Die Regierung steht unter Druck, Reformen umzusetzen. Ein neu zu erwartendes IWF-Programm dürfte den Standort stärken und die Kreditwürdigkeit stützen.
Die senegalesische Regierung hat breit angelegte Reformen eingeleitet. Diese umfassen die fiskalische Konsolidierung, die Digitalisierung der Verwaltung, Justizreformen, die Bekämpfung von Korruption und Steuerbetrug sowie die Neuverhandlung von Verträgen in Schlüsselindustrien wie den fossilen Energieträgern und dem Bergbau.
Im Jahr 2024 hat die Regierung Transparenzauflagen für Regierungsmitglieder eingeführt und die Befugnisse der nationalen Antikorruptionsbehörde OENAC deutlich gestärkt. Infolgedessen sind Strafverfahren gegen mehrere hochstehende Persönlichkeiten eingeleitet worden. Im Februar 2024 wurde Senegal von der Grauliste der Financial Action Task Force zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung genommen.
Liquiditätskrise des Staates belastet Unternehmen
Senegals Schuldenproblematik ist eine ernsthafte Belastung für das Geschäftsumfeld. Denn neben versteckten Schulden hat der Staat auch erhebliche Zahlungsrückstände gegenüber Lieferanten und Unternehmen angehäuft. Unmittelbar betroffen sind vor allem Bauunternehmen, Zulieferer und Dienstleister für den Staat. Pressemeldungen zufolge belaufen sich die operativen Rückstände des senegalesischen Staates gegenüber Unternehmen auf geschätzte 2,6 Milliarden US$.
Die Geldknappheit trifft auch Unternehmen, die nicht unmittelbare Auftragnehmer des Staates sind. Hohe Steuererstattungen und Subventionen bleiben aus; auch über irreguläre Zollerhebungen berichten Unternehmen gegenüber Germany Trade & Invest. Die Prozesse zur Steuererhebung seien umständlich, kompliziert und oftmals inkonsistent – mit der Folge, dass die Besteuerung langwierigen Aushandlungsprozessen unterworfen ist. Nicht zuletzt können häufige Steuerinspektionen den betrieblichen Ablauf stören. Beschwerden gibt es zudem über hohe Energiepreise und eine schlechte oder ausbleibende Versorgung mit Strom und Wasser.
Im Juni 2025 und erneut im Oktober 2025 hat die für die Einstufung des OECD-Länderrisikos zuständige Country Risk Experts' Group (CRE Group) Senegal zunächst auf die Stufe 6 und schließlich auf die schlechteste Stufe 7 herabgesetzt.
Unklar ist, ob die gegenwärtig erschwerten Geschäftsbedingungen von Dauer sind. Entscheidend ist, wann nach der Suspendierung 2024 infolge gefälschter Haushaltssalden ein neues IWF-Programm aufgelegt wird. Die IWF-Verhandlungen könnten bei staatlichen Stellen zu einem unternehmensfreundlicheren Vorgehen führen. Immerhin hat die Regierung im April 2025 damit begonnen, erste inländische Rückstände zu begleichen. Weiter positiv anzumerken sind die geplanten Haushaltseinsparungen 2026 von knapp einer halbe Milliarde US$. Angesichts der großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Jugendarbeitslosigkeit, Armut und Ungleichheit bergen zu harte Sparauflagen des IWF allerdings soziale Risiken.
Regionalwährung sorgt für Stabilität
In Senegal gilt das Gleichbehandlungsprinzip für in- und ausländische Unternehmen. Der CFA-Franc (Communauté Financière Africaine) ist als Regionalwährung der Westafrikanischen Währungs- und Wirtschaftsunion (WAEMU/UEMOA) frei konvertibel und an den Euro gekoppelt. Genehmigungspflichtige Investitionen beschränken sich auf strategische Wirtschaftsbereiche wie Bergbau, Öl/Gas, Bankwesen, Telekommunikation, Energie und Wasser.
Anlaufstelle für ausländische Investoren ist die Agentur APIX. Die Regierung hat im September 2025 den Code d’Investissement umfassend novelliert. Das Gesetz koppelt Steueranreize an Kriterien zur Nachhaltigkeit und Beschäftigung. Alle Verfahren sollen über ein Single Window digital erfolgen. Anträge müssen innerhalb von zehn Werktagen bearbeitet werden.
Das Gesetz verpflichtet große Investoren, mindestens 40 Prozent der Wertschöpfung lokal zu erbringen. Es gelten gesonderte Begünstigungen für Investoren aus der senegalesischen Diaspora und für kleinere und mittlere Unternehmen. Bemerkenswert ist die Verlagerung des Investitionsschutzes von internationalen auf nationale Schiedsgerichte.
Wirtschaftszonen mit zusätzlichen Vergünstigungen
Nach Angaben der Regierung gibt es in Senegal insgesamt sieben Sonderwirtschaftszonen (SWZ). Drei davon gelten als funktionsfähig. Innerhalb dieser SWZ gelten unabhängig vom Exportanteil dauerhafte Zoll- und Steuervergünstigungen; auch entfallen hier Arbeitgeber- und Stempelsteuern.
Auch außerhalb der SWZ sind Investitionen in die Produktion, Tourismus, Landwirtschaft, Digitalisierung und erneuerbaren Energien während der Aufbauphase von Importzöllen befreit. Die Mehrwertsteuer (VAT) ist für drei Jahre ab Investitionsbeginn ausgesetzt.
Eine längere Anreizfrist von fünf Jahren gilt außerhalb der Agglomerationen Dakar und Thiès. Bei der Körperschaftssteuer (CIT) gilt für Exportgesellschaften (Exportanteil ≥ 80 Prozent) ein reduzierter Satz von 15 Prozent. Exportgesellschaften sind von Lohn-, Arbeitgeber und Stempelsteuern befreit.
Frankreich bleibt bedeutend
Frankreich ist historisch der bedeutendste Investitionspartner Senegals. Neben der Rolle Chinas nimmt auch der wirtschaftliche Einfluss der Türkei zu, insbesondere im Bauwesen. Weitere wichtige Investitionspartner sind Marokko, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien. Zu den Sektoren, die erhebliche Investitionen anziehen, gehören Erdöl und Erdgas, Agrarwirtschaft, Bergbau, Tourismus und verarbeitende Industrie.
Ausländische Direktinvestitionen nach Herkunftsländern 1) Französische Unternehmen als Investoren führend| Frankreich | 4.200 | 25,7 | Telekommunikation, Bankwesen, Energie, Transport |
| Vereinigte Arabische Emirate | 2.100 | 12,8 2) | Logistik, Hafeninfrastruktur |
| China | 1.800 | 11,0 | Energie, Infrastruktur, Digitalisierung |
| USA | 1.200 | 7,3 | Dienstleistungen, Technologie |
| Marokko | 950 | 5,8 | Bauwirtschaft, Handel |
| Türkei | 700 | 4,3 | Bauwirtschaft, Infrastruktur |
| Indien | 600 | 3,7 | Pharma, IT-Dienstleistungen |
| Deutschland | 580 | 3,6 | Industrie, Maschinenbau |
| Vereinigtes Königreich | 500 | 3,1 | Finanzdienstleistungen, Bildung |
| Niederlande | 450 | 2,8 | Agrarwirtschaft, Logistik |
1) Schätzungen; der Gesamtbestand beträgt 16.358 Mio. US$. In der Tabelle sind nur die wichtigsten Herkunftsländer aufgeführt. 2) Einschließlich aktiver ProjekteQuelle: UNCTAD, APIX, DP World 2025
Die neue senegalesische Regierung sucht verstärkt die Zusammenarbeit mit nicht-französischen Unternehmen aus dem Ausland. Deutsche Firmen sind im Senegal deutlich unterrepräsentiert. Die jüngst angekündigte Montage verschiedener Lkw-Baureihen von Mercedes-Benz ist als positives Signal zu werten.
Größte deutsche Investoren in Senegal| Klingele Paper & Packaging | Verpackung / Industrie | Aufbau eines Wellpappenwerks zur Herstellung von Exportverpackungen | Diamniadio (bei Dakar) | ca. 7,5 Mio. € | DEG-finanziert, Solarenergie, regionale Expansion in Westafrika |
| Daimler Truck AG | Automobil / Montage | Montagewerk für Mercedes-Benz Lkw | Dakar | nicht öffentlich | Produktion ab 2026 geplant, regionale Marktversorgung |
| GRIPS Energy GmbH | Erneuerbare Energien | Photovoltaikanlage für Gemüsefarm | Nähe mauretanische Grenze | nicht öffentlich | CO₂-freie Energie für Bewässerung und Kühlung |
| SAP SE | Digitalisierung / Textil | Beteiligung am Africa Fashion & Textile Accelerator Network | Dakar / virtuell | nicht öffentlich | Förderung von Start-ups im Textilsektor, Digitalisierung |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.
Von
Fausi Najjar
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Berlin