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Vietnams Pharmamarkt wächst und der Wettbewerb nimmt zu

Vietnams Pharmamarkt wächst weiter, doch Kostendruck und Regulierung verändern die Spielregeln. Lokale Hersteller modernisieren, während sich der Wettbewerb verschärft.

Von Peter Buerstedde | Hanoi

Ausblick der Pharmaindustrie in Vietnam

Bewertung:

 

  • Der Arzneimittelmarkt wächst weiter, nach Sondereffekten 2025 jedoch in normalisiertem Tempo.
  • Ausbau der Gesundheitsversorgung stützt die Nachfrage, insbesondere bei verschreibungspflichtigen Medikamenten und Generika.
  • Inländische Hersteller bauen Kapazitäten aus und investieren in höhere Qualitätsstandards.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Juli 2026

  • Der Pharmamarkt wächst weiter stark. Allerdings steigt auch der Kostendruck und der Wettbewerb für ausländische Anbieter wird härter.

    Der vietnamesische Arzneimittelmarkt setzt seinen Expansionskurs 2026 fort. Nach einer kräftigen Aufholphase 2025 hat sich das Wachstum durch stabilere Beschaffungsprozesse und eine vorsichtigere Ausgabensteuerung normalisiert. Das Marktforschungsunternehmen Fitch Solutions (BMI) prognostizierte 2025 für die kommenden zehn Jahre durchschnittliches jährliches Wachstum von 7,4 Prozent in vietnamesischen Dong. 

    ~7 Mrd. US$

    Marktvolumen des vietnamesischen Pharmamarkts 2025.

    Damit behauptet Vietnam weiterhin seine Position als einer der dynamischsten Märkte in der ASEAN-Region. Das prognostizierte Wachstum übertrifft das Tempo etablierterer Nachbarmärkte im selben Fünfjahreszeitraum (2024 bis 2029) deutlich: Für Thailand wird ein durchschnittliches jährliches Plus von 4,9 Prozent und für Malaysia von 5,8 Prozent erwartet. Mit etwa 7 Milliarden US-Dollar (US$) bleibt Vietnam 2025 gemessen am Gesamtumsatz hinter Indonesien der zweitgrößte Pharmamarkt in Südostasien.

    Wachstum bleibt hoch, normalisiert sich jedoch

    Nach den vorangegangenen Ausschreibungsengpässen dürfte der Markt 2025 durch staatliche Nachholbeschaffungen zweistellig gewachsen sein. Für 2026 wird eine Normalisierung auf 6 bis 8 Prozent erwartet. Der Markt wird weiterhin vom verschreibungspflichtigen Segment dominiert, das rund 70 Prozent des Umsatzes ausmacht. Lokale Anbieter konzentrieren sich überwiegend auf Generika, die vor allem in preisorientierten Krankenhausausschreibungen dominieren.

    Gleichzeitig bleibt die Marktstruktur stark von Importen geprägt. Nach Daten von Fitch Solutions entfielen 2025 rund 60 Prozent des Marktvolumens auf eingeführte Arzneimittel. Da diese vor allem im hochpreisigen Segment dominieren, liegt ihr wertmäßiger Anteil an der Versorgung faktisch deutlich höher. Er dürfte in der Praxis eher bei rund zwei Dritteln oder darüber liegen. 

    Während die Umsätze in lokaler Währung stark steigen, fällt das wertmäßige Wachstum in Euro oder US-Dollar aufgrund des anhaltenden Abwertungsdrucks des Vietnamesischen Dong sowie staatlicher Maßnahmen zur Kostendämpfung deutlich geringer aus. Für ausländische Anbieter verschärft sich der Preisdruck.

    Beschaffungen werden etwas flexibler

    Die Regierung intensiviert ihre Bemühungen zur Kostendämpfung und passt zugleich die Beschaffungsmechanismen an. Neben zentralen Ausschreibungen wurden Entscheidungsbefugnisse stärker auf die Ebene der Krankenhäuser verlagert. Klinikleitungen können Beschaffungen zunehmend flexibler und stärker bedarfsorientiert gestalten.

    Parallel dazu wurde das Instrument der Preisverhandlungen ausgeweitet. Starre Referenzpreisvorgaben wurden teilweise gelockert. Dies eröffnet insbesondere bei spezialisierten und innovativen Arzneimitteln zusätzlichen Spielraum. Der grundsätzliche Kostendruck im System bleibt bestehen. Der Zugang zu patentgeschützten Medikamenten bleibt im öffentlichen System dennoch begrenzt.

    Für ausländische Anbieter ergeben sich daraus selektive Marktchancen. Diese bestehen etwa in Einrichtungen mit höherem Qualitätsfokus oder bei Versorgungsengpässen. Eine vorsichtige Öffnung zeigt sich auch bei innovativen Therapien: Mit der noch 2026 geplanten Erweiterung der Erstattungsliste könnten wieder vermehrt neue, auch forschungsintensive Präparate in die öffentliche Versorgung aufgenommen werden.

    Regierung baut lokale Arzneimittelproduktion aus

    Gleichzeitig forciert die Regierung den Ausbau der lokalen Arzneimittelproduktion. Dadurch verschärft sich der Wettbewerb insbesondere für ausländische Anbieter weiter. Preisgünstige Produkte gewinnen an Bedeutung (Siehe Branchenstruktur).

    Mittelfristig bleibt der Wachstumstrend intakt. Treiber sind der Ausbau des Gesundheitssektors, die nahezu flächendeckende Krankenversicherung sowie steigende Einkommen. Auch die Erwartungen an die medizinische Versorgung steigen. Die Bevölkerung wächst weiter und altert zugleich. Dadurch gewinnen chronische Erkrankungen an Bedeutung.

    Gesundheitsreformen gewinnen an Gewicht

    Vor diesem Hintergrund hat die Regierung die Modernisierung des Gesundheitssektors zu einem zentralen Reformvorhaben erklärt. Nach der Politbüro-Resolution 72 von 2025 wurden 2026 entsprechende Masterpläne verabschiedet. Diese sehen eine weitere Ausweitung der Sozialversicherung sowie den massiven Ausbau der klinischen Infrastruktur vor. Bis 2030 soll die gesamte Bevölkerung erfasst werden. Gleichzeitig sollen die privaten Zuzahlungen für Gesundheitsleistungen deutlich sinken, die derzeit noch 40 bis 45 Prozent ausmachen. Allerdings bleibt die Finanzierung des Systems eine Herausforderung: Die öffentlichen Gesundheitsausgaben liegen mit rund 2 Prozent deutlich unter dem Niveau vergleichbarer Länder.

    Zur Umsetzung dieser Ziele erhöht der Staat seine Gesundheitsausgaben deutlich. Neben steigenden regulären Investitionsmitteln ist ein Sonderprogramm in Milliardenhöhe geplant. Im Fokus steht der Ausbau der Infrastruktur. Ziel ist es unter anderem, landesweit rund 60.000 zusätzliche Krankenhausbetten zu schaffen. Gleichzeitig sollen regionale Einrichtungen und Gesundheitszentren gestärkt werden. Damit will die Regierung die Überlastung zentraler Großstadtkliniken reduzieren.

    Auch der Privatsektor investiert verstärkt in neue Kliniken und spezialisierte Einrichtungen. Er profitiert von steigender Zahlungsbereitschaft der Patienten und Engpässen im öffentlichen System. Sein Anteil an der Versorgung dürfte bis 2030 deutlich wachsen.

    Mit dem Ausbau der Versorgungskapazitäten steigt auch die Nachfrage nach Arzneimitteln. Besonders verschreibungspflichtige Medikamente gewinnen an Bedeutung. Das Marktwachstum konzentriert sich zunehmend auf therapieintensive Bereiche wie Onkologie und chronische Erkrankungen. Der OTC‑Markt wächst dagegen vergleichsweise langsamer. 

    Von Peter Buerstedde | Hanoi

  • Vietnam modernisiert seinen Pharmasektor. Industrie und Apothekenhandel entwickeln sich, der Wettbewerbsdruck steigt.

    Größere lokale Hersteller bauen und modernisieren Produktionsanlagen, um höhere Qualitätsstandards zu erreichen. Dazu zählen insbesondere EU-GMP. Von 248 GMP-zertifizierten Produktionsstandorten erfüllten laut Arzneimittelbehörde DAV im April 2026 rund 30 höhere Standards wie EU-GMP oder gleichwertige Zertifizierungen; Ende 2024 waren es 25. Der Großteil der Branche produziert weiterhin nach WHO-GMP.

    Treiber dieser Entwicklung sind vor allem staatliche Beschaffungssysteme. Diese bevorzugen lokal produzierte Arzneimittel und setzen zugleich höhere Qualitätsstandards für den Zugang zum staatlich regulierten Krankenhaussegment voraus.

    In Vietnam werden überwiegend Generika hergestellt. Die Produktionstiefe ist gering. Rund 90 Prozent der Vorstoffe stammen aus dem Ausland, vor allem aus China und Indien. Nach Zielvorgaben der Regierung soll der Arzneimittelbedarf zunehmend durch lokale Produkte abgedeckt werden. Trotz ambitionierter Zielvorgaben bleibt der Markt aktuell stark importabhängig. Derzeit decken Importe wertmäßig etwa 45 Prozent des Marktes ab und volumenmäßig rund 70 Prozent. Bis 2030 sollen es wertmäßig 70 Prozent und volumenmäßig 80 Prozent sein. Für die Produktion im Inland sollen 20 Prozent der Vorprodukte lokal hergestellt werden.

    Ausländische Investoren sichern sich Zugang zum Krankenhausmarkt

    Ausländische Hersteller weiten ihre Investitionen aus, um sich über lokale Partner mit EU-GMP-zertifizierten Fabriken Zugang zum Krankenhausmarkt zu sichern. Neben etablierten Engagements westlicher und japanischer Konzerne – etwa von Stada (Pymepharco), Abbott (Domesco), Taisho (DHG Pharma) oder Aska (DHT) – stieg 2025 mit Livzon erstmals ein chinesisches Unternehmen in größerem Umfang ein. Der Konzern übernahm eine Mehrheitsbeteiligung von rund 68 Prozent an Imexpharm von dem südkoreanischen Investor SK. 

    Über den Zugang zum Krankenhausmarkt hinaus könnte sich Vietnam zunehmend als Produktions- und Exportstandort profilieren. EU-GMP-zertifizierte Fabriken erleichtern die Produktregistrierung in anderen ASEAN-Staaten und darüber hinaus.

    Ausgewählte Investitionsprojekte der pharmazeutischen Industrie in VietnamInvestitionssumme in Millionen US-Dollar
    Unternehmen

    Investitionssumme

    ProjektStatus
    VNVC / Sanofi

    77

    Impfstoffwerk (Long An), TechnologietransferIn Planung; Start bis 2027
    Bidiphar (DBD)

    45

    weiteres Werk (Non-Betalactam/Tabletten, EU-GMP)In Planung
    Bidiphar (DBD)

    32

    EU-GMP-Werk für sterile Arzneimittel (Injektabilia etc.)Bau/Ausrüstung, Betrieb ab 2027
    Davipharm (Adamed)

    >20

    Ausbau Produktion, Lager und Qualitätskontrolle; Erweiterung High-Potency-/Onkologiein Umsetzung
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Große inländische Hersteller schälen sich heraus

    Trotz dieser Entwicklungen bleibt die Pharmaindustrie stark fragmentiert und überwiegend lokal geprägt. Dominierend sind mittlere und kleinere, oft staatlich geprägte Pharmaunternehmen. Diese konzentrieren sich auf Generika und einfache Darreichungsformen und haben nur begrenzte Investitionsmöglichkeiten.   

    Führende inländische Akteure wie DHG Pharma, Traphaco oder Imexpharm nehmen eine Doppelrolle ein. Sie bilden den Kern der Generikaproduktion und treiben zugleich die Modernisierung voran. Gerade im oberen Marktsegment spielen ausländische Investoren häufig eine prägende oder kontrollierende Rolle.

    Ausländische Pharmaunternehmen sind in der lokalen Produktion trotz zunehmender Beteiligungen weiterhin nur punktuell mit eigenen Werken vertreten, etwa Sanofi, Abbott, Taisho oder Nipro Pharma. B. Braun produziert unter anderem Infusionslösungen im Land. Internationale Anbieter bedienen den Markt weiterhin überwiegend über Importe sowie Vertriebs- und Partnerschaftsmodelle mit lokalen Herstellern.

    Derzeit entstehen mehrere Pharma‑ und Biotechnologieparks, darunter der BioPark Silverlake in Hanoi. An dessen Planung sind auch deutsche Ingenieurbüros beteiligt. Der Park soll künftig Produktions‑ und Forschungskapazitäten bündeln.

    Wichtige inländische Branchenunternehmen in VietnamUmsatz in Millionen US-Dollar
    UnternehmenProduktions-/Marktprofil

    2023

    2024

    2025

    VinapharmHolding, Vertrieb/Import-Export; Beteiligungen an Herstellern mit EU-GMP

    234,0

    220,4

    217,2

    DHG PharmaGenerika, OTC; einzelne EU-GMP- und äquivalente Standorte

    210,2

    195,0

    202,7

    TraphacoPhytopharma, OTC; keine EU-GMP-Standorte

    96,3

    93,7

    102,2

    ImexpharmGenerika, Antibiotika; mehrere EU-GMP-Standorte

    83,6

    88,0

    93,9

    HatapharGenerika für Massen- und Krankenhausmarkt; keine EU-GMP-Standorte

    83,8

    83,3

    92,4

    DomescoGenerika für Klinik/Ausschreibungen, Abbott-Anbindung; EU-GMP-Standorte

    72,0

    75,8

    79,5

    Bidiphar (DBD)Onkologie, Klinikmarkt; keine EU-GMP-Standorte

    69,2

    69,0

    71,8

    OPC PharmaPhytopharma, OTC; keine EU-GMP-Standorte

    42,1

    38,7

    43,1

    Umrechnung mit Jahresdurchschnitts-Währungskursen der BundesbankQuelle: Vietstock 2026

    Die Tabelle erfasst börsennotierte Hersteller mit veröffentlichten Umsätzen. Weitere wichtige Unternehmen vor Ort sind beispielsweise Sanofi, Abbott/Domesco, STADA Pymepharco, Stellapharm, Davipharm, Savipharm, United International Pharma, Medochemie, Phil Inter Pharma und B. Braun. 

    Moderne Ketten bauen Marktanteile trotz Rückschlägen aus

    Neben der Industrie durchläuft auch der Apothekenhandel eine tiefgreifende Modernisierung. Im Jahr 2026 befindet er sich in einer Phase rascher Konsolidierung. Schätzungen zufolge entfallen rund 60 Prozent der Umsätze auf Krankenhäuser und etwa 40 Prozent auf den Apothekenhandel. Bezogen auf den Gesamtmarkt erwirtschaften etwa 45.000 unabhängige Apotheken 32 Prozent der Umsätze. Moderne Apothekenketten mit etwa 5.000 Verkaufsstellen erreichen die restlichen 8 Prozent. 

    Drei Apothekenketten stechen hervor. Der Branchenprimus Long Chau gehört zum Konglomerat FPT, das vor allem in der Softwareentwicklung und im Einzelhandel aktiv ist. Im Jahr 2025 eröffnete die Kette 571 neue Apotheken und kam damit Ende 2025 auf 2.417 Verkaufsstellen. Die Apothekenketten Pharmacity und Anh Khang waren zunächst zu schnell gewachsen. Nach großen Verlusten schlossen sie in den letzten zwei Jahren viele Läden wieder. Trotz dieses Rückschlags setzen sich moderne Ketten weiterhin durch. Sie expandieren inzwischen zunehmend auch außerhalb der beiden Wirtschaftsmetropolen Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi. Ende 2025 zählte Pharmacity 1.065 Verkaufsstellen und Anh Khang 415. Der Druck auf unabhängige Apotheker durch die besser ausgestatteten Ketten steigt.

    Strengere Regeln und Onlinehandel begünstigen große Anbieter

    Der Apothekenhandel wird durch das neue Arzneimittelgesetz, das im Juli 2025 in Kraft getreten ist, teilweise erleichtert. Zugleich wird er stärker reguliert. Staatliche Behörden haben den bisher weitgehend unregulierten Onlinehandel über Plattformen oder soziale Medien zurückgedrängt. Der Onlineverkauf ist nun auf registrierte Anbieter beschränkt. Davon dürften vor allem größere Ketten profitieren. Die stärkere Regulierung dürfte zudem dazu beitragen, den Vertrieb gefälschter oder qualitativ minderwertiger Arzneimittel einzudämmen.

    Von Peter Buerstedde | Hanoi

  • Vietnam modernisiert seinen Pharmamarkt schrittweise. Reformen greifen, doch Regulierung, Beschaffung und Vertrieb bleiben für ausländische Anbieter anspruchsvoll.

    Das Geschäftsumfeld im vietnamesischen Pharmamarkt bleibt anspruchsvoll, verbessert sich jedoch selektiv. Reformen zielen auf eine Modernisierung des Sektors und eine stärkere internationale Integration. Die Umsetzung bleibt in der Praxis jedoch uneinheitlich. Unternehmen nennen weiterhin vor allem die Produktregistrierung, Einschränkungen im Vertrieb sowie das öffentliche Beschaffungssystem als zentrale Herausforderungen.

    Die Marktzulassung gilt nach wie vor als Engpass. Antikorruptionsmaßnahmen, Kapazitätsprobleme in den Behörden und die umfassende Erneuerung bestehender Zulassungen haben zu erheblichen Verzögerungen geführt. Der entstandene Antragsstau wird seit 2024 schrittweise abgebaut. Die Verfahren bleiben jedoch im internationalen Vergleich langwierig und nur begrenzt planbar.

    Reformen greifen, beseitigen jedoch nicht alle Hindernisse

    Mit dem Arzneimittelgesetz von 2024 sowie ergänzenden Verordnungen leitete die Regierung Reformen ein. Dazu zählen vereinfachte Prüfmechanismen, digitalisierte Prozesse sowie die teilweise Anerkennung ausländischer Referenzzulassungen. Diese beziehen sich auf bereits durch strenge Aufsichtsbehörden, wie etwa die EMA, zugelassene Präparate. Für deutsche Anbieter können sich dadurch grundsätzlich verkürzte Prüfverfahren ergeben. Erste Fortschritte sind sichtbar. Die Umsetzung bleibt jedoch uneinheitlich und von administrativen Unsicherheiten geprägt.

    Neben operativen Engpässen bestehen weiterhin strukturelle Defizite. Insbesondere beim Schutz geistigen Eigentums fehlt es an klaren und konsistent angewendeten Regelungen. Dies betrifft etwa den Datenschutz oder die praktische Durchsetzung von Patenten. Das erhöht die Risiken für Anbieter innovativer Arzneimittel.

    Marktzugang bleibt eingeschränkt

    Der Marktzugang bleibt strukturell eingeschränkt. Ausländische Unternehmen sind im Vertrieb weiterhin auf lokale Partner angewiesen. Dies begrenzt die Kontrolle über Preisgestaltung und Absatzkanäle. Auch das öffentliche Beschaffungssystem wirkt weiterhin als bedeutende Markteintrittsbarriere. Es ist stark preisorientiert und begünstigt Generika sowie lokal produzierte Medikamente. Trotz internationaler Öffnungsschritte bestehen Spielräume zur Bevorzugung inländischer Anbieter fort.

    Die staatliche Kostendämpfung wirkt sich direkt auf die Nutzung innovativer Therapien aus. Die Aufnahme neuer, patentgeschützter Medikamente in die Erstattung erfolgt weiterhin zurückhaltend und häufig verzögert.

    Vorsichtige Öffnung bei Innovation

    Gleichzeitig zeichnet sich eine vorsichtige Öffnung ab: 2026 arbeitet das Gesundheitsministerium an einer Erweiterung der Erstattungsliste, die auch moderne Spezial- und Onkologietherapien stärker berücksichtigen dürfte. Dies kann den Zugang punktuell verbessern, ohne den grundlegenden Kostendruck zu verändern.

    Strategisch verfolgt die Regierung das Ziel, den Pharmasektor zu modernisieren und stärker als innovationsgetriebene Industrie zu positionieren. Dazu gehören die Förderung lokaler Produktion, Technologietransfer und der Ausbau klinischer Forschung. Die regulatorischen Rahmenbedingungen werden entsprechend angepasst. Sie befinden sich jedoch weiterhin in einer Übergangsphase.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Peter Buerstedde | Hanoi

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Vietnam

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Exportinitiative Gesundheitswirtschaft

    Die Exportinitiative bündelt Unterstützungsangebote für die Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft

    Ministry of Health

    Ministerium für Gesundheitswesen

    Drug Administration of VietnamAbteilung für Arzneimittelkontrolle im Gesundheitsministerium
    Vietnam Pharmaceutical Companies Association 

    Branchenverband

    Pharmedi Fachmesse für Gesundheitswirtschaft, jährlich in Ho-Chi-Min-Stadt, 22. bis 24. September 2026
    Medipharm

    Fachmesse für Gesundheitswirtschaft, im Wechsel in Ho-Chi-Minh-Stadt (25. bis 27. November 2026) und Hanoi (6. bis 9. Mai 2027)