RF_Getty_622853146_RZ_1340x754 RF_Getty_622853146_RZ_1340x754 | © Bangkok, Thailand - Blick auf das Sieg-Denkmal das große militärische Denkmal in Bangkok |© Getty Images/Pakphipat Charoenrach

Special Thailand Coronavirus

Thailand hat Covid-19 besiegt, aber die Wirtschaft leidet stark

Die Konjunktur hängt vom Tourismus und dem Außenhandel ab. Industrie, Dienstleistungen, Konsum und Investitionen schrumpfen. Einige Branchen erholen sich langsam von dem Schock. 


  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Das Coronavirus schadet der Wirtschaft erheblich. Unternehmen und Verbraucher stellen sich auf eine lange Krise ein. (Stand: 18. September 2020)

    Thailand erwartet den stärksten Konjunktureinbruch in Südostasien

    Das Büro des thailändischen Think Tanks National Economic and Social Development Council meldet, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Thailand im 1. Quartal 2020 preisbereinigt um 2 Prozent und im 2. Quartal 2020 um 12,2 Prozent jeweils zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen sei.

    Die BIP-Prognosen verschiedener Konjunkturforscher für das Gesamtjahr 2020 liegen nun zwischen minus 8 und minus 6 Prozent. Die Asiatische Entwicklungsbank (Asian Development Bank (ADB)) prognostizierte am 15. September 2020 in ihrem Bericht Asian Development Outlook, dass das BIP 2020 um 8 Prozent schrumpfen werde.

    Die ADB gibt damit den negativsten Ausblick unter den südostasiatischen Ländern für Thailand ab. Fachleute befürchten, dass sich eine verstärkende Krise mit fallenden Konsumausgaben, sinkenden Investitionen und mit steigender Arbeitslosigkeit abzeichnet.

    Die Forschungsabteilung der Bank Krungsri meint, dass derzeit nur ein Drittel der Unternehmen finanziell gesund sei. Auch die thailändische Zentralbank befürchtet, dass Firmen und Verbraucher ihre Kredite nicht mehr bedienen können.

    Die Banken helfen daher bei Umschuldungen. Die ADB bezeichnet den Finanzmarkt als robust. Staat und Banken seien mit genügend Reserven ausgestattet, um die Rezession wenigstens abzumildern und einen Aufschwung zu stützen.

    Die ADB prognostiziert ferner, dass die Wirtschaft schon 2021 wieder wachsen werde, um 4,5 Prozent. Andere Fachleute erwarten erst 2022 eine Rückkehr auf einen normalen Wachstumspfad. Erneute Unterbrechungen von Lieferketten, sich verschärfende Handelskonflikte sowie weitere Covid-19 Wellen könnten die ersehnte Erholung gefährden.

    Abschottung, um Erfolge gegen Covid-19 nicht aufs Spiel zu setzen

    Thailand rangiert im Länderrating des globalen Covid-19 Recovery Index unter den fünf Top-Nationen. Das Department of Disease Control stellt neue Infektionen fast nur noch unter den wenigen Personen fest, die aus dem Ausland ins Land reisen dürfen.

    Die Erfolge bei der Bekämpfung von Covid-19 sind beachtlich und veranlassten die Regierung bereits ab Mitte Mai 2020, Einkaufszentren, Restaurants und Geschäfte wieder öffnen zu lassen. Auch der inländische Flugverkehr hebt nun wieder ab.

    Normaler Alltag, etwas bessere Stimmung

    Das Geschäftsleben und der Alltag laufen wieder normal. Das Geschäftsklima unter den Unternehmern und die Stimmung unter den Verbrauchern haben sich deshalb von ihren Tiefstständen im April 2020 leicht erholt. Sie liegen aber noch unter den Umfragewerten vor Beginn der Coronakrise.

    Die Regierung hatte am 26. März 2020 einen nationalen Ausnahmezustand ausgerufen und verlängert ihn seitdem monatlich. Premierminister Prayut Chan-o-cha und das für die Covid-19 Gegenmaßnahmen zuständige Centre for Covid-19 Situation Administration (CCSA) bestimmen seitdem unter anderem über Quarantänevorschriften und Einreiseverbote.

    Die Außengrenzen sind seit dem 21. März 2020 für den Personenverkehr weitgehend geschlossen. Weil Touristen und Geschäftsreisende keine Einreisevisa erhalten, leiden wichtige Dienstleistungsbranchen wie der Tourismus oder das Messewesen.

    Tourismus bleibt die Achillesferse

    Viele Hotels, Resorts, ihre Eigentümer und Angestellten bangen um ihre Zukunft. Im Jahr 2020 dürfte der internationale Tourismus um mindestens zwei Drittel schrumpfen. Knapp 40 Millionen ausländische Touristen trugen 2019 direkt und indirekt circa 20 Prozent zum BIP bei. Sie gaben rund 67 Milliarden US-Dollar (US$) in Thailand aus.

    Das Centre for Covid-19 Situation Administration möchte ab Oktober 2020 zwar wieder ausländische Touristen ins Land lassen. Diese sollen dann aber für zwei Wochen eine Quarantäne in einem Hotel verbringen. Daher werden wohl nur Gäste, die einen längeren Aufenthalt planen, wieder das Land bereisen.

    Die inländischen Touristen gaben 2019 ebenfalls beachtliche 36 Milliarden US$ in ihrer Heimat aus. Das Finanzministerium kurbelt seit Juli 2020 den Binnentourismus über Zuschüsse bei Hotelbuchungen und Flugreisen an, denn die Verbraucher verfügen wegen steigender Arbeitslosigkeit und Kürzungen von Gehältern über geringere Einkommen.

    Die Deutsch-Thailändische Handelskammer und Germany Trade & Invest berichten auf der Webseite Covid-19 Update über staatliche Hilfsmaßnahmen. Die Sonderseite verlinkt auch zu staatlichen Stellen und weiteren Informationsquellen.

    Von Thomas Hundt | Bangkok

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung in Thailand

    Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung in Thailand

    Nur bestimmte Personengruppen dürfen Einreiseanträge stellen. Der Aufwand ist beträchtlich. Der Quarantäneaufenthalt muss vor der Einreise bezahlt werden. (Stand: 14.10.2020)

    Die thailändische Regierung limitiert und kontrolliert Einreisen streng. Sie dürfte die straffen Regelungen noch lange aufrechterhalten. Der Sieg über das Coronavirus soll nicht gefährdet werden, denn das zuständige Amt für Seuchenbekämpfung stellt neue Covid-19-Fälle nur unter Einreisenden aus dem Ausland fest. In- und Ausländer durchlaufen nach der Einreise eine strenge, obligatorische Quarantäne.

    Aktuelle Informationen zu Einreisebeschränkungen

    Derzeit keine Touristen- und Geschäftsreisevisa

    Touristen und Geschäftsreisende erhalten derzeit keine Visa und können keine Einreiseanträge stellen. Die thailändische Regierung diskutiert aber über ein Special Tourist Visa für Touristen aus Ländern, die keine Risikogebiete sind. 

    Die aktuelle Liste der Personengruppen, die einen Antrag auf Einreise stellen dürfen, ist limitiert:

    • Thailändische Staatsbürger und Staatsbürgerinnen
    • Ausländische Ehepartner, Kinder und Eltern thailändischer Staatsbürger
    • Ausländer mit einer thailändischen Wohnsitzbescheinigung
    • Ausländer mit einem Jahresvisum (Kategorien O-A und O-X)
    • Ausländer, die eine Arbeitsgenehmigung haben, ihre Ehepartner und Kinder
    • Gastarbeiter mit einer Arbeitsgenehmigung und einem Aufenthaltsvisum
    • Ausländische Studenten und Studentinnen mit einer behördlichen Genehmigung
    • Ausländer, die medizinische Behandlung benötigen, und ihre Begleitpersonen
    • Diplomaten, Repräsentanten ausländischer Regierungen
    • Personen mit Sondergenehmigungen oder auf Sondereinladung

    Bürokratische und praktische Hürden vor der Einreise

    Die Personen müssen ihrem Einreiseantrag bei der thailändischen Botschaft oder dem Generalkonsulat folgende Dokumente beifügen: Krankenversicherungsnachweis für die Aufenthaltsdauer, der Covid-19-Behandlungen in Thailand deckt; Buchungsnachweis in einem Quarantänehotel; Visum und weitere Nachweise je nach Personengruppe. Die thailändische Botschaft oder das Generalkonsulat stellen ein Einreisezertifikat (Certificate of Entry) aus, und am Flughafen muss vor Abflug zudem ein Attest für Flugtauglichkeit (nicht älter als 72 Stunden) sowie ein negativer Covid-19 RT-PCR-Test (nicht älter als 72 Stunden) vorliegen.

    Ausländer können seit dem 16. Oktober 2020 bei bestimmten Fluggesellschaften kommerzielle Flüge nach Thailand buchen. Dazu gehören die Flüge von Lufthansa, SWISS und Austrian Airlines. Auch eine spätere Rückreise nach Deutschland kann problemlos über die zahlreichen Angebote kommerzieller Fluggesellschaften erfolgen.  

    Mehr als zwei Wochen Quarantäne auf eigene Kosten

    Einreisende werden nach Ankunft am Flughafen in Fahrzeugen mit Isolierzellen abgeholt. Diese bringen die Inländer direkt in eine 15 Nächte dauernde, kostenfreie Quarantäne. Ausländer und die Thailänder, die es sich leisten wollen, werden in eines der alternativen, kostenpflichtigen Quarantänehotels gefahren. Ausländer müssen die alternative Quarantäne bereits vor der Einreise buchen.

    Mitte Oktober 2020 waren für die alternative Quarantäne 90 Einrichtungen in Bangkok und außerhalb der Hauptstadt lizenziert. Die sogenannten Alternative State Quarantine (ASQ) Hotels haben ihre Zimmer nach den ASQ-Hygienevorschriften umgebaut, kooperieren mit einem Krankenhaus und haben das Personal für die Quarantäne geschult. Die ASQ-Hotelliste und Preise für die Unterkunft sind unter http://www.hsscovid.com abrufbar.

    Ausländer können sich nach der Quarantäne innerhalb des Landes frei bewegen. Die thailändischen Fluggesellschaften haben zahlreiche Inlandsverbindungen wieder aktiviert. Bei Überlandfahrten mit Bussen und Pkw sind Gesundheitskontrollen aufgehoben. Falls Coronafälle wieder auftreten, werden Behörden die betroffen Regionen aber schnell absperren, um eine Verbreitung zu verhindern.

    Schutzmaßnahmen auch während des Aufenthalts einhalten

    Eine Maskenpflicht gilt in Geschäften, Gebäuden, Parks, Museen, Verkehrsmitteln und in Taxis. In Bangkok tragen die meisten Menschen auch auf der Straße freiwillig einen Mund-Nasen-Schutz. Darüber hinaus halten die Bürger die Abstandsregeln möglichst ein. In Gebäuden sind die Abstände deutlich markiert.

    An den Eingängen von Gebäuden oder Parks werden die Körpertemperaturen kontaktlos gemessen. Personen müssen sich zudem an vielen Orten vor dem Zutritt mit ihrem Namen und ihrer Telefonnummer registrieren. Dies erfolgt entweder handschriftlich oder über einen QR-Code, den das Smartphone der Besucher einliest. Der Code führt auf eine nationale Webseite oder eine vorinstallierte App zur Kontaktverfolgung. Diese heißt Thai Chana, übersetzt "Thailand gewinnt".

    Von Thomas Hundt | Bangkok

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Die thailändische Regierung gewährt umfangreiche Hilfen. Sie erhöht Sozialleistungen und entlastet Unternehmen. Die Zentralbank sorgt für Liquidität. (Stand: 17. August 2020)

    Maßnahmen zur unmittelbaren Bewältigung der Krise

    Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) schätzt, dass die Arbeitgeber in Thailand wegen der Pandemie 6,6 Millionen bis 7,5 Millionen Beschäftigten Löhne und Gehälter kürzen oder sie sogar entlassen müssen. Ein staatliches Kurzarbeitergeld gibt es nicht. Allerdings wenn der Staat anordnet, dass ein Unternehmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie temporär schließen muss, zahlt der Social Security Fund dessen sozialversicherten Arbeitnehmern 62 Prozent des Lohns für maximal 90 Tage. Berechnungsgrundlage ist der Monatslohn bis zu 15.000 Baht (circa 480 US$). 

    Unternehmen, die unter Rückgängen von Einnahmen leiden, vereinbaren mit ihren Beschäftigten kürzere Arbeitszeiten bei geringeren Löhnen und Gehältern. Der Labour Relations Act von 1975 erfordert dafür eine schriftliche Zustimmung. Betriebe entlassen auch Teile ihrer Belegschaft. Das Social Security Office zahlt seit April 2020 Arbeitslosen 70 Prozent statt 50 Prozent des Monatslohns für 200 Tage, maximale Bemessungsbasis auch hier 15.000 Baht. Kündigt der Arbeitnehmer, erhöht die Sozialversicherung das Arbeitslosengeld von bisher 30 Prozent auf 45 Prozent des Monatslohns für maximal 90 Tage.

    Jede zweite Arbeitskraft arbeitet ohne festen Vertrag und ist damit nicht gegen einen Jobverlust abgesichert. Freischaffende Hilfskräfte, die wegen der Krise ohne Beschäftigung sind, erhielten für drei Monate eine monatliche Sozialhilfe von umgerechnet 152 US$. Über 28 Millionen Personen hatten sich registriert, davon erfüllten 13 Millionen die Voraussetzungen. Die Bank for Agriculture and Agricultural Cooperatives zahlte außerdem an Haushalte, die in der Landwirtschaft tätig sind, die dreimonatige Sozialhilfe.

    Zentralbank will für Liquidität sorgen

    Die thailändische Krungsri Bank schätzt, dass von der Krise betroffene Unternehmen staatliche Liquiditätshilfen von mehr als 50 Milliarden US$ benötigen werden. Insbesondere Firmen aus der Gastronomie, Personenverkehr sowie Fluggesellschaften sind in Zahlungsschwierigkeiten.

    Die Zentralbank Bank of Thailand (BOT) und Geschäftsbanken versprechen, dass sie für ausreichende Liquidität sorgen werden. Firmen und Haushalte in finanziellen Schieflagen können Kreditlaufzeiten verlängern und Umschuldungen vereinbaren. Die BOT erlaubt Unternehmen, deren Kredite 3 Millionen US$ nicht übersteigen, ihre Zins- und Tilgungszahlungen für sechs Monate auszusetzen. Geschäftsbanken können an kleine und mittlere Unternehmen, unter bestimmten Voraussetzungen, zweijährige Softloans mit einem Zinssatz von 2 Prozent vergeben. Die BOT bürgt hier für 70 Prozent der Kreditsumme. Marktübliche Zinsen sind 6 bis 10 Prozent.

    BOT und das Finanzministerium befürchten, dass Großunternehmen in Schieflagen geraten können. Aktiengesellschaften haben Unternehmensanleihen von rund 110 Milliarden US$ ausgegeben, die sie refinanzieren müssen. BOT und Finanzministerium gründen deshalb einen 12 Milliarden US$ Fonds zur Stabilisierung von Unternehmensanleihen, die 2020 und 2021 fällig werden.

    Maßnahmen zur wirtschaftlichen Wiederbelebung

    Die Wirtschaftskrise zeichnete sich früh ab, und die Regierung verabschiedete bereits am 10. März 2020 ein erstes Hilfspaket in Höhe von12 Milliarden US$. Das Kabinett schob zwei Wochen später ein Paket im Umfang von 3,4 Milliarden US$ nach. Das dritte und größte Programm vom 8. April 2020 sieht 58 Milliarden US$ vor. Dies entspricht satten 12 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP).

    Staat entlastet Unternehmen

    Unternehmen bezahlen vom 1. April bis 30. September 2020 einen von 3 Prozent auf 1,5 Prozent reduzierten Satz der Quellensteuer (Withholding Tax). Der Satz gilt gemäß der Verordnung 361 des Finanzministeriums vom 30. März 2020 aber nur für bestimmte Leistungen wie Honorare, Makler- und Anwaltsgebühren, Kommissionen, Zahlungen für Urheberrechte, Architektur- und Ingenieurleistungen sowie Auftragsarbeiten. Vom 1. Oktober 2020 bis 31. Dezember 2021 fallen 2 Prozent an, wenn Zahlungen über das elektronische Quellensteuersystem erfolgen.

    Der Arbeitgeberanteil des Beitrages zur Sozialversicherung sinkt von März bis August 2020 von 5 auf 4 Prozent. Der Arbeitnehmeranteil wurde von März bis Mai 2020 auf 1 Prozent und von Juni bis August 2020 auf 4 Prozent gesenkt. Arbeitgeber können beide Anteile zudem drei Monate später als üblich abführen. 

    Die Behörden verlängern die Abgabefristen der Steuererklärungen von natürlichen und juristischen Personen. Betriebe dürfen auch ihre Bilanzen und Anträge auf Steuerbefreiungen später abgeben und ihre Hauptversammlungen verschieben. 

    Firmen mit weniger als 200 Beschäftigten können, unter bestimmten Voraussetzungen, Zinszahlungen für Kredite von der Steuer abziehen. Sie können auch die dreifachen Löhne der Beschäftigten, die weniger als 15.000 Baht (circa 480 US$) verdienen, von der Steuer absetzen, wenn der Betrieb die gleiche Zahl an Mitarbeitern beschäftigt wie im Dezember 2019.

    Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen

    Das Finanzministerium möchte von 2020 bis 2027 rund 35 Milliarden US$ an Public-Private-Partnership Projekten realisieren. Viele Vergaben und Baustarts verzögern sich allerdings.

    Zugang zu Fördermitteln für deutsche Firmen

    In- und ausländische Investoren können bei der Investitionsförderstelle Board of Investment of Thailand (BOI) weiterhin umfangreiche Befreiungen von Steuern und Einfuhrabgaben beantragen. Der BOI hat die Antragsverfahren wegen der Pandemie vereinfacht.

    Die Zentralbank vergibt ihre Covid-19-Förderkredite jedoch nur an thailändische Firmen.

    Öffentliche Verschuldung

    Das Finanzministerium strukturiert den Haushalt neu und nimmt wegen Covid-19 rund 30 Milliarden US$ an zusätzlichen Schulden auf. Die Staatsschulden werden nach Berechnungen der Behörde Public Debt Management Office von 41 Prozent 2019 auf verkraftbare 57 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2021 steigen.

    Von Thomas Hundt | Bangkok

  • Coronavirus und Recht

    Coronavirus und Recht

    Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus betrifft Staaten weltweit. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind enorm. Auch rechtliche Fragen stehen im Fokus.

    Die durch die Covid-19-Pandemie von allen betroffenen Ländern veranlassten Beschränkungen belasten Unternehmen stark. Dies gilt in hohem Maße auch für Vertragsbeziehungen zwischen deutschen Unternehmen und ihren thailändischen Geschäftspartnern. Was tun, wenn Verträge nicht mehr wie vereinbart erfüllt werden können? Liegt bei der Pandemie ein Fall „höherer Gewalt" vor? Und wann ist eine Berufung auf „höhere Gewalt“ möglich?


    Was regelt der Vertrag?

    Spätestens wenn Probleme entstehen, ist es sehr wichtig, zu ermitteln, nach welchem Recht die Verträge beurteilt werden, die Sie mit Geschäftspartnern aus einem anderen Land geschlossen haben.

    Wichtigster Grundsatz hierbei: Als Erstes sollten Sie den betroffenen Vertrag gründlich studieren. Häufig wird eine Rechtswahlklausel enthalten sein. Und in den allermeisten Fällen wird diese Rechtswahl von den relevanten Rechtsordnungen und Gerichten auch akzeptiert werden. Übrigens: Falls es keine Rechtswahlklausel gibt, kann eine solche in aller Regel nachträglich ergänzt werden.

    Bitte achten Sie auf eine Besonderheit für Kaufverträge: Wenn in einem Kaufvertrag mit einem ausländischen Vertragspartner die Geltung des deutschen Rechts vereinbart ist, gilt nicht deutsches Recht, sondern UN-Kaufrecht (United Nations Convention on Contracts for the International Sale of Goods - "CISG"). Der Grund hierfür ist, dass deutsches Kaufrecht für internationale Kaufverträge auf das UN-Kaufrecht verweist. Das Kaufrecht des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) gilt nur dann, wenn ausdrücklich deutsches Recht unter Ausschluss des UN-Kaufrechts vereinbart ist.

    Aber was passiert, wenn keine Rechtswahlklausel vereinbart ist? Wenn ein innereuropäischer Sachverhalt vorliegt, spricht sehr viel dafür, dass die sogenannte Rom-I-Verordnung das anwendbare Recht bestimmt (weitere Informationen hierzu unter „Covid-19 und B2B-Verträge: Welches Recht gilt für meinen Vertrag?“).


    Verträge mit Geschäftspartnern außerhalb der Europäischen Union

    Zunächst: die Regelungen der Rom-I-Verordnung können durchaus auch dann anwendbar sein, wenn Ihr Vertragspartner aus dem Nicht-EU-Ausland kommt. Das gilt insbesondere dann, wenn im Streitfall ein deutsches Gericht entscheiden würde. Denn es gilt der Grundsatz, dass jedes Gericht immer sein eigenes internationales Privatrecht anwendet. Und das deutsche internationale Privatrecht verweist ausdrücklich auf die Rom-I-Verordnung.

    Würde denn ein deutsches Gericht entscheiden? Die Frage, welches Gericht im Streitfall entscheiden würde, ist recht kompliziert zu beantworten. Allerdings: Genau wie bei dem anwendbaren Recht haben Parteien - jedenfalls bei B2B-Verträgen - auch hinsichtlich des Gerichtsstands eine relativ weitgehende Freiheit, zu vereinbaren, welches Gericht eventuelle Rechtsstreitigkeiten entscheiden soll. Auch hier sollte also zunächst der Vertrag studiert werden.

    Deutlich schwieriger wird die Situation, wenn ein Gericht aus dem Nicht-EU-Ausland im Streitfall entscheiden müsste. Es würde hierzu, dem oben erwähnten Grundsatz folgend, wohl die Regelungen seines eigenen internationalen Privatrechts anwenden - und diese können unter Umständen von den oben beschriebenen europäischen Regelungen abweichen. Eine - auch nur ansatzweise - Darstellung würde den Rahmen dieser Publikation leider sprengen.


    Was gibt es generell zu beachten?

    Zum Schluss noch einige kurze Hinweise, die fast immer relevant sind, gleich welche vertragliche oder gesetzliche Regelung zur höheren Gewalt (force majeure) gilt: zum einen Ihre Pflicht zur Minderung des Schadens, wo immer dies möglich ist. Zum anderen, und eng damit zusammenhängend, die Pflicht zur möglichst zeitnahen Mitteilung, wenn sich ein Problem bei der Erfüllung abzeichnet. Und schließlich sollten Sie daran denken, dass Sie darlegungs- und beweispflichtig für die Voraussetzungen der höheren Gewalt sind, auf die Sie sich berufen. Daher dokumentieren Sie nach Möglichkeit alles, was zu den Schwierigkeiten geführt hat - es mag sich als äußerst nützlich erweisen.

    Nationales Recht: Nichterfüllung von Verträgen nach thailändischem Recht

    Ein Länderbericht „Coronavirus und Verträge“ liegt zurzeit nicht vor. Bei Fragen zum Thema kontaktieren Sie bitte die in der Marginalspalte angegebene Ansprechpartnerin.

  • Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Einfuhrregeln werden vereinfacht. Die Logistik funktioniert überwiegend. Der Außenhandel kühlt sich aber ab. (Stand 12.08.2020)

    Die thailändische Wirtschaft ist stark vom Außenhandel abhängig. Die Warenexporte entsprachen 2019 knapp der Hälfte des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Wegen Covid-19 kühlt sich die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen aus Thailand aber ab. Den vielen exportorientierten Unternehmen bereitet auch die anhaltende Stärke der heimischen Währung Baht gegenüber dem US-Dollar (US$) große Sorgen.

    Der Überschuss aus der Leistungsbilanz, der 2019 mit satten 6,9 Prozent des BIP der zweithöchste in Südostasien war, könnte 2020 nach Schätzungen der Deutschen Bank auf 1,7 Prozent fallen. Dies liegt unter anderem daran, dass die Erlöse aus dem Dienstleistungsexport - insbesondere dem Tourismus - einbrechen und im Jahresverlauf die Warenexporte stärker zurückgehen dürften als die Importe.

    Die Vereinigung exportierender Firmen, der Thai National Shippers' Council, befürchtet, dass die monatlichen Ausfuhren für den Rest des Jahres 2020 unter der Marke von 17 Milliarden US$ verharren werden. Im Gesamtjahr würden die Exporte dann um 15 Prozent gegenüber 2019 zurückgehen.

    Die Grenzübergänge wurden ab dem 26. März 2020 nur für den Personenverkehr geschlossen. Die Außengrenzen waren für den Warenverkehr auch während der Notmaßnahmen gegen Covid-19 unter Auflagen geöffnet. Die strenge Lockdown-Phase von April bis Juni 2020 drückte die Einuhren um 22 Prozent, und die Ausfuhren sanken um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

    Absatzmärkte und Exportindustrien sind breit gestreut

    Die USA sind wieder der größte Abnehmer thailändischer Exporte, der US-amerikanische Anteil an den Gesamtausfuhren betrug 2019 jedoch nur rund 13 Prozent. China hatte in den Vorjahren den Spitzenplatz erobert. Die insgesamt wichtigste Absatzregion ist allerdings Südostasien, darunter sind Vietnam, Singapur und Indonesien die wichtigsten Exportmärkte .

    Die industriellen Schwerpunktbranchen des Schwellenlandes arbeiten sehr exportorientiert und müssen sich nun international noch mehr behaupten. Elektronik und Elektrotechnik machen zusammen rund 22 Prozent der Lieferungen ins Ausland aus. Nahrungsmittel kommen auf 12 Prozent der Ausfuhren. Die Hersteller von Kfz und -Teilen erzielen zusammen ebenfalls 12 Prozent der Exporte. Chemische Erzeugnisse und Maschinenbau erlösen jeweils rund 10 Prozent der Ausfuhren. In diesen beiden Branchen liegen die Aus- und Einfuhren allerdings auf etwa gleicher Höhe.

    China dominiert zusehends bei den Importen

    China hat 2014 unter den Lieferländern die Spitzenposition erobert und ausgebaut. Das Reich der Mitte könnte 2020 weitere Marktanteile gewinnen. Es lieferte im ersten Halbjahr 2020 den ungefähr gleichen Warenwert wie im Vorjahreszeitraum, während die Importe der anderen Länder stärker zurückgingen. China kam auf rund 23 Prozent der Importe, während der deutsche Lieferanteil auf 2,5 Prozent fiel.

    China und Deutschland konkurrieren in Thailand hauptsächlich im Markt der Maschinenbauerzeugnisse. Die Pandemie kühlt die Investitionen in neue Maschinen indes stark ab.

    Geringere Zölle und gelockerte Einfuhrvorschriften

    Die Regierung strebt eigentlich eine Modernisierung und Automatisierung von Zukunftsbranchen mit Hilfe neuer Ausrüstungen an. Das Finanzministerium befreit daher seit dem 14. April 2020 bestimmte Maschinen von Einfuhrabgaben. Das entsprechende Dekret gilt für bestimmte Zolltarifnummern des Kapitels 84. Der Importeur muss die neuen Maschinen für fünf Jahre selbst nutzen und darf sie erst danach veräußern. Diese Zollbefreiung gilt bis zum 31. Dezember 2020.

    Verschiedene Ministerialverordnungen verlängern wegen Covid-19 auch die Abgabefristen von Antragen auf Rückerstattungen oder Befreiungen von Steuern. Dies gilt unter anderem für Steuerbefreiungen bei Ein- und Ausfuhren in Zollfreizonen.

    Importeure, die Zollbefreiungen im Rahmen eines Freihandelsabkommens geltend machen, müssen eigentlich bei der Einfuhr das Ursprungszeugnis im Original vorlegen. Der Zoll erlaubt bis zum 30. September 2020 die Vorlage einer Kopie des Ursprungszeugnisses. Das Originaldokument muss erst 30 Tage nach dem Zeitpunkt der Einfuhr vorgelegt werden.

    Der Zoll hat bereits 2007 eine elektronische Zollabfertigung Thai Customs Electronic System eingeführt und stetig erweitert. Seit 2019 laufen mehrere Tests, die Blockchain-Technologien bei der Dokumentation, Verfolgung und Abfertigung von Sendungen einsetzen. Die Covid-19-Pandemie könnte die Modernisierung von Handel, Industrie und Logistik also durchaus beschleunigen. 

    Von Thomas Hundt | Bangkok

  • Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Die Lieferketten in Thailand funktionieren wieder weitgehend, müssen aber vorausschauender geplant werden. (Stand 12.8.2020)

    Thailand ist sehr eng in internationale Lieferketten integriert. Insbesondere die Elektro- und Kfz-Industrien beziehen viele Vorprodukte aus dem Ausland und liefern selbst weltweit wichtige Komponenten zu.

    Die Produktionsunterbrechungen in China zu Beginn der Covid-19 Pandemie wirkten sich einerseits negativ auf die Versorgung mit Materialien und Bauteilen aus. Diese Probleme sind inzwischen weitgehend überwunden. Inländische Betriebe profitierten andererseits von den Produktionsstopps in China und erhielten Aufträge, die Lieferungen aus China ersetzten.

    Der Standort will sich nun bei der Neuordnung internationaler Lieferketten positionieren und bietet sich als zusätzlicher oder alternativer Standort zu China an. Thailand konnte so seit dem Anfang 2018 ausgebrochenem Handelskrieg zwischen den USA und China schon einige Investments gewinnen.

    Betriebe aus China wandern aber hauptsächlich nach Vietnam. Die japanische Wirtschaftsförderstelle Japan External Trade Organisation (JETRO) befragte zuletzt japanische Niederlassungen in China. Einige erwägen eine Verlagerung nach Thailand, noch mehr Firmen nennen aber Vietnam als Ziel. Auch Thailand investiert dort massiv und baut neue Fabriken auf. Der Nachbar punktet mit niedrigeren Arbeitskosten und höheren Wachstumsraten seiner Wirtschaft.

    Erfolge gegen Covid-19 als Standortvorteil

    Thailand und Vietnam konnten einen Ausbruch von Covid-19 mit viel Disziplin und Gemeinschaftssinn weitgehend verhindern. Thailand liegt derzeit im datenbasierten Global COVID-19 Recovery Index auf Rang zwei, Vietnam auf Platz 40.

    Die Investitionsförderstelle Thailand Board of Investment (BOI) wirbt mit diesen Erfolgen bei Investoren und lanciert seit Juli 2020 die neue Kampagne Think Resilience, Think Thailand. Der BOI betont die Standortvorteile Widerstandskraft und intakte Lieferketten.

    Die Investitionsanträge beim BOI gehen wegen der düsteren Konjunkturaussichten und der Reisebeschränkungen allerdings zurück. Japanische Firmen haben mit Abstand am meisten in Thailand investiert, daher treffen sie Unterbrechungen von Lieferketten am stärksten. Ihre Mehrheit gab in einer Umfrage der JETRO an, dass ihre Umsätze im ersten Halbjahr 2020 um mehr als 20 Prozent gesunken seien. Sie nennen als Hauptgründe die abgeschwächte Nachfrage im Inland, gefolgt von Schwierigkeiten Verhandlungen zu führen sowie die Reiserestriktionen.

    Sie haben in den ersten sechs Monaten 2020 ihre Investitionen runtergefahren. Zwei Drittel wollen aber künftig ihre Engagements wieder ausbauen und bezeichnen die leistungsfähigen Lieferketten als einen Grund.

    Transportvolumen und -kapazitäten fallen

    Passagiermaschninen hatten vor Covid-19 noch über zwei Drittel der Luftfracht transportiert. Die Flugzeugflotte von Thai Airways steht von März bis August 2020 auf dem Boden. Einige internationale Fluggesellschaften wie Lufthansa fliegen Bangkok auch seit der Pandemie durchgehend an. Sie haben ihre Frequenzen aber reduziert. Cargoflüge starten und landen ebenfalls. Das internationale Luftfrachtvolumen (In- und Outbound) brach April bis Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 53 Prozent auf 168.646 Tonnen ein. Die Frachtraten sind wegen der reduzierten Kapazitäten nach oben geschnellt, berichten Vertreter von Logistikfimen.

    Der größte Hafen des Landes, der Laem Chabang Port, meldet im ersten Halbjahr 2020 nur einen Rückgang des Containerumschlags um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 3,8 Millionen Standardcontainer (Twenty-foot Equivalent Unit). Allerdings ist es auch hier nicht mehr so einfach, günstige und verlässliche Verbindungen zu buchen. Als Alternative zum Seeverkehr versenden mehr Speditionen ihre Fracht über Straße und Schiene nach Europa. 

    Neue Geschäftsmodelle und lokaler Service gefragt

    Während die Lieferketten im Warenverkehr relativ gut funktionieren, beschränken sich internationale Geschäftsanbahnungen und Dienstleistungen auf virtuelle Treffen. Installation und Wartung von Maschinen und Anlagen erfordert aber vor Ort die Anwesenheit von internationalen Spezialisten, die seit Ende März 2020 nicht ins Land reisen dürfen. Die Behörden haben hierfür nur wenige Sondergenehmigungen erteilt.

    Fachkräfte und Vertriebsmitarbeitende können sich seit Juli immerhin wieder frei im Inland bewegen und Termine bei Kunden wahrnehmen. Das Messewesen liegt aber noch darnieder und stellt nun auf neue Formate um. Die internationale Beschaffungsmesse Subcon soll vom 23. September bis 26. September 2020 als hybride Messe mit Online-Veranstaltungen durchgeführt werden. Die digitalen Business Matchings sollen neue Lieferketten zusammenfügen.  

    Von Thomas Hundt | Bangkok

  • Covid-19: Gesundheitswesen in Thailand

    Covid-19: Gesundheitswesen in Thailand

    Das leistungsstarke Gesundheitswesen Thailands hat die wenigen Covid-19 Fälle im Griff. Die Gesundheitswirtschaft leidet aber unter der Rezession. (Stand: 28. Juli 2020)

    Thailand identifizierte am 8. Januar 2020 die weltweit erste Coronainfektion außerhalb Chinas. Dabei handelte es sich um eine chinesische Touristin aus Wuhan. Das Gesundheitswesen war also frühzeitig alarmiert und hat professionell reagiert.

    Gesundheitsexperten haben die Risiken frühzeitig erkannt und kommuniziert. Regierung und Bürger konnten deshalb rechtzeitig  durch strenge Einhaltung von Hygienemaßnahmen, Einlasskontrollen und das Tragen von Masken einen unkontrollierten Ausbruch von Covid-19 verhindern. Hilfreich ist, dass die Bürger seit Februar 2020 selbstverständlich eine Maske tragen und Abstand halten, um Übertragungen an ihre Mitmenschen zu verhindern.

    Genügend Kapazitäten für Covid-19-Patienten

    Die Abteilung für medizinische Wissenschaften des Gesundheitsministeriums hat 207 Laboratorien lizenziert, die SARS-CoV-2 Tests durchführen dürfen. Sie haben bis zum 20. Juli 2020 insgesamt 685.316 Tests durchgeführt.

    Die Abteilung Seuchenbekämpfung des Gesundheitsministeriums registrierte bis zu diesem Zeitpunkt 3.250 Covid-19 Fälle, davon haben sich 3.096 Patienten wieder erholt, 58 sind verstorben. Die Krankenhäuser behandelten am 20. Juli 2020 nur noch 96 an Covid-19 Erkrankte.

    Die Intensivstationen des Landes können nach Angaben des Gesundheitsministeriums circa 6.200 Covid-19 Patienten aufnehmen. Die Universitätskrankenhäuser haben diese Kapazitäten ausgebaut. Der Großraum Bangkok verfüge über genügend Intensivbetten, die eine maschinelle Beatmung von schweren Fällen erlauben.

    Am 20. Juli 2020 waren 2.295 Personen unter Beobachtung und Quarantäne, weil sie sich in der Nähe von Erkrankten aufgehalten hatten oder aus dem Ausland eingereist waren. Alle Einreisenden werden in staatlichen Zentren oder Hotels, die sich in Zusammenarbeit mit einem Krankenhaus für die Alternative State Quarantine qualifiziert haben, für 14 Nächte unter Quarantäne gestellt.

    Medizinische Fähigkeiten werden gelobt

    Die Weltgesundheitsorganisation und andere Fachleute sind der Meinung, Thailand verfüge über umfangreiche Kapazitäten zur Kontrolle des Coronavirus, zur Prävention von Übertragungen sowie zur Erkennung von Covid-19-Fällen. Auch die Kapazitäten für das klinische Management seien hinlänglich. Bangkok ist immerhin das medizinische Zentrum für ganz Südostasien. 

    Ausgewählte Indikatoren zum Gesundheitswesen in Thailand
    Quelle: United Nations Population Division; World Bank; Ministry of Public Health Thailand

    Indikator

    2019 (oder letztverfügbares Jahr)

    Bevölkerung in Millionen

    69,6

    Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre in Prozent

    12,5

    Anzahl Ärzte pro 1.000 Einwohner (2017)

    0,81

    Anzahl Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner (2018)

    2,25

    Gesundheitsausgaben pro Kopf in US-Dollar (2017)

    247


    Ungefähr 10.000 staatliche Gesundheitszentren und 1.050 öffentliche Krankenhäuser versorgen den Großteil der Bevölkerung. Alleine 48 Millionen Einwohner, also zwei Drittel der Bevölkerung, sind auf die annähernd gebührenfreie staatliche Grundversorgung Universal Coverage Scheme angewiesen. Sie übernimmt ebenso wie die Sozialversicherungen für Beamte und Angestellte Covid-19-Behandlungskosten. Die 378 privaten Krankenhäuser und 25.000 privaten Kliniken kümmern sich darüber hinaus um selbstzahlende Patienten aus dem In- und Ausland.

    Das Gesundheitssystem ist nicht auf Hausärzte ausgerichtet, die Patienten untersuchen und überweisen. Die Menschen suchen direkt Krankenhäuser oder Kliniken auf. Sie sind bei Covid-19-Symptomen sensibilisiert und konsultieren Ärzte bei Fieber, Husten und Halsschmerzen. Bürger mit anderen Erkrankungen befürchten wiederum Ansteckungen und suchen Gesundheitseinrichtungen etwas seltener auf.

    Gesundheitswirtschaft steht vor schwierigen Zeiten  

    Private und öffentliche Einrichtungen melden, dass Patientenbesuche im Schnitt zurückgegangen seien. Privaten Kliniken und Hospitälern, die sich auf ausländische Medizintouristen spezialisiert haben, brechen die Umsätze weg. Ausländische Medizintouristen können seit Anfang Juli zwar wieder Einreiseanträge bei thailändischen Botschaften stellen, allerdings dürften die Einnahmen aus dem Medizintourismus, die in den Vorjahren 600 Millionen bis 900 Millionen US-Dollar erreicht hatten, vorerst nicht mehr erreicht werden.

    Gesundheitseinrichtungen geben den Druck, den sie aufgrund der geringen Einnahmen spüren, an Lieferanten weiter, heißt es aus der Medizintechnikbranche. Die Nachfrage nach medizinischen Produkten, die nicht Covid-19 relevant sind, gehe zurück. Krankenhäuser hatten unkritische Operationen, zum Beispiel den Ersatz von Gelenken, verschoben. Der Absatz von Implantaten kühlte sich stark ab. Auch die Installation und Wartung von Medizintechnik sei unter den gegenwärtigen Umständen schwieriger.

    Covid-19-Medizin jedoch stark nachgefragt

    Medizinische Geräte zur Behandlung von Covid-19 wie Infusionspumpen und Beatmungsgeräte sowie Verbrauchsmaterialien wie medizinische Handschuhe und Desinfektionsmittel sind wiederum stark nachgefragt. Das Gesundheitsministerium hat alleine an öffentliche Krankenhäuser bis zum 22. April 2020 circa 41,6 Millionen Masken und über 78.000 persönliche Schutzausrüstungen geliefert.

    Viele Einrichtungen begannen zu Beginn der Corona-Pandemie, ihre Vorräte an Verbrauchsmaterialien und Medikamenten aufzustocken. Das Gesundheitsministerium und Branchenverbände forderten sie auf, keine unnötig hohen Lagerbestände anzuschaffen. Eine kontinuierliche Versorgung sei nun sichergestellt.

    Damit Patienten weniger häufig für Kontrollen und aufschiebbare Untersuchungen in Krankenhäuser kommen, verschreiben Ärzte bei Dauermedikationen die Arzneimittel für bis zu sechs Monate. Die Nachfrage nach Pharmazeutika schnellte auch deshalb alleine im März 2020 um 30 Prozent im Vergleich zum Vormonat in die Höhe. Diese nun zusätzlich verkauften Mengen werden im Jahresverlauf weniger nachgefragt werden. Die Pharmabranche rechnet für das gesamte Jahr 2020 indes noch mit einem Umsatzzuwachs von mehr als 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

    Von Thomas Hundt | Bangkok

  • Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Viele Branchen sind von Exporten abhängig. Die Covid-19 Wellen führen daher im Zeitverlauf zu sehr verschiedenen Nebenwirkungen. (Stand: 18. September 2020)

    Die meisten Wirtschaftszweige leiden unter der Pandemie

    Der thailändische Thinktank National Economic and Social Development Council meldet für das 1. Halbjahr 2020 einen preisbereinigten Rückgang der Wirtschaftsleistung um 6,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Agrarsektor mit den Bereichen Land-, Forstwirtschaft und Fischerei schrumpfte in den ersten sechs Monaten 2020 um 6,7 Prozent. Das verarbeitende Gewerbe sackte um 8,3 Prozent ab. Die Leistungen der Bauwirtschaft fielen immerhin nur um 1,3 Prozent.

    Der Dienstleistungssektor verbuchte insbesondere wegen der Krise im Gastgewerbe und der Einbußen in der Verkehrswirtschaft ein Minus von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Einige Servicebranchen sorgen aber auch für Lichtblicke. Die Bildungs-, Immobilen-, Finanz-, Telekommunikationswirtschaft, die Medien sowie Informationsdienste verzeichneten reale Zuwächse.

    Die Krisen dauern länger als gedacht

    Konjunkturanalysten gehen inzwischen davon aus, dass viele Branchen erst 2022 wieder die Umsätze des Vorkrisenniveaus erreichen werden. Die Firmen sind dabei von der Erholung der Inlands- und Auslandsmärkte abhängig, einige haben Exportquoten von mehr als 50 Prozent.

    Der Tourismus, von dem viele andere Dienstleister abhängen, liegt darnieder. Seit dem 21. März 2020 sind die Grenzen geschlossen. Hotels, Restaurants und Einkaufszentren öffnen zwar seit Mitte Juni 2020 wieder. Allerdings fehlen die internationalen Kunden.

    E-Commerce und Kurierdienste gehören zu den Branchen, die von einem starken Nachfrageaufschwung erfasst werden. Sie können die Umsatzverluste in den übrigen Dienstleistungsindustrien aber nicht ausgleichen.

    Auch Banken, Versicherungen und Anwaltskanzleien haben zu tun. Die Nachfrage nach Überbrückungskrediten, privaten Krankenversicherungen, Vermögensvorsorge und rechtlichen Auskünften ist bislang relativ hoch.

    Verarbeitendes Gewerbe unterschiedlich getroffen

    Die Regierung hatte zu keinem Zeitpunkt Schließungen von Fabriken angeordnet. Sie konnten ihre Fertigungen zunächst aufrechterhalten. In vielen Branchen gehen jedoch die Aufträge zurück. Die Kapazitätsauslastung im verarbeitenden Gewerbe lag im Juli 2020 bei 56 Prozent. Im Vorjahresmonat waren es noch 65 Prozent gewesen.

    Die Wertschöpfung der Industrie fiel im Juli 2020 insgesamt real um 14,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Es gibt aber positive Ausnahmen.

    Die Fertigung von Kfz gehört zu den wichtigsten Industriebranchen des Landes. Im Jahr 2019 liefen rund zwei Millionen mehrspurige Fahrzeuge und zwei Millionen Motorräder von den Bändern, davon ging jedes zweite Exemplar ins Ausland.

    Die Kauflaune der privaten und gewerblichen Kunden hat sich stark abgekühlt. Die Kfz-Hersteller und ihre Zulieferbetriebe haben ihre Werke inzwischen leicht hochgefahren. Im laufenden Jahr hofft der Industriedachverband Federation of Thai Industries auf eine Produktion von 1,4 Millionen Kfz - hälftig für In- und Ausland bestimmt.

    Die Stahlindustrie, die ein Fünftel ihres Ausstoßes an die Kfz-Industrie liefert, spürt daher ebenfalls einen Rückgang. Auch der lokale Maschinenbau und Teile der Kunststoffindustrie hängen vom Automobilbau ab.

    Die Produktion von chemischen Grundstoffen geht stark zurück und die Petrochemie reduziert daher ihre Investitionen. Die Fertigungen von Erzeugnissen aus Kunststoffen zeigen leichte Einbußen, während die von Körperpflegemitteln und Kosmetika sogar steigt. Die Pharmaindustrie fuhr während der Epidemie in der ersten Jahreshälfte ihre Produktion ebenfalls hoch, weil Ärzte zunächst größere Mengen an Arzneien verschrieben hatten.

    Sehr exportorientiert arbeitet die Elektronikindustrie. Bei Halbleiterbauelementen und Transformatoren steigt die Produktion derzeit stark an. Ferner produziert und bestückt die Branche Leiterplatten, fertigt Festplatten und andere elektronische Bauteile für den Weltmarkt. Diese Bereiche profitierten zunächst von Aufträgen und Verlagerungen von Betrieben aus China. Seit April 2020 gehen hier die Fertigungen aber wieder zurück.

    Absatz und Montage von Haushaltselektrogeräten legten während des Lockdowns im 2. Quartal 2020 zu, weil Familien mehr Zeit zu Hause verbringen und mehr kochen. Die Gerätehersteller hoffen, dass sie ihr Wachstum künftig mit Lieferungen ins Ausland festigen können.

    Die Herstellung von Getränken und Nahrungsmitteln läuft insgesamt relativ stabil. Produzenten von verpackten Lebensmitteln und Fertiggerichten sind gut ausgelastet. Der Absatz von Frischwaren und Getränken an die Gastronomie schrumpft hingegen.

    Auch die Einkünfte in der Fischerei und Landwirtschaft sinken. Die wichtigsten Nutzpflanzen sind Reis, Kautschuk, Zuckerrohr, Mais, Maniok, Obst und Gemüse. Die Erntemengen sackten im ersten Halbjahr 2020 wegen einer anhaltenden Trockenperiode ab. Ebenfalls fallen Preise für Fische und Meeresfrüchte, weil der Absatz an Hotels und Restaurants sinkt. Der Lieferservice von frischen Mahlzeiten, den viele Gastronomen eingerichtet haben, kann die Umsatzverluste nicht ausgleichen.

    Auf Baustellen wird noch gearbeitet

    Die Aktivitäten der Bauindustrie laufen weiter. Es wurden keine laufenden Projekte eingestellt, berichten Baufirmen. Der Staat hat nun einige größere Infrastrukturprojekte vergeben. Die öffentlichen Investitionen fließen in Verkehrsvorhaben, den Netzausbau, das Gesundheitswesen und die Energieversorgung.

    Die Immobilienbranche agierte aber schon seit Ende 2019 vorsichtiger und rechnet mit einem Einbruch der Nachfrage. Auch Käufer aus China, die lange für eine steigende Nachfrage nach Apartments gesorgt hatten, fallen nun aus.

    Von Thomas Hundt | Bangkok

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