Wirtschaftsumfeld | Spanien | Wirtschaftsstruktur

Dienstleistungen prägen die Wirtschaftsstruktur Spaniens

Neben Dienstleistungen bestimmen die Nahrungsmittel- und die Autoindustrie Spaniens Wirtschaftsstruktur. Die größten Wirtschaftszentren sind Katalonien, Madrid und Andalusien.

Spanien ist verglichen mit Portugal der wesentlich größere Markt auf der iberischen Halbinsel. Gemessen an der Wirtschaftskraft und Einwohnerzahl beträgt das Verhältnis jeweils etwa fünf zu eins. Beide Länder sind eng verbunden über Handel, Investitionen und durch gemeinsame Projekte, beispielsweise im Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. In den vergangenen Jahren nahm die Kooperation zwischen Spanien und Portugal weiter zu. Manche Unternehmen bearbeiten beide Märkte von Spanien aus. Spanien ist ebenfalls mit Deutschland wirtschaftlich eng verknüpft. Deutschland ist neben Frankreich der wichtigste Handelspartner. Durch Investitionen sind weit mehr als 1.000 deutsche Unternehmen in Spanien vertreten.

Die spanische Wirtschaft wird vom Dienstleistungssektor dominiert. Rund drei Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung ist auf Aktivitäten in den Bereichen Tourismus, Transport, Handel oder Bankwesen zurückzuführen. Die Unternehmensstruktur ist von kleinen Betrieben geprägt. Laut spanischem Industrieministerium haben 99,8 Prozent der aktiven Unternehmen weniger als 250 Beschäftigte, 95 Prozent sogar weniger als zehn Mitarbeiter. Das ist einer der Gründe, warum die Produktivität in Spanien niedriger ausfällt als in den anderen großen Volkswirtschaften Europas.

Auch wenn Spanien nur wenige industrielle Spitzenunternehmen aufweisen kann, so sind diese doch von großer nationaler und internationaler Bedeutung. Unter ihnen: Spanische Banken, die weltweit aktiv sind. Gleiches gilt für die großen Bau-, Ingenieur- und Infrastrukturkonzerne. Diese haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten ihre Präsenz - zum Beispiel auf dem amerikanischen Kontinent - sehr stark ausgebaut.

48 Mio.

Personen lebten 2024 im Land.

Quelle: UN 2024

1.89 Mrd.

US-Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025 laut Prognosen.

Quelle: IWF 2026

38.040

US-Dollar machte das BIP pro Kopf damit 2025 aus.

Quelle: IWF 2026

Rang 11

belegte das Land 2024 unter den deutschen Exportzielen.

Quelle: Destatis 2024

Rang 46

nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2024 ein (unter 180 Ländern).

Quelle: Transparency International 2024

1,4 %

betrug die Analphabetenquote im Jahr 2020.

Quelle: Weltbank 2022

Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

Nahrungsmittel, Kfz und Energie sind die wichtigsten Industriesektoren

Im verarbeitenden Gewerbe sticht die Nahrungsmittelbranche hervor. Sie zeichnet für mehr als ein Fünftel aller Umsätze in der Industrie verantwortlich. Zweitwichtigste Branche ist die Kfz-Industrie mit einem Anteil von etwa 10 Prozent. Auch wenn die Autoproduktion in den Jahren 2024 und 2025 gesunken ist, bleibt Spanien der zweitwichtigste Automobilstandort in Europa.   

Der Energiesektor steht auf dem 3. Platz, gemessen an den Umsätzen in der Industrie. Die Energiewende wird in Spanien von so gut wie allen Akteuren als Chance gesehen. Mit seinen natürlichen Ressourcen an erneuerbaren Energien verfügt Spanien über eine sehr gute Ausgangslage. Um diese Energiequellen noch besser nutzen zu können, sind höhere Investitionen in Stromnetze und Speicherkapazitäten notwendig.

 

Bedeutung der Wirtschaftszweige in Spanien (Anteile in Prozent)

Sektoren

Anteil am Bruttoinlandsprodukt 

Jahr 2024 *)

Anteil an den Beschäftigten 

Jahr 2024 *)

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

2,7

3,5

Verarbeitendes Gewerbe

10,8

9,8

Baugewerbe

5,2

7,1

Dienstleistungen

68,9

78,2

Sonstige

12,4

1,4

* vorläufig.Quelle: INE 2025 (Contabilidad Nacional Anual de España 2024)

Nachhaltigkeit wird immer wichtiger 

Für viele Branchen wird das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger. So sucht die Lebensmittelindustrie als intensiver Gasnutzer mit einem hohen Strom- und Wärmebedarf nach Alternativen. Die Elektromobilität führt zu umfangreichen Investitionen der Automobilhersteller und Zulieferer. Der Chemiesektor arbeitet auch im Sinne der internationalen Wettbewerbsfähigkeit daran, Prozesse zu dekarbonisieren. In der Bauwirtschaft sorgen strengere Vorschriften bei der Energieeffizienz und für sparsamen Ressourceneinsatz dafür, dass nachhaltige Architekturdienstleistungen an Bedeutung gewinnen.

Gute Infrastruktur, aber fehlende Fachkräfte

Deutsche Unternehmen schätzen den Standort Spanien. Die Deutsche Handelskammer für Spanien (AHK Spanien) befragt zweimal jährlich deutsche Unternehmen, die in Spanien vertreten sind. Dabei bewerten diese ihre eigene Geschäftslage grundsätzlich zuversichtlicher als die Lage der spanischen Gesamtwirtschaft. Zu den immer wieder genannten Vorteilen Spaniens gehören die Verkehrs- und Telekommunikationsinfrastruktur. Weitere Pluspunkte sind der große Binnenmarkt, niedrige Handelshürden und die Brückenkopffunktion in weitere Märkte. So bearbeiten viele ausländische Unternehmen die gesamte iberische Halbinsel oder auch lateinamerikanische Märkte von Spanien aus.

Als größtes Risiko in den kommenden zwölf Monaten nannten die Unternehmen im Herbst 2025 die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Trotz der europaweit höchsten Arbeitslosenquote spielt der Fachkräftemangel eine wesentliche Rolle. Die Gründe hierfür liegen zum Teil in der mangelnden zeitlichen und örtlichen Verfügbarkeit, aber auch im Qualifikationsprofil und unterschiedlichen Gehaltsvorstellungen.

Risiken in den Lieferketten begegnen die deutschen Unternehmen häufig durch die Suche nach zusätzlichen Lieferanten. Dass vier Fünftel von ihnen sich in Spanien und Portugal nach zusätzlichen Bezugsquellen umsehen, spricht für die breit aufgestellte Zulieferlandschaft auf der iberischen Halbinsel.

SWOT-Analyse Spanien

S

Stärken Strengths

  • Sehr gute Infrastruktur
  • Viertgrößter Markt der EU
  • Breites Zulieferernetz
  • Exportstarke Spitzenunternehmen
  • Vergleichsweise niedrige Energiekosten
W

Schwächen Weaknesses

  • Hohe Staatsverschuldung
  • Viele wenig produktive Kleinstunternehmen
  • Im EU-Vergleich hohe Arbeitslosigkeit
  • Verwaltungsvorschriften auf drei Ebenen
O

Chancen Opportunities

  • Erneuerbare Energien
  • Produktion von grünem Wasserstoff
  • NextGenerationEU-Fonds: 164 Mrd. Euro
  • Brücke nach Lateinamerika und Portugal
T

Risiken Threats

  • Politische Risiken durch Mehrheitsverhältnisse
  • Konkurrenz aus China für die lokale Industrie
  • Wasserknappheit und Naturkatastrophen
  • Demographische Entwicklung

Madrid und Katalonien ragen unter den Regionen heraus

Die ewigen Rivalen Madrid und Barcelona/Katalonien zählen zu den wirtschaftlichen Schwergewichten Spaniens. In der Hauptstadtregion Madrid sind neben zahlreichen Hauptsitzen von Unternehmen viele Industriebetriebe, Dienstleister und Technologieunternehmen ansässig. Katalonien verfügt beispielsweise mit dem Seat-Werk in Martorell und seiner Infrastruktur sowie dem Chemiecluster Tarragona über herausragende wirtschaftliche Schwerpunkte.

Andere Regionen sind interessant: Im Baskenland zählt der Werkzeugmaschinenbau zur europäischen Spitze.In Andalusien nehmen nahrungsmittelverarbeitende Unternehmen eine wichtige Rolle ein. Insgesamt fallen die starken Gegensätze in Spanien auf. Attraktive Städte wirken als Magnet auf Unternehmen und Bevölkerung. Manche sehr dünn besiedelten Gegenden kämpfen hingegen mit anhaltender Abwanderung und einem schrumpfenden Infrastrukturangebot.

Eckdaten der wichtigsten Regionen in Spanien (Jahr 2024)

Gebiet

Anteil am BIP (in %)

BIP pro Kopf (in Euro)

Bevölkerung (in Mio.)

Katalonien

18,9

37.426

8,1

Madrid

17,8

44.755

7,1

Andalusien

13,8

24.566

8,6

Valencia

9,7

27.611

5,4

Baskenland

6,0

41.016

2,2

Kastilien und León

5,3

31.149

2,4

Galizien

5,1

30.105

2,7

Kanaren

3,8

25.925

2,2

Kastilien-La Mancha

3,5

26.588

2,1

Aragonien

3,1

36.446

1,3

Spanien

100

32.633

49,1

Quelle: INE 2025 (Contabilidad Regional de España 2024)

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