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Danang will mehr als eine Tourismus-Hochburg sein

Die Stadt in Zentralvietnam lockt Hightech- und Finanzinvestoren und möchte mit zusätzlicher Infrastruktur auch für den Tourismus attraktiv bleiben. 

Von Peter Buerstedde | Hanoi

Im Jahr 2019 endete in Danang ein Boom im Hotelbau. Die Regierung nahm im Rahmen einer Antikorruptionskampagne Projekte näher unter die Lupe und die darauf folgende Abschottung des Landes während der Coronakrise 2020 bis 2022 bremste den Bauboom völlig aus. Davon zeugen heute viele unfertige Bauten. 

Wie in Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi werden seit 2024 alte Großprojekte aber wieder in Angriff genommen und neue kommen dazu. Die Stadtverwaltung hat rechtliche Hindernisse für die Weiterführung von Bauvorhaben aus dem Weg geräumt. 

Markante Großprojekte

Am Han-Fluss, der durch die Stadt fließt, will die Sungroup, der zweitgrößte Immobilienentwickler des Landes, einen in die Jahre gekommenen Vergnügungspark zu einem Büro-, Wohn- und Vergnügungsviertel ausbauen. Ein Hochhaus mit 69 Stockwerken wird dort die Blicke auf sich ziehen. Daneben errichtet die Telekomfirma Viettel zwei imposante Bürotürme nach einem Entwurf des deutschen Architekturbüros gmp. Die Sungroup baut auf der anderen Seite des Han Flusses außerdem für das alljährliche Feuerwerksfestival eine Arena mit modernen Zuschauerrängen und Hotels.

Die Touristenzahlen lagen 2025 wieder deutlich über dem Niveau von 2019 und der Sektor möchte expandieren. Touristen können von Danang nach Hoi An künftig per Boot reisen. Dafür soll ein versandeter Flusslauf zwischen beiden Städten ausgebaggert werden. Zunächst wird der Flussverkehr auf dem zugänglichen Teil des Han-Flusses mit neuen Anlegestellen versehen. 

Die Touristenhotels und -resorts liegen in Danang überwiegend an einem 30 Kilometer langen Strand, der vom Süden der Stadt bis nach Hoi An reicht. Für Neubauvorhaben sind hier keine Grundstücke verfügbar, da sie entweder schon vergeben oder bebaut sind. Eine weniger erschlossene Küste in einer Bucht im Norden von Danang ist außerdem vor allem für Wohnungen vorgesehen. Die Stadtregierung möchte in dieser Bucht deshalb fünf Inseln aufschütten und diese mit Hotels und Büros bebauen lassen. 

Schwung für den Industriestandort

Gleichzeitig nimmt die Stadt einen neuen Anlauf, um die Wirtschaftsstruktur zu diversifizieren. Der Hafen liegt auf einer Halbinsel in der Mitte der Stadt. Lkw müssen sich dorthin durch den Stadtverkehr quälen. Am Westrand der Bucht von Danang entsteht deshalb ein neuer Hafen, der Industrie und Fremdenverkehr neue Impulse geben soll. Die Basisinfrastruktur des neuen Hafens steht bereits. Er kann auch Kreuzfahrtschiffe und Yachten aufnehmen. Derzeit wird ein Investor für einen Containerterminal ausgewählt. 

Hinter dem Hafen soll an der Nord-Süd-Autobahn eine Freihandelszone eingerichtet werden. Dazu gehört die 2010 gegründete Danang High-Tech-Zone, die attraktive Investitionsanreize bietet. Diese besonderen Hi-Tech-Parks gibt es sonst nur noch in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt. Während der in Ho-Chi-Minh-Stadt gut gefüllt ist, hat die Zone in Danang nur wenige Investoren anziehen können. 

Die Auswahlkriterien gelten als strikt und die Region verfügt weder über eine Zulieferindustrie noch über viele qualifizierte Arbeitskräfte. Industrieunternehmen gehen bisher lieber südlich von Danang nach Tam Ky oder Chu Lai, wo die Grundstücksmieten niedriger sind und es einfacher ist, Mitarbeiter zu finden. Weniger Bürokratie und der Status als Freihandelszone können künftig aber mehr Investoren nach Danang locken.

Mit der Gebietsreform von 2025 wurde Danang um die südlich angrenzende Provinz Quang Nam erweitert. Die Bevölkerung stieg auf fast 3 Millionen. Hinzugekommen sind mit der Stadt Hoi An ein Touristenmagnet und mit Chu Lai ein starker Industriestandort. Hier erweitert der deutsche Hersteller Kärcher derzeit sein Werk für Reinigungsgeräte und Thaco aus Vietnam montiert hier fünf Modelle von BMW.

IT-Dienstleister und Halbleiterdesign schon da

Im Software-Bereich ist die Ansiedlungspolitik erfolgreicher. Ein geplanter IT-Park neben dem High-Tech-Park wurde zwar nie gebaut, aber im Stadtzentrum ist der Software-Park 1 voll besetzt und Softwareentwickler wie Ubisoft aus Frankreich entwerfen hier Computerspiele. 

Ebenfalls im Stadtkern wurde Anfang 2025 ein größerer Software-Park 2 eröffnet, der neben Softwareentwicklern auch Firmen für Halbleiterdesign beherbergen soll. Das Gros der Softwareentwicklung in Danang erfolgt durch vietnamesische Firmen wie dem IT-Dienstleistungskonzern FPT. Nach eigenen Angaben erwirtschaftet FPT rund 70 Prozent seiner Software-Exporteinnahmen am Standort Danang. Die Firma unterhält dort eine eigene Universität und bildet IT-Kräfte aus.

FPT baut in Danang auch ein Halbleiterentwicklungszentrum. Derzeit sind 14 Firmen für Halbleiterdesign in Danang ansässig. Sie beschäftigen etwa 600 Ingenieure. Durch Kooperationen mit ausländischen Universitäten sollen es bis 2030 etwa 5.000 sein, davon 2.000 im Chip-Design und 3.000 im Bereich Verpackung und Testen. Für letzteres gibt es noch keine Betriebe in der Region. Die Stadt will bis 2030 aber mindestens ein Ansiedlungsprojekt in der Halbleiterfertigung anwerben. 

Die vietnamesische Regierung vergab Ende 2025 per Dekret an Danang und Ho-Chi-Minh-Stadt den Status als internationale Finanzzentren. Danang soll sich vor allem auf nachhaltige Finanzierungen und Fintech-Anwendungen konzentrieren. Unklar ist, wie attraktiv die Anreize und der regulatorische Rahmen für internationale Finanzinstitute sein werden. Ein 22-stöckiger Büroturm auf dem Gelände des Software-Park 2 soll ein erster Anlaufpunkt sein und ist schon im Bau.

Gebietsreform stößt Infrastrukturprojekte an

Die Erweiterung von Danang um die Provinz Quang Nam im Juli 2025 vereinfacht auch Infrastrukturvorhaben. Künftig soll eine Straßenbahnlinie vom Flughafen Richtung Strandpromenade führen und eine erste Metrolinie von Danang nach Hoi An. Sie dienen als Pilotprojekte für einen künftigen Netzausbau. Wenn in Zukunft die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt Danang ansteuert, soll die Metro auch den aus dem Zentrum verlegten Bahnhof ansteuern. 

Die Passagierterminals des überlasteten Flughafens in Danang werden auf eine Jahreskapazität für 20 Millionen Passagiere erweitert, gegenüber etwa 15 Millionen im Jahr 2025. Hinzu kommt ein Terminal für 100.000 Tonnen Fracht im Jahr. Aber auch der großflächige, aber kaum genutzte Flughafen Chu Lai soll ausgebaut werden, mit Büros, Wohnungen und Industrieparks auf dem Areal.

 

Danang plant markante ProjekteAuswahl großer Vorhaben
Vorhaben 

Investitionssumme (in Milliarden US$)

ProjektstandAnmerkungen/Entwickler
Künstliche Inseln in der Bucht von Danang

8,0

PlanungLandgewinnung von 1.428 Hektar für Hotels, Büros und Wohnungen
Chu Lai Flughafenstadt

6,7

PlanungWohn- und Büroimmobilien, Industrieparks auf ehemaliger US-Airbase
Metro- und Straßenbahnausbau

5,0 (erste Phase)

PlanungGenauer Umfang noch unklar; Pilotphase: Straßenbahn vom Flughafen und Metro von Danang nach Hoi An bis 2030; mögliche Investoren Deo Ca Group und Thaco Group
Ausbau Flughafen Chu Lai

3,3

PlanungAusbau auf 10 Mio. Passagiere (derzeit 1,2 Mio.) und 1,5 Mio. Tonnen Fracht bis 2030
Da Nang Down Town

3,2

Im BauHotels, Wohnungen, Vergnügungspark; Sungroup
Lien Chieu Hafen

1,8

Im Bau8 Terminals in 3 Phasen für 5,7 Mio. TEU, 2 Terminals bis 2030; Hateco, APM Terminals
Vinhomes Hai Van Bay

1,7

Im BauVinhomes (Vingroup)
Ausbau Danang Flughafen

1,2

UmsetzungAusbau Terminal 1, neuer Frachtterminal, Sanierung Landebahnen; Airports Corporation of Vietnam (ACV)
Da Nang Fireworks Festival Complex

0,4

PlanungHotels und Ausgehviertel auf 210 ha
Inland Waterway Tourism Project

0,4

PlanungSchiffbarmachung der Flüsse Co Co und Han zwischen Danang und Hoi An für Ausflugsboote, bis 2030 zunächst 7 bis 8 Anlegestellen auf schiffbarem Teil; Sungroup
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

 

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