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28.02.2019

Mexikos Außenhandel kommt unter Druck

Neue Regierung verfolgt die traditionell offene Handelspolitik nur teilweise weiter / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Die Koordinaten der mexikanischen Außenhandelspolitik ändern sich. Für deutsche Lieferanten hat dies je nach Branche unterschiedliche Konsequenzen.

Neue Handelsabkommen mit den USA, Kanada und der Europäischen Union, zudem der Regierungswechsel und die Auswirkungen des Handelsstreits zwischen den USA und China: Die mexikanische Handelspolitik steht derzeit unter zahlreichen Einflüssen. Da Mexiko im Vergleich zu anderen Ländern der Region sehr offen ist, beeinflussen Änderungen die Wirtschaft stark.

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Neue Regierung weniger handelsfreundlich

Am 1. Dezember 2018 wurde Andrés Manuel López Obrador (genannt AMLO) zum neuen Präsidenten Mexikos vereidigt, nachdem er im Juli mit überwältigender Mehrheit gewählt worden war. "Bislang gibt es keine Anzeichen, dass die neue Regierung Zölle oder nichttarifäre Hemmnisse erhöhen wird", sagt Dr. Edmund Duckwitz, Präsident der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer und ehemaliger deutscher Botschafter in Mexiko.

Duckwitz gibt jedoch zu bedenken, dass die Politik von AMLOs links geprägter Regierungspartei Morena stark national orientiert ist: "Die derzeitigen Schritte zur stärkeren Kontrolle des Energiesektors können das Geschäftsumfeld für deutsche Firmen erschweren." Auch die Schließung der Investitionsförderagentur ProMéxico sei ein Zeichen dafür, dass AMLO weniger auf internationale Verflechtungen setze als die Vorgängerregierung.

Im Wahlkampf hatte Morena zudem gefordert, den nationalen Wertschöpfungsanteil an den Exporten zu erhöhen. Dieser liege lediglich bei 25 Prozent, so der heutige Chef des Präsidialamtes Alfonso Romo, im Mai 2018. Bislang traf die Regierung allerdings noch keine Maßnahmen, um heimische Zulieferungen zulasten von importierten Vorprodukten zu forcieren.

USMCA-Abkommen bietet Herausforderungen für deutsche Exporteure

In den Verhandlungen mit den USA hat Mexiko turbulente Monate hinter sich. Ende November 2018 wurde das USMCA-Abkommen unterzeichnet, das den von Donald Trump ungeliebten Nafta-Vertrag ersetzt. Das Abkommen muss noch von den nationalen Parlamenten bestätigt werden, was in den USA aufgrund veränderter Mehrheitsverhältnisse im Kongress unsicher ist.

Unterm Strich mussten die Mexikaner Zugeständnisse an die Trump-Administration machen. Vor allem im Kfz-Sektor kann die Regelung, dass 40 bis 45 Prozent der Fahrzeuge in Hochlohnregionen in Nordamerika gefertigt werden müssen, dazu führen, dass ausländische Investitionen künftig eher in die USA anstelle von Mexiko fließen.

Der neue Vertrag enthält jedoch auch eine Regelung, die deutsche Exporte von Kfz-Teilen nach Mexiko direkt treffen könnte: Mexiko, die USA und Kanada einigten sich darauf, dass die regionale Mindestwertschöpfung für den zollfreien Pkw-Handel in Nordamerika - wozu Mexiko im Sinne von USMCA gehört - von 62,5 auf 75 Prozent steigt. Zudem müssen die Vorprodukte von Komponenten zu bis zu 75 Prozent aus der Region stammen. Das wird tendenziell dazu führen, dass Teileexporte aus Deutschland nach Nordamerika zurückgehen.

Handelsbedingungen mit der EU verbessern sich deutlich

An anderer Stelle verbessern sich jedoch die Liefermöglichkeiten für deutsche Firmen. Bereits im April 2018 einigten sich die Europäische Union (EU) und Mexiko grundsätzlich auf die Modernisierung des bestehenden Freihandelsabkommens. Dies ist Teil der mexikanischen Bestrebungen, den Außenhandel über die USA hinaus zu diversifizieren. Noch müssen die nationalen Parlamente und das EU-Parlament zustimmen. Marktbeobachter gehen jedoch davon aus, dass das Abkommen noch 2019 vorläufig in Kraft tritt.

"Die größten Chancen birgt der neue Vertrag im landwirtschaftlichen Sektor", sagt Edmund Duckwitz. "Dank der Zollsenkungen und der Anerkennung von Herkunftsangaben wird dem Handel zwischen den beiden Wirtschaftsblöcken praktisch ein neuer Sektor hinzugefügt." Mexiko wird unter anderem seine hohen Zölle auf Hähnchenfleisch (momentan noch bis zu 100 Prozent), Käse (bis zu 45 Prozent), Schokolade (bis zu 30 Prozent) und Nudeln (bis zu 20 Prozent) abschaffen.

Daneben wird das neue Abkommen Standards für den Onlinehandel, den Austausch von Dienstleistungen und das Zollverfahren vereinfachen, wodurch zusätzlicher Handel angeregt werden kann. Ein Streitpunkt ist noch der Zugang zu mexikanischen Ausschreibungen auf Ebene der Bundesstaaten. Um diesen zu gewähren, muss wenigstens die Hälfte der 33 mexikanischen Bundesstaaten dafür stimmen.

Mögliche Auswirkungen der Handelspolitik auf deutsche Exporte nach Mexiko
Sektor Tendenz *) Anmerkungen
Kfz-Teile - Höhere Wertschöpfungsvorgaben bringen Zulieferungen aus Europa in Bedrängnis.
Energietechnik - Kurs der neuern Regierung in der Energiepolitik erschwert den Absatz von Energietechnik.
Maschinen & Ausrüstung +- USMCA-Abkommen kann Investitionen in Kfz-Industrie anstoßen; Unternehmen aus anderen Sektoren allerdings z.T. von neuem Regierungskurs abgeschreckt.
Landwirtschaftliche Produkte + Besserer Zugang durch EU-Mexiko-Abkommen.
Konsumgüter + Neuregelungen zum Onlinehandel im EU-Mexiko-Abkommen können Absatzmöglichkeiten verbessern.
Dienstleistungen + Neuregelungen zum Dienstleistungshandel im EU-Mexiko-Abkommen können Absatzmöglichkeiten verbessern.

*) + positive Tendenz, +- neutral, - negative Tendenz

Quelle: eigene Darstellung

Deutsche Lieferungen ziehen stark an

Die Lieferungen nach Mexiko machten 2018 nur 1,1 Prozent der deutschen Exporte aus, doch in einigen Bereichen ist das lateinamerikanische Land ein überaus wichtiger Abnehmer. So war Mexiko nach den USA, China und Indien der wichtigste Überseemarkt für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer. Auch im Kfz-Bereich ist Mexiko aufgrund seiner Stärke als Fertigungsstandort ein wichtiger Kunde. 2018 zogen die deutschen Ausfuhren erneut stark an.

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Gute Einfuhrbedingungen

Im Index of Economic Freedom der Heritage Foundation liegt Mexiko 2019 auf Platz 66 unter 182 untersuchten Ländern. Im Unterindex zur Offenheit des Handels schnitt das Land mit dem 62. Rang etwas besser ab. Deutsche Unternehmen berichten von insgesamt guten Einfuhrbedingungen. Für die Abfertigung im Zoll sollten bei unbedenklichen Produkten vier bis fünf Tage eingeplant werden.

Kritisch ist noch der Import von Lebensmitteln. Hier wird sich die Situation durch die Angleichung von Standards infolge des Abkommens mit der EU womöglich verbessern. Auch die logistischen Bedingungen für den Weitertransport der Waren sind für ein Schwellenland gut. Weitere Informationen dazu bietet folgende GTAI-Publikation: https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=logistik-in-mexiko,did=2229122.html

Kontaktadresse

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Subsecretaría de Comercio Exterior, Secretaría de Economía (SE) http://www.gob.mx/se/acciones-y-programas/comercio-exterior Abteilung Außenhandel im mexikanischen Wirtschaftsministerium

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Wirtschaftsbeziehungen zur EU, Außenhandel / Struktur, allgemein, Außenwirtschaftspolitik, allgemein

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