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Nordamerikas Airlines bauen ihre Flotten aus
Angesichts eines steigenden Passagieraufkommens bestellen Nordamerikas Airlines Tausende von Maschinen. In der Folge wachsen in der zivilen Flugzeugindustrie Umsatz und Importe.
28.09.2026
Das Luftverkehrsaufkommen innerhalb Nordamerikas hatte bereits 2024 das Vorpandemieniveau überschritten und die Zeichen stehen weiter auf Wachstum. Der US-Hersteller Boeing erwartet für die Region USA/Kanada eine jährliche Zunahme des Fluggastaufkommens (gerechnet in Passagierkilometern) zwischen 2026 und 2045 von 2,4 Prozent. Der brasilianische Hersteller Embraer rechnet mit einem Plus von 2 Prozent per annum. Airbus geht für den US-Binnenverkehr von 1,8 Prozent aus.
Hoher Nachholbedarf bei China-Verbindungen
Der interkontinentale Flugverkehr in Nordamerika soll sogar deutlich schneller zunehmen. Insbesondere von und nach China gibt es einen erheblichen Nachholbedarf. Hier sieht Boeing ein jährliches Wachstum von gut 8 Prozent. Das kommt zwischen 2026 und 2045 einer Steigerung um nahezu den Faktor 5 gleich.
Unter der Trump-Administration gab es allerdings Gegenwind für den internationalen Flugverkehr. Touristen aus Europa mieden teils die Vereinigten Staaten, schärfere Visavorschriften erschwerten für andere Regionen die Reise. In den ersten fünf Monaten 2026 lag das internationale Passagieraufkommen um 0,1 Prozent unter dem Niveau von 2024, berichtet das nationale Verkehrsministerium. Diese Delle schlägt sich auch in den Prognosen der Flugzeughersteller nieder, hat aber insgesamt relativ geringe Auswirkungen auf die Investitionsentscheidungen der Airlines.
Bis zu 8.400 Jet-Auslieferungen in der Pipeline
Boeing erwartet 2026 in seiner Vorschau bis 2045 rund 8.400 Flugzeugauslieferungen in Nordamerika. Gegenüber der Prognose von 2024 kommt dies einem Rückgang von rund 600 Jets gleich. Airbus hat keine Anpassungen nach unten vorgenommen, ist aber insgesamt vorsichtiger und rechnet mit 6.850 Stück. Allerdings sind in dieser Vorschau nur Jets ab 100 Sitzplätzen enthalten. Zum Vergleich: Boeing kommt für Maschinen bis 90 Sitze auf gut 800 Auslieferungen.
Regionaljets stark nachgefragt
Der nordamerikanische Markt ist für die Anbieter von kleineren Maschinen besonders lukrativ. Über 30 Prozent aller weltweiten Auslieferungen zwischen 2026 und 2045 seien für ihn bestimmt, erwartet Embraer. Das brasilianische Vorzeigeunternehmen geht von entsprechenden Übergaben von fast 2.700 Stück aus. Laut Definition handelt es sich um Maschinen mit bis zu 150 Sitzen. In dieser Kategorie sind sowohl Business- und Regionaljets als auch kleinere Linienflugzeuge wie der Airbus A 318/319 oder die Boeing 737 Max 7 enthalten. Das erklärt auch die große Diskrepanz zur Boeing-Vorhersage für Regionaljets.
Das hohe Absatzpotenzial in Nordamerika liegt vor allem an der Größe und der dünnen Besiedelung der Region. Außerdem ist der Schienenverkehr – etwa im Gegensatz zu China – rudimentär ausgebaut. Viele lange Strecken lassen sich nur mit dem Flugzeug zurücklegen, sind aber zugleich nicht stark nachgefragt. Laut Embraer werden über 80 Prozent aller Destinationen von weniger als 100 Passagieren täglich angesteuert. Hier rechnen sich nur kleinere Maschinen. Insgesamt werden rund 40 Prozent aller Städte ausschließlich mit Regionaljets angeflogen.
Einfuhren legen zu – Deutschland als wichtiger Zulieferer
Das nordamerikanische Marktvolumen für Flugzeuge, Triebwerke und Teile (einschließlich Wartung und Reparatur) beziffert IBIS World für 2026 auf knapp 320 Milliarden US-Dollar (US$), wobei die USA mit fast 290 Milliarden Umsatz auf einen Anteil von gut 90 Prozent kommen. Davon entfallen wiederum rund 220 Milliarden US$ auf den zivilen Bereich. Bis 2031 erwarten die IBIS-Analysten für den US-Gesamtmarkt ein jährliches Umsatzwachstum von 5,4 Prozent.
Die amerikanische Flugzeugindustrie ist eng in die internationalen Lieferketten integriert. Durch Rüstungs- und Triebwerksexporte erzielen die Vereinigten Staaten einen hohen Handelsbilanzüberschuss. Die Brancheneinfuhren legten zwischen 2021 und 2025 um 43 Prozent auf 65 Milliarden US$ zu. Im 1. Halbjahr 2026 wuchsen sie nochmals um 25 Prozent. Die wichtigsten Lieferländer laut der International Trade Commission sind Kanada und Frankreich. Es folgen Deutschland, das Vereinigte Königreich, Mexiko, Japan und Brasilien.
Wie ein Luftfahrtexperte im Gespräch mit Germany Trade & Invest berichtete, ergeben sich Absatzchancen für deutsche Hersteller, insbesondere im Bereich von Hochleistungsverbundwerkstoffen und fortschrittlichen Leichtmetalllegierungen. Auch bei vorausschauenden Wartungslösungen würden sich Geschäftsmöglichkeiten etwa für Spezialisten anbieten, die mithilfe künstlicher Intelligenz Ausfallzeiten minimierten und die Flottenverwaltung optimierten. Zudem könnten deutsche Firmen mit der Entwicklung nachhaltiger Flugkraftstoffe die US-Airlines dabei unterstützen, ihre CO2-Emissionen zu senken. Positiv dürfte sich insgesamt auf die Branche auswirken, dass die Untersuchung zu Flugzeugen und Triebwerken abgeschlossen sind und keine Zölle kommen – zumindest vorerst.
Airlines setzen auf Flottenmix
Boeing hatte insbesondere 2024/25 mit erheblichen Sicherheitsproblemen zu kämpfen. Auflagen und Kontrollen von der US-Flugaufsicht wurden seitdem aber gelockert. Die Airlines streuen ihr Risiko breiter, indem sie eine Mischflotte betreiben. American Airlines bestellte laut Pressemeldungen 2024 jeweils 85 Einheiten von den ähnlich großen Maschinen Airbus 320 Neo und Boeing 737 Max 8. Außerdem wurden 90 Embraer E175 Regionaljets geordert.
Führende Anbieter von Komponenten und Triebwerken sind die zum RTX Konzern gehörenden Töchter Collins Aerospace sowie Pratt & Whitney. Außerdem spielen die Commercial Engines & Services Sparte von GE Electric sowie die zivile Luftfahrtsparte von Honeywell eine wichtige Rolle. Gulfstream Aerospace, der Anbieter von Businessjets, gehört zu General Dynamics. Textron Aviation stellt unter anderem kleinere Cessna- und Beachcraft-Modelle her.
| Unternehmen | Sparte/Schwerpunkte | 2025 1) |
|---|---|---|
| Collins Aerospace 2) | Komponenten, Systeme, Service | 19,6 |
| Pratt & Whitney 2) | Triebwerke | 18,4 |
| Boeing Commercial Airplanes | Komponenten, Flugzeuge | 15,4 bis 16,6 |
| Airbus 3) | Flugzeuge, Hubschrauber | 12,3 |
| GE Commercial Engines & Services) | Triebwerke, Service | 11,5 |
| Rolls Royce 3) | Triebwerke | 7,6 |
| Honeywell | Komponenten, Systeme, kleine Triebwerke | 7,5 |
| General Dynamics | Komponenten, Systeme, "Gulfstream"-Jets | 7,2 |
| Bombardier 3)4) | Business-Jets | 6,5 |