließung und Aufbereitung von Mineralien (Entscheidung 866/QĐ TTg) 2023
Kohlebergbau wandert untertage
Im Gegensatz dazu wird in der Planung für den Kohlebergbau bis 2030 nur ein geringfügig höherer Abbau angepeilt. Es ist bereits ambitioniert, die derzeitige Förderung aufrechtzuerhalten. Im Jahr 2025 wurden 44 Millionen Tonnen Kohle gefördert, 2030 sollen es 45 bis 50 Millionen Tonnen sein.
Da der Tagebau weitgehend erschöpft ist, verlagert sich die Förderung zunehmend auf den technologisch anspruchsvolleren Untertagebau. Gleichzeitig gelten vermutete riesige Vorkommen im Becken des Roten Flusses als wirtschaftlich schwer erschließbar. Gründe hierfür sind die extreme Tiefe und die Besiedlungsdichte.
Schwierige Investitionsbedingungen
Für die Erreichung der ambitionierten Ziele für Rohstoffe stellt der Rechtsrahmen Investoren vor große Herausforderungen. Die Novellierung des Bergbaugesetzes 2025 hat die Anforderungen an die lokale Wertschöpfung bei mineralischen Ressourcen verschärft. Vietnam verfolgt konsequent die Strategie, den Export von Roherzen generell zu unterbinden.
Besonders bei strategischen Rohstoffen sind Investoren verpflichtet, komplette Verarbeitungsketten im Land aufzubauen. Die Einbindung lokaler, teils branchenfremder Unternehmen ist eine Reaktion auf diesen Druck.
Ausländische Firmen sind kaum aktiv
Ausländische Bergbauunternehmen sind in Vietnam nur punktuell aktiv. Ein prominentes Beispiel ist Blackstone Minerals mit einer Nickel-Kobal-Kupfer-Mine in Ta Khoa, die das Unternehmen inklusive nachgelagerter Verarbeitung bis hin zur Batteriefertigung erweitern will. Dafür hat Blackstone 2025 mit Xuan Loc Tho einen lokalen Partner gefunden, der einen Mehrheitsanteil übernehmen wird und helfen soll, die Betriebslizenz zu erwirken.
Historisch bedeutsam waren ausländische Betreiber im Goldbereich, die ihre Vietnam-Aktivitäten jedoch bereits vor einigen Jahren abgegeben haben. Zudem sind ausländische Unternehmen bei Bauxit/Alumina vor allem als "Engineering, Procurement and Construction"- und Technologiepartner aktiv, so etwa Chalieco aus China.
Von Peter Buerstedde
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