Start-Ups in Kolumbien

Kolumbien steigt auf die Start-up-Bühne

In Kolumbien ist eine Start-up-Szene entstanden, aus der erfolgreiche, internationale Neugründungen hervorgegangen sind. Bester Beweis dafür ist Rappi, das erste Einhorn des Landes.

28.01.2019

In Kolumbien entwickelt sich eine Gründerkultur

Nachdem Kolumbien bei der Adaption neuer Technologien zunächst etwas hinterherhinkte, hat sich in den letzten Jahren eine dynamische Start-up-Kultur entwickelt, aus der verschiedene Neugründungen hervorgingen. Das erst 2015 gegründete Unternehmen Rappi wurde bei der letzten Investitionsrunde im September 2018 mit 1 Milliarde US-Dollar (US$) bewertet - das erste Einhorn Kolumbiens. Kulturell besitzen Kolumbianer einen großen Unternehmergeist, wobei ihre besondere Stärke in der Entwicklung von Geschäftsmodellen liegt, die zugeschnitten auf die Bedürfnisse lateinamerikanischer Schwellenländer sind.

Im Doing-Business-Ranking der Weltbank belegt Kolumbien 2018 den 59. Platz unter 190 Ländern. In Lateinamerika schneiden nur Mexiko (49) und Peru (58) etwas besser ab, während Argentinien (117) und Brasilien (125) deutlich weiter hinten liegen. In der Unterkategorie „Starting a Business“ rangiert Kolumbien auf einem eher unbefriedigenden Platz 96. Demzufolge dauert es elf Tage, um ein Unternehmen zu gründen, deutlich schneller als der lateinamerikanische Durchschnitt von 32 Tagen. Die Handelskammer von Bogotá (Cámara de Comercio de Bogotá) erklärt die acht Schritte zur Unternehmensgründung.

Neuer Präsident fördert kreative Industrien

Eines der Wahlversprechen des seit August 2018 amtierenden Präsidenten Iván Duque ist die Förderung des kreativen Sektors (orange economy). Dazu zählen unter anderem Architektur, Marketing, Filmproduktion, Mode, Musik, Videospiele, Software, Kunsthandwerk und Design. Bis 2025 soll sich der Anteil dieser Industrien am Bruttoinlandsprodukt (BIP) verdoppeln. Die staatliche Entwicklungsbank Bancoldex stellt Kredite in Höhe von insgesamt 133 Millionen US-Dollar US$ für den kreativen Sektor zur Verfügung, wie im September 2018 verkündet wurde. Pro Unternehmen werden maximal 500.000 US$ für einen Zeitraum von sieben Jahren vergeben.

Im 1. Halbjahr 2018 hat Bancoldex 3.239 Kleinunternehmen mit insgesamt 48 Millionen US$ unterstützt durch das Kreditprogramm Ayudando a Despegar (Hilfe zum Abheben). Die Konditionen sind deutlich besser als bei normalen Banken, die teilweise Zinsen von 30 Prozent verlangen. Auch der Fondo Emprender des staatlichen Ausbildungsdienstes SENA gibt Startkapital, hauptsächlich an Ausbildungsabgänger. Unterstützung finden Unternehmensgründer zudem bei der Regierungsorganisation iNNpulsa, welche allerdings als sehr bürokratisch gilt. iNNpulsa investierte 2017 eigenen Angaben zufolge 39 Millionen US$ in Start-ups.

Wichtige Acceleratoren und Investoren für Start-ups in Kolumbien

Name

Beschreibung

Internet

HubBOG (Bogotá)Co-Working-Büros, Accelerator

www.hubbog.com

Ruta-N (Medellín)

Co-Working-Büros, Risikokapital, Accelerator

www.rutanmedellin.org

The Founder Institute

Accelerator

www.fi.co

Endeavor Colombia

Accelerator

www.endeavor.org/location/colombia

Y CombinatorSeed-Accelerator

www.ycombinator.com

RockalabsCompany-Builder mit Sitz in Medellín

www.rockalabs.com

Polymath VenturesCompany-Builder mit Sitz in Bogotá

www.polymathv.com

Alexander Torrenegra

Investor, Shark Tank

www.crunchbase.com/person/alexander-torrenegra#section-overview

Valorem

Investmentfonds der Santo-Domingo-Familie

www.valorem.com.co/en

NXTP Labs

Tech-Investoren in Lateinamerika

www.nxtplabs.com

Angeles Inversionistas

Risikokapitalgeber

www.angelesinversionistas.com.co

Bassin Ventures

Risikokapitalgeber

www.bassinventures.com

Fundación Bavaria

Risikokapitalgeber

www.bavaria.co/creciendo-por-un-sueno-bavaria

GITP Ventures

Risikokapitalgeber

www.gitp.com.co

INVX

Risikokapitalgeber

www.invx.co

Social Atom Ventures

Risikokapitalgeber

www.socialatomventures.com

Taurus Capital

Risikokapitalgeber

www.tcapital.com.co

Velum Ventures

Risikokapitalgeber

www.velumventures.com

Venture City

Risikokapitalgeber

www.theventure.city

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Starthilfen gibt es von lokalen und internationalen Acceleratoren, wobei Endeavor und The Founder Institute in Kolumbien besonders aktiv sind. Risikokapital steht - bei einer guten Geschäftsidee - genügend zur Verfügung. Die Risikokapitalgeber Velum Ventures, Venture City und Y Combinator haben bereits in mehrere Start-ups investiert. Daneben ist Alexander Torrenegra eine Koryphäe in Kolumbiens Start-up-Szene. Gründer von zwei erfolgreichen Unternehmen (Voice 123 und Voice Bunny), sitzt er heute in der Jury von Shark-Tank Colombia und ist Investor. Sein letztes Investitionsprojekt, das mexikanische Delivery-Unternehmen Cornershop, wurde im September 2018 für 225 Millionen US$ von Walmart übernommen.


Text: Edwin Schuh

28.01.2019

Kolumbien: Ein Lebensmittellieferant ist Vorreiter

Die Gründerhochburgen Kolumbiens sind die zwei größten Städte des Landes, Bogotá und Medellín. Bogotá ist Sitz zahlreicher multinationaler Unternehmen und Informationstechnologiefirmen. Mitte 2018 entschied sich Amazon dazu, ein globales Kundenservicezentrum mit 600 Mitarbeitern in Bogotá zu errichten. Auch Google betreibt hier eine regionale Zentrale. Zudem sind alle nationalen Regierungsstellen in Bogotá ansässig. Eine wichtige Anlaufstelle und Austauschpunkt für Start-ups ist HubBOG. Neben einem Accelerator-Programm bietet es Co-Working-Büros an und hat in acht Jahren bereits 200 Start-ups auf den Weg geholfen.

Medellín gilt als innovativste und fortschrittlichste Stadt Kolumbiens. Große Unternehmen des Finanz- und Versicherungssektors wie Bancolombia und Grupo Sura sowie Unternehmen des Energiesektors wie EPM sind hier ansässig. Der Technologiekomplex Ruta N ist sowohl für Konzerne wie Huawei, IBM und Globant ein Zuhause, als auch für Start-ups, denen Ruta N Finanzierung und Büros anbietet. Das wichtigste Förderevent des Jahres, der Colombia Startup & Investor Summit, bringt Start-ups und Investoren zusammen. Im Wettbewerb werden die 20 besten Geschäftsmodelle ausgewählt, die am Programm Google Design Sprint teilnehmen dürfen.

Auswahl kolumbianischer Start-ups (Stand: September 2018)

NameBrancheRisikokapital; Investoren (Auswahl)Internet
RappiLebensmittellieferservice392 Mio. US$; DTS Global, Sequoia Capital, Andreessen Horowitz, Y Combinator

www.rappi.com

LiftitTransportsharing12 Mio. US$; Bassin Ventures, Alexander Torrenegra

www.liftit.co

FluvipMarketing: verbindet Influencer mit Unternehmen7,5 Mio. US$; Velum Ventures, Venture City

www.fluvip.com

HogaruOnlinevermittlung von Reinigungspersonal1,4 Mio. US$; Y Combinator, Venture City

www.hogaru.com

UBitsWeiterbildung für UnternehmenY Combinator

www.ubits.co

Kiwi CampusLebensmittelauslieferung mit RoboternBerkeley SkyDeck Fund, Alexander Torrenegra

www.kiwicampus.com

TpagaHandybezahlung für Personen ohne Bankkonto3,6 Mio. US$; Y Combinator, INVX

www.tpaga.co

Ofi.comE-Commerce für Bürobedarf5 Mio. US$; Velum Ventures, Endeavor Catalyst

www.ofi.com.co

1DOC3E-Health2 Mio. US$; Venture City, Mountain Nazca

www.1doc3.com

Quelle: Crunchbase

Junges Unternehmen revolutioniert Lieferservice

Rappi wurde erst 2015 gegründet, doch schon jetzt sind die orangefarbenen Boxen der Rappi-Lieferanten aus dem Straßenbild Bogotás nicht mehr wegzudenken. Das bislang erfolgreichste Start-up Kolumbiens wurde kürzlich auf 1 Milliarde US-Dollar (US$) bewertet - das erste Einhorn. Mit der App lassen sich Lebensmittel, Essen, Getränke, Drogerieartikel und vieles mehr aus verschiedenen Geschäften nach Hause bestellen. Die Lieferanten sind meist per Fahrrad oder Roller unterwegs. Zu den Investoren zählen Delivery Hero aus Deutschland und die renommierten Techinvestoren Andreessen Horowitz und Sequoia aus dem Silicon Valley. „Wir wachsen monatlich um 20 bis 30 Prozent und wollen 2018 mit 11.000 Bestellungen pro Stunde abschließen“, so Sebastián Mejía, einer der Gründer von Rappi.

Ein kolumbianisches Start-up mit sehr viel Potenzial ist Liftit - auch bezeichnet als „Uber für Cargo“. Liftit bietet Umzüge, Warentransport und E-Commercelieferungen für Privatpersonen und Firmen an. In Kolumbien gibt es rund 500.000 unabhängige Lkw-Fahrer mit eigenen Lieferwagen, zudem zahlreiche kleine Transportflotten. Viele Dörfer sind nur schlecht an das Transportnetz angeschlossen, sodass sich einzelne Lieferungen oft nicht lohnen. Liftit legt dank Technologie und Smartphones Lieferungen zusammen, optimiert Routen und verfolgt die Lieferungen in Echtzeit. So reduzieren sich die Transportkosten um 20 bis 40 Prozent.


Text: Edwin Schuh

28.01.2019

Kolumbianische Start-ups expandieren im spanischsprachigen Raum

Das kolumbianische Start-up Rappi betreibt eine aggressive internationale Expansion in Lateinamerika. Die App ist bereits in Argentinien, Brasilien, Chile, Mexiko und Uruguay verfügbar, Ziel ist die komplette Abdeckung des Kontinents. Laut Mitgründer Sebastián Mejía wird bereits die Hälfte des Umsatzes außerhalb von Kolumbien erwirtschaftet, vor allem Mexiko sei wichtig. Größter Konkurrent ist Uber Eats, den sich Rappi mit den 200 Millionen US-Dollar (US$) aus der letzten Finanzierungsrunde vom Hals halten möchte. Auch andere kolumbianische Start-ups wie Fluvip oder Ofi.com expandieren im spanischsprachigen Raum.

Umgekehrt sind verschiedene ausländische Start-ups in Kolumbien aktiv. Unter den Fahrdienstvermittlern hat sich Uber etabliert und ist nach anfänglichen rechtlichen Schwierigkeiten und Streitigkeiten mit Taxifahrern inzwischen sehr populär. Allerdings ist Uber nur in den Großstädten verfügbar. Unter den Taxiapps ist der brasilianische Anbieter Easy Taxi mit dem lokalen Unternehmen Tappsi fusioniert und beherrscht seitdem den Markt. Delivery Hero aus Deutschland ist nach einer Investition von 105 Millionen US$ im Dezember 2017 mit 20 Prozent an Rappi beteiligt. Rocket Internet ist in Kolumbien mit den E-Commerce-Shops Linio und Dafiti vertreten. 


Text: Edwin Schuh

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