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Markttrends
Der Pharmamarkt wächst weiter stark. Allerdings steigt auch der Kostendruck und der Wettbewerb für ausländische Anbieter wird härter.
08.07.2026
Der vietnamesische Arzneimittelmarkt setzt seinen Expansionskurs 2026 fort. Nach einer kräftigen Aufholphase 2025 hat sich das Wachstum durch stabilere Beschaffungsprozesse und eine vorsichtigere Ausgabensteuerung normalisiert. Das Marktforschungsunternehmen Fitch Solutions (BMI) prognostizierte 2025 für die kommenden zehn Jahre durchschnittliches jährliches Wachstum von 7,4 Prozent in vietnamesischen Dong.
Marktvolumen des vietnamesischen Pharmamarkts 2025.
Damit behauptet Vietnam weiterhin seine Position als einer der dynamischsten Märkte in der ASEAN-Region. Das prognostizierte Wachstum übertrifft das Tempo etablierterer Nachbarmärkte im selben Fünfjahreszeitraum (2024 bis 2029) deutlich: Für Thailand wird ein durchschnittliches jährliches Plus von 4,9 Prozent und für Malaysia von 5,8 Prozent erwartet. Mit etwa 7 Milliarden US-Dollar (US$) bleibt Vietnam 2025 gemessen am Gesamtumsatz hinter Indonesien der zweitgrößte Pharmamarkt in Südostasien.
Wachstum bleibt hoch, normalisiert sich jedoch
Nach den vorangegangenen Ausschreibungsengpässen dürfte der Markt 2025 durch staatliche Nachholbeschaffungen zweistellig gewachsen sein. Für 2026 wird eine Normalisierung auf 6 bis 8 Prozent erwartet. Der Markt wird weiterhin vom verschreibungspflichtigen Segment dominiert, das rund 70 Prozent des Umsatzes ausmacht. Lokale Anbieter konzentrieren sich überwiegend auf Generika, die vor allem in preisorientierten Krankenhausausschreibungen dominieren.
Gleichzeitig bleibt die Marktstruktur stark von Importen geprägt. Nach Daten von Fitch Solutions entfielen 2025 rund 60 Prozent des Marktvolumens auf eingeführte Arzneimittel. Da diese vor allem im hochpreisigen Segment dominieren, liegt ihr wertmäßiger Anteil an der Versorgung faktisch deutlich höher. Er dürfte in der Praxis eher bei rund zwei Dritteln oder darüber liegen.
Während die Umsätze in lokaler Währung stark steigen, fällt das wertmäßige Wachstum in Euro oder US-Dollar aufgrund des anhaltenden Abwertungsdrucks des Vietnamesischen Dong sowie staatlicher Maßnahmen zur Kostendämpfung deutlich geringer aus. Für ausländische Anbieter verschärft sich der Preisdruck.
Beschaffungen werden etwas flexibler
Die Regierung intensiviert ihre Bemühungen zur Kostendämpfung und passt zugleich die Beschaffungsmechanismen an. Neben zentralen Ausschreibungen wurden Entscheidungsbefugnisse stärker auf die Ebene der Krankenhäuser verlagert. Klinikleitungen können Beschaffungen zunehmend flexibler und stärker bedarfsorientiert gestalten.
Parallel dazu wurde das Instrument der Preisverhandlungen ausgeweitet. Starre Referenzpreisvorgaben wurden teilweise gelockert. Dies eröffnet insbesondere bei spezialisierten und innovativen Arzneimitteln zusätzlichen Spielraum. Der grundsätzliche Kostendruck im System bleibt bestehen. Der Zugang zu patentgeschützten Medikamenten bleibt im öffentlichen System dennoch begrenzt.
Für ausländische Anbieter ergeben sich daraus selektive Marktchancen. Diese bestehen etwa in Einrichtungen mit höherem Qualitätsfokus oder bei Versorgungsengpässen. Eine vorsichtige Öffnung zeigt sich auch bei innovativen Therapien: Mit der noch 2026 geplanten Erweiterung der Erstattungsliste könnten wieder vermehrt neue, auch forschungsintensive Präparate in die öffentliche Versorgung aufgenommen werden.
Regierung baut lokale Arzneimittelproduktion aus
Gleichzeitig forciert die Regierung den Ausbau der lokalen Arzneimittelproduktion. Dadurch verschärft sich der Wettbewerb insbesondere für ausländische Anbieter weiter. Preisgünstige Produkte gewinnen an Bedeutung (Siehe Branchenstruktur).
Mittelfristig bleibt der Wachstumstrend intakt. Treiber sind der Ausbau des Gesundheitssektors, die nahezu flächendeckende Krankenversicherung sowie steigende Einkommen. Auch die Erwartungen an die medizinische Versorgung steigen. Die Bevölkerung wächst weiter und altert zugleich. Dadurch gewinnen chronische Erkrankungen an Bedeutung.
Gesundheitsreformen gewinnen an Gewicht
Vor diesem Hintergrund hat die Regierung die Modernisierung des Gesundheitssektors zu einem zentralen Reformvorhaben erklärt. Nach der Politbüro-Resolution 72 von 2025 wurden 2026 entsprechende Masterpläne verabschiedet. Diese sehen eine weitere Ausweitung der Sozialversicherung sowie den massiven Ausbau der klinischen Infrastruktur vor. Bis 2030 soll die gesamte Bevölkerung erfasst werden. Gleichzeitig sollen die privaten Zuzahlungen für Gesundheitsleistungen deutlich sinken, die derzeit noch 40 bis 45 Prozent ausmachen. Allerdings bleibt die Finanzierung des Systems eine Herausforderung: Die öffentlichen Gesundheitsausgaben liegen mit rund 2 Prozent deutlich unter dem Niveau vergleichbarer Länder.
Zur Umsetzung dieser Ziele erhöht der Staat seine Gesundheitsausgaben deutlich. Neben steigenden regulären Investitionsmitteln ist ein Sonderprogramm in Milliardenhöhe geplant. Im Fokus steht der Ausbau der Infrastruktur. Ziel ist es unter anderem, landesweit rund 60.000 zusätzliche Krankenhausbetten zu schaffen. Gleichzeitig sollen regionale Einrichtungen und Gesundheitszentren gestärkt werden. Damit will die Regierung die Überlastung zentraler Großstadtkliniken reduzieren.
Auch der Privatsektor investiert verstärkt in neue Kliniken und spezialisierte Einrichtungen. Er profitiert von steigender Zahlungsbereitschaft der Patienten und Engpässen im öffentlichen System. Sein Anteil an der Versorgung dürfte bis 2030 deutlich wachsen.
Mit dem Ausbau der Versorgungskapazitäten steigt auch die Nachfrage nach Arzneimitteln. Besonders verschreibungspflichtige Medikamente gewinnen an Bedeutung. Das Marktwachstum konzentriert sich zunehmend auf therapieintensive Bereiche wie Onkologie und chronische Erkrankungen. Der OTC‑Markt wächst dagegen vergleichsweise langsamer.