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Elektroboom verändert Vietnams Automobilindustrie

Elektroautos, ASEAN-Importe und neue Investitionen verschieben die Kräfteverhältnisse auf Vietnams Automobilmarkt.

Peter Buerstedde

Von Peter Buerstedde | Hanoi

Ausblick der Kfz-Branche in Vietnam

Bewertung:

 

  • Anhaltender Verkaufsboom bei Elektroautos und starke Importe aus ASEAN-Region, während klassische CKD-Montage stagniert.
  • Neue Produktionsvorhaben vor allem von chinesischen Herstellern könnten lokalem E-Auto-Hersteller VinFast Konkurrenz machen.
  • Das Premiumsegment mit deutschen Anbietern leidet unter Kaufzurückhaltung und hohen Zinsen. Durch fallende Zölle verbessert sich jedoch die Wettbewerbsfähigkeit.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: August 2026

  • Elektroautos erobern den vietnamesischen Automarkt. VinFast gewinnt rasant Marktanteile, zugleich legen zollfreie Importe aus Thailand und Indonesien weiter zu.

    Vietnams Automobilmarkt wächst stark und befindet sich in einer strukturellen Transformation. Der rasche Ausbau der Elektromobilität, die Expansion des heimischen Herstellers VinFast sowie der Markteintritt chinesischer Anbieter verschärfen den Wettbewerb.

    Nach einer Schwächephase durch globale Lieferkettenprobleme und eine verhaltene Konjunkturentwicklung hat sich der Markt seit Anfang 2025 kräftig erholt. Getrieben von sinkenden Kreditzinsen, staatlichen Kaufanreizen, einer wachsenden urbanen Mittelschicht und einem intensiven Preiswettbewerb steuert er 2026 auf bis zu 700.000 verkaufte Einheiten zu. Im 1. Halbjahr 2026 wuchs der Absatz bereits um 30 Prozent.

    Zusätzliche Impulse liefert ein beginnender Ersatzzyklus nach der Post-Pandemie-Verkaufswelle (2022 bis Anfang 2024). Da das Pkw-Durchschnittsalter mit unter 6 Jahren sehr jung ist, stößt diese erste große Erstkäuferwelle nun nach Ablauf von Garantien und Leasingfristen Ersatzbeschaffungen an. 

    Gleichzeitig bietet der Markt viel Luft nach oben. Vietnam weist eine sehr geringe Fahrzeugdichte auf. Von 6,8 Millionen Kfz im Land waren Ende 2024 rund 3,5 Millionen Pkw (bis 9 Sitze). Auf 1.000 Einwohner kamen damit nur rund 34 Pkw, gegenüber 275 in Thailand oder 490 in Malaysia. 

    Die staatliche Antikorruptionskampagne hat seit 2023 den vietnamesischen Luxuskonsum und damit den Premiummarkt deutlich gebremst. Gleichzeitig konnte BMW durch die lokale Montage bei THACO seit 2023 Fahrzeuge günstiger anbieten und vor allem gegenüber Mercedes Marktanteile gewinnen.

    Das reine Importsegment leidet 2026 unter hohen Zinsen und einer gewissen Abwartehaltung. Wegen der bis 2030 sinkenden Zölle im Rahmen des Freihandelsabkommens zwischen der EU und Vietnam (EVFTA) verschieben manche Kunden den Autokauf in Erwartung sinkender Preise.

    Vor diesem Hintergrund prognostizieren Analysten bis 2030 ein Marktpotenzial von 800.000 bis 1 Million Neuzulassungen pro Jahr. Der Weg dorthin dürfte jedoch holprig verlaufen. Trotz des aktuellen Booms sehen Marktbeobachter in den kommenden Jahren bei Elektroautos ein Plateau von rund 250.000 Fahrzeugen pro Jahr. Neben der Ladeinfrastruktur bremsen Parkplatzmangel und eine vielerorts noch unzureichend auf den Pkw-Verkehr ausgelegte Stadtinfrastruktur das Wachstum.

    Starke Elektroautoverkäufe verändern den Markt

    Die auffälligste Entwicklung ist der rasche Anstieg der Elektromobilität seit 2024. Unterstützt durch Steuer- und Abgabenvergünstigungen sowie eine auf lokale Produktion ausgerichtete Zollstruktur hat sich Vietnam innerhalb weniger Jahre zu einem der dynamischsten E-Auto-Märkte Südostasiens entwickelt. Von dieser Förderpolitik profitiert bislang vor allem VinFast, auf den mehr als 95 Prozent der Elektroautoverkäufe entfallen.

    Der Pkw-Marktanteil des heimischen Herstellers stieg von rund 5 Prozent im Jahr 2024 auf 37 Prozent im 1. Halbjahr 2026. Bisher wurde der Markt von lokal montierten Modellen von Hyundai, Toyota, Kia und Ford sowie Importen aus Thailand und Indonesien von Mitsubishi, Toyota oder Honda dominiert. Inzwischen gewinnen batterieelektrische Fahrzeuge rasch an Bedeutung. Ihr Anteil am gesamten Fahrzeugbestand erreichte Mitte 2026 rund 5,5 Prozent, bei Pkw bereits etwa 10,7 Prozent.

    Auch im Luxussegment spielen elektrische und hybride Antriebe eine wachsende Rolle, weil hier die Steuernachlässe besonders stark zu Buche schlagen. Das betrifft auch deutsche Hersteller, die aufgrund hoher Importabgaben preislich im gehobenen Segment angesiedelt sind. Während Mercedes-Benz und BMW in kleinen Stückzahlen lokal montieren, verkaufen Audi, Porsche und Volkswagen reine Importfahrzeuge.

    Absatz von Pkw nach Herstellern in Vietnam 2025 Stückzahl; Marktanteil und Veränderung in Prozent
    Hersteller

    Verkäufe

    Marktanteil

    Veränderung zum Vorjahr

    VinFast

    175.099

    29,5

    101,3

    Toyota

    71.954

    12,1

    8,1

    Hyundai

    55.386

    9,3

    -17,5

    Ford

    44.689

    7,5

    6,0

    Mitsubishi

    44.107

    7,4

    7,1

    Mazda

    32.455

    5,5

    -0,4

    Honda

    28.719

    4,8

    1,6

    Kia

    27.176

    4,6

    -21,4

    Sonstige

    112.345

    18,9

    28,1

    Gesamtmarkt

    592.930

    100,0

    21,7

    Nur Pkw und leichte NutzfahrzeugeQuelle: Vama 2026, TC Group 2026, VinFast 2026

    Die Marktgewinne von VinFast gehen bislang nur teilweise zulasten der etablierten Anbieter. Der heimische Hersteller spricht vor allem Erstkäufer im Einstiegssegment an und liefert viele Fahrzeuge an das konzerneigene Taxiunternehmen. Unter Druck stehen vor allem Hersteller mit starker Präsenz im Einstiegssegment wie Hyundai und Kia. Toyota, Ford, Mitsubishi und Honda können sich bei Ersatzbeschaffungen und in etablierten Fahrzeugsegmenten behaupten.

    Chinesische Anbieter drängen auf den Markt

    Seit 2025 sind chinesische Hersteller wie BYD, Geely, Chery und GAC verstärkt präsent. Ihr kommerzieller Erfolg bleibt bislang jedoch begrenzt. Neben Vorbehalten gegenüber chinesischen Marken fehlt ihnen ein flächendeckendes Händler- und Ladenetz. 

    Zudem erschweren die Zoll- und Steuervorteile für lokal produzierte Elektroautos sowie die aggressive Preispolitik von VinFast den Markteintritt. Mittelfristig könnten Geely und Chery durch lokale Montagekapazitäten jedoch ähnlich günstig anbieten und VinFast stärker herausfordern.

    VinFast sichert Marktposition über Ladenetz

    Neben staatlichen Hilfen profitiert VinFast von einem Strategiewechsel weg von teureren Elektro-SUVs hin zu einer neuen Generation günstiger Kleinwagen. Aggressive Preisaktionen und Kaufanreize wie kostenlose Ladevorgänge sowie die konzerneigene Taxi-Flotte Green SM trugen zusätzlich zum Absatzwachstum bei. Geplante Umweltzonen in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt dürften die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen mittelfristig weiter erhöhen.

    Der Verkaufserfolg wird bislang mit hohen Verlusten erkauft. Ungeachtet der langfristigen Tragfähigkeit des subventionierten Geschäftsmodells dürfte VinFast seine Marktführerschaft in der Elektromobilität vorerst behaupten können. Wichtigster Vorteil ist das exklusive Ladenetzwerk V-Green, das Fremdmarken ausschließt.

    Mitte 2026 verfügte V-Green über rund 13.500 Ladestationen mit mehr als 150.000 Ladepunkten. Bis 2028 soll die Zahl auf 500.000 steigen. Dem stehen schätzungsweise weniger als 5.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte anderer Anbieter gegenüber.

    Um diese Dominanz aufzubrechen, investieren Unternehmen in markenoffene Netze. Porsche errichtet gemeinsam mit Charge+ aus Singapur derzeit einen Korridor von 17 Schnellladestationen zwischen Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi.

    Krise der Publikumsmessen: Hersteller setzen auf eigene Events

    Die historisch bedeutende Vietnam Motor Show (VMS) wurde 2026 zum zweiten Mal in Folge abgesagt. Traditionsmarken verlagern ihre Budgets in exklusive Veranstaltungen. Die Publikumsformate wurden zuletzt von chinesischen Newcomern dominiert.

    Im B2B- und E-Mobilitätsbereich gewinnt die von der Messe Frankfurt organisierte Automechanika Ho Chi Minh City an Bedeutung. Die Vietnam AutoExpo in Hanoi bleibt die zentrale Plattform für Nutzfahrzeuge im Norden.

    Peter Buerstedde

    Von Peter Buerstedde | Hanoi

  • VinFast baut seine Fertigung in Vietnam und der Region aus. Gleichzeitig gerät die klassische CKD-Montage internationaler Hersteller unter Druck.

    Parallel zum Boom der Elektromobilität gewinnt die heimische Fahrzeugproduktion deutlich an Gewicht. Begünstigt wird dies durch Zoll- und Abgabenvergünstigungen für Elektroautos. Von beiden Instrumenten profitiert bislang vor allem VinFast. Die Inlandsproduktion des Unternehmens erreichte im 1. Halbjahr 2026 rund 37 Prozent des Marktes und überholte damit die traditionelle CKD-Montage internationaler Hersteller.

    Internationale Hersteller bleiben bei CKD-Montage

    Die meisten internationalen Hersteller betreiben in Vietnam keine integrierten Fabriken, sondern montieren importierte Bausätze (CKD). Dazu zählen unter anderem Toyota, Hyundai, Kia, Mazda, Ford, Mercedes-Benz und BMW. Die lokale Wertschöpfung bleibt begrenzt, da viele Komponenten weiterhin importiert werden. Dadurch verfehlen die Werke meist die nötige regionale Wertschöpfung von 40 Prozent für zollfreie ASEAN-Exporte. 

    Abseits geringer Exporte von VinFast und THACO - beide aus Vietnam - bleibt die Kfz-Industrie auf den Binnenmarkt beschränkt. Dies gilt trotz Karosseriebau und Lackierung auch für das 2025 eröffnete Skoda-Werk in Quang Ninh, wo die Volkswagen-Tochter gemeinsam mit TC Motor die Modelle Kushaq und Slavia aus indischen CKD-Bausätzen montiert.

    Gleichzeitig sind die Importe aus der ASEAN-Region stark angestiegen - und hier fast ausschließlich aus Thailand und Indonesien und überwiegend von Toyota, Mitsubishi, Honda und Ford. Die dortigen Produktionszentren profitieren von größeren Stückzahlen, stärkeren Zuliefernetzwerken und höheren lokalen Wertschöpfungsanteilen als Vietnam. Daher können sie Fahrzeuge kostengünstiger produzieren und zollfrei nach Vietnam exportieren. Ein regionaler Vergleich zeigt: Vietnam ist inzwischen ein bedeutender Absatzmarkt, kann bei Produktion, lokaler Wertschöpfung und Zulieferstrukturen jedoch noch nicht mit Thailand und Indonesien mithalten.

    Regionales Produktionsnetzwerk unterstützt Expansion von VinFast

    Während THACO die Wertschöpfung bei Nutzfahrzeugen dominiert, ist VinFast der einzige heimische Pkw-Hersteller mit einer weitgehend integrierten Wertschöpfungskette. Sie umfasst eigene Entwicklungs-, Batterie- und Fertigungskapazitäten. Das Unternehmen errichtete ab 2018 in Hai Phong einen der modernsten Automobilkomplexe Südostasiens und setzte dabei auf Technologie- und Ausrüstungslieferungen vor allem aus Deutschland und Europa. Nach einem kurzen Intermezzo mit Verbrennungsmotoren konzentriert sich VinFast seit 2022 ausschließlich auf Elektroautos, E-Busse und E-Scooter.

    Die ursprünglich auf Nordamerika und Europa ausgerichteten Wachstumspläne wurden seit 2024 zugunsten einer stärkeren Fokussierung auf Süd- und Südostasien und das hauseigene Taxiunternehmen Green SM angepasst. Dazu hat VinFast seine Produktionskapazitäten in der Region ausgebaut. Im Juni 2025 nahm das Unternehmen ein zweites vietnamesisches Werk in Ha Tinh mit einer Jahreskapazität von zunächst 200.000 Fahrzeugen in Betrieb. Dort entstehen vor allem günstige Kleinwagen und leichte Nutzfahrzeuge. In Ha Tinh betreibt die Konzerntochter VinES gemeinsam mit dem chinesischen Batteriehersteller Gotion High-Tech zudem eine Fabrik für kostengünstige Batteriezellen (LFP-Batterien) mit einer Jahreskapazität von 5 Gigawattstunden.

    Zugleich baut VinFast ein regionales Produktionsnetzwerk auf. 2025 gingen Werke im indischen Thoothukudi und im indonesischen Subang mit jeweils zunächst 50.000 Fahrzeugen Jahreskapazität in Betrieb. Beide Standorte liegen in etablierten Automobilclustern und sollen schrittweise höhere lokale Wertschöpfungsanteile erreichen.

    Bei der Markterschließung im Ausland setzt VinFast neben Vertriebsnetzen und Fabriken auf Green SM. Der hauseigene Taxi-Dienst ist inzwischen auch in Laos, Indonesien, den Philippinen, Indien und Dänemark aktiv und trägt dazu bei, die Fahrzeugnachfrage zu stimulieren und die Markenbekanntheit zu erhöhen.

    Profitabilität rückt bei VinFast in den Fokus

    Angesichts hoher Verluste rückt die Profitabilität stärker in den Fokus. VinFast strebt 2027 die Gewinnschwelle an und gliederte 2026 seine vietnamesischen Fabriken in eine separate Gesellschaft aus. Parallel dazu standardisiert das Unternehmen Fahrzeugplattformen und senkt Kosten. Davon dürften auch deutsche und europäische Engineering-Dienstleister profitieren, die bereits am Aufbau von Werken und Fahrzeugen beteiligt waren.

    Der Aufstieg von VinFast verändert zugleich die Strategien der übrigen Marktteilnehmer. Die etablierten CKD-Hersteller reagieren vor allem mit einer stärkeren Elektrifizierung ihrer Modellpalette. Gleichzeitig konzentrieren viele Hersteller ihre Produktion auf wenige ASEAN-Standorte mit höheren Stückzahlen und größerer lokaler Wertschöpfung wie Thailand und Indonesien. Die vietnamesischen Werke bleiben daher überwiegend auf die Versorgung des Binnenmarktes ausgerichtet.

    Wichtige Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie in Vietnam in Millionen US-Dollar
    Vorhaben

    Investitionssumme

    Status / Projektträger

    Fahrzeugmontage (200.000 Fahrzeuge/Jahr in mehreren Phasen, Hung Yen)

     

    800

     

    Seit Oktober 2025 im Bau; Chery Automobile (China), Geleximco (Vietnam)

     

    Fahrzeugmontage (75.000 Fahrzeuge/Jahr, Hung Yen)

    168

    In Planung; Geely Auto Group (China), Tasco (Vietnam)
    Batteriefertigung (6 GWh in zwei Phasen, Hue)

    130

    Im Bau seit Januar 2026; BYD Battery (China), Kim Long Motor (Vietnam) 
    Quelle: Recherchen von Germany Trade and Invest 2026

    Neue Hersteller drängen in den Markt

    Gleichzeitig ziehen die großzügigen Steuer- und Abgabenvergünstigungen für Elektroautos sowie die Zollvorteile lokaler Produktion neue Investitionen an. Chinesische Hersteller wie Geely und Chery bauen gemeinsam mit vietnamesischen Partnern neue CKD-Montagekapazitäten auf. Das dürfte die Importe von Kfz-Teilen weiter hochtreiben, während der Aufbau lokaler Zulieferstrukturen kaum vorankommt. Eine lokale Batteriefertigung, wie sie derzeit mit Beteiligung von BYD entsteht, könnte künftig auch anderen Herstellern Exporte in die ASEAN-Region erleichtern.

    Auch THACO verfolgt ambitioniertere Pläne. Das Unternehmen ist der wichtigste vietnamesische Hersteller von Lkw, Bussen, Spezialfahrzeugen sowie Kfz-Teilen und montiert Marken wie Kia, Mazda, Peugeot und BMW. Für 2027 kündigte der Konzern die Einführung einer eigenen vietnamesischen Pkw-Marke an. Mit seiner umfangreichen Produktions- und Zulieferbasis im Industriekomplex Chu Lai könnte damit neben VinFast ein zweiter heimischer Pkw-Hersteller entstehen.

     

    Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile nach Vietnam in Millionen US-Dollar, Veränderung in Prozent
    HS-Code

    2025

    Veränderung 2025/2024

    aus Deutschland

    HS 8511,8512 Kfz-Elektrik

    428,4

    15,5

    3,9

    HS 8706,8707,8708 Karosserien, Stoßstangen etc.

    3.185,8

    18,6

    41,7

    HS 8544.30 Zündkabelsätze

    295,1

    25,4

    2,4

    HS 8407.31-34, 8408.20 Motoren

    653,3

    7,6

    0,4

    Summe

    4.562,6

    17,0

    48,4

    Quelle: ASEANstats 2026

    Peter Buerstedde

    Von Peter Buerstedde | Hanoi

  • Hohe Steuern, bürokratische Importbarrieren und teure Gewerbeflächen bremsen den vietnamesischen Automobilmarkt und fordern ausländische Hersteller heraus.

    Vietnam zählt zu den Ländern Südostasiens mit einer hohen steuerlichen Belastung von Pkw. Das ist neben der traditionellen Dominanz von Mopeds die Hauptursache für die geringe Motorisierungsrate. 

    Zölle und Sonderabgaben prägen die Industrie

    Aufgrund hoher Zollschranken dominieren lokal produzierte oder montierte Fahrzeuge sowie zollfreie Importe aus ASEAN-Staaten den Markt. Im Rahmen des Freihandelsabkommens zwischen Vietnam und der EU (EVFTA) und des Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (CPTPP) fallen die Einfuhrzölle auf Kfz bis 2030 auf 0 Prozent (für CPTPP bis 2029/2031).

    Importstrukturen und Zollregelungen
    ModellBeispieleImportzollWettbewerbssituation (Marktanteil 1. Halbjahr 2026)
    InlandsproduktionVinFastKein Fahrzeugzoll, geringe Zölle auf TeileZollfreiheit und zusätzliche Steuervorteile (etwa 37 Prozent)
    CKD-Montage in VietnamToyota, Hyundai, Kia, Ford, Mercedes-Benz, BMWKein Zoll auf das Fahrzeug, geringe Zölle auf importierte TeileZollfreiheit aber kaum Exporte nach ASEAN (etwa 32 Prozent)
    Import fertiger Fahrzeuge aus ASEAN Toyota und Ford aus Thailand, Mitsubishi aus Indonesien, Honda (aus Thailand und Indonesien)0 Prozent bei mindestens 40 Prozent ASEAN-WertschöpfungPreisvorteil durch Zollfreiheit (26 bis 28 Prozent)
    Import fertiger Fahrzeuge aus Drittstaatenvor allem chinesische Modelle50 bis 70 Prozentdeutlicher Kostennachteil (2 bis 3 Prozent)
    Import fertiger Fahrzeuge aus EU-/CPTPP-LändernVor allem europäische und japanische ModelleZölle sinken schrittweise auf 0 Prozent (für EU bis 2030)Wettbewerbsfähigkeit verbessert sich (1 bis 2 Prozent)
    Import fertiger Fahrzeuge aus den USA (Sonderstatus)Ford (in den USA gefertigte Modelle), Jeep0 Prozent (seit 2025 unter Druck der US-Regierung)Kaum Marktpräsenz
    CKD = Completely Knocked Down (Montage-Bausätze), CPTPP = Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific PartnershipQuelle: Recherchen von Germany Trade and Invest 2026

    Neben den Zöllen haben die sehr hohen Sonderabgaben SCT (special consumption tax) und die Registrierungsgebühr entscheidenden Einfluss. Beide hat die Regierung für Elektroautos drastisch gesenkt und von 2026 bis Ende 2030 fixiert. Die SCT wird bei Importautos auf den Zollwert plus Zoll erhoben und für lokal produzierte oder montierte Fahrzeuge auf den Fabrikpreis. Die Registrierungsgebühr gilt auf den Brutto-Endkundenpreis (Zollwert plus Zoll plus SCT plus Händlermarge plus Mehrwertsteuer von 10 Prozent). So kann der Endkundenpreis leicht das Dreifache des Zollwerts erreichen.

    Sonderverbrauchssteuer (SCT) und Registrierungsgebühr nach Fahrzeug- und Antriebsart
    Fahrzeugtyp

    Sonderverbrauchssteuer 

    (auf den Zollwert plus Zoll)

    Registrierungsgebühr 

    (auf den Brutto-Endkundenpreis)

    Batteriebetriebene Elektroautos (BEV)3 Prozent bis Ende 2030 (11 Prozent ab 2031)0 Prozent
    Hybride / Plug-in-Hybride70 Prozent des SCT-Satzes vergleichbarer Verbrenner10 bis 12 Prozent je nach Provinz
    Verbrenner35-150 Prozent je nach Hubraum10 bis 12 Prozent je nach Provinz
    Quelle: Recherchen von Germany Trade und Invest 2026

    Nichttarifäre Hemmnisse und Homologation

    Neben diesen steuerlichen Barrieren reglementiert Vietnam den Marktzugang für ausländische Anbieter zusätzlich über komplexe bürokratische Auflagen. Für internationale Hersteller bleiben vor allem regulatorische Hürden bei der Fahrzeugzulassung und der Anerkennung europäischer Typgenehmigungen eine Herausforderung. Nach Einschätzung der Europäischen Handelskammer (EuroCham) führt die bislang nur teilweise Umsetzung der vereinbarten Anerkennungsverfahren im Rahmen des Freihandelsabkommens zwischen Vietnam und der EU (EVFTA) zu zusätzlichen Zertifizierungs- und Homologationsanforderungen für Fahrzeuge, elektronische Komponenten und Ersatzteile. Betroffen sind unter anderem Funk- und Sicherheitssysteme sowie einzelne Fahrzeugkomponenten wie Felgen, Spiegel oder Sicherheitsglas. 

    Verschärft wird der Marktzugang durch einen Mangel an verfügbaren und bezahlbaren Gewerbeflächen in den urbanen Zentren. Europäische Luxushersteller berichten von massiven Schwierigkeiten bei der Standortsuche für repräsentative Showrooms. Die Kombination aus hohen Grundstückspreisen, bürokratischen Hürden bei der Landnutzung und dem Fehlen adäquater Flächen behindert den Ausbau von Händlernetzen, gerade für ausländische Anbieter.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

     

    Peter Buerstedde

    Von Peter Buerstedde | Hanoi

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Vietnam

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministry of Industry and Trade (MOIT)

    Ministerium für Industrie und Handel

    Vietnam Automobile Manufacturers Association (VAMA)

    Verband der Kfz-Hersteller

    Vietnam Auto Expo

    Mitte Juni 2027 in Hanoi

    Automechanika

    16. bis 18.6.2027 in Ho-Chi-Minh-Stadt