Elektroautos erobern den vietnamesischen Automarkt. VinFast gewinnt rasant Marktanteile, zugleich legen zollfreie Importe aus Thailand und Indonesien weiter zu.
Vietnams Automobilmarkt wächst stark und befindet sich in einer strukturellen Transformation. Der rasche Ausbau der Elektromobilität, die Expansion des heimischen Herstellers VinFast sowie der Markteintritt chinesischer Anbieter verschärfen den Wettbewerb.
Nach einer Schwächephase durch globale Lieferkettenprobleme und eine verhaltene Konjunkturentwicklung hat sich der Markt seit Anfang 2025 kräftig erholt. Getrieben von sinkenden Kreditzinsen, staatlichen Kaufanreizen, einer wachsenden urbanen Mittelschicht und einem intensiven Preiswettbewerb steuert er 2026 auf bis zu 700.000 verkaufte Einheiten zu. Im 1. Halbjahr 2026 wuchs der Absatz bereits um 30 Prozent.
Zusätzliche Impulse liefert ein beginnender Ersatzzyklus nach der Post-Pandemie-Verkaufswelle (2022 bis Anfang 2024). Da das Pkw-Durchschnittsalter mit unter 6 Jahren sehr jung ist, stößt diese erste große Erstkäuferwelle nun nach Ablauf von Garantien und Leasingfristen Ersatzbeschaffungen an.
Gleichzeitig bietet der Markt viel Luft nach oben. Vietnam weist eine sehr geringe Fahrzeugdichte auf. Von 6,8 Millionen Kfz im Land waren Ende 2024 rund 3,5 Millionen Pkw (bis 9 Sitze). Auf 1.000 Einwohner kamen damit nur rund 34 Pkw, gegenüber 275 in Thailand oder 490 in Malaysia.
Die staatliche Antikorruptionskampagne hat seit 2023 den vietnamesischen Luxuskonsum und damit den Premiummarkt deutlich gebremst. Gleichzeitig konnte BMW durch die lokale Montage bei THACO seit 2023 Fahrzeuge günstiger anbieten und vor allem gegenüber Mercedes Marktanteile gewinnen.
Das reine Importsegment leidet 2026 unter hohen Zinsen und einer gewissen Abwartehaltung. Wegen der bis 2030 sinkenden Zölle im Rahmen des Freihandelsabkommens zwischen der EU und Vietnam (EVFTA) verschieben manche Kunden den Autokauf in Erwartung sinkender Preise.
Vor diesem Hintergrund prognostizieren Analysten bis 2030 ein Marktpotenzial von 800.000 bis 1 Million Neuzulassungen pro Jahr. Der Weg dorthin dürfte jedoch holprig verlaufen. Trotz des aktuellen Booms sehen Marktbeobachter in den kommenden Jahren bei Elektroautos ein Plateau von rund 250.000 Fahrzeugen pro Jahr. Neben der Ladeinfrastruktur bremsen Parkplatzmangel und eine vielerorts noch unzureichend auf den Pkw-Verkehr ausgelegte Stadtinfrastruktur das Wachstum.
Starke Elektroautoverkäufe verändern den Markt
Die auffälligste Entwicklung ist der rasche Anstieg der Elektromobilität seit 2024. Unterstützt durch Steuer- und Abgabenvergünstigungen sowie eine auf lokale Produktion ausgerichtete Zollstruktur hat sich Vietnam innerhalb weniger Jahre zu einem der dynamischsten E-Auto-Märkte Südostasiens entwickelt. Von dieser Förderpolitik profitiert bislang vor allem VinFast, auf den mehr als 95 Prozent der Elektroautoverkäufe entfallen.
Der Pkw-Marktanteil des heimischen Herstellers stieg von rund 5 Prozent im Jahr 2024 auf 37 Prozent im 1. Halbjahr 2026. Bisher wurde der Markt von lokal montierten Modellen von Hyundai, Toyota, Kia und Ford sowie Importen aus Thailand und Indonesien von Mitsubishi, Toyota oder Honda dominiert. Inzwischen gewinnen batterieelektrische Fahrzeuge rasch an Bedeutung. Ihr Anteil am gesamten Fahrzeugbestand erreichte Mitte 2026 rund 5,5 Prozent, bei Pkw bereits etwa 10,7 Prozent.
Auch im Luxussegment spielen elektrische und hybride Antriebe eine wachsende Rolle, weil hier die Steuernachlässe besonders stark zu Buche schlagen. Das betrifft auch deutsche Hersteller, die aufgrund hoher Importabgaben preislich im gehobenen Segment angesiedelt sind. Während Mercedes-Benz und BMW in kleinen Stückzahlen lokal montieren, verkaufen Audi, Porsche und Volkswagen reine Importfahrzeuge.
Absatz von Pkw nach Herstellern in Vietnam 2025 Stückzahl; Marktanteil und Veränderung in Prozent| Hersteller | Verkäufe | Marktanteil | Veränderung zum Vorjahr |
|---|
| VinFast | 175.099 | 29,5 | 101,3 |
| Toyota | 71.954 | 12,1 | 8,1 |
| Hyundai | 55.386 | 9,3 | -17,5 |
| Ford | 44.689 | 7,5 | 6,0 |
| Mitsubishi | 44.107 | 7,4 | 7,1 |
| Mazda | 32.455 | 5,5 | -0,4 |
| Honda | 28.719 | 4,8 | 1,6 |
| Kia | 27.176 | 4,6 | -21,4 |
| Sonstige | 112.345 | 18,9 | 28,1 |
| Gesamtmarkt | 592.930 | 100,0 | 21,7 |
Nur Pkw und leichte NutzfahrzeugeQuelle: Vama 2026, TC Group 2026, VinFast 2026
Die Marktgewinne von VinFast gehen bislang nur teilweise zulasten der etablierten Anbieter. Der heimische Hersteller spricht vor allem Erstkäufer im Einstiegssegment an und liefert viele Fahrzeuge an das konzerneigene Taxiunternehmen. Unter Druck stehen vor allem Hersteller mit starker Präsenz im Einstiegssegment wie Hyundai und Kia. Toyota, Ford, Mitsubishi und Honda können sich bei Ersatzbeschaffungen und in etablierten Fahrzeugsegmenten behaupten.
Chinesische Anbieter drängen auf den Markt
Seit 2025 sind chinesische Hersteller wie BYD, Geely, Chery und GAC verstärkt präsent. Ihr kommerzieller Erfolg bleibt bislang jedoch begrenzt. Neben Vorbehalten gegenüber chinesischen Marken fehlt ihnen ein flächendeckendes Händler- und Ladenetz.
Zudem erschweren die Zoll- und Steuervorteile für lokal produzierte Elektroautos sowie die aggressive Preispolitik von VinFast den Markteintritt. Mittelfristig könnten Geely und Chery durch lokale Montagekapazitäten jedoch ähnlich günstig anbieten und VinFast stärker herausfordern.
VinFast sichert Marktposition über Ladenetz
Neben staatlichen Hilfen profitiert VinFast von einem Strategiewechsel weg von teureren Elektro-SUVs hin zu einer neuen Generation günstiger Kleinwagen. Aggressive Preisaktionen und Kaufanreize wie kostenlose Ladevorgänge sowie die konzerneigene Taxi-Flotte Green SM trugen zusätzlich zum Absatzwachstum bei. Geplante Umweltzonen in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt dürften die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen mittelfristig weiter erhöhen.
Der Verkaufserfolg wird bislang mit hohen Verlusten erkauft. Ungeachtet der langfristigen Tragfähigkeit des subventionierten Geschäftsmodells dürfte VinFast seine Marktführerschaft in der Elektromobilität vorerst behaupten können. Wichtigster Vorteil ist das exklusive Ladenetzwerk V-Green, das Fremdmarken ausschließt.
Mitte 2026 verfügte V-Green über rund 13.500 Ladestationen mit mehr als 150.000 Ladepunkten. Bis 2028 soll die Zahl auf 500.000 steigen. Dem stehen schätzungsweise weniger als 5.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte anderer Anbieter gegenüber.
Um diese Dominanz aufzubrechen, investieren Unternehmen in markenoffene Netze. Porsche errichtet gemeinsam mit Charge+ aus Singapur derzeit einen Korridor von 17 Schnellladestationen zwischen Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi.
Krise der Publikumsmessen: Hersteller setzen auf eigene Events
Die historisch bedeutende Vietnam Motor Show (VMS) wurde 2026 zum zweiten Mal in Folge abgesagt. Traditionsmarken verlagern ihre Budgets in exklusive Veranstaltungen. Die Publikumsformate wurden zuletzt von chinesischen Newcomern dominiert.
Im B2B- und E-Mobilitätsbereich gewinnt die von der Messe Frankfurt organisierte Automechanika Ho Chi Minh City an Bedeutung. Die Vietnam AutoExpo in Hanoi bleibt die zentrale Plattform für Nutzfahrzeuge im Norden.
Von
Peter Buerstedde
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Hanoi