Sie sind ein ausländisches Unternehmen, das in Deutschland investieren möchte?

Special China Digitale Wirtschaft

Digital Health in China

Um sein Gesundheitswesen zu modernisieren, setzt China seit Jahren gezielt auf Digital Health. Staat und Privatwirtschaft kooperieren. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist groß.

China ist das bevölkerungsreichste Land der Welt mit einem rasant steigenden Anteil älterer Menschen. Bereits 2030 wird mehr als ein Viertel der Bevölkerung älter als 60 Jahre sein. Chronische Krankheiten sind die Ursache für 87 Prozent der Todesfälle im Land. Um Ressourcen besser zu nutzen und die landesweite Gesundheitsversorgung zu verbessern, setzt Beijing daher seit Jahren auf den Ausbau der IT-Infrastruktur im Gesundheitswesen, auf digitale Hilfsmittel, Onlineplattformen für E-Health und zunehmend auf den Einsatz von Big Data und künstlicher Intelligenz (KI). Die Covid-19-Pandemie hat den Trend zu Digital Health weiter beschleunigt. Statista Research Development schätzte Chinas Online-Gesundheitsmarkt 2020 bereits vor dem Covid-19-Ausbruch auf über 3 Milliarden Euro.

  • Digital Health in China: Ziele und Strategien

    Wie kaum ein anderes Land treibt die Volksrepublik die Digitalisierung voran – auch im Gesundheitssektor. Digital Health ist fester Bestandteil der Strategie "Healthy China 2030". 

    Effizienzsteigerung durch Digital Health

    China hat mit Digital Health Großes im Sinn. Wie in kaum einem anderen Land treibt die Regierung die Digitalisierung in allen Bereichen voran – den Gesundheitssektor eingeschlossen. Sie erhofft sich dadurch erhöhte Effizienz, Kostentransparenz und eine bessere Auslastung der ungleich verteilten Kapazitäten. Gleichzeitig legt die Politik mit dem Aufbau zunächst regionaler (doch visionär landesweiter) digitaler Patientendatenbanken den Grundstein für die künftige Wettbewerbsfähigkeit des Gesundheitssektors sowie für die personalisierte Medizin der Zukunft.

    Rahmendaten zu Digital Health in China

    Indikator

    2018

    Bevölkerungsgröße (Mio. Einwohner)

    1.395

    Anzahl Ärzte pro 1.000 Einwohner1

    2,0

    Anzahl Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner1

    4,3

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (US$)2

    688

    Durchdringungsrate Internetnutzung (in %)

    89,9

    Mobilfunknutzer/100 Einwohner

    112,2

    1) 2017; 2) 2016Quelle: IMF; OECD; NBS; MIIT

    Bereits in den 80er-Jahren setzte sich der Staat für eine Informatisierung im medizinischen Bereich ein. Ziel war es, die im ganzen Land vorhandenen Informationssilos zu durchbrechen und ein effizienteres und kostengünstigeres Gesundheitswesen zu schaffen. Der große Plan der Regierung für den Ausbau und die Reform des Gesundheitswesens 2016 – "Healthy China 2030" – forderte daher dazu auf, Digitalisierung auch im Gesundheitswesen zu denken und auszubauen. Verschiedene Leitlinien zu Themen wie Telemedizin oder Big Data waren ihm bereits vorausgegangen. Im Jahr 2018 präzisierte die Regierung dann in weiteren Richtlinien und Stellungnahmen zur Entwicklung von "Internet + Healthcare“ ihre Vorstellungen. Betont wurde die Notwendigkeit, erfasste Datenkategorien zu vereinheitlichen, grundlegende Standards zur Erfassung von und im Umgang mit medizinischen Daten sowie für die Datensicherheit zu entwickeln. 

    Chinas politische Leitlinien zu Digital Health

    Veröffentlichungsdatum

    Regierungsorganisationen

    Politik

    21.08.2014

    Staatliche Gesundheitskommission*

    Förderung telemedizinischer Dienste in medizinischen Einrichtungen

    11.09.2015

    Staatsrat

    Förderung der Entwicklung eines hierarchischen Diagnose- und Behandlungssystems

    24.06.2016

    Staatsrat

    Leitlinie für die Big Data-Entwicklung im Gesundheitswesen

    25.10.2016

    Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas, Staatsrat

    "Healthy China 2030"

    28.04.2018

    Staatsrat

    Entwicklungsförderung der "Internet + Gesundheitsfürsorge"

    04.06.2019

    Staatsrat

    Schlüsselaufgaben zur Vertiefung der Reform des Gesundheitssystems 2019

    *) Bis März 2018 firmierte die Staatliche Gesundheitskommission (National Health Commission) als Staatliche Kommission für Gesundheitswesen und Familienplanung (National Health and Family Planning Commission)Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Staatliche Gesundheitskommission treibt Digitalisierung voran

    Die Umsetzung der Modernisierung und Digitalisierung des Gesundheitswesens obliegt vor allem der Staatlichen Gesundheitskommission. Der Auf- und Ausbau von IT-Infrastruktur (wie Rechenzentren für Big Data und Cloud) fallen wiederum in die Zuständigkeit des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie (MIIT). Die Einhaltung nationaler und technischer Standards wird von der Staatlichen Behörde für Marktregulierung (SAMR) kontrolliert. In sie wurde auch die ehemalige Food and Drug Administration integriert, die für die Zulassung pharmazeutischer und medizintechnischer Produkte zuständig ist.

    Je mehr Digitalisierung, elektronische Patientenakten, Big Data und künstliche Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen eine Rolle spielen, desto wichtiger werden Datensicherheit und -schutz. Die seit März 2018 existierende Doppelspitze aus staatlicher Cyberspace Administration und dem direkt der Partei unterstellten Office of the Central Cyberspace Affairs Commission zeigt die Bedeutung, die die Kommunistische Partei Chinas dem Bereich Cyberspace Security einräumt. Sie ist zuständig für die Sicherheit der Datennetze und -speicher, für die Erarbeitung entsprechender Standards und Vorschriften – inklusive der Regelungen für personenbezogene Daten.

    Covid-19 bringt neue Fördergelder für Digital Health

    Um die  Covid-19-Pandemie einzudämmen, setzt China auf QR-Gesundheitscodes, die zum Beispiel per Farbschema über den Gesundheitszustand eines Menschen informieren. Das und auch die zeitweise Online-Verlagerung von Arztkonsultationen und Medikamentenverschreibungen sorgen für neue Gelder für den digitalen Gesundheitsbereich. Basierend auf Erfahrungen mit der Prävention und Kontrolle in der Coronapandemie erließ die nationale Gesundheitskommission im Februar 2020 mehrere Mitteilungen zur Stärkung der IT-Infrastruktur, des vermehrten Einsatzes digitaler Dienste sowie der Standardisierung medizinischer Online-Beratungsangebote. Etwa die Hälfte der Gesundheitsversorgung habe in der Hochphase der Covid-19-Krise bereits online stattgefunden, schätzte Bruce Aylward von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Interview mit der New York Times.

    Mit Pilotprojekten zum Ziel

    Wie auch in anderen Branchen treibt das Reich der Mitte Digital Health im Rahmen von Pilotprojekten voran, die von Zentral-, Regional- sowie Lokalregierungen gefördert und finanziert werden. Digital Health gilt – durch Covid-19 umso mehr – als förderungswürdiger innovativer Wachstumssektor. So schließt beispielsweise Shanghai in seinem Ende März 2020 erlassenen Aktionsplan zur Entwicklung der Online-Wirtschaft (2020 bis 2022) explizit auch umfangreiche Anwendungen im digitalen Gesundheitswesen ein. Dazu gehören unter anderem auf Big Data und KI-gestützte Diagnoseverfahren, Online-Zahlungen für medizinische Einrichtungen sowie Telemedizin. Gleichzeitig investiert die Stadt massiv in den Ausbau der sogenannten neuen Infrastruktur (5G-Netz, Ladeinfrastruktur für Elektromobilität, Rechenzentren für Big Data, KI und Industrial Internet).

    Doch auch in ärmeren Provinzen laufen staatlich geförderte Demonstrationsprojekte. So wird in der westlichen Provinz Ningxia die Einführung und Nutzung von elektronischen Patientenakten durch medizinische Einrichtungen und Gesundheitsbehörden umgesetzt. In der Provinz Guizhou laufen außerdem Pilotprojekte zur besseren ländlichen Gesundheitsversorgung mithilfe online-gestützter Ferndiagnoseverfahren durch Spitzenkrankenhäuser. In der Provinzhauptstadt Guiyang befindet sich zudem eines von landesweit vier Datenzentren für "National Health Information".

    Wie auch in anderen Branchen setzt die chinesische Regierung beim Ausbau von Digital Health auf die koordinierte Zusammenarbeit zwischen Staat und nicht staatlichen Wirtschaftsakteuren. Dabei wird internationale Kooperation im Bereich digitale Medizin vor allem durch Unternehmen und Tech-Start-ups vorangetrieben. Dies gilt auch für die Zusammenarbeit mit Deutschland. Darüber hinaus unterzeichnete das deutsche Gesundheitsministerium mit der nationalen Gesundheitskommission Chinas 2016 eine Vereinbarung über bilaterale Zusammenarbeit im Bereich innovative Medizin. Unter anderem wird eine Vertiefung der Partnerschaft im Bereich Digital Health anvisiert. Dabei dienen Konferenzen dem bilateralen Austausch und als Plattform für innovative deutsch-chinesische Projekte.

    Von Corinne Abele | Shanghai

  • Digital Health in China: Rechtlicher Rahmen und Infrastruktur

    Das Reich der Mitte verfügt über die meisten "Digital Natives" weltweit und investiert massiv in 5G. Auch der Rechtsrahmen für Digital Health nimmt nach und nach Gestalt an.

    Infrastruktur und digitales Nutzerverhalten

    China gilt als eines der führenden Länder in der Digitalisierung. Ende 2019 zählte das Land 854 Millionen Internetnutzer. Dass 847 Millionen via Mobiltelefon ins Internet gingen, überrascht bei 1,28 Milliarden 4G-Smartphonenutzern nicht. Etwa 38 Prozent der Bevölkerung gelten als "Digital Natives"; nur Indien hat einen ähnlich hohen Anteil.

    Ein Großteil der Bevölkerung organisiert den Alltag via Smartphone. Diese digitale Affinität, bei geringen Bedenken bezüglich Datensicherheit und Schutz der Privatsphäre, schafft die ideale Grundlage für Digital Health. Der rasche 5G-Ausbau wird dies verstärken. Allein zwischen 2020 und 2030 dürften Chinas Mobilnetzbetreiber (China Mobile, China Telecom und China Unicom) knapp 361 Milliarden Euro in den 5G-Ausbau investieren. Im Oktober 2019 war 5G in 52 Städten kommerziell ausgerollt. Parallel werden Rechenzentren für Cloud-Lösungen, Internet of Things (IoT) und Big Data aufgebaut.

    Rechtlicher Rahmen und Datenverkehr

    Obwohl der rechtliche Rahmen für digitale und elektronische Gesundheitsangebote alles andere als konsistent und vollständig ist, hat sich der Sektor rasant entwickelt. Dabei lässt der Gesetzgeber in China für neue Trends und innovative Entwicklungen häufig zunächst einen rechtlich grauen Spielraum, bevor er bei aus seiner Sicht eintretenden Fehlentwicklungen eingreift. Dies macht den Marktzutritt für ausländische Anbieter häufig riskanter als für inländische. „In den bislang erlassenen Regelungstexten und Standards ist jedoch deutlich zu erkennen, dass die Digitalisierung der Gesundheit, das flächendeckende Erheben und Teilen von Gesundheitsdaten, aber auch die Sicherheit dieser Daten als ein wichtiger Baustein zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung gesehen werden“, erklärt Rechtsanwalt Philip Lazare im Gespräch mit Germany Trade&Invest.

    Freiwillige Standards als regulatorische Norm

    Der gesetzliche Rahmen für die Netzsicherheit und damit auch für das digitale Gesundheitswesen wird bislang vor allem durch vermeintlich freiwillig einzuhaltende Normen (technical standards - GB/T) geprägt. Dabei werden diese Vorgaben von den Aufsichtsbehörden tatsächlich eher als Verpflichtung denn als Freiwilligkeit gesehen. Die nationale Gesundheitsbehörde erließ zudem bereits im Juli 2018 Richtlinien betreffend Standards, Sicherheit und Dienstleistungen im landesweiten Einsatz von Big Data im Gesundheitsbereich.

    Chinas Standards und Regelungen für Digital Health

    Veröffentlichungsdatum

    Regierungsorganisationen

    Politik

    23.02.2017

    Staatliche Gesundheitskommission*

    Managementstandards zur Anwendung elektronischer Patientenakten (Testversion)

    13.09.2018

    Staatliche Gesundheitskommission*

    Nationale Standards, Sicherheits- und Service-Management von Big Data im Gesundheitsbereich (Testversion)

    14.09.2018

    Staatliche Gesundheitskommission*

    Herausgabe von drei Dokumenten zur Verwaltung von Online-Diagnosen und -Behandlungen (Testversion)

    28.04.2019

    Staatliche Gesundheitskommission*

    Nationale Standards und Normen für die Informatisierung von Einrichtungen der primären Gesundheitsversorgung

    28.02.2020

    Staatliche Krankenversicherungsbehörde, Staatliche Gesundheitskommission*

    Förderung der Übernahme von Online-Gesundheitsdienstleistungen durch die Krankenversicherung während der Covid-19-Pandemie

    *) Bis März 2018 firmierte die Staatliche Gesundheitskommission (National Health Commission) als Staatliche Kommission für Gesundheitswesen und Familienplanung (National Health and Family Planning Commission)Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Demnach bedarf die Erhebung, Verarbeitung und Speicherung von Patientendaten im Zusammenhang mit der Behandlung keiner expliziten Zustimmung des Erkrankten. Dies scheint auch das Teilen von Patientendaten auf offiziell anerkannten Plattformen, beispielsweise für Forschungszwecke und zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheitsvorsorge, zu beinhalten. Allerdings ist eine Zustimmung des Patienten notwendig, sofern die Daten an Dritte für Marketing oder andere Zwecke weitergegeben werden, so Lazare. Die Erhebung und Weiterleitung von Daten kann unter anderem im Rahmen des Gesetzes zum Seuchenschutz (jüngste Revision 2013) hingegen auch ohne Einwilligung erfolgen.

    Regeln für Internet-Krankenhäuser erlassen

    Seit September 2018 ist geregelt, welche Befugnisse Internet-Krankenhäuser haben. Gleichzeitig wurden Verwaltungsmaßnahmen für Standards und Sicherheitsvorschriften für digitale Gesundheitsdienstleistungen und Big Data erlassen. Generell können Verschreibungen von Arzneimitteln (für Standardkrankheiten und erneute Rezeptausstellungen bei chronischen Erkrankungen) sowie Telemedizin von Online-Anbietern nur in Kooperation mit lizenzierten medizinischen Einrichtungen angeboten werden. Lediglich in einem Krankenhaus niedergelassene Ärzte und Pflegepersonal können zudem Online-Diagnosen stellen.

    Cross-Border-Datentransfer unterliegt Genehmigungsvorbehalt

    Generell müssen personalisierte Daten im Gesundheitsbereich immer in China gespeichert werden. Dabei können nur chinesische Firmen Rechenzentren betreiben. Sicherheit, Datenzugang und Verschlüsselung unterliegen besonderen Vorschriften.

    Grundsätzlich unterliegt der Transfer von personenbezogenen und sogenannten „wichtigen“ Daten außer Landes laut dem seit dem 1. Juni 2017 geltenden Cybersecurity-Gesetz einer weitreichenden Überwachung. Der digitale Gesundheitssektor ist von dieser Regelung umfassend betroffen. Während es an allgemeingültigen Bestimmungen noch fehlt,  sprechen die Verwaltungsrichtlinien vom Juli 2018 bereits von einer notwendigen Sicherheitsbewertung und -prüfungvor jeder grenzüberschreitenden Übermittlung von „Big Data im Gesundheitsbereich“. Es ist nicht spezifiziert, ob dies auch auf ausreichend anonymisierte Daten im Gesundheitsbereich zutrifft.

    Elektronische Patientenakte: Zwischen Vision und Wirklichkeit

    In Umsetzung befindet sich der Aufbau von vier regionalen Plattformen zur landesweiten Erfassung und Speicherung der sogenannten "National Health Information", die letztlich verbunden werden sollen. Ziel sei es, so zitierte South China Morning Post bereits im Juni 2018 den Vorsitzenden der China Health Information and Big Data Association, für jeden Bürger ein personalisiertes Gesundheitsprofil zu schaffen. Die Daten dürften für Gesundheitsbehörden ebenfalls zugänglich sein.

    Inwieweit es bislang jedoch landesweit für Analysezwecke belastbare Patientendaten gibt, unterliegt berechtigten Zweifeln. Denn das Kernstück, die elektronische Patientenakte, nimmt nur langsam Gestalt an. Zwar ist deren Förderung seit 2009 immer wieder Gegenstand offizieller Dokumente. Doch selbst einige Spitzenkrankenhäuser können die Erfassung und den Austausch von Patientendaten innerhalb der eigenen Einrichtung bislang nicht garantieren. De facto fehlt es an IT-Infrastruktur, die jedoch inzwischen rasant aufgebaut wird. Ärzten mangelt es für die elektronische Datenerfassung zudem an Zeit und gerade in Vorzeigeinstitutionen auch am Willen, Patientendaten zu erheben, um sie mit anderen zu teilen.

    Von Corinne Abele | Shanghai

  • Digital Health in China: Marktchancen

    Die digitale Affinität von Regierung und Bevölkerung schafft ideale Marktchancen für die Entwicklung von Digital Health. Die Akzeptanz ist gleichermaßen hoch.

    Digitalisierungslösungen für bessere Ressourcenauslastung

    Digital Health ist integrierter Bestandteil von Chinas Plan, das Gesundheitssystem bis 2030 bezahlbar auf Vordermann zu bringen. Es gilt, vor allem die ungleiche Ressourcenteilung zu meistern. Hauptstadt und Megastädte verfügen zumeist über hervorragend ausgestattete Vorzeigeinstitutionen, zu denen Universitätseinrichtungen und Militärkliniken zählen. Rund 1.442 Krankenhäuser von insgesamt 2.548 Einrichtungen gehören zur obersten Klasse III. Die Versorgungssituation in kleineren Städten oder auf dem Land sieht hingegen ganz anders aus.

    Da es kein Hausarztsystem mit privaten Arztpraxen gibt, suchen Patienten selbst bei leichten Verletzungen oder Erkrankungen die Ambulanz im Krankenhaus auf – am liebsten in den Spitzenkrankenhäusern. Während Vorzeigeeinrichtungen dadurch hoffnungslos überlastet sind, gibt es in kleineren, in den Augen der Patienten und häufig auch in der Realität weniger kompetenten Krankenhäusern der Klassen II und I offene Termine und leere Betten. Darüber hinaus soll die bisherige Zweiteilung des Gesundheitssystems in westliche und traditionelle chinesische Medizin (TCM) überwunden sowie landesweit die Präventivmedizin ausgebaut werden.

    Krankenhäuser investieren in IT-Systeme

    Gemäß dem Journal of Global Health vom Februar 2019 setzen Krankenhäuser der Klassen III und II zu einem unterschiedlichen Grad "Electronic Medical Records (EMR)"-Systeme ein. Bei einigen kommt die "Hospital Enterprise Resources Planning (HERP)"-Software hinzu. In kleineren Krankenhäusern der I-Klasse und medizinischen Versorgungseinrichtungen werden hingegen in der Regel "Electronic Health Records (EHR)"-Systeme eingesetzt.

    Die Integration der Systeme ist schwierig. Ihre unterschiedliche Orientierung – internes Krankenhausmanagement versus öffentliche Gesundheit – hat unterschiedliche technische Standards, Formate sowie IT-Infrastrukturen und nicht zuletzt verschiedene Anbieter zur Folge. Der Markt ist fragmentiert und bietet damit noch Chancen. Hinzu kommt der Schutz sensibler Daten und die Einhaltung entsprechender Sicherheitsstandards. Insgesamt steht die Informatisierung der Krankenhäuser noch am Anfang. Nach Einschätzung von TMTPost müssen medizinische Einrichtungen bis 2021 jährlich etwa 1,7 Milliarden Euro investieren.

    Internet-Krankenhäuser erhalten Schub durch Covid-19

    Während der Hochphase des Covid-19-Ausbruchs wurden Tele- und Online-Medizin zeitweise zur Stütze der medizinischen Versorgung jenseits der Seuchenbekämpfung im Land. So wurde Patienten ohne Fieber und vor allem Menschen mit chronischen Vorerkrankungen der Krankenhausbesuch erspart, der teilweise nur für die Verschreibung von Medikamenten notwendig war.

    Die Akzeptanz von digitalen Gesundheitsleistungen hat damit einen erneuten Schub erfahren – und dies bei einem bereits hohen Ausgangsniveau. Nach Recherchen von McKinsey & Company setzten bereits im 1. Halbjahr 2017 rund 40 Prozent der Ärzte Online-Konsultationen ein. Allein etwa 700.000 von ihnen waren in den drei gefragtesten Plattformen für Online-Konsultationen Chunyu Yisheng, Weiyi und Haodaifu mit mehr als 20 Millionen Nutzern registriert. Inzwischen hat die Regierung die (Teil-)Erstattung einiger Online-Dienstleistungen im Rahmen der Basiskrankenversicherung ermöglicht. Die Umsetzung erfolgt regional – wie beispielsweise in Shanghai.

    In der Stadt haben inzwischen auch 13 Krankenhäuser, sowohl mit westlicher als auch traditioneller chinesischer Medizin, eine Lizenz als Internet-Krankenhaus  erhalten (Krankenhausplattformen, bei denen Dienstleistungen online erfolgen). Durch die wachsende Verbindung von Off- und Online-Leistungen dürften sich künftig in Verbindung mit KI-gestützter digitaler Medizintechnik neue Gesundheitsdienstleistungen ergeben.

    Digitalisierung in der Medizintechnik auf dem Vormarsch

    Bereits seit 2015 laufen beispielsweise auch am Xuhui Zentralkrankenhaus in Shanghai Pilotprojekte zum Einsatz von KI zur Fernauswertung und -diagnose von Computertomographie- sowie MRT-Bildern kleiner Kreiskrankenhäuser. Ebenfalls arbeitet United Imaging an der Entwicklung von KI-Applikationen bei bildgebenden Verfahren eng mit der Shanghai Jiaotong Universität zusammen. Das Unternehmen baute mit seinen Forschungspartnern weltweit das erste Zentrum für Big Data in der Präzisionsmedizin basierend auf Daten bildgebender Verfahren sowie genetischer Daten auf. Insgesamt steht der Einsatz von KI und Big Data bei der Medizintechnik zwar noch am Anfang, könnte die Branche aber komplett verändern (beispielsweise bildgebende Verfahren als Dienstleistung). Auch internationale Anbieter von Medizintechnik, wie Siemens Healthineers oder GE, investieren kräftig.

    Health Apps und Wearables sind gefragt

    Das Gesundheitsbewusstsein sowohl von der älteren als auch der jüngeren Bevölkerung, die sich verstärkt um Umwelteinflüsse, Stress und ungesunden Lebenswandel sorgt, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. "Care Management Solutions" wie smarte Armbänder oder Armbanduhren, die Gesundheitsdaten des Trägers erheben, auswerten und Empfehlungen erstellen, sind daher im digitalaffinen China sehr beliebt. Bedenken bezüglich der Sicherheit der erhobenen Daten gibt es dabei selten. Die häufig umfangreichen Nutzungsrechte werden laut Statista.com von den Nutzern, von denen fast zwei Drittel zwischen 25 und 44 Jahre alt sind, in der Regel akzeptiert.

    Zusätzlich finden sich Fitness-Tracker inzwischen auf jedem Smartphone schon in den Voreinstellungen oder werden als App installiert. Laut Prognosen von Statista.com dürfte die Durchdringungsrate von Fitness-Wearables im Reich der Mitte von derzeit rund 11,6 Prozent (168,3 Millionen Nutzer) auf 9,2 Prozent (134,6 Millionen Nutzer) im Jahr 2023 sinken. Allein 2019 lieferte die Volksrepublik 99 Millionen Wearables (Armbänder, Uhren, Kopfhörer) und damit 37 Prozent mehr als im Vorjahr. In diesem Bereich zählen chinesische Unternehmen Huawei, Xiaomi und Huami zu den weltweit führenden innovativen Firmen.

    Von Corinne Abele | Shanghai

  • Digital Health in China: Marktzugang und Wettbewerb

    Staat und Privatwirtschaft arbeiten eng zusammen; Internetgiganten formen ein Ökosystem. Für ausländische Anbieter ist China ein chancenreicher, aber schwieriger Markt.

    Gesundheitswirtschaft als Public-Private-Partnership-Projekt

    Die Entwicklung der digitalen Gesundheitswirtschaft erscheint in China häufig als großes Public-Private-Partnership-Projekt. Zwar zeigt man sich für Input aus dem Ausland offen. Dabei ist prinzipiell jede internetbasierte Dienstleistung (mit Ausnahme des reinen Onlinehandels) für ausländisches Investment verschlossen oder nur mit rechtlich fraglichen Workarounds zugänglich. Aus der digitalen Dominanz großer Internetgiganten und dem nach wie vor staatlich dominierten Gesundheitssektor hat sich eine Gemengelage entwickelt, die den Marktzutritt sowie nachhaltigen Erfolg für ausländische Anbieter er­schwert.

    Hinzu kommen umfangreiche Anforderungen zur Zertifizierung und Genehmigung von Gesundheitsprodukten, unter die auch viele Lösungen von Digital Health fallen. Gleichzeitig sind angeführte datenschutzrechtliche Vorschriften und Einschränkungen zu beachten. Der einem Genehmigungsvorbehalt unterliegende transnationale Transfer personenbezogener Daten schafft Wettbewerbsnachteile. Prinzipiell müssen in China erhobene Gesundheitsdaten im Land gespeichert werden, wobei Kunden- und Verschlüsselungsdaten auf Aufforderung – beispielsweise zur Terrorismusbekämpfung – an zuständige Behörden herauszugeben sind.

    Drei große digitale Giganten formen das Ökosystem im Gesundheitsbereich: Alibaba (mit AliHealth, AliYun, Doctor You), Tencent und der privatwirtschaftliche Versicherungskonzern mit guten staatlichen Verbindungen Ping An. Auch der E-Commerce-Gigant JD.com (B2C- und B2B-Arzneimittelverkauf) oder der Suchmaschinenanbieter Baidu (Online-Gesundheitsdienstleistungen) sind früh in die digitale Gesundheitswirtschaft eingestiegen. Heute decken die Anbieter mit unterschiedlichen Schwerpunkten nahezu alle Segmente von Digital Health ab.

    Digital Health-Angebote von Chinas Internet- und Versicherungsgiganten

    Online-Diagnose und -Behandlung

    Patientenbetreuung

    Assistenzsystem für Arzt

    Arzneimittel

    Triage & Registrierung

    Online-Krankenhaus

    Online - Beratung

    Patientenverwaltung

    Krankenversicherung

    Fachwissen/Fortbildung


    KI-Assistenzsystem

    Medikamenten-Tracking

    Medikamentenverteilung

    Tencent

    X

    X

    X

    X

    X

    X

    X

    X

    Alibaba

    X

    X

    X

    X

    X

    X

    X

    X

    Ping An

    X

    X

    X

    X

    X

    X

    Quelle: McKinsey & Company; Recherchen von Germany Trade & Invest

    Internetgiganten prägen digitales Ökosystem

    So ist Ping An Healthcare and Technology (besser bekannt als Ping An Good Doctors) mit seinem Online-Angebot zum Gesundheitsmanagement 2018 in Hongkong an die Börse gegangen. Mit der führenden Plattform für Krankenversicherungsdienstleistungen (Ping An Yibao Keji) erreicht der Anbieter nach eigenen Angaben über 800 Millionen Kunden in mehr als 200 Städten. Außerdem hat der Versicherungskonzern das Start-up Grab mitgegründet, um One-Stop-Digital-Health-Dienstleistungen in Südostasien anzubieten. Ping An arbeitet intensiv an KI-basierten diagnostischen Lösungen.

    Auch Alibaba gründete 2014 seine Gesundheitssparte Alibaba Health (kurz: AliHealth), in die der Anbieter 2015 seine Online-Plattform für Medikamente "yao.tmall.com" eingliederte. AliHealth bietet damit pharmazeutischen Online-Handel, Internet-Healthcare (Online-Konsultationen und Medikamentenverschreibung) sowie ein Tracking-System für Medikamente an. Seit Anfang März 2020 erreichen die angebotenen Online-Covid-19-Beratungen auch im Ausland lebende Patienten. Bezahlt wird über die App Alipay. Internationale Pharmakonzerne wie Merck, Pfizer, AstraZeneca oder Sanofi verfügen gemäß der Informationsplattform AsiaOne bereits über strategische Partnerschaften mit AliHealth.

    Der große Dritte ist Tencent, der Betreiber von WeChat und einer der führenden Anbieter von Videogames weltweit. Sein Start-up WeDoctor Healthcare verbindet über 2.700 Krankenhäuser, kann 220.000 Ärzte erreichen und zählt 27 Millionen aktive Nutzer. WeDoctor verfügt über vier digitale Geschäftsfelder: Gesundheitswesen, Cloud, Versicherung und Pharmazie. Bereits 2018 wurde Tencent vom Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MOST) mit der landesweiten KI-Plattform für medizinische Bildgebung (National Artificial Intelligence Open Innovation Platforms) beauftragt.

    Die Internetriesen finanzieren chinesische Start-ups im Bereich Digital Health. Die Bandbreite ist enorm: von KI-gestützter Diagnosesoftware, mobilen One-Stop-Plattformen für Krebspatienten, Gesundheitsdienstleistungen im Online-Format bis hin zur Impfstoffentwicklung. Die Website "tracxn.com" führte im September 2019 allein in China knapp 1.000 Healthtech-Start-ups auf. Rund 42,8 Milliarden US-Dollar an Risikokapital flossen 2018 laut McKinsey & Company als vorläufiger Spitzenwert in Chinas Healthcare-Sektor. Im Jahr 2019 gab es eine Abflachung; für 2020 sind die Aussichten bestenfalls gemischt.

    Markt auch für deutsche Start-ups im Bereich Healthtech interessant

    Der chinesische Markt bleibt für deutsche Healthtech-Start-ups interessant. Aufgrund erforderlicher Zertifizierungen und Datenschutzregelungen ist er jedoch schwieriger als andere Bereiche. Es gibt Erfolgsbeispiele. Selten sei jedoch, so Martin Gothe, Partner des Business- und Innovations-Hub Deutschland-China, dass in Deutschland entwickelte Lösungen 1:1 auf den chinesischen Markt zu übertragen sind. Über Neuerungen im Bereich Zulassung und Zertifizierung von Medikamenten und medizintechnischen Geräten in der Volksrepublik berichten laufend die Newsletter MedtechUpdate China und PharmaUpdate China der Exportinitiative Gesundheitswirtschaft, die Germany Trade & Invest im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums umsetzt.

    Für Chinas Internetriesen und Start-ups im Sektor Healthtech können internationale und deutsche Pharma- und Medizintechnikfirmen interessante Partner sein. Führende deutsche Anbieter in den beiden Bereichen mit Sitz in der Volksrepublik kooperieren bereits mit Healthtech-Erweiterungen der chinesischen Versicherungsriesen. So arbeitet das Unternehmen Merck mit Alibaba im Bereich Rückverfolgbarkeit von Medikamenten, E-Commerce, Patientenbildung und Online-Beratung zusammen. Im Dezember 2019 vereinbarte die Firma mit Ping An Good Doctor, bei der Etablierung einer One-Stop-Gesundheits-Onlineplattform strategisch zu kooperieren. Siemens Healthineers Greater China unterzeichnete 2019 mit Tencent Medical, Deepwise, Infervision und ZHU zudem ein Memorandum of Understanding zur Weiterentwicklung eines Ökosystems zu Digital Health in China, in das es seine offene digitale Gesundheitsplattform Teamplay einbringen möchte.

    Von Corinne Abele | Shanghai

  • Digital Health in China: Ausblick

    China will Big Data und KI im Gesundheitssektor stärker nutzen. 

    Als integrierter Bestandteil seiner langfristigen Strategie "Healthy China 2030" will die Volksrepublik die Nutzung von Big Data und  KI im Gesundheitssektor weiter vorantreiben. Experten gehen davon aus, dass auch die bislang schwierige Umsetzung der elektronischen Patientenakte und landesweit verbundener Datenbanken in den nächsten drei bis fünf Jahren deutliche Fortschritte machen dürfte. Einige Branchenkenner erwarten in den nächsten Jahren eine noch stärkere Zusammenarbeit zwischen privaten Internet- sowie Versicherungsgiganten und dem Staat. Ausländische Anbieter von Lösungen, Software oder Medizintechnik müssen sich auf dieses spezifische Ökosystem einstellen.

    Gesundheits-Apps und Wearables gewinnen an Bedeutung

    Bereits jetzt gilt Chinas Bevölkerung als digital aufgeschlossen. Der Trend wird sich mit dem Heranwachsen der Generation Z und ihres bislang geringen Bedürfnisses nach Datenschutz und Privatsphäre weiter verstärken. Zusätzlich wirkt die Covid-19-Pandemie als Katalysator. Einsatz und Nutzung von Wearables, Gesundheits-Apps und QR-Codes müssen daher weitergedacht werden als in Europa. So hat beispielsweise Huami, der enge Kooperationspartner von Xiaomi im Wearables-Bereich, 2019 als erste Firma ein smartes Armband entwickelt, das neben der Erfassung zahlreicher biometrischer Daten auch das Anlegen eines Elektrokardiogramms ermöglicht.

    Gerade im Reich der Mitte könnten solche Apps und Wearables künftig als wichtiges Instrument zur Gesundheitsprävention und Seuchenbekämpfung eingesetzt werden. In Hangzhou, dem Hauptsitz des Internetriesen Alibaba, hat die Stadtregierung Ende Mai 2020 bereits einen erweiterten Einsatz von QR-Gesundheitscodes ins Spiel gebracht, die zur Covid-19-Kontrolle entwickelt wurden. Diese informieren zum Beispiel per Farbschema über den Gesundheitszustand des Handynutzers. Auch werden Wearables in der Volksrepublik schneller mit mobilen Zahlungssystemen verbunden, wodurch sich neue Anwendungen wie der Medikamentenkauf ergeben. Inwieweit sie sich jedoch gegenüber den Gesundheits-Apps der 5G-Smartphones behaupten können, bleibt abzuwarten. Außerdem dürften künftig Informationssysteme in Chinas zunehmend autonom fahrenden Pkw eine wachsende Rolle für digitale Gesundheitsangebote spielen.

    Zunehmende Erstattung von Digital-Health-Dienstleistungen

    Bereits jetzt sind erste rechtliche Grundlagen für die (Teil-)Erstattung von online erbrachten Gesundheitsdienstleistungen im Rahmen von Chinas Basiskrankenversicherung gelegt. Künftig werden noch mehr digitale Leistungen erstattet werden können. Vor allem für große Versicherer wie Ping An sind die durch Digital Health erwachsenden Möglichkeiten enorm. Sie verfügen über große Mengen an Patientendaten und beherrschen das traditionelle Versicherungsgeschäft der Risikoanalyse. Durch den Einsatz von Big Data und KI sowie die Bündelung verschiedener Angebote können sie Patienten durch spezifische Dienstleistungen stärker an sich binden. Die Zusammenarbeit mit großen Versicherern dürfte auch für Anbieter von Medizintechnik – neben der Anpassung an das durch die großen Internetfirmen vorgegebene Ökosystem – immer wichtiger werden.

    Es ist zu erwarten, dass in China mehr digitale Gesundheitslösungen möglich sein werden als anderswo. Ausländische und deutsche Unternehmen können dies nutzen, sei es im Rahmen von Pilotprojekten zur Gewinnung von Daten für KI-gestützte Lösungen oder als Absatzmarkt für in der Regel mit chinesischem Partner adaptierte Produkte. Der Transfer von nicht ausreichend anonymisierten, sensitiven und personenbezogenen Daten (wie Gesundheitsdaten) außer Landes unterliegt einem Genehmigungsvorbehalt. Unter bestimmten Umständen muss den zuständigen Behörden zudem Datenzugriff eingeräumt werden. Diese Faktoren dürften das Engagement ausländischer Firmen künftig begrenzen.

    Anhaltender Konflikt zwischen China und USA verändert Start-up-Szene

    Der zunehmend eskalierende Handels- und Technologiekonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik wird die chinesische Start-up-Szene im Bereich Healthtech in vielerlei Hinsicht bremsen und möglicherweise auch verändern. Risikokapital aus den USA dürfte weiter abnehmen, gleichermaßen auch die Investitionen chinesischer Firmen in Start-ups in den Vereinigten Staaten. Gemeinsame Innovationsprojekte werden schwieriger. So verbot beispielsweise das Committee on Foreign Investment in the United States (CIFUS) im April 2019 die Mehrheitsbeteiligung von iCarbonX an der US-Gesundheitsdatenfirma PatientsLikeMe.

    Je brisanter der Konflikt zwischen den USA und dem Reich der Mitte verläuft, desto größer wird die Attraktivität Europas und Deutschlands als Innovationspartner, beispielsweise durch Zusammenarbeit, Firmenbeteiligung oder -übernahme, und als Markt für digitale Gesundheitsleistungen. Angesichts der wachsenden Beschränkungen vor allem in den Vereinigten Staaten dürften Chinas große Internetfirmen verstärkt in Start-ups im eigenen Land investieren. Dadurch könnte sich die Herausbildung eines china-spezifischen digitalen Ökosystems im Gesundheitsbereich beschleunigen. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass die großen Internet- und Versicherungsanbieter sowie ambitionierte Start-ups mit einigen Dienstleistungen auch nach Europa und Deutschland gehen werden.

    Im Hinblick auf digitale Gesundheitsdienstleistungen der Zukunft sollten gerade in China Entwicklungen im Bereich genetischer Medizin nicht außer Acht gelassen werden. Mit der in Shenzhen ansässigen BGI Group, die aus dem staatlich unterstützten Beijing Genomics Institute hervorging, verfügt die Volksrepublik über einen der größten Anbieter von DNA-Screening und entsprechenden Maschinen. Außerdem betreibt BGI eine der größten Gen-Datenbanken weltweit. Gestützt auf ein gewaltiges, zugängliches Datenmaterial, KI und Big Data hat das Reich der Mitte die personalisierte Gesundheitsversorgung der Zukunft im Visier. Noch ist es weitgehend eine Vision, doch Staat und Wirtschaft arbeiten bereits an ihrer Verwirklichung.

    Von Corinne Abele | Shanghai

  • Kontaktadressen

    Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest/China

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK China 

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Exportinitiative Gesundheitswirtschaft

    Portal der Exportinitiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

    National Health Commission

    Entstanden aus dem Gesundheitsministerium

    Ministry of Industry and Information Technology (MIIT)

    Ministerium für Industrie und Informationstechnologie

    National Development and Reform Commission (NDRC)

    Kommission für Entwicklung und Reform

    National Medical Products Administration (NMPA)

    Zulassungsbehörde für Arzneimittel und Medizintechnik unter der State Administration for Market Regulation (SAMR)

    Center for Medical Device Evaluation (CMDE) unter NMPA

    Zertifizierungsstelle für Medizintechnik

    China eHealth EXPO

    Jährliche internationale Messe für intelligente Gesundheitsfürsorge in Shenzhen

    Beijing International Wisdom Medical Exhibition

    Jährliche internationale Messe für intelligente Gesundheitsfürsorge in Beijing

nach oben
Feedback

Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.