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Fachkräfte
Der Personalbedarf in der Industrie wächst, doch es wird zu wenig ausgebildet und einige qualifizierte Arbeitskräfte wandern aus. Deutsche Unternehmen spüren den Fachkräftemangel.
29.10.2026
Die konjunkturellen Rahmenbedingungen für den Arbeitsmarkt in Malaysia bleiben trotz der wirtschaftspolitischen Herausforderungen durch die Nahostkrise positiv. Das Bruttoinlandsprodukt soll 2026 und 2027 real um jeweils 4 bis 5 Prozent zulegen, so die Prognosen der malaysischen Zentralbank vom August 2026.
Die offizielle Erwerbslosenquote dürfte 2026 im Schnitt bei 3 Prozent liegen und damit auf dem Niveau des Vorjahres verbleiben. Im 2. Quartal 2026 gab es insgesamt 16,8 Millionen Beschäftigte, was einer Erwerbsquote von rund 71 Prozent entsprach, so die Daten des Department of Statistics Malaysia (DOSM). Davon befanden sich allerdings nur rund 7 Millionen Personen in formell geregelten Arbeitsverhältnissen. Nach Angaben der malaysischen Statistikbehörde waren Ende 2025 zwei Drittel der formell Beschäftigten im Dienstleistungssektor, knapp 18 Prozent in der verarbeitenden Industrie und weitere 6 Prozent in der Baubranche tätig.
Unternehmen benötigen Fachkräfte für die Produktion
Insbesondere im Industriesektor, aber auch in Dienstleistungssparten wie der IT- oder Finanzbranche, beklagen Firmen seit Längerem, dass es für sie immer schwieriger und teurer sei, qualifiziertes Personal zu rekrutieren. So waren im 2. Quartal 2026 laut Statistikbehörde DOSM knapp 200.000 Stellen unbesetzt. Fast 60 Prozent davon entfielen auf die verarbeitende Industrie. Die größten Lücken finden sich in Schlüsselbranchen wie der Elektro- und Elektronikherstellung mit 35.000 und der petrochemischen Industrie mit fast 20.000 unbesetzten Stellen. In der Baubranche werden rund 23.000 Arbeitskräfte gesucht, so die Daten des DOSM.
Der Fachkräftemangel in der verarbeitenden Industrie wird sich in den nächsten Jahren verschärfen. Im Rahmen ihres "New Industrial Masterplan" will die malaysische Regierung die lokale Wertschöpfung in Schwerpunktsektoren erhöhen. Dazu zählen die Elektro- und Elektronikindustrie, der Maschinen- und Anlagenbau, die Chemiebranche oder die Luftfahrttechnik. Ein Beispiel: Bis 2030 will Malaysia seinen Anteil an den weltweiten Halbleiterexporten auf 14 Prozent verdoppeln. Um dieses Ziel zu erreichen, benötigen die Unternehmen rund 60.000 zusätzliche Ingenieure, so die Berechnung der Malaysia Semiconductor Industry Association. Allerdings schließen an den malaysischen Hochschulen jedes Jahr nur rund 5.000 Personen ein Ingenieurstudium ab. Die Regierung will im Rahmen der National Semiconductor Strategy diese Lücke schließen und bis 2030 insgesamt 60.000 Fachkräfte für die Branche qualifizieren.
Gut ausgebildete Malaysier wandern häufig ins Ausland ab
Hinzu kommt, dass viele Fachkräfte ins Ausland abwandern. Schätzungsweise 2 Millionen Malaysierinnen und Malaysier arbeiten außerhalb ihres Heimatlandes. Gut die Hälfte davon im benachbarten Singapur, aber auch Australien, die USA oder das Vereinigte Königreich sind beliebte Ziele. Der "Brain Drain" dürfte sich in den kommenden Jahren fortsetzen, vor allem in Richtung Singapur. Der wohlhabende Nachbarstaat leidet selbst unter Fachkräftemangel und die Unternehmen zahlen deutlich höhere Löhne und Gehälter. Ein weiterer Grund für eine Abwanderung ist die seit Jahrzehnten geltende, ethnisch differenzierende Bumiputera-Politik der Regierung.
Im Rahmen der Bumiputera-Politik werden malaysische Ureinwohner (Malaien, Orang Asli und diverse andere ethnische Volksgruppen), sogenannte Bumiputera, positiv diskriminiert. Sie werden in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens bevorzugt und erhalten beispielsweise vereinfachten Zugang zu Universitäten, Bevorzugung bei Bewerbungen im öffentlichen Dienst oder mehr Wohngeld.
In der verarbeitenden Industrie entfallen fast 60 Prozent der unbesetzten Stellen auf das Segment der angelernten Facharbeiter (semi-skilled workers). Darunter fallen neben Handwerksberufen vor allem Tätigkeiten, die in der Produktion benötigt werden, wie Industrie-, Anlagen- und Fertigungsmechaniker oder Mechatroniker. Der Bedarf an diesen Fachkräften übersteigt das Angebot bei Weitem. Auch für deutsche Unternehmen mit Sitz in Malaysia ist der Personalmangel ein Problem. In einer Umfrage der Deutsch-Malaysischen Industrie- und Handelskammer (AHK) vom Herbst 2025 gaben 37 Prozent der befragten Unternehmen an, dass der Personalmangel zu den größten Risiken für ihre geschäftlichen Aktivitäten zählt.
Regierung will die berufliche Ausbildung stärker fördern
Die malaysische Regierung räumt in ihrem aktuellen Entwicklungsplan, dem 13. Malaysia Plan 2026 bis 2030, der Berufsausbildung (Technical and Vocational Education and Training; TVET) eine noch höhere Priorität ein. Ziel ist es, die bestehenden Aus- und Weiterbildungseinrichtungen und die Industrie enger zu verzahnen. Jedes Jahr entscheiden sich zwischen 250.000 und 300.000 Malaysierinnen und Malaysier für eine berufliche Ausbildung an einer der 1.400 öffentlichen und privaten TVET-Zentren, so die Daten der staatlichen Koordinierungsstelle Government-Industry TVET Coordination Body.
In den kommenden Jahren will die Regierung die Zahl der Ausbildungsplätze in den TVET-Einrichtungen erhöhen und die Lehrgänge sich stärker an den Bedürfnissen der Privatwirtschaft ausrichten. Die Lerninhalte sollen um Kenntnisse zu Themen wie Künstliche Intelligenz oder Digitalisierung in der Industrie ergänzt und der Praxisanteil an der Berufsausbildung erhöht werden. Die Ausbildungsgänge gelten aus Sicht der Industrieverbände und Unternehmen zum Teil als praxisfern und veraltet. Auf der anderen Seite loben Unternehmensvertreter – auch von deutschen Firmen – die hohe Lernmotivation und Einsatzbereitschaft der Auszubildenden.
Duale Berufsausbildung nach deutschem Vorbild
Im Rahmen des German Dual Vocational Training bildet Malaysia seit 2014 Fachkräfte auch nach dem deutschen dualen Modell aus. Möglich sind Abschlüsse im Bereich Mechatronik und für Kaufleute für Speditions- und Logistikdienstleistungen. Die dreijährige Ausbildung findet zu 70 Prozent in einem der deutschen Ausbildungsbetriebe wie Bosch, B. Braun oder Bauer Spezialtiefbau statt und der theoretische Teil in einem der beiden Bildungseinrichtungen, dem German Malaysian Institute oder dem Penang Skills Development Centre. Das Programm wird von der Deutsch-Malaysischen Auslandshandelskammer betreut.
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