Vietnam modernisiert seinen Pharmasektor. Industrie und Apothekenhandel entwickeln sich, der Wettbewerbsdruck steigt.
Größere lokale Hersteller bauen und modernisieren Produktionsanlagen, um höhere Qualitätsstandards zu erreichen. Dazu zählen insbesondere EU-GMP. Von 248 GMP-zertifizierten Produktionsstandorten erfüllten laut Arzneimittelbehörde DAV im April 2026 rund 30 höhere Standards wie EU-GMP oder gleichwertige Zertifizierungen; Ende 2024 waren es 25. Der Großteil der Branche produziert weiterhin nach WHO-GMP.
Treiber dieser Entwicklung sind vor allem staatliche Beschaffungssysteme. Diese bevorzugen lokal produzierte Arzneimittel und setzen zugleich höhere Qualitätsstandards für den Zugang zum staatlich regulierten Krankenhaussegment voraus.
In Vietnam werden überwiegend Generika hergestellt. Die Produktionstiefe ist gering. Rund 90 Prozent der Vorstoffe stammen aus dem Ausland, vor allem aus China und Indien. Nach Zielvorgaben der Regierung soll der Arzneimittelbedarf zunehmend durch lokale Produkte abgedeckt werden. Trotz ambitionierter Zielvorgaben bleibt der Markt aktuell stark importabhängig. Derzeit decken Importe wertmäßig etwa 45 Prozent des Marktes ab und volumenmäßig rund 70 Prozent. Bis 2030 sollen es wertmäßig 70 Prozent und volumenmäßig 80 Prozent sein. Für die Produktion im Inland sollen 20 Prozent der Vorprodukte lokal hergestellt werden.
Ausländische Investoren sichern sich Zugang zum Krankenhausmarkt
Ausländische Hersteller weiten ihre Investitionen aus, um sich über lokale Partner mit EU-GMP-zertifizierten Fabriken Zugang zum Krankenhausmarkt zu sichern. Neben etablierten Engagements westlicher und japanischer Konzerne – etwa von Stada (Pymepharco), Abbott (Domesco), Taisho (DHG Pharma) oder Aska (DHT) – stieg 2025 mit Livzon erstmals ein chinesisches Unternehmen in größerem Umfang ein. Der Konzern übernahm eine Mehrheitsbeteiligung von rund 68 Prozent an Imexpharm von dem südkoreanischen Investor SK.
Über den Zugang zum Krankenhausmarkt hinaus könnte sich Vietnam zunehmend als Produktions- und Exportstandort profilieren. EU-GMP-zertifizierte Fabriken erleichtern die Produktregistrierung in anderen ASEAN-Staaten und darüber hinaus.
Ausgewählte Investitionsprojekte der pharmazeutischen Industrie in VietnamInvestitionssumme in Millionen US-Dollar| Unternehmen | Investitionssumme | Projekt | Status |
|---|
| VNVC / Sanofi | 77 | Impfstoffwerk (Long An), Technologietransfer | In Planung; Start bis 2027 |
| Bidiphar (DBD) | 45 | weiteres Werk (Non-Betalactam/Tabletten, EU-GMP) | In Planung |
| Bidiphar (DBD) | 32 | EU-GMP-Werk für sterile Arzneimittel (Injektabilia etc.) | Bau/Ausrüstung, Betrieb ab 2027 |
| Davipharm (Adamed) | >20 | Ausbau Produktion, Lager und Qualitätskontrolle; Erweiterung High-Potency-/Onkologie | in Umsetzung |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Große inländische Hersteller schälen sich heraus
Trotz dieser Entwicklungen bleibt die Pharmaindustrie stark fragmentiert und überwiegend lokal geprägt. Dominierend sind mittlere und kleinere, oft staatlich geprägte Pharmaunternehmen. Diese konzentrieren sich auf Generika und einfache Darreichungsformen und haben nur begrenzte Investitionsmöglichkeiten.
Führende inländische Akteure wie DHG Pharma, Traphaco oder Imexpharm nehmen eine Doppelrolle ein. Sie bilden den Kern der Generikaproduktion und treiben zugleich die Modernisierung voran. Gerade im oberen Marktsegment spielen ausländische Investoren häufig eine prägende oder kontrollierende Rolle.
Ausländische Pharmaunternehmen sind in der lokalen Produktion trotz zunehmender Beteiligungen weiterhin nur punktuell mit eigenen Werken vertreten, etwa Sanofi, Abbott, Taisho oder Nipro Pharma. B. Braun produziert unter anderem Infusionslösungen im Land. Internationale Anbieter bedienen den Markt weiterhin überwiegend über Importe sowie Vertriebs- und Partnerschaftsmodelle mit lokalen Herstellern.
Derzeit entstehen mehrere Pharma‑ und Biotechnologieparks, darunter der BioPark Silverlake in Hanoi. An dessen Planung sind auch deutsche Ingenieurbüros beteiligt. Der Park soll künftig Produktions‑ und Forschungskapazitäten bündeln.
Wichtige inländische Branchenunternehmen in VietnamUmsatz in Millionen US-Dollar| Unternehmen | Produktions-/Marktprofil | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|
| Vinapharm | Holding, Vertrieb/Import-Export; Beteiligungen an Herstellern mit EU-GMP | 234,0 | 220,4 | 217,2 |
| DHG Pharma | Generika, OTC; einzelne EU-GMP- und äquivalente Standorte | 210,2 | 195,0 | 202,7 |
| Traphaco | Phytopharma, OTC; keine EU-GMP-Standorte | 96,3 | 93,7 | 102,2 |
| Imexpharm | Generika, Antibiotika; mehrere EU-GMP-Standorte | 83,6 | 88,0 | 93,9 |
| Hataphar | Generika für Massen- und Krankenhausmarkt; keine EU-GMP-Standorte | 83,8 | 83,3 | 92,4 |
| Domesco | Generika für Klinik/Ausschreibungen, Abbott-Anbindung; EU-GMP-Standorte | 72,0 | 75,8 | 79,5 |
| Bidiphar (DBD) | Onkologie, Klinikmarkt; keine EU-GMP-Standorte | 69,2 | 69,0 | 71,8 |
| OPC Pharma | Phytopharma, OTC; keine EU-GMP-Standorte | 42,1 | 38,7 | 43,1 |
Umrechnung mit Jahresdurchschnitts-Währungskursen der BundesbankQuelle: Vietstock 2026
Die Tabelle erfasst börsennotierte Hersteller mit veröffentlichten Umsätzen. Weitere wichtige Unternehmen vor Ort sind beispielsweise Sanofi, Abbott/Domesco, STADA Pymepharco, Stellapharm, Davipharm, Savipharm, United International Pharma, Medochemie, Phil Inter Pharma und B. Braun.
Moderne Ketten bauen Marktanteile trotz Rückschlägen aus
Neben der Industrie durchläuft auch der Apothekenhandel eine tiefgreifende Modernisierung. Im Jahr 2026 befindet er sich in einer Phase rascher Konsolidierung. Schätzungen zufolge entfallen rund 60 Prozent der Umsätze auf Krankenhäuser und etwa 40 Prozent auf den Apothekenhandel. Bezogen auf den Gesamtmarkt erwirtschaften etwa 45.000 unabhängige Apotheken 32 Prozent der Umsätze. Moderne Apothekenketten mit etwa 5.000 Verkaufsstellen erreichen die restlichen 8 Prozent.
Drei Apothekenketten stechen hervor. Der Branchenprimus Long Chau gehört zum Konglomerat FPT, das vor allem in der Softwareentwicklung und im Einzelhandel aktiv ist. Im Jahr 2025 eröffnete die Kette 571 neue Apotheken und kam damit Ende 2025 auf 2.417 Verkaufsstellen. Die Apothekenketten Pharmacity und Anh Khang waren zunächst zu schnell gewachsen. Nach großen Verlusten schlossen sie in den letzten zwei Jahren viele Läden wieder. Trotz dieses Rückschlags setzen sich moderne Ketten weiterhin durch. Sie expandieren inzwischen zunehmend auch außerhalb der beiden Wirtschaftsmetropolen Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi. Ende 2025 zählte Pharmacity 1.065 Verkaufsstellen und Anh Khang 415. Der Druck auf unabhängige Apotheker durch die besser ausgestatteten Ketten steigt.
Strengere Regeln und Onlinehandel begünstigen große Anbieter
Der Apothekenhandel wird durch das neue Arzneimittelgesetz, das im Juli 2025 in Kraft getreten ist, teilweise erleichtert. Zugleich wird er stärker reguliert. Staatliche Behörden haben den bisher weitgehend unregulierten Onlinehandel über Plattformen oder soziale Medien zurückgedrängt. Der Onlineverkauf ist nun auf registrierte Anbieter beschränkt. Davon dürften vor allem größere Ketten profitieren. Die stärkere Regulierung dürfte zudem dazu beitragen, den Vertrieb gefälschter oder qualitativ minderwertiger Arzneimittel einzudämmen.
Von Peter Buerstedde
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Hanoi