Wirtschaftsausblick | Senegal
Senegals Wirtschaft wächst kräftig – trotz hoher Schulden
Die senegalesische Regierung Faye/Sonko hat einen hohen Schuldenstand geerbt. Gleichzeitig treiben Öl, Gas und Gold das Wachstum. Infrastrukturvorhaben bieten Geschäftschancen.
19.01.2026
Von Fausi Najjar | Berlin
Top-Thema: Nicht deklarierte Schulden belasten Wirtschaft
Neu erschlossene Erdöl- und Erdgasfelder sowie steigende Goldpreise sorgen für einen Wachstumsboom in Senegal. Gleichzeitig hat die 2024 an die Macht gekommene Regierung Faye/Sonko aufgrund nicht deklarierter Verbindlichkeiten einen deutlich höheren Schuldenstand geerbt als erwartet.
Damit zählt Senegal nun nicht nur zu den Ländern mit einem rekordverdächtigen Wachstum, sondern auch zu den am stärksten verschuldeten Volkswirtschaften in Afrika. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat wegen der gefälschten Daten sein laufendes Kreditprogramm ausgesetzt.
Enorme Mehrverschuldung
Laut Economist Intelligence Unit (EIU) beliefen sich die Gesamtschulden 2025 auf 48,2 Milliarden US-Dollar, das entspricht 127 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das Haushaltsdefizit ist von 4,9 Prozent im Vorjahr auf 10 Prozent des BIP (2025) gestiegen. Zu erwarten ist ein nur langsamer Abbau der Schulden. Der Schuldendienst wird zwischen 2026 und 2030 im Schnitt 5 Prozent des BIP beanspruchen.
Die unterschlagenen Schulden stehen in Zusammenhang mit mangelnder Transparenz, systematischen Falschmeldungen und Governance‑Defiziten. Diese haben die Korruption begünstigt. Die Verbindlichkeiten entfallen vor allem auf Schulden von Staatsbetrieben und Forderungen öffentlich-privater Infrastrukturfonds.
Zahlungsausfälle nicht zu erwarten
EIU, IWF und weitere rechnen im Basisszenario nicht mit Zahlungsausfällen bei den Staatsanleihen und mit einer Fortsetzung der Reformen. Voraussetzung sind ein neues IWF-Programm, stabile Energiepreise und die Wiederherstellung des Investorenvertrauens. Erste Reformfortschritte gibt es bei Haushaltskonsolidierung, Justiz und Transparenz.
Will die neue Regierung IWF-Forderungen nachkommen, muss sie das Erwartungsmanagement gegenüber der Bevölkerung anpassen und bereits gemachte soziale Zusagen teilweise zurücknehmen. Weniger wahrscheinlich, aber nicht auszuschließen ist, dass Senegal infolge von Protesten gegen unpopuläre IWF-Reformen Kreditzahlungen aussetzt.
Folge von Zahlungsausfällen wären eine Finanzkrise und ein deutlich schwächeres Wachstum.
Wirtschaftsentwicklung: Rohstoffe beschleunigen das Wachstum
Vor allem der Start der Offshore-Förderung von Erdöl (Sangomarfeld, seit Juni 2024) und Erdgas (Greater Tortue Ahmeyim / GTA, seit Januar 2025) haben 2025 für einen Wachstumsschub von real 9 Prozent gesorgt. Zusätzliche Kapazitätssteigerungen in beiden Fördergebieten sind möglich, aber noch nicht final angekündigt.
In den kommenden Jahren bleibt das Wachstum wegen der Rohstoffexporte hoch. Hinzu kommt eine breite Investitionsagenda, auch wenn die fristgerechte Umsetzung von Großprojekten nicht immer sicher ist. Die EIU rechnet für die Jahre 2026 bis 2028 mit einem Wachstum der Bruttoinvestitionen von real 5,3 Prozent.
Strukturelles Außenhandelsdefizit geht zurück
Die Importe von Kapitalgütern sind nach Abschluss der Upstream-Investitionen im Kohlenwasserstoffsektor 2024/25 zurückgegangen. In den kommenden Jahren dürften sie wieder anziehen. Wachsende Rohstoffausfuhren (vor allem Öl, Gas, Gold) reduzieren das strukturelle Außenhandelsdefizit, allerdings nur schrittweise.
Die Regierung wird die Abhängigkeit von importierten Grundnahrungsmitteln nur langsam verringern können. Der Tourismus und – noch wichtiger – die Überweisungen im Ausland lebender Senegalesen bleiben zentrale Devisenquellen.
Konsum unter Druck
Kürzungen und Einstellungsstopps im öffentlichen Sektor sowie eine schrittweise Verbreiterung der Steuerbasis durch Erfassung des informellen Sektors belasten die Konsumentwicklung. Zudem bleiben die unmittelbaren Beschäftigungseffekte der geplanten Investitionen begrenzt.
Ein möglicher Anstieg der Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel wird voraussichtlich durch einen stärkeren, weil an den Euro gekoppelten CFA-Franc ausgeglichen. Angesichts hoher Wachstumsraten und einer stabilen Währung rechnet EIU 2026 bis 2028 - womöglich zu optimistisch - mit einer jährlichen Zunahme der Konsumausgaben um real 5,3 Prozent.
Deutsche Perspektive: Daimler plant Montage von Lastwagen
Die neue Führung sucht verstärkt die Zusammenarbeit mit nicht-französischen Unternehmen. Daimler Truck AG errichtet in Dakar ein Montagewerk für Mercedes-Benz Lkw, das ab 2026 Fahrzeuge für den westafrikanischen Markt produziert. Die Bausätze kommen aus Deutschland und werden lokal montiert. Das Projekt schafft Hunderte Arbeitsplätze.
Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich bleibt weiterhin wichtiger Wirtschaftspartner. Länder wie China und die Türkei gewinnen aber an Einfluss, ebenso Marokko, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Saudi-Arabien. Deutschland hat sich trotz der Daimler-Investition noch nicht als Player mit großem Gewicht etabliert und bleibt unterrepräsentiert.
Die Liquiditätskrise belastet nicht nur Unternehmen mit offenen Forderungen gegenüber dem Staat. Nicht von Zahlungsverzug betroffene Firmen berichten von einer rigiden, teils inkonsistenten Besteuerungspraxis. Es gibt Verzögerungen bei Steuererstattungen und ungerechtfertigte Zollerhebungen. Es bleibt abzuwarten, ob sich das negative Geschäftsklima weiter verfestigt. Ein Politikwechsel ist gut möglich, sobald ein neues IWF-Programm für eine stabilere Finanzierung sorgt.
Infrastruktur bietet Beteiligungschancen
Trotz der hohen Staatsverschuldung kann sich eine Positionierung am Projektmarkt für deutsche Unternehmen lohnen. Konkrete Geschäftschancen können sich allerdings nur nach einer gründlichen Markterschließung ergeben. Liquiditätsengpässe verzögern gegenwärtig die Umsetzung.
Bei einer Neuauflage eines IWF-Programms dürften sowohl die Realisierungschancen als auch das Tempo bei der Umsetzung wieder steigen. Bei Einzelprüfungen können sich Beteiligungsmöglichkeiten bei laufenden Projekten ergeben.
| Kategorie | Name | Kosten in Mio. US Dollar (geschätzt) | Stand | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Kraftwerke | Saint‑Louis Power Plant | 475 | im Bau | Kombiniertes Gas‑Dampf‑Kraftwerk (CCGT) / 255 MW |
| Cap des Biches Power Plant | 475 | im Bau | Umstellung Öl‑/Diesel‑Kraftwerk auf Gas | |
| Hafen | Ndayane Port (DP World) | 1.200 | im Bau | Neuer Tiefseehafen ca. 60 km südlich von Dakar |
| Erdgas | Greater Tortue Ahmeyim LNG Phase 2 and 3 | 11.000 | Entwurf (FEED) | Kapazitätserweiterung bei Offshore-Förderung |
| Yakaar-Teranga Field Development Upstream | 5.000 | Entwurf (FEED) | Mittelgroßes Gasfeld für Gas‑to‑Power und Gas‑to‑Industry / Verzögerungen wg. Plänen, den Staatsanteil zu erhöhen | |
| Yakaar-Teranga Field Development Downstream | 1.000 | Entwurf (FEED) | Verbindung von Offshore-Feldern mit Kraftwerken und Industriezonen | |
| Erdöl | Sangomar Oil Field Development – Phase 2 | 2.500 | Planung | 100.000 Barrel/Tag / Erweiterung |
| Petrochemie | Senegal Second Oil Refinery and Petrochemical Complex | 1.000 - 5.000 | Planung | Raffinerie (4 Mio. jato) / Anlagen zur Chemie- und Kunststoffproduktion / Finanzierungsinteressen aus China, Türkei, Südkorea (PPP wird geprüft) |
| Nahverkehr | Dakar Bus Public Transport Network Restructure | 446 | im Bau | Erneuerung des Netzes gasbasierter Busse im Rahmen von PPP |
| Schiene | Dakar-Tambacounda Standard Gauge Railway | 2.100 | im Bau | Umstellung auf Normalspur / 467 km |
| Straßenbau | Diourbel Kaolack Road Rehabilitation | 50 | im Bau | ca. 65 km |
| Senegal Mali Road Corridor Upgrade | 84 | Studie | ca. 591 km | |
| Wasser | Hann‑Bay Wastewater Treatment Plant / Bay‑Cleanup (ONAS) | 460 | im Bau | Kläranlage, Vorklärung für Industriewässer, Erneuerung und Erweiterung des Sammelnetzes, Meeresauslass, Umweltsanierung |
| Senegal Rural Potable Water Supply Project - Phase II | 100 | Im Bau | Wasserfernleitung von Lac Guiers nach Dakar, Mbour und Thiès; umfasst Pumpwerke | |
| Diamniadio Wastewater Treatment Plant | 46 | im Bau | Moderne Abwasserentsorgung für bis zu 300.000 Einwohner |
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