Zollbericht Vereinigtes Königreich Internationale Handelsabkommen

Neue Freihandelsabkommen für das Vereinigte Königreich

Die Briten möchten nach dem Austritt aus der EU neue Freihandelsabkommen abschließen. Der Fokus liegt dabei auf Staaten, mit denen bisher kein Abkommen besteht. 

Als Mitgliedstaat der Europäischen Union (EU) waren die Briten bisher Vertragspartner zahlreicher Freihandelsabkommen. Das wird sich mit dem Brexit ändern. Durch den Austritt aus der EU können die Briten eigene Freihandelsabkommen abschließen. Die Abkommen können nach dem Ende der Übergangsphase in Kraft treten, also ab 1. Januar 2021.

Wir geben Ihnen einen Überblick über den Stand der Verhandlungen. Dabei konzentrieren wir uns auf die Länder, mit denen der Abschluss eines Freihandelsabkommens aus Sicht der Briten besondere Priorität hat. 

  • USA und Vereinigtes Königreich beginnen Verhandlungen

    USA und Vereinigtes Königreich beginnen Verhandlungen

    Beide Seiten streben den Abschluss eines umfassenden Freihandelsabkommens an.

    Die erste Verhandlungsrunde startete am 6. Mai 2020 und umfasst rund 30 verschiedene Arbeitsgruppen. Die Verhandlungen werden zunächst über Videokonferenz geführt.

    Die britische Handelsministerin Liz Truss und der US-Handelsbeauftragte Robert Lightizer betonten, dass die Verhandlungen hohe Priorität haben. Insbesondere die Briten messen einem Abkommen mit den USA angesichts des Brexit eine hohe Bedeutung zu. 

    Grundlage für die Verhandlungen sind die jeweiligen Verhandlungsmandate. Zwar streben beide Staaten eine schnelle Einigung über ein Freihandelsabkommen an. Erfolgreiche und zügige Verhandlungen seien, so betonte Robert Lighthizer in einer Stellungnahme am 5. Mai 2020, gerade angesichts der Coronakrise und der daraus entstehenden Wirtschaftskrise, besonders wichtig. Die Verhandlungspositionen liegen jedoch in einigen Punkten weit auseinander, sodass nicht mit einem schnellen Abschluss zu rechnen sein dürfte. Streitpunkte könnten beispielsweise Lebensmittelstandards und das britische Gesundheitswesen NHS werden.

    Landwirtschaft im Fokus 

    Insbesondere im Bereich der Landwirtschaft erhoffen sich die USA beispielsweise einen Zugang für Produkte wie gentechnisch behandelte Lebensmittel und Hormonfleisch, den die EU bisher abgelehnt hat. Das Vereinigte Königreich hofft unter anderem auf US-Zollsenkungen für Käse und schottischen Whisky. Von den geltenden Lebensmittelsicherheitsstandards und den Standards für Tiergesundheit will das Vereinigte Königreich jedoch nicht abweichen. 

    Der britische Handelsbeauftragte für Nordamerika, Antony Phillipson, geht davon aus, dass die weiterhin auch für das Vereinigte Königreich geltenden US-Schutzzölle auf Stahl und Aluminiumprodukte aus der EU und auf weitere Produkte aufgrund des Airbus-Streits zwischen der EU und den USA parallel zu den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen ebenfalls diskutiert werden. 

    Die USA hatten ihre Verhandlungsleitlinien für ein Freihandelsabkommen mit dem Vereinigten Königreich bereits im März 2019 veröffentlicht.

    Das Vereinigte Königreich legte seine Position im März 2020 vor.

  • Brexit: Verhandlungsziele für Abkommen mit den USA veröffentlicht

    Brexit: Verhandlungsziele für Abkommen mit den USA veröffentlicht

    Das Vereinigte Königreich strebt an, ein ehrgeiziges und umfassendes Freihandelsabkommen mit den USA abzuschließen.

    Das Verhandlungsmandat ist im Vergleich zum Mandat für die Verhandlungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU deutlich weniger detailliert. Auffallend ist, dass die Briten Zugeständnisse von den USA erwarten, die sie selbst der EU nicht gewähren wollen. So fordert die britische Seite faire Wettbewerbsbedingungen in den Bereichen Wettbewerbsrecht, staatliche Beihilfen, Umwelt- und Sozialstandards. Die Einhaltung dieses sogenannten Level Playing Fields soll durch einen Streitbeilegungsmechanismus abgesichert werden. Dieses Vorgehen wird in den Verhandlungen mit der EU explizit abgelehnt.

    Zölle

    Ziel ist eine Reduzierung bis hin zur Abschaffung von Zöllen, wobei jedoch Rücksicht auf besonders sensible Waren genommen werden soll. Das gilt insbesondere für landwirtschaftliche Produkte.

    Ursprungsregeln

    Zollfreiheit im Rahmen eines Freihandelsabkommens setzt die Einhaltung von Ursprungsregeln voraus. Die britische Position bleibt in diesem Zusammenhang vage. Das Mandat verweist lediglich auf „einfache und moderne Ursprungsregeln“, die die Bedürfnisse der britischen Industrie und etablierte Lieferketten berücksichtigen.

    Zollkooperation

    Auch im Bereich Zollkooperation bleiben die Ausführungen sehr allgemein. Angestrebt wird, dass sich beide Seiten zu effizienten und transparente Zollverfahren verpflichten.  

    Nicht-tarifäre Handelshemmnisse

    Technische Handelshemmnisse sollen verringert, während gleichzeitig bestehende Sicherheits- und Qualitätsstandards nicht abgesenkt werden sollen. Die Briten streben zudem an, dass die Zertifizierung von Produkten vor dem Export in die USA im Vereinigten Königreich durchgeführt und entsprechende Konformitätsbewertungen anerkannt werden können.

    Das Mandat verweist auf hohe britische Standards in den Bereichen Tier- und Pflanzenschutz sowie Lebensmittelsicherheit, die beibehalten werden sollen.

    Die Briten ziehen rote Linien

    Das Verhandlungsmandat nennt einige Bereichen, die für die Briten nicht zur Diskussion stehen.  Dazu zählen das öffentliche Gesundheitswesen NHS und Standards im Bereich Lebensmittelsicherheit sowie Tierschutz.

    Die USA hatten bereits im März 2019 ihre Verhandlungsziele für ein Abkommen mit dem Vereinigten Königreich veröffentlicht.

    Von Stefanie Eich

  • Vereinigtes Königreich und Japan verhandeln über Handelsabkommen

    Vereinigtes Königreich und Japan verhandeln über Handelsabkommen

    Beide Seiten streben eine Einigung noch 2020 an

    Die erste Verhandlungsrunde startete am 9. Juni 2020 und umfasst sechs Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen. Die Verhandlungen werden aufgrund der Corona-Pandemie zunächst per Videokonferenz geführt.

    Durch den Brexit können die Briten nicht mehr vom bestehenden Freihandelsabkommen der EU mit Japan (JEFTA) profitieren. Nach dem Ende der Übergangsphase soll deshalb ein eigenständiges Freihandelsabkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und Japan in Kraft treten.

    JEFTA soll die Grundlage für das neue britisch-japanische Freihandelsabkommen bilden. Das neue Abkommen soll aber insbesondere in den Bereichen digitaler Handel und E-Commerce darüber hinausgehen. Langfristiges Ziel der Briten ist es, dem „Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership" (CPTPP) beizutreten.

    Grundlage für die Verhandlungen sind die jeweiligen Verhandlungsmandate. Das Vereinigte Königreich hatte seine Position Mai 2020 im veröffentlicht.

  • Briten veröffentlichten Verhandlungsmandat für Abkommen mit Japan

    Briten veröffentlichten Verhandlungsmandat für Abkommen mit Japan

    Die Verhandlungen sollen bald beginnen

    Zwischen der Europäischen Union und Japan besteht seit 2019 ein Freihandelsabkommen (JEFTA). Durch den Austritt der Briten aus der EU verlieren Freihandelsabkommen nach dem Ende der Übergangsphase ihre Gültigkeit für das Vereinigte Königreich. Mit zahlreichen Handelspartnern konnten sich die Briten auf eine Übernahme der bestehenden Abkommen einigen (sogenanntes Roll-over). Mit Japan konnte eine solche Einigung bisher nicht erzielt werden.

    Vor diesem Hintergrund wollen die Briten ein neues Freihandelsabkommen mit Japan verhandeln. Grundlage für die Verhandlungen soll das Abkommen zwischen der EU und Japan sein (JEFTA).

    Das Verhandlungsmandat bleibt jedoch sehr allgemein. So strebt die britische Regierung eine Reduzierung von Zöllen, wobei Rücksicht auf besonders sensible Waren genommen werden soll, sowie einfache und moderne Ursprungsregeln an. Es findet sich jedoch kein Verweis auf Regelungen, die im JEFTA enthalten sind.

    Der Zeitplan wird knapp

    Können sich beide Länder nicht bis zum Ende der Übergangsphase auf ein Abkommen einigen, können britische bzw. japanische Unternehmen nicht mehr von JEFTA profitieren. Dies gälte ab 1. Januar 2021, sofern die Übergangsphase nicht verlängert wird.

    Quellen:

  • Vereinigtes Königreich und Australien verhandeln Handelsabkommen

    Vereinigtes Königreich und Australien verhandeln Handelsabkommen

    Briten streben eine Einigung noch 2020 an

    Die erste Verhandlungsrunde mit Australien beginnt am 29. Juni 2020. Die Verhandlungen werden aufgrund der Corona-Pandemie zunächst per Videokonferenz geführt.

    Durch den Austritt aus der Europäischen Union (EU) können die Briten eigene Freihandelsabkommen abschließen. Die Abkommen können nach dem Ende der Übergangsphase in Kraft treten, also ab 1. Januar 2021.

    Langfristiges Ziel der Briten ist es, dem „Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership" (CPTPP) beizutreten. Australien ist bereits Vertragsstaat des CPTPP. Die britische Regierung sieht die Verhandlungen mit Australien als einen wichtigen Schritt in Richtung Beitritt zum CPTPP.

    Britischer Warenaußenhandel mit Australien 2019
    *) Ursprungsdaten auf Pfundbasis, Umrechnung auf Basis des jahresdurchschnittlichen Wechselkurses der Bundesbank für 2019: 1 Euro = 0,87777 britische PfundQuelle: Britisches Statistikamt 2020

    Kategorie

    Volumen (in Mrd. Euro)*

    Rang im britischen Handel

    Britisch-australisches Handelsvolumen

    9,8

    23

    Britische Importe aus Australien

    4,5

    25

    Britische Exporte nach Australien

    5,3

    20

    Das britische Verhandlungsmandat

    Das Freihandelsabkommen soll neben dem Abbau von Zöllen und nicht-tarifären Handelshemmnissen Kapitel zu den Themenkomplexen Dienstleistungen, Investitionen, digitaler Handel sowie kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) enthalten.

    Das Verhandlungsmandat nennt einige Bereiche, die für die Briten nicht zur Diskussion stehen.  Dazu zählen das öffentliche Gesundheitswesen NHS inklusive Arzneimittelpreises sowie Standards im Bereich Lebensmittelsicherheit und Tierschutz.

    Quellen/weiterführende Informationen:

  • Vereinigtes Königreich und Neuseeland verhandeln Handelsabkommen

    Vereinigtes Königreich und Neuseeland verhandeln Handelsabkommen

    Ein Freihandelsabkommen zwischen dem VK und Neuseeland soll die Wirtschaft beider Nationen stärken. 

    Das Vereinigte Königreich (VK) strebt an, bis 2023 mit über 80 Prozent des Überseehandels ein Freihandelsabkommen abzuschließen. Dies ist wichtig, um mit möglichst vielen Ländern auch nach der Übergangsphase einen reibungslosen und freien Handel führen zu können. 

    Neben den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit den USA, Australien und Japan streben die Briten nun auch ein Abkommen mit Neuseeland an. Am 17. Juni 2020 haben Neuseeland und das VK die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen aufgenommen. Die erste Verhandlungsrunde sollte am 13. Juli beginnen.

    Langfristiges Ziel der Briten ist es, dem „Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership" (CPTPP) beizutreten. Neuseeland ist bereits Vertragsstaat des CPTPP. Die britische Regierung sieht die Verhandlungen mit Neuseeland als einen wichtigen Schritt in Richtung Beitritt zum CPTPP.

    Beziehung zwischen dem VK und Neuseeland

    Das VK ist der sechstgrößte Handelspartner Neuseelands. Ein Freihandelsabkommen zwischen dem VK und Neuseeland könnte die Exporte vom VK nach Neuseeland um bis zu 100 Millionen Pfund steigern, wenn die Zölle weitestgehend abgebaut werden. 

    Ein Freihandelsabkommen zwischen dem VK und Neuseeland würde folglich die Märkte offen halten, die zum Teil durch Corona eingeschränkt wurden.

    Welche Themen werden in den Verhandlungen wichtig sein?

    Das Freihandelsabkommen soll neben dem Abbau von Zöllen und nicht-tarifären Handelshemmnissen auch weitere Kapitel  enthalten. Wichtige Themen werden unter anderem sein: 

    • Digitalisierung,
    • Produktstandards und Zertifizierung,
    • Wettbewerbsrecht, 
    • Öffentliches Beschaffungswesen,
    • Geistiges Eigentum,
    • Streitbeilegung,
    • Nachhaltigkeit,
    • Kleine und Mittelständische Unternehmen (KMU.

    Quellen/weiterführende Informationen:

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