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Branche kompakt | Saudi-Arabien | Energiewirtschaft

Saudi-Arabien investiert massiv in neue Energie

Saudi-Arabien treibt den Umbau seines Energiesystems voran. Große Solarprojekte, sinkende Stromgestehungskosten und Effizienzprogramme prägen den Markt.

Von Heena Nazir | Dubai

Ausblick der Energiewirtschaft in Saudi-Arabien

Bewertung:

 

  • Steigender Strombedarf und wachsender Investitionsdruck im Stromsektor.
  • Beschleunigter Ausbau erneuerbarer Energien sowie von Netzen und Effizienz.
  • Für deutsche Investoren liegen die attraktivsten Chancen in technologie-, qualitäts- und systemkritischen Segmenten.

Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Januar 2026

  • Saudi-Arabien setzt beim Umbau seines Energiesystems auf staatliche Programme, niedrige Kosten und priorisierte Projekte zur Sicherung von Versorgung und Wachstum.

    Saudi-Arabien treibt den Umbau seiner Energiewirtschaft im Rahmen der Vision 2030 voran. In den nächsten Jahren dürfte der Strombedarf weiter steigen; entsprechend baut das Königreich Erzeugung, Netze und Energieeffizienz parallel aus. Erneuerbare Energien gewinnen an Tempo: Ende 2024 lag die installierte Kapazität bei rund 6,6 Gigawatt. Die gesamte installierte Erzeugungskapazität betrug rund 92,5 Gigawatt.

    Großprogramme zur Energie- und Wasserversorgung von NEOM sollen den Zubau skalieren. Für Planung, Umsetzung und Betrieb ist das NEOM-Energie- und Wasserunternehmen ENOWA verantwortlich, das bis 2030 Kapazitäten von rund 55.000 Megawatt aufbauen will. Die Umsetzung erfolgt schrittweise über einzelne Projektpakete, von denen mehrere bereits die Ausschreibungs- oder Umsetzungsphase erreicht haben, während weitere Vorhaben sukzessive vorbereitet werden. Für die Energiewirtschaft bedeutet die phasenweise Umsetzung keine grundsätzliche Verzögerung, da Energieprojekte als versorgungsrelevant gelten und innerhalb von Megaprojekten häufig priorisiert vorangetrieben werden. Langfristig rücken klimapolitische Zielsetzungen, Industrialisierung und neue Wertschöpfungsketten, insbesondere Wasserstoff stärker in den Fokus.

    Die Regierung adressiert Energiepreise und Versorgungssicherheit durch die Diversifizierung des Kraftwerksparks, den gezielten Ausbau der Netzinfrastruktur sowie umfassende Energieeffizienzprogramme. Sehr niedrige Stromgestehungskosten bei Solarprojekten von bis zu 3,9 Halala je Kilowattstunde (etwa 1 US-Cent) verbessern zusätzlich die Wirtschaftlichkeit des Ausbaus. Parallel prüft Saudi-Arabien den Einstieg in die Kernenergie im Rahmen des Programms von King Abdullah City for Atomic and Renewable Energy in Duwaiheen; nach aktuellem Stand ist eine Vergabe ab 2026 vorgesehen.

    Die Ausbaupfade gelten grundsätzlich als erreichbar, sofern Netzintegration, Systemdienstleistungen und Flexibilitätsoptionen wie Speicher und Lastmanagement mitwachsen. Risiken liegen in Netzanschlüssen, Umsetzungskapazitäten von Generalunternehmen für Planung, Beschaffung und Bau sowie Lieferketten, Vorgaben zur lokalen Wertschöpfung und Projektpriorisierungen, die Zeitpläne strecken können.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Saudi-Arabiens Energiesektor wächst investitionsgetrieben. Stromnachfrage, erneuerbare Energien und Netzausbau eröffnen neue Marktchancen für technologieorientierte Anbieter.

    Der Strommarkt in Saudi-Arabien entwickelt sich dynamisch und bleibt auf Sicht der kommenden fünf Jahre investitionsgetrieben. Im Jahr 2024 stieg der Stromverbrauch auf mehr als 340 Terawattstunden und legte damit um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Treiber sind vor allem Bevölkerungswachstum, Urbanisierung sowie der Ausbau energieintensiver Industrien im Zuge der wirtschaftlichen Diversifizierung.

    Ausgewählte Kennzahlen zum Stromsektor in Saudi-ArabienÜbersicht
    IndikatorEinheit

    2023

    2024

    Strom in das Netz eingespeistGigawattstunden

    380.878

    402.628

    Stromverbrauch gesamtGigawattstunden

    327.001

    340.430

    Lizenzierte StromerzeugungskapazitätGigawatt

    ≈91,1

    ≈92,5

    Netzverluste (Übertragung und Verteilung)Prozent

    9,5

    8,5

    Durchschnittlicher Stromverbrauch pro KopfKilowattstunden

    4.533

    4.567

    Durchschnittlicher Stromverbrauch pro HaushaltKilowattstunden

    18.191

    18.590

    Quelle: GSTAT Electrical Energy Statistics 2024; Januar 2026

    Größter Abnehmer bleibt der Wohnsektor, auf den fast die Hälfte des Stromverbrauchs entfällt. Industrie und Gewerbe folgen mit deutlichem Abstand, gewinnen jedoch an Bedeutung, da neue Industriecluster, Sonderwirtschaftszonen und Großprojekte zusätzliche Nachfrage erzeugen.

    Erneuerbare Energien skalieren schnell 

    Der saudische Strommix wird weiterhin klar von fossilen Kraftwerken geprägt. Dampf-, Gas- und Kombikraftwerke stellten 2024 zusammen rund 88 Prozent der installierten Erzeugungskapazität. Der Ausbau erneuerbarer Energien gewinnt jedoch deutlich an Tempo und folgt einem klaren Skalierungspfad. Ende 2024 lag die kumulierte operative Kapazität bei rund 6,6 Gigawatt, was etwa 7 Prozent der insgesamt rund 92,5 Gigawatt installierten Stromerzeugungskapazität entsprach. Noch 2019 lag der Anteil erneuerbarer Energien deutlich unter 1 Prozent und war systemisch kaum relevant. Die aktuelle Ausbauphase markiert damit einen beschleunigten Einstieg, nicht aber bereits einen strukturellen Wandel des Stromsystems.

    Die Investitionen in bereits in Betrieb befindliche erneuerbare Energieprojekte summierten sich bis Ende 2024 auf rund 5,3 Milliarden US-Dollar (US$), wovon mehr als 90 Prozent auf Solarenergie entfielen. 

    Saudi-Arabien zählt dank sehr niedriger Stromgestehungskosten zu den weltweit günstigsten Standorten für Photovoltaik und Windenergie an Land. Nach hohen Kosten im Jahr 2010 sanken die Preise bis 2023 drastisch infolge technologischer Fortschritte, von Skaleneffekten, intensiven Wettbewerbs und günstiger Finanzierungsbedingungen. Für 2030 wird ein leichter Kostenanstieg erwartet, der keine Trendumkehr darstellt, sondern höhere Finanzierungskosten und zusätzliche Systemanforderungen widerspiegelt; erneuerbare Energien bleiben damit hoch wettbewerbsfähig auf einem stabilen Kostenplateau (siehe Grafik unter politische Ziele).

    Flankiert wird der Ausbau durch Energieeffizienzprogramme. Die durch Effizienzinitiativen erzielten Primärenergieeinsparungen beliefen sich 2024 auf rund 662.000 Barrel Öläquivalent pro Tag.

    Clean-Energy-Projektmarkt bietet breite und reife Pipeline

    Der Projektmarkt im saudischen Energiesektor wird zunehmend von Clean-Energy-Vorhaben geprägt. Öffentliche Investitionsprogramme, regulatorische Klarheit im Rahmen des National Renewable Energy Program (NREP) sowie strategische Großprojekte wie NEOM haben eine umfangreiche Projektpipeline hervorgebracht. Nachdem der Ausbau zunächst nur schrittweise vorankam, beschleunigte sich die Dynamik seit 2021 deutlich. Steigende Vergabevolumina und eine wachsende Zahl großvolumiger Ausschreibungen unterstreichen den Übergang in eine Phase systematischer Skalierung.

    Wertmäßig dominiert die Solarenergie den Projektmarkt klar. Nach Auswertungen von MEED Projects entfallen rund 78 Prozent des geplanten und noch nicht vergebenen Clean-Energy-Projektvolumens auf Solarparks. Die Windenergie ergänzt das Portfolio mit etwa 10 Prozent, während andere erneuerbare Technologien bislang eine nachgeordnete Rolle spielen. Diese Konzentration reflektiert einen strategischen Fokus auf bewährte, skalierbare und kosteneffiziente Technologien, die sich zügig und risikoarm in das bestehende Energiesystem integrieren lassen.

    Ergänzend zur erneuerbaren Erzeugung ist die Kernenergie als emissionsarme Grundlasttechnologie in den Clean-Energy-Ansatz eingebettet. Auf Nuklearprojekte entfallen rund 12 Prozent des geplanten Clean-Energy-Projektwertes. Das Programm zielt langfristig auf Versorgungssicherheit, Dekarbonisierung und den Aufbau industrieller Kompetenzen. Die Projektvergabe dürfte überwiegend im Design-Build-Modell erfolgen und ist eng in Regierung-zu-Regierung-Abstimmungen eingebunden, was den Projektfortschritt stark politisch strukturiert.

    Projekte der erneuerbaren Energien in Saudi-Arabien in Planungsphase
    ProjektnameTechnologie

    Leistung (GW)

    ProjektträgerStatus (Deutsch)

    Projektwert (Mrd. US$)

    KACARE – Nuclear Power Reactor (Masterplan)Kernenergie17,6KACAREAngebotsphase Hauptauftrag74,0
    ENOWA – Renewable Energy Programme (Masterplan)Solar & Wind55,0ENOWAPräqualifikation für Hauptauftrag46,0
    Yanbu Green Hydrogen Hub – Wind & SolarSolar & Wind (für Wasserstoff)5,0ACWA Power / EnBWTechnische Vorplanungsphase5,0
    NREP – Al Lith Solar IPPSolar3,0PIF (IPP)Angebotsphase Hauptauftrag3,0
    NREP – Al Sadawi 2 Solar IPPSolar3,0PIF (IPP)Angebotsphase Hauptauftrag3,0
    ACWA Power / Bapco – Solar Power PlantSolar2,8ACWA Power / BapcoMachbarkeitsstudie2,8
    Quelle: MEED Projects, Recherche GTAI; Januar 2026

    Technologieorientierte Lösungen eröffnen Chancen für deutsche Anbieter

    Für internationale Anbieter eröffnen sich im saudischen Energiesektor vor allem dort Chancen, wo technologische Leistungsfähigkeit, Qualität und Systemkompetenz gefragt sind. Großvolumige staatliche Programme bleiben stark preisgetrieben und sind mit hohen Anforderungen an Compliance, Projektabwicklung und lokale Wertschöpfung verbunden. Parallel dazu gewinnt jedoch die funktionale Tiefe des Energiesystems an Bedeutung, insbesondere mit Blick auf Netzinfrastruktur, Systemintegration, digitale Betriebsführung und Effizienz.

    Chancen für deutsche Unternehmen entlang der WertschöpfungsketteAuswahl
    WertschöpfungsstufeKonkrete Chancen für deutsche Unternehmen
    Anlagen- und KomponentenherstellerHoch- und Mittelspannungstechnik, Transformatoren, Schaltanlagen, Schutz- und Leittechnik, Mess- und Regeltechnik, Kabel- und Verbindungssysteme, Wechselrichter, Monitoringlösungen
    Werk- und VerbundstoffeSpezialstähle, Kabelmaterialien, Isolations- und Verbundstoffe für Netze, Umspannwerke sowie Solar- und Windanlagen
    Planer, Projektierer, ProjektentwicklerNetzanschluss- und Systemstudien, Last- und Einspeiseprognosen, Auslegung von Umspannwerken, technische Ausschreibungsunterstützung, digitale Projektsteuerung
    Generalunternehmen (Planung, Beschaffung und Bau)Spezialgewerke, Umspannwerke, Netzautomatisierung, Prüf- und Inbetriebnahmeleistungen, Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit
    Betrieb und WartungFernüberwachung, Leistungsoptimierung, Ersatzteilmanagement, Schulungen, Betriebsführungskonzepte, Cybersicherheit für Leit- und Steuerungssysteme
    Investoren und FinanziererTechnische Due-Diligence, Garantie- und Verfügbarkeitskonzepte, Lebenszykluskostenanalysen, Mess- und Verifikationskonzepte für Effizienzprojekte
    Quelle: Recherche GTAI; Januar 2026

    Neben klassischen staatlichen Programmen gewinnen projektbezogene (staatliche) Energieabnehmer außerhalb der zentralen Strombeschaffung an Bedeutung. Dazu zählen insbesondere Betreiber von Industrie- und Entwicklungsstandorten sowie groß angelegte Investitions- und Tourismusvorhaben mit eigenständigen Energie- und Versorgungsstrukturen. Diese Akteure entscheiden häufig schneller und legen größeren Wert auf integrierte, betriebssichere Lösungen mit klaren Lebenszykluskosten. Daraus ergeben sich zusätzliche Ansatzpunkte entlang der Wertschöpfungskette, insbesondere in den Bereichen Energieeffizienz, Mess- und Regeltechnik sowie digitale Energiemanagementsysteme. Insgesamt bleibt der saudische Energiesektor ein anspruchsvoller Markt mit hohen Eintrittshürden, bietet jedoch für technologisch differenzierte Anbieter weiterhin belastbare und langfristige Geschäftsperspektiven.

    Von Heena Nazir | Dubai, Riad

  • Staatlich geprägter Energiemarkt mit Milliardenprogrammen: Hohe Importanteile bei Schlüsseltechnik treffen auf wachsende Lokalisierung und starken Wettbewerb.

    Der Energiesektor Saudi-Arabiens unterscheidet sich grundlegend von liberalisierten Strommärkten. Investitionen, Ausbaupfade und Beschaffungsentscheidungen werden überwiegend politisch und programmatisch gesteuert. Öffentliche und staatsnahe Akteure der Stromwirtschaft definieren den Bedarf, bündeln Nachfrage in Großprojekten und sichern die Stromabnahme über langfristige Verträge. Für Unternehmen entsteht Marktzugang daher fast ausschließlich über Ausschreibungen und projektbezogene Vorhaben, nicht über laufende Endkundennachfrage.

    Auf der Verbrauchsseite dominiert der Wohnsektor, der fast die Hälfte des Strombedarfs auf sich vereint. Industrie und Gewerbe folgen mit deutlichem Abstand, gewinnen jedoch an Bedeutung, da neue Industriecluster, Sonderwirtschaftszonen und großskalige Entwicklungsprojekte zusätzlichen Strombedarf erzeugen. Daraus ergeben sich Absatzmöglichkeiten sowohl in klassischen Programmen der Stromerzeugung, der Netzinfrastruktur und der Effizienzsteigerung als auch in industrienahen Projekten mit hohen Anforderungen an Verfügbarkeit, Betriebssicherheit und Service.

    Projekte bestimmen Marktzugang und Zeithorizonte

    Der Marktzugang im saudischen Energiesektor konkretisiert sich nahezu vollständig über Projekte. Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien prägen insbesondere Netzinfrastruktur, konventionelle Erzeugung, Wasserstoffvorhaben und langfristig auch Nuklearprogramme die Projektlandschaft. Der Projektbestand umfasst ein sehr hohes Investitionsvolumen und erstreckt sich über mehrere Jahre.

    Ein erheblicher Teil der Vorhaben befindet sich in frühen Phasen wie Präqualifikation, Ausschreibung oder technischer Vorplanung. Dies unterstreicht die anhaltend hohe Programmdynamik, bedeutet für Anbieter jedoch auch längere Vorlaufzeiten bis zur Umsetzung. Kurzfristig konzentriert sich die Pipeline bei erneuerbaren Energien vor allem auf Solar- und Windkraft, während andere Technologien schrittweise folgen. Für Unternehmen ist daher eine frühzeitige Positionierung entscheidend, um in späteren Projektphasen berücksichtigt zu werden.

    Klare Arbeitsteilung prägt Wertschöpfung und Wettbewerb

    Der Energiemarkt ist stark staatlich organisiert. Saudi-arabische Akteure übernehmen vor allem strategische und steuernde Funktionen. Sie legen Programme auf, strukturieren Projekte, vergeben Aufträge, sichern die Stromabnahme und betreiben Netze sowie Erzeugungsanlagen. Dazu zählen staatliche Versorger, zentrale Beschaffungsstellen, Projektentwickler und staatlich geprägte Investoren.

    Die technische Umsetzung großer Energieprojekte erfolgt dagegen überwiegend durch ausländische Unternehmen. Planung, Beschaffung und Bau liegen häufig bei internationalen Engineering-, Procurement- and Construction-Unternehmen, kurz EPC-Unternehmen, die Projekte schlüsselfertig realisieren. In der aktuellen Projektpipeline dominieren Anbieter aus Asien, insbesondere aus China und Indien, vor allem bei großvolumigen und preisgetriebenen Vorhaben. Europäische Unternehmen sind seltener als Generalunternehmer vertreten, spielen jedoch eine wichtige Rolle als Technologiezulieferer, Engineering-Partner sowie im Betrieb und in der Wartung komplexer Anlagen.

    Wichtige Branchenunternehmen im Energiesektor Saudi-Arabiens Top 10 nach Projektvolumen
    UnternehmenHerkunft

    Projektvolumen (Mrd. US$)

    Anzahl Projekte

    Typische Rolle
    Saudi Electricity CompanySaudi-Arabien

    262,8

    1.268

    Staatlicher Versorger, Netzbetreiber, Großabnehmer
    Saudi Power Procurement CompanySaudi-Arabien

    189,0

    65

    Zentrale Beschaffungsstelle, Stromabnahme
    Fichtner Consulting EngineersDeutschland

    167,8

    68

    Planung, Owner’s Engineer, Projektsteuerung
    WorleyAustralien

    94,2

    14

    Engineering, Projektmanagement
    Ernst & YoungVereinigtes Königreich

    92,0

    7

    Finanzberatung, Transaktionsbegleitung
    ENOWASaudi-Arabien

    91,1

    18

    Energie- und Wasserversorgung (NEOM)
    King Abdullah City for Atomic and Renewable EnergySaudi-Arabien

    86,1

    3

    Programmsteuerung Erneuerbare und Kernenergie
    ACWA PowerSaudi-Arabien

    74,4

    66

    Projektentwicklung, Investor, Betreiber
    Doosan EnerbilitySüdkorea

    71,2

    32

    EPC, Kraftwerks- und Energietechnik
    Alfanar ProjectsSaudi-Arabien

    69,3

    393

    EPC, Projektentwicklung, lokale Wertschöpfung
    Das Projektvolumen umfasst laufende und geplante Vorhaben; Vertragsvolumina liegen häufig darunter, da Projekte teils noch nicht vergeben sind.Quelle: MEED Projects, Recherche GTAI; Januar 2026

    Hoher Importanteil und internationale Wettbewerbslogik

    Vor diesem Hintergrund erklärt sich, dass der projektbasierte Charakter des Marktes trotz wachsender lokaler Fertigung weiterhin mit einem hohen Importanteil einhergeht. Die Importstruktur spiegelt weniger eine breit entwickelte industrielle Basis wider als vielmehr die internationale Wettbewerbslogik großskaliger Energieprojekte. Zentrale Komponenten, Systeme und Ausrüstungen werden insbesondere in technisch anspruchsvollen Segmenten weiterhin importiert.

    Im internationalen Vergleich hat sich die Lieferländerstruktur in den vergangenen Jahren deutlich zugunsten asiatischer Anbieter verschoben. Unternehmen aus China und Indien konnten ihre Marktanteile vor allem in standardisierten, volumenstarken und stark preisgetriebenen Segmenten ausbauen. Anbieter aus den USA behaupten ihre Position vor allem in technologieintensiven Teilbereichen, verlieren jedoch in der Breite an Bedeutung. Deutsche Unternehmen konnten ihre frühere Marktbreite nicht vollständig halten, bestätigen jedoch weiterhin ihre Rolle als Technologie- und Qualitätsanbieter in technisch anspruchsvollen Segmenten, etwa bei Systemintegration, Normkonformität, Zuverlässigkeit und Lebenszykluskosten.

    Ausländisches Kapital spielt bei der Umsetzung von Energieprojekten eine zentrale Rolle. Investitionen erfolgen überwiegend projektbezogen, etwa im Rahmen von Stromerzeugungs- und Netzinfrastrukturvorhaben oder langfristigen Betreiber- und Wartungsmodellen. Der Markteintritt erfolgt meist über Konsortien und Partnerschaften, weniger über eine breite industrielle Präsenz vor Ort.

    Für deutsche Unternehmen bleibt der saudische Energiesektor damit ein anspruchsvoller, aber attraktiver Projektmarkt. Direkte Rollen als Generalunternehmer sind selten. Chancen eröffnen sich vor allem in technologie- und qualitätsintensiven Bereichen wie Netz- und Umspannwerkstechnik, Schutz- und Leittechnik, Automatisierung, digitaler Betriebsführung, Energieeffizienz sowie Betrieb und Wartung komplexer Anlagen. Erfolgreiche Marktstrategien setzen auf Spezialisierung, frühzeitige Einbindung in Projektstrukturen und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit lokalen und internationalen Akteuren.

    Von Heena Nazir | Dubai, Riad

  • Der saudische Strommarkt wird über staatliche Programme, Ausschreibungen und langfristige Stromabnahmeverträge gesteuert. 

    Saudi-Arabiens Stromsektor ist stark staatlich geprägt. Die energiepolitische Rahmensetzung liegt beim Energieministerium, das Programme für erneuerbare Energien bündelt und die grundlegende Struktur von Ausschreibungen und Projektumsetzung vorgibt. Zentrales Instrument ist das Nationale Programm für erneuerbare Energien, über das großvolumige Erzeugungsprojekte vorbereitet und ausgeschrieben werden.

    Die Beschaffung erfolgt in der Regel über den staatlichen Principal Buyer als zentralen Stromabnehmer, der langfristige Stromabnahmeverträge abschließt. Netzbetrieb, Systemführung und der Ausbau der Infrastruktur liegen bei der Saudi Electricity Company (SEC). Für NEOM übernimmt zudem das Energie- und Wasserunternehmen ENOWA die Programm- und Projektentwicklung.

    Wettbewerbliche Ausschreibungen sichern Finanzierung

    Der Ausbau erneuerbarer Energien erfolgt überwiegend über wettbewerbliche Ausschreibungen und langfristige Stromabnahmeverträge und weniger über klassische Investitionszuschüsse. Diese Struktur erhöht die Erlösplanbarkeit über die gesamte Projektlaufzeit und verbessert damit die Bankfähigkeit. Die Finanzierung erfolgt entsprechend über nationale Förderinstitutionen, lokale Banken sowie internationale Kapitalgeber.

    Vergabeverfahren sind formalisiert

    Die öffentliche Beschaffung folgt dem Gesetz über staatliche Ausschreibungen und Beschaffung und wird digital über die staatliche Plattform Etimad abgewickelt. Energieprojekte werden häufig in mehrstufigen Verfahren vergeben, die Präqualifikation, Angebotsphase und Angebotsauswertung umfassen.

    Für ausländische Anbieter sind belastbare Eignungsnachweise, eine klare Compliance-Struktur, einschlägige Referenzen sowie eine lokale Präsenz entscheidend. Projektspezifische Informationen veröffentlichen neben Etimad insbesondere das Energieministerium und Principal Buyer.

    Lokale Wertschöpfung gewinnt insbesondere bei großvolumigen staatlichen Programmen an Bedeutung. Maßgeblich ist das Regelwerk zur Bevorzugung lokaler Inhalte der zuständigen Behörde für lokale Inhalte und staatliche Beschaffung. Diese Vorgaben beeinflussen Lieferketten, Personalplanung und die Auswahl lokaler Partner.

    Parallel stellen Einfuhr- und Konformitätsanforderungen zentrale Praxisfragen dar. Zoll- und Importprozesse steuert die Behörde für Zakat, Steuern und Zoll über das elektronische System Fasah. Für zahlreiche energie- und elektrotechnische Produkte sind Konformitätsnachweise der Saudi Standards, Metrology and Quality Organization (SASO) erforderlich.

    Tipps für den Markteinstieg

    • Ausschreibungen und Präqualifikationen der staatlichen Auftraggeber frühzeitig verfolgen.
    • Lokale Partner mit Projekterfahrung und klarer Rollenverteilung einbinden.
    • Lokale Wertschöpfung über Montage, Service und Schulung realistisch abbilden.
    • Konformitäts- und Zertifizierungsanforderungen vor Angebotsabgabe klären.
    • Service-, Wartungs- und After-Sales-Konzepte von Beginn an mitdenken.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Heena Nazir | Dubai, Riad

  • BezeichnungAnmerkungen
    Germany Trade & InvestAußenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, Branchenberichte und Hinweise zu Ausschreibungen
    Delegation der Deutschen Wirtschaft für Saudi-ArabienZentrale Anlaufstelle für deutsche Unternehmen: Markteintritt, Netzwerk, Veranstaltungen
    Exportinitiative EnergieInformationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen für den Energiesektor
    Factsheets der Exportinitiative EnergieFactsheets mit allgemeinen Energieinformationen zum Land

    KfW IPEX-Bank  

    Exportkreditgarantien (Euler Hermes) 

    Projekt- und Exportfinanzierung;

    Absicherung von Export- und Projektgeschäften

    Saudi-Arabien: Staatliche Anlaufstellen  
    Ministry of Energy Saudi-Arabien (MoE)Fachministerium, zuständig für Energiepolitik sowie Programme im Strom- und Energiesektor
    Saudi Electricity CompanyStaatlicher Versorger: Stromerzeugung, Übertragung und Verteilung; Netz- und Systembetrieb
    Principal Buyer (zuvor: Saudi Power Procurement Company)Zuständig für Ausschreibungen und Abschluss von Stromabnahmeverträgen
    King Abdullah City for Atomic and Renewable Energy (KACARE)Projektstadt für erneuerbare Energien und Kernenergie
    Veranstaltungen 
    World Energy CongressInternationale Leitkonferenz zur Energiepolitik und Energiewirtschaft (Riad; 12. bis 15. Oktober 2026)
    WPC Energy CongressInternationale Konferenz zu Energie, Öl, Gas und Transformation (Riad; 26. bis 30. April 2026)
    Solar & Storage Live RiyadhFachmesse für Solarenergie und Stromspeicherlösungen (Riad; 23. bis 25. November 2026)
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