Wirtschaftsumfeld | Spanien | Wirtschaftsstruktur
Dienstleistungen prägen die Wirtschaftsstruktur Spaniens
Neben Dienstleistungen bestimmen die Nahrungsmittel- und die Autoindustrie Spaniens Wirtschaftsstruktur. Die größten Wirtschaftszentren sind Katalonien, Madrid und Andalusien.
27.01.2026
Spanien ist verglichen mit Portugal der wesentlich größere Markt auf der iberischen Halbinsel. Gemessen an der Wirtschaftskraft und Einwohnerzahl beträgt das Verhältnis jeweils etwa fünf zu eins. Beide Länder sind eng verbunden über Handel, Investitionen und durch gemeinsame Projekte, beispielsweise im Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. In den vergangenen Jahren nahm die Kooperation zwischen Spanien und Portugal weiter zu. Manche Unternehmen bearbeiten beide Märkte von Spanien aus. Spanien ist ebenfalls mit Deutschland wirtschaftlich eng verknüpft. Deutschland ist neben Frankreich der wichtigste Handelspartner. Durch Investitionen sind weit mehr als 1.000 deutsche Unternehmen in Spanien vertreten.
Die spanische Wirtschaft wird vom Dienstleistungssektor dominiert. Rund drei Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung ist auf Aktivitäten in den Bereichen Tourismus, Transport, Handel oder Bankwesen zurückzuführen. Die Unternehmensstruktur ist von kleinen Betrieben geprägt. Laut spanischem Industrieministerium haben 99,8 Prozent der aktiven Unternehmen weniger als 250 Beschäftigte, 95 Prozent sogar weniger als zehn Mitarbeiter. Das ist einer der Gründe, warum die Produktivität in Spanien niedriger ausfällt als in den anderen großen Volkswirtschaften Europas.
Auch wenn Spanien nur wenige industrielle Spitzenunternehmen aufweisen kann, so sind diese doch von großer nationaler und internationaler Bedeutung. Unter ihnen: Spanische Banken, die weltweit aktiv sind. Gleiches gilt für die großen Bau-, Ingenieur- und Infrastrukturkonzerne. Diese haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten ihre Präsenz - zum Beispiel auf dem amerikanischen Kontinent - sehr stark ausgebaut.
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Nahrungsmittel, Kfz und Energie sind die wichtigsten Industriesektoren
Im verarbeitenden Gewerbe sticht die Nahrungsmittelbranche hervor. Sie zeichnet für mehr als ein Fünftel aller Umsätze in der Industrie verantwortlich. Zweitwichtigste Branche ist die Kfz-Industrie mit einem Anteil von etwa 10 Prozent. Auch wenn die Autoproduktion in den Jahren 2024 und 2025 gesunken ist, bleibt Spanien der zweitwichtigste Automobilstandort in Europa.
Der Energiesektor steht auf dem 3. Platz, gemessen an den Umsätzen in der Industrie. Die Energiewende wird in Spanien von so gut wie allen Akteuren als Chance gesehen. Mit seinen natürlichen Ressourcen an erneuerbaren Energien verfügt Spanien über eine sehr gute Ausgangslage. Um diese Energiequellen noch besser nutzen zu können, sind höhere Investitionen in Stromnetze und Speicherkapazitäten notwendig.
Sektoren | Anteil am Bruttoinlandsprodukt Jahr 2024 *) | Anteil an den Beschäftigten Jahr 2024 *) |
|---|---|---|
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 2,7 | 3,5 |
Verarbeitendes Gewerbe | 10,8 | 9,8 |
Baugewerbe | 5,2 | 7,1 |
Dienstleistungen | 68,9 | 78,2 |
| Sonstige | 12,4 | 1,4 |
Nachhaltigkeit wird immer wichtiger
Für viele Branchen wird das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger. So sucht die Lebensmittelindustrie als intensiver Gasnutzer mit einem hohen Strom- und Wärmebedarf nach Alternativen. Die Elektromobilität führt zu umfangreichen Investitionen der Automobilhersteller und Zulieferer. Der Chemiesektor arbeitet auch im Sinne der internationalen Wettbewerbsfähigkeit daran, Prozesse zu dekarbonisieren. In der Bauwirtschaft sorgen strengere Vorschriften bei der Energieeffizienz und für sparsamen Ressourceneinsatz dafür, dass nachhaltige Architekturdienstleistungen an Bedeutung gewinnen.
Gute Infrastruktur, aber fehlende Fachkräfte
Deutsche Unternehmen schätzen den Standort Spanien. Die Deutsche Handelskammer für Spanien (AHK Spanien) befragt zweimal jährlich deutsche Unternehmen, die in Spanien vertreten sind. Dabei bewerten diese ihre eigene Geschäftslage grundsätzlich zuversichtlicher als die Lage der spanischen Gesamtwirtschaft. Zu den immer wieder genannten Vorteilen Spaniens gehören die Verkehrs- und Telekommunikationsinfrastruktur. Weitere Pluspunkte sind der große Binnenmarkt, niedrige Handelshürden und die Brückenkopffunktion in weitere Märkte. So bearbeiten viele ausländische Unternehmen die gesamte iberische Halbinsel oder auch lateinamerikanische Märkte von Spanien aus.
Als größtes Risiko in den kommenden zwölf Monaten nannten die Unternehmen im Herbst 2025 die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Trotz der europaweit höchsten Arbeitslosenquote spielt der Fachkräftemangel eine wesentliche Rolle. Die Gründe hierfür liegen zum Teil in der mangelnden zeitlichen und örtlichen Verfügbarkeit, aber auch im Qualifikationsprofil und unterschiedlichen Gehaltsvorstellungen.
Risiken in den Lieferketten begegnen die deutschen Unternehmen häufig durch die Suche nach zusätzlichen Lieferanten. Dass vier Fünftel von ihnen sich in Spanien und Portugal nach zusätzlichen Bezugsquellen umsehen, spricht für die breit aufgestellte Zulieferlandschaft auf der iberischen Halbinsel.
Madrid und Katalonien ragen unter den Regionen heraus
Die ewigen Rivalen Madrid und Barcelona/Katalonien zählen zu den wirtschaftlichen Schwergewichten Spaniens. In der Hauptstadtregion Madrid sind neben zahlreichen Hauptsitzen von Unternehmen viele Industriebetriebe, Dienstleister und Technologieunternehmen ansässig. Katalonien verfügt beispielsweise mit dem Seat-Werk in Martorell und seiner Infrastruktur sowie dem Chemiecluster Tarragona über herausragende wirtschaftliche Schwerpunkte.
Andere Regionen sind interessant: Im Baskenland zählt der Werkzeugmaschinenbau zur europäischen Spitze.In Andalusien nehmen nahrungsmittelverarbeitende Unternehmen eine wichtige Rolle ein. Insgesamt fallen die starken Gegensätze in Spanien auf. Attraktive Städte wirken als Magnet auf Unternehmen und Bevölkerung. Manche sehr dünn besiedelten Gegenden kämpfen hingegen mit anhaltender Abwanderung und einem schrumpfenden Infrastrukturangebot.
Gebiet | Anteil am BIP (in %) | BIP pro Kopf (in Euro) | Bevölkerung (in Mio.) |
|---|---|---|---|
| Katalonien | 18,9 | 37.426 | 8,1 |
| Madrid | 17,8 | 44.755 | 7,1 |
| Andalusien | 13,8 | 24.566 | 8,6 |
| Valencia | 9,7 | 27.611 | 5,4 |
| Baskenland | 6,0 | 41.016 | 2,2 |
| Kastilien und León | 5,3 | 31.149 | 2,4 |
| Galizien | 5,1 | 30.105 | 2,7 |
| Kanaren | 3,8 | 25.925 | 2,2 |
| Kastilien-La Mancha | 3,5 | 26.588 | 2,1 |
| Aragonien | 3,1 | 36.446 | 1,3 |
| Spanien | 100 | 32.633 | 49,1 |