Die Schweiz verfügt über eine innovative Pharmaindustrie mit ausgeprägten Clusterstrukturen. Der Fokus liegt auf individuellen Therapien und hochpreisigen Arzneimitteln.
Die Schweiz ist eines der wichtigsten Produktionsländer für Medikamente in Europa mit einer Exportquote von etwa 90 Prozent.
Die Pharmabranche ragt aus den Wirtschaftszweigen als bedeutender Innovationstreiber, bei Forschung und Entwicklung, Wertschöpfung und Produktivität heraus.
Große Unternehmen sind die inländischen Konzerne Roche und Novartis. Hinzu kommen internationale Pharmaunternehmen wie AstraZeneca, Pfizer und Sanofi. Etablierte deutsche Arzneimittelhersteller in der Schweiz sind unter anderem Bayer, Boehringer Ingelheim und Merck. Eine wichtige Rolle spielen auch Auftragsfertiger wie Bachem, Lonza und Siegfried.
Unternehmen und Hochschulen kooperieren eng
Eine besondere Stärke der Pharmabranche in der Schweiz ist die Clusterlandschaft. Große und kleine Arzneimittelhersteller arbeiten mit Hochschulen und spezialisierten Instituten zusammen.
So gehört das Cluster Life Sciences Basel zu den weltweit führenden Zentren. Die Konzerne Novartis und Roche sowie Forschungsinstitute machen Basel zu einem Schwerpunkt der biopharmazeutischen Forschung.
Auch die Großräume Zürich und Lausanne beherbergen zahlreiche Pharma- und Biotechnologieunternehmen. Allein im Großraum Zürich sind rund 100 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Institutionen aktiv. Dabei ergänzen die akademische Forschung und Start-ups die Geschäftstätigkeit von Pharma- und Biotechnologieunternehmen. Im Life-Science-Cluster Zürich umfassen die Schwerpunkte auch Bio- und Nanotechnologie, Biophysik, Bioinformatik sowie Medizintechnik.
Weitere Regionen mit einer deutlichen Präsenz von Biotechnologie- und Medizintechnikunternehmen sind Bern und die Ostschweiz um St. Gallen.
Forschung und gutbezahlte Stellen ziehen Fachkräfte an
Renommierte Universitäten und Fachhochschulen sowie kapitalstarke und intensiv forschende Pharmaunternehmen sorgen dafür, dass die Schweiz für Fachkräfte ein attraktiver Arbeitsort ist.
Die Pharmabranche zeichnet sich durch Spitzengehälter im ohnehin hohen Lohngefüge der Schweiz aus. Der Standort profitiert auch von der Mehrsprachigkeit der Schweiz, sowohl als Studien- und Arbeitsland als auch im Umgang mit internationalen Kunden.
Vor allem unter den rund 350 Biotechnologieunternehmen befinden sich viele Start-ups. Diese sind häufig in den Bereichen Diagnostik, Genetik und Zelltherapie tätig.
Verschreibungspflichtige Medikamente dominieren den Markt
Bei den Marktanteilen dominierten 2025 zu knapp 80 Prozent verschreibungspflichtige Medikamente gegenüber rund 20 Prozent Over-the-Counter-Präparaten.
Ganz ähnlich stellen sich die Verhältnisse zwischen patentierten Arzneimitteln und Nachahmerpräparaten dar: Hier dominieren die Originalmedikamente ebenfalls mit etwa 80 Prozent Anteil.
Die Preise für Generika sind laut dem Marktforschungsunternehmen BMI in der Schweiz höher als in anderen Ländern Westeuropas. Generika profitieren sowohl von auslaufenden Patenten von Originalpräparaten als auch von politischen Weichenstellungen zur Kostendämpfung. Vor dem Hintergrund der Alterung der schweizerischen Bevölkerung ist von einem steigenden Bedarf an Medikamenten auszugehen. Um dessen Kosten im Griff zu behalten, ist ein Fokus auf Generika auch in den kommenden Jahren zu erwarten.
Der Marktforscher BMI kalkuliert, dass die Importe von Arzneimitteln in die Schweiz 2029 auf 92,6 Milliarden Euro ansteigen werden. Das entspräche einer jahresdurchschnittlichen Steigerungsrate von 8,6 Prozent auf Basis der Landeswährung Schweizer Franken.
Seit 2020 blieben die Arzneimittelimporte der Schweiz aus Deutschland in einem stabilen Korridor von 10 bis 11 Milliarden Euro jährlich. Gemessen am Wachstum der gesamten Importe von 68 Prozent im Betrachtungszeitraum konnten die Lieferungen aus Deutschland aber nicht an der großen Dynamik teilhaben.
In Zukunft bieten sich für deutsche Branchenunternehmen vor allem zwei Möglichkeiten. Falls die traditionelle Produktion großer Stückzahlen in der Schweiz sinken sollte, könnten deutsche Anbieter versuchen, in diese Lücke zu stoßen.
Wegen der besonders ausgeprägten Forschungs- und Entwicklungskultur in der Schweiz bieten sich auch Kooperationschancen mit lokalen Akteuren an. Zum Beispiel bei personalisierten Therapien bestehen viele Möglichkeiten, mit Unternehmen und Forschungseinrichtungen in der Schweiz zusammenzuarbeiten.
Dabei sollten Lösungen aus Deutschland ebenfalls besonders innovativ sein, um sich im intensiven Wettbewerb der Pharmaunternehmen zu behaupten.
Lage in der Schweiz eröffnet Chancen für Zulieferer und Produktionstechnik
Seit der Coronapandemie rücken flexible und robuste Lieferketten für international agierende Unternehmen stärker in den Blickpunkt. Deutsche Zulieferer können mit Nähe und Zuverlässigkeit punkten, müssen aber den Kostendruck der Arzneimittelhersteller im Blick behalten. Potenziell günstig für deutsche Lieferanten ist, dass in der Schweiz die Bedeutung von Nachhaltigkeit im Lieferkettenmanagement zunimmt.
Die Handelskammer Deutschland-Schweiz sieht auch Perspektiven für deutsche Produktionstechnik. Wenn diese schnellere Innovationszyklen, präzisere Diagnosen oder effizientere Abläufe ermöglicht, kommt das der Kostenstruktur des jeweiligen Pharmaunternehmens zugute. Der aktuelle Trend zu einer noch intensiveren Automatisierung in der Branche unterstreicht, wie bedeutsam die Optimierung der Effizienz ist.
Wichtige Branchenunternehmen in der SchweizUmsatz in Milliarden EuroUnternehmen | Sparte | Umsatz 2025 |
|---|
| Roche | Biotechnologische Medikamente, Tabletten, Ampullen und Spritzen | 67,0 |
| Novartis | Wirkstoffe, Zwischenprodukte und Medikamente | 46,9 |
| Sandoz | Generika | 9,7 |
| Lonza | Medikamente und Auftragsfertigung | 7,1 |
| Galderma | dermatologische Medikamente, Hautpflege | 4,5 |
| Octapharma | Medikamente aus Blutplasma etc. | 3,6 |
| Siegfried | Wirkstoffe, Zwischenprodukte und Arzneimittel | 1,4 |
| Bachem | Wirkstoffe, Auftragsentwicklung und Auftragsfertigung | 0,8 |
Tabelle enthält Gesamtumsätze von in der Schweiz ansässigen PharmaunternehmenQuelle: Recherchen von Germany Trade & Invest
Von Oliver Idem
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Bonn