Bevölkerungszunahme und Wirtschaftswachstum sind in den kommenden Jahren beständige Treiber der Energienachfrage in Ägypten.
In den Jahren 2023 und 2024 war Ägypten mit einer sinkenden Förderung von Erdgas konfrontiert. Ein Weckruf für den traditionellen Öl- und Gasexporteur. Denn der größte Teil der Stromproduktion basiert auf Erdgas. Der Betrieb der Kraftwerke kann derzeit allerdings nur mithilfe von Gasimporten durch eine Pipeline aus Israel sowie dem Kauf von Flüssiggas (Liquefied Natural Gas, LNG) auf dem internationalen Markt aufrecht erhalten werden.
Vom Engpaß zu Alternativen
40
Milliarden Euro sollen in die Produktion von grünem Wasserstoff fließen.
Die ägyptische Regierung reagiert darauf mit einer doppelten Strategie. Zum einen mit der erhöhten Expoloration von neuen Öl- und Gasvorkommen on- und offshore, um die Förderung auch in Zukunft stabil halten zu können. Und zum anderen mit der verstärkten Hinwendung zu alternativen Energiequellen. Dabei werden mittelfristig Wind- und Solarenergie die größte Rolle spielen.
Der Anteil der Wasserkraft, die nach Fertigstellung des Assuan-Staudamms in den 1960er Jahren einmal rund die Hälfte des Stroms erzeugt hat, liegt heute bei praktisch unveränderten Kapazitäten nur noch bei etwas über 6 Prozent. Mit Abschluss der Modernisierung der Anlagen in Assuan durch Siemens wird er wieder etwas höher liegen. Ein im ägyptischen Strommix ganz neuer Faktor wird nach seiner für 2028 geplanten Inbetriebnahme ein durch das russische Unternehmen Rosatom errichtetes Kernkraftwerk sein.
Öl und Gas sind wichtigste Energieträger in Ägypten
Der Blick auf den Gesamtenergieverbrauch Ägyptens zeigt noch einmal deutlicher die große Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Zusammen kommen Öl und Gas für über 90 Prozent des Verbrauchs von Primärenergie auf. Größter Verbraucher ist in Ägypten mit Abstand der Verkehr. Entsprechend hohen Stellenwert hat in der Energiepolitik die Verlagerung auf elektrische Antriebe. Im Schienenverkehr werden neue Metrolinien und Hochgeschwindigkeitstrecken zu erheblichen Veränderungen führen. Mit einem steigenden Anteil an Elektroautos soll auch im Straßenverkehr der Verbrauch von Erdölprodukten zurückgehen.
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Elektrizität hatte 2022 nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) einen Anteil von 23,6 Prozent am Gesamtenergieverbrauch. Mit der Umstellung auf mehr elektrische Antriebe im Verkehr und elektrische Energie in der Industrie wird sich dieser potenziell stark erhöhen. Die Gesamtkapazität der Kraftwerke betrug im selben Jahr 59,4 Gigawatt. Bis 2033 steigt sie nach Prognose der Economist Intelligence Unit (EIU) auf rund 82 Gigawatt. Während die Leistung der thermischen Kraftwerke in Ägypten stabil bleibt, ihr Anteil damit abnimmt, sehen die Analysten der EIU eine nahezu Vervierfachung des Anteils erneuerbarer Energien (ohne Wasserkraft) an der Stromerzeugung.
Der Verbrauch der privaten Haushalte basiert bereits heute stärker auf Elektrizität. Aufgrund des warmen Klimas sind mit Kohle, Öl oder Gas betriebene Heizungen in Ägypten nicht notwendig. Der meiste Energieverbrauch im Haushalt entfällt deshalb auf Kochen und Klimatisierung. Auch Klimaanlagen sind ein zunehmender Faktor beim Stromverbrauch.
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Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigt
Die wachsende Bedeutung der erneuerbaren Energien zeigt sich nicht nur in der zunehmenden Anzahl von Projekten, sondern auch in der Öffnung des Marktes im privaten Sektor. Waren es früher vor allem große Anlagen, die öffentlich ausgeschrieben wurden, so sind in der jüngsten Vergangenheit vermehrt kleine und mittelgroße Solaranlagen mit Leistungen bis zu 10 Megawatt in den Fokus gerückt, wie sie Haushalte oder Unternehmen installieren.
Auf kommunaler Seite haben vor allem touristisch geprägte Orte das Ziel verkündet, rasch CO2-neutral zu werden. So will etwa Sharm El-Sheikh bis 2028 eine "Green City" werden. Einen integrierten Ansatz hat das von der EU unterstützte Programm Nexus of Water, Food and Energy (NWFE), in dessen Rahmen beispielsweise zwölf ineffiziente thermische Kraftwerke geschlossen werden und durch Solar- und Windkraftanlagen ersetzt werden sollen.
Einen weiteren Anschub erhält der Ausbau von erneuerbaren Energien in Ägypten durch das Bestreben, das Land zu einem der wichtigen Standorte für die Produktion von grünem Wasserstoff zu machen. Nach entsprechenden Gesetzesänderungen zur Förderung des neuen Energieträgers Anfang 2024 hat die Regierung sieben Memoranda of Understanding für große Vorhaben zur Produktion von grünem Wasserstoff beziehungsweise grünem Ammoniak mit internationalen Unternehmen unterzeichnet. Das gesamte Investitionsvolumen bei Verwirklichung würde über 40 Milliarden US$ betragen.
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Schaffung regionaler Stromnetze
Der Import von Elektrizität kann in Mangellagen die Einfuhr zusätzlicher Energierohstoffe zur Stromerzeugung ersetzen. Voraussetzung dafür sind leistungsfähige internationale Übertragungsleitungen. Die erste Phase der Verbindung des ägyptischen mit dem saudischen Netz mit einer Kapazität von 1.500 Megawatt geht den Planungen nach 2025 in Betrieb. In einer zweiten Phase soll die potenzielle Übertragungskapazität der 1.350 Kilometer langen Leitung zwischen den Endpunkten Medina und Tabuk in Saudi-Arabien und Badr City in Ägypten auf 3.000 Megawatt verdoppelt werden.
Auf den Export von Elektrizität zielen die neuen Unterwasserkabel zwischen Ägypten und Griechenland. Bis 2028 sollen der Greece-Africa Power Interconnector zwischen Kreta und Ägypten sowie die Greece-Egypt Electrical Interconnection (GREGY) in Betrieb gehen. Mit Solar- und Windenergie in Ägypten erzeugte Elektrizität soll auf diesem Weg die europäischen Stromnetze erreichen. Die Kapazität der 2.013 Kilometer langen GREGY wird ebenfalls 3.000 Megawatt betragen. Traditionell gehen die Exporte von Elektrizität aus Ägypten vor allem nach Libyen und Jordanien, wohin Übertragungsleitungen mit Kapazitäten von 220 beziehungsweise 550 Megawatt existieren. Seit 2020 besteht auch eine Verbindung mit Sudan (90 Megawatt).
Projekte der erneuerbaren Energien in ÄgyptenLeistung in Megawatt, Investitionsvolumen in Millionen US$Projektbezeichnung (Standort) | Leistung | Unternehmen | Status | Investitionsvolumen |
|---|
| Wind Farm Upper Egypt (West Sohag) | 10.000 | Egyptian Emirati Consortium, Hassan Allam Utilities, Masdar (VAE) | Planung | 10.000 |
| Windkraftanlagen Gulf of Suez | 5.000 | AMEA (VAE) | Umsetzung | 600 |
| Schwimmende Solaranlage (Nasser-Stausee) | 3.000 | Masdar (VAE), Future of Egypt Sustainable Development Authority (FESDA) | Planung | k.A. |
| Pumpspeicherkraftwerk (Jebel Ataqa) | 2.400 | Wiederaufleben eines früheren Projektes durch ägyptische Regierung; Vergabe an int. Partner geplant | Planung | k.A. |
| Solarkraftwerk Nagaa Hammadi | 2.000 | Masdar (VAE), FESDA | Planung | k.A. |
| Windkraftwerk Jabal El-Zeit | 1.100 | ACWA Power (Saudi-Arabien), Hassan Allam Utilities | Umsetzung | 1.500 |
| Suez Wind Project (Ras Ghareb) | 1.100 | ACWA Power (Saudi-Arabien), Meridiam (Frankreich), Hassan Allam Utilities | Planung | 1.100 |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, Pressemeldungen
Von Marcus Knupp
|
Berlin