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Branche kompakt | Israel | Energiewirtschaft

Israels Energiesektor setzt auf Verlässlichkeit und Sicherheit

Der Energiebedarf steigt rapide. Die Stromerzeugung wird ausgebaut, aber erneuerbare Energien stoßen auf Probleme. Deutschen Unternehmen bieten sich Geschäftschancen.

Von Wladimir Struminski | Israel

Ausblick der Energiewirtschaft in Israel

Bewertung:

 

  • Massiver Ausbau erneuerbarer Energien, erdgasbetriebener Kraftwerke und der Energiespeicherung.
  • Photovoltaik dominiert die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen.
  • Einheimische Erdgasversorgung ist vorerst gesichert.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Dezember 2025

 

  • Israels Energiewirtschaft muss sich anstrengen, um den wachsenden Bedarf zu decken. Der Ausbau schreitet voran. Stromimporte sind aus geopolitischen Gründen unwahrscheinlich.

    Das oberste Ziel der israelischen Energiepolitik ist verlässliche Versorgung und die Deckung des steigenden Bedarfs. Dazu gehören ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien ebenso wie der Bau erdgasbetriebener Kraftwerke und eine Expansion der Energiespeicherung. Allerdings ist Marktwettbewerb faktisch nicht existent.

    Die Vorgabe, am Ende des Jahrzehnts 30 Prozent der Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien zu bestreiten, wird nicht leicht zu erfüllen sein. Im Jahr 2024 lag der Anteil bei rund 13,8 Prozent. Gleichzeitig kommt es zu Verzögerungen beim Bau von Erdgaskraftwerken. 

    Israel bleibt "Strominsel“

    Israel wird aus strategischen Gründen auf absehbare Zeit eine "Strominsel“ ohne Elektrizitätsimporte aus anderen Ländern der Region bleiben. Zwar könnte es durch Importe photovoltaischen Stroms Zugang zu großen Mengen preiswerter Solarenergie aus den einstrahlungsintensiven Wüstengebieten des Nahen Ostens gewinnen. Allerdings wäre es dann von den Lieferländern stark abhängig – und diese müssten zu solchen Lieferungen auch bereit sein.

    Falls in der Zukunft ein stabiler Frieden in Nahost zustande kommen sollte, wären solche Importe eine Option. In der gegenwärtigen geopolitischen Lage ist sie aber – jedenfalls in nennenswertem Umfang – wenig wahrscheinlich.

    Wie lange die einheimischen Erdgasreserven – gegenwärtig werden sie auf rund 1,1 Milliarden Kubikmeter geschätzt – ausreichen, ist unklar. Die Antwort hängt nicht zuletzt davon ab, ob neue Großfunde gemacht werden. Abzuwarten bleibt, ob alle bestehenden Vorkommen wirtschaftlich genutzt werden können.  

    Erdgasexporte schaffen ein Dilemma

    Nicht minder wichtig ist die Frage der Erdgasexporte. Laut der israelischen Energiebilanz wurde 2024 mit 51,5 Prozent etwas mehr als die Hälfte der geförderten Erdgasmenge exportiert. Die Abnehmer sind Ägypten und Jordanien. Dass Israel die Exporte in seine Nachbarländer einstellt, ist allein schon aus geopolitischen Gründen nicht zu erwarten. Das führt aber zu einem beschleunigten Abbau der Reserven. Im September 2025 berichtete die Tageszeitung Haaretz unter Berufung auf interne Berechnungen des Energieministeriums, massive Erdgasförderung könnte bereits in 20 Jahren nicht mehr möglich sein. Laut der Wirtschaftszeitung The Marker könnte Israel bereits in 15 bis 20 Jahren auf Erdgasimporte angewiesen sein. Daher müsste Israel schon bald planerische Vorbereitungen für diese Zeit aufnehmen – nicht zuletzt durch die Schaffung einer ausreichenden Infrastruktur für die Erdgaseinfuhr.

    Gaza-Krieg verdeutlicht Verwundbarkeit

    Der Gazakrieg hat die Verwundbarkeit der einheimischen Erdgasförderung deutlich vor Augen geführt. Zu Beginn des im Oktober 2023 ausgebrochenen Krieges wurde eine der drei Förderplattformen im Mittelmeer vorsichtshalber für fünf Wochen stillgelegt.

    Im späteren Kriegsverlauf zeigte sich, dass Israels Luftabwehr zwar hocheffizient, aber nicht immun gegen Raketenbeschuss ist. Zwar wurde die Erdgasförderung während des Krieges nicht angegriffen. Allerdings erlitt die Erdölraffinerie Bazan in Haifa schwere Schäden durch eine Salve ballistischer Raketen. Angesichts der auch in Zukunft bestehenden Gefahren bleibt abzuwarten, wie sich der Krieg auf die Bereitschaft von Investoren auswirkt, nach neuen Erdgasvorkommen zu suchen.

    Ausbau erneuerbarer Energien wird schwieriger und teurer

    Die Nutzung erneuerbarer Energien lief in Israel spät und langsam an. Zwar wurde das Ausbautempo in den letzten Jahren beschleunigt. Das für 2025 vorgesehene Ziel, 20 Prozent der Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien zu bestreiten, wird dennoch erst 2026 oder 2027 erreicht. Für 2030 ist je nach Entwicklung des Strombedarfs ein Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von 25 bis 28 Prozent zu erwarten. Die Regierungsvorgabe für 2030 beläuft sich auf 30 Prozent.

    In jedem Fall dürfte sich der Ausbau erneuerbarer Erzeugungskapazitäten mit der Zeit verlangsamen. Das liegt vor allem an der Photovoltaik, auf die 2024 mit 85 Prozent das Gros der erneuerbaren Kapazitäten entfiel. Gegenwärtig hat Israel nur 80 Quadratkilometer für photovoltaische Freiflächenanlagen freigegeben, und diese sind größtenteils verplant. Daher wird der Ausbau der Photovoltaik binnen weniger Jahre hauptsächlich auf Dualflächen erfolgen. Dadurch wird Photovoltaik viel teurer; ihr Ausbau wird langwieriger.

    Energiewirtschaft bleibt fossilorientiert

    Andere erneuerbare Energien stehen in Israel kaum oder gar nicht zur Verfügung. Im Jahr 2024 entfielen jeweils 7 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen auf Solarthermie und Windkraft, doch sind diese beiden Technologien in Israel weitgehend ausgereizt.  Der Bau von Kernkraftwerken ist für Israel unrealistisch. Als Nichtmitglied des Atomwaffensperrvertrags kann das Land die erforderliche Technik nicht importieren – von Risiken der Atomkraft im Kriegsfall ganz zu schweigen. 

    So ist die Energiewirtschaft ganz überwiegend auf fossile Energieträger angewiesen und wird es auf absehbare Zeit auch bleiben. Im Jahr 2024 entfielen nach Angaben des Zentralamts für Statistik (Central Bureau of Statistics) 44,2 Prozent der primären Energieversorgung auf Erdöl, 41,1 Prozent auf Erdgas, 8,8 Prozent auf Kohle, 5,6 Prozent auf erneuerbare Energien und 0,4 Prozent auf Abfallverbrennung.

    In den kommenden Jahren soll der Einsatz der Kohle bei der Stromerzeugung auf null zurückgefahren werden, was den Erdölbedarf erhöht. Zugleich aber könnte der Ausbau erneuerbarer Energien die Nachfrage nach Erdöl dämpfen. Unter dem Strich dürften die Anteile von Erdöl und Erdgas vorerst weitgehend stabil bleiben.

    Von Wladimir Struminski | Israel

  • Durch schnell steigenden Strombedarf gerät die Elektrizitätswirtschaft in Handlungszwang. Der massive Kapazitäts- und Netzausbau erzeugt hohen Importbedarf.

    Der kräftige Ausbau der Energiewirtschaft bietet deutschen Unternehmen zahlreiche Geschäftschancen. Deutsche Energietechnik ist in Israel bekannt und genießt hohes Ansehen. Israel importiert Ausrüstungen für konventionelle Kraftwerke ebenso wie für Photovoltaikanlagen. Weitere Möglichkeiten eröffnen sich durch einen Boom bei der Energiespeicherung. Ferner können deutsche Firmen durch Beratung und Planung am Marktwachstum partizipieren.

    Strombedarf wächst schneller als geplant

    5,2 %

    durchschnittliches Wachstum des Stromverbrauchs prognostiziert die Stromnetzverwaltungsgesellschaft Noga pro Jahr zwischen 2026-2030.
     

    Angesichts des schnell wachsenden Strombedarfs ist der Ausbau der Energieerzeugungskapazitäten die vordringlichste Aufgabe der Elektrizitätswirtschaft. Das gilt umso mehr, als die staatliche Stromnetzverwaltungsgesellschaft Noga (Independent System Operator) im November 2025 die bisherige Wachstumsprognose des Stromverbrauchs bis 2030 deutlich erhöht hat. Bei einer parlamentarischen Anhörung erklärte ein Vertreter des Netzverwalters, in den Jahren 2026 bis 2030 werde der Stromverbrauch in Israel im Durchschnitt um 5,2 Prozent wachsen.

    Noch im September 2025 hatte die Strombehörde (Electricity Authority) für diese Zeitspanne ein durchschnittliches Jahreswachstum um 2,7 Prozent vorhergesagt. Die von Noga vorgenommene Revision nach oben stützt sich auf zwei Faktoren. Zum einen würde die umfangreiche Nutzung künstlicher Intelligenz und der geplante massive Bau von Datenzentren mehr Elektrizität verlangen. Zum anderen werde die schnelle Zunahme von Hitzeperioden und Temperaturspitzen einen Anstieg beim Einsatz von Klimaanlagen nach sich ziehen.

    Unter der neuen Annahme würde der Stromverbrauch 2030 bei rund 106 Terawattstunden liegen – und nicht bei 94,6 Terawattstunden, wie die bisherige Prognose der Strombehörde lautete. Zwar verfügt Israel im Jahresdurchschnitt über hohe Reservekapazitäten. Zu Spitzenbelastungszeiten könnte es aber wegen des Kühlungsbedarfs – also vor allem im Sommer – an einigen Tagen im Jahr zu Stromausfällen kommen. Gesamtwirtschaftlich wäre das kein allzu gravierendes Problem, für die Stromwirtschaft aber ein Zeichen struktureller Schwäche.

    Um dieses Defizit langfristig zu beheben, muss Israel laut Noga bis 2040 mindestens 15 Erdgaskraftwerke bauen – statt der bisher geplanten 13. Auch das Übertragungsnetz müsste dementsprechend schneller ausgebaut werden. Eine Reihe von Kraftwerkprojekten ist bereits im Planungs- oder Umsetzungsstadium. Ein beschleunigter Ausbau der Kapazitäten ist bis weit ins nächste Jahrzehnt zu erwarten.

    Energiespeicherung steht vor einem Boom

    Ein massiver Ausbau der Energiespeicherung ist ein weiteres wichtiges Ziel der israelischen Energiepolitik. Sie soll die Lastspitzen kappen – sowohl durch Integration in photovoltaische Stromerzeugungsprojekte als auch durch unabhängige Energiespeicher.  

    Laut Plänen der Strombehörde soll die Speicherkapazität der israelischen Energiewirtschaft von 557 Megawatt 2024 auf 9,3 Gigawatt 2030 wachsen. Ende des Jahrzehnts sollen 53 Prozent der Speicherkapazitäten auf unabhängige Speicher und 38 Prozent auf integrierte Photovoltaikprojekte entfallen. Auch in diesem Bereich bieten sich deutschen Unternehmen Lieferchancen. Weitere 9 Prozent sind für Pumpspeicherenergie vorgesehen, die die Behörde als eine separate Kategorie erfasst.

    Übertragungsnetz wird ausgebaut

    Der Ausbau der Elektrizitätsversorgung verlangt eine Ausdehnung und Aufwertung des Stromübertragungsnetzes. Laut einem 2024 angelaufenen Plan der Stromnetzverwaltungsgesellschaft Noga sollen bis 2030 umgerechnet rund 5 Milliarden US-Dollar (US$) ins Stromnetz investiert werden.

    Nach Plänen der Strombehörde werden 2025 bis 2031 insgesamt 44 Umspannwerke und 5 Schaltstationen gebaut. Im Bereich des Stromtransports ist die Verlegung von 1.500 Kilometern von Hochspannungsleitungen von 161 Kilovolt und 500 Kilometern Höchstspannungsleitung von 400 Kilovolt vorgesehen.

    Deutschland unter den führenden Lieferanten

    Außenhandelszahlen, die Israels Importe spezifisch für die Energiewirtschaft ausweisen, liegen nicht vor. Allerdings lässt sich anhand von Warenkategorien, die überwiegend für den Elektrizitätssektor bestimmt sind, erkennen, dass Deutschland in wichtigen Bereichen ein bedeutendes Liefervolumen vorweisen kann.

    Der größte Posten unter diesen Kategorien waren 2024 Turbostrahltriebwerke, Turbopropellertriebwerke und andere Gasturbinen (HS 84.11). Die Importe dieser Produkte aus der Bundesrepublik beliefen sich auf 121 Millionen US$, was einem Importmarktanteil von 12,7 Prozent entsprach.

    Es folgten elektrische Schalt- und Steuerungskonsolen, Pulte und dergleichen (HS 85.37) sowie elektrische Transformatoren, Umformer und dergleichen (HS85.04) mit einem Lieferwert von jeweils 55 Millionen US$ und einem Importmarktanteil von 15 beziehungsweise 9 Prozent.

    Ein weiterer bedeutender deutscher Lieferposten waren Elektromotoren und elektrische Generatoren (HS 85.04). Sie erreichten 37 Millionen US$ und einen Importmarktanteil von 18,1 Prozent.

     

    Projekte des Kraftwerksbaus in Israel Erdgasberiebene Kpazitäten

    Projektbezeichnung (Standort) 

    Leistung (MW)

    Unternehmen 

    Status

    Investitionsvolumen
     

    Sorek (Landeszentrum)

    630 bis 900

    Steht noch nicht fest

    Ausschreibung

    k.A.

    OPC Hadera (Norden)

    630 bis 900

    OPC Energy

     vor Regierungsbeschluss

    k.A.

    Dalia Inner Plain (Landeszentrum)

    630 bis 900

    Dalia Power Energies

    genehmigt

    k.A.

    Dorad Ashkelon (Süden)

    630 bis 900

    Dorad Energygenehmigt

    k.A.

    Kesem (Landeszentrum)

    630 bis 900

    Kesem Energygenehmigt

    k.A.

    Reindeer (Landeszentrum)

    630 bis 900

    Reindeer Energyvor Regierungsbeschluss

    k.A.

    Eshkol (Landeszentrum)

    630 bis 900

    Eshkol Eshkol Power Energies

    k.A.

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2024

    Von Wladimir Struminski | Israel

  • Unabhängige Stromproduzenten haben den staatseigenen Ex-Monopolisten überholt. Der Markt für erneuerbare Energien ist zur Gänze privat aufgestellt. Stromhändler haben es schwer.

    Die Regierung ist um größere Vielfalt bei der Stromerzeugung bemüht. Daher nimmt der Marktanteil unabhängiger Stromerzeuger (IPPs) zu. Zudem ist auf dem Markt eine Reihe von Stromanbietern ohne Eigenerzeugung tätig.  

    Private Stromerzeuger sind auf dem Vormarsch

    Im Jahr 2024 verfügten IPPs laut Angaben der Strombehörde mit 53 Prozent erstmals über den größten Anteil an der installierten Gesamterzeugungskapazität. Diese Angabe umfasst auch den vollständig privatwirtschaftlichen Bereich erneuerbarer Energien. Deren tatsächliche Leistungsfähigkeit wurde von der Behörde unter Ansatz verschiedener Kapazitätsfaktoren berechnet.

    Der ehemalige Stromversorgungsmonopolist, die Israel Electric Corporation (IEC), war 2024 mit einem Anteil von 47 Prozent der Gesamtkapazität zwar immer noch der führende Stromanbieter. Allerdings sinkt ihr Kapazitätsanteil weiter und soll 2030 bei nur noch 32 Prozent liegen. 

    Das Gros der Investitionen in die Errichtung neuer konventioneller Kraftwerke entfällt auf private Stromversorger. Zu den wichtigsten IPPs gehören Dalia Power Energies, OPC Energy, die Edeltech Group und Dorad Energy. Zum Teil gehören die Kraftwerke großen israelischen Investment- oder Energie- und Baukonzernen, in bestimmten Fällen als Gemeinschaftsunternehmen. Insofern besteht ein Netzwerk von Querverbindungen.

    Wichtige Akteure auf dem Markt für Photovoltaik und Energiespeicherung

    Eine Reihe bedeutender Marktteilnehmer ist im Bereich erneuerbarer Energien tätig. Dazu gehören insbesondere Enlight Renewable Energy – eine Firma, die auch global tätig ist – MESHEK Energy, Shikun & Binui Energy, Teil des Shikun & Binui-Konzerns, und SolarEdge. Bei einem weiteren wichtigen Akteur handelt es sich um EDF Renewables Israel, einer Tochterfirma des französischen Energieunternehmens Électricité de France.

    Es entstehen auch zunehmend Speicheranlagen. Sie werden im Einklang mit einer Lizenz der Strombehörde in photovoltaische Anlagen integriert oder als Speicher in Alleinstellung gebaut. Auch die letztere Kategorie zieht Investitionen von Erzeugern photovoltaischer Energie an, darunter Enlight, MESHEK Energy und Shikun & Binui Energy. Zugleich sind Unternehmen auf dem Markt tätig, die nur Speicheranlagen bauen. Sie erhalten keine Stromerzeugungslizenz, sondern werden als Netzdienstleister definiert. Das vereinfacht das Genehmigungsverfahren. Sie machen sich Preisunterschiede zwischen verschiedenen Tageszeiten zunutze und können bei Netzengpässen einspringen.

    Ferner sind Stromanbieter ohne eigene Energieversorgung auf dem Markt tätig. Sie kaufen Strom bei der IEC im Rahmen von Langfrist- oder Zeitblockverträgen und verkaufen ihn an Einzelkunden. 2025 waren in Israel sieben Stromhändler tätig: Partner, Bezeq, Electra Power, Amisragas, Pazgas, Cellcom und Hot. Vier von ihnen sind Tochterfirmen von Telekommunikationsunternehmen, zwei gehören Erdgashändlern und eines einem Infrastruktur- und Baukonzern.

    Allerdings hat dieses Modell seine Probleme. Laut einem Bericht der Wirtschaftszeitung Globes vom August 2025 beklagen Stromhändler, sie hätten nicht genügend Möglichkeiten, Strom günstig einzukaufen. Damit gerieten einige von ihnen in die Verlustzone und könnten zur Betriebsschließung gezwungen sein. Es bleibt abzuwarten, ob und wie das Energieministerium und die Strombehörde das Problem lösen.

    Erdgas wird landesweit geliefert – aber nicht an jedermann

    Israel deckt seinen Erdgasbedarf aus drei Offshore-Feldern vor seiner Mittelmeerküste. Das größte Feld, Leviathan, wird im Rahmen einer staatlichen Lizenz vom US-amerikanischen Konzern Chevron sowie den israelischen Unternehmen NewMed Energy und Ratio Energies betrieben. Diese Vorkommen ermöglichen Israel auch den Export von Erdgas an Ägypten.  

    Chevron ist auch an Tamar, dem zweitgrößten Vorkommen, beteiligt – gemeinsam mit den israelischen Firmen Isramco und Dor Gas sowie mit Mubadala Petroleum aus Abu Dhabi. Das kleinere Karish-Feld wird von dem britischen Energieunternehmen Energean betrieben.

    Die drei Förderplattformen sind mithilfe von Unterwasserleitungen an das nationale Erdgastransportnetz angebunden. Dieses wird von der staatlichen Erdgasgesellschaft Israel Natural Gas Lines (INGL) betrieben. Sie unterhält ein 1.100 Kilometer langes Hochdrucknetz.

    Das Transportnetz von INGL ist mit sechs regionalen Verteilungsnetzen verbunden. Jedes von diesen wird von einem gewerblichen Unternehmen unter Staatslizenz betrieben und versorgt die ihm jeweils zugewiesene Region: Norden, Großraum Haifa, Landeszentrum, Großraum Tel Aviv, die Region Jerusalem und den Landessüden. Die regionalen Verteilungsnetze liefern Erdgas vor allem an Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.

    Dagegen werden Privathaushalte nach wie vor nahezu ausschließlich mit Kochgas versorgt – und zwar mit Tankwagen über gemeinschaftliche Druckbehälter. Angesichts des geringen Kochgasverbrauchs der Haushalte wäre der Aufbau großflächiger Verteilungsnetze mit Hausanschlüssen wirtschaftlich nicht sinnvoll.

    Wichtige Branchenunternehmen in IsraelUmsatz in Millionen US$

    Unternehmen

    Sparte

    Umsatz 2024*)  

    Israel Electric CorporationStromerzeugung

    7.077

    Solaredge TechnologiesBau von Photovoltaikanlagen

    901

    OPC EnergyPrivater Stromerzeuger

    751

    Enlight Renewable EnergyPrivaterr Stromerzeuger 

    378

    Israel Natural Gas LinesBetrieb des Erdgastransportnetzes

    329

    * Binnenpreisangaben, umgerechnet nach dem jahesdurchschnittlichen Wechselkurs.Quelle: Dun and Bradstreet Israel

    Von Wladimir Struminski | Israel

  • Im Elektrizitätssektor hat die Regierung das Sagen. Echten Marktwettbewerb gibt es kaum. Bei Aufträgen der öffentlichen Hand besteht für ausländische Firmen Gegengeschäftspflicht.

    Der Strommarkt wird von der Regierung straff reguliert und bis ins Detail gelenkt. Die energiepolitischen Vorgaben werden vom Energieministerium (Ministry of Energy and Infrastructure) erlassen. Die Durchführung der Regierungspolitik im Stromsektor obliegt der Strombehörde. Deren Hauptaufgaben sind die Festsetzung von Stromtarifen, die Erteilung von Lizenzen für die Stromerzeugung sowie die Kontrolle der Stromqualität und des Dienstleistungsniveaus im Elektrizitätssektor.

    Die staatliche Stromnetzverwaltungsgesellschaft Noga (Independent System Operator) ist für die Funktionsfähigkeit des Übertragungsnetzes verantwortlich. Sie steuert den Kraftwerkseinsatz, überwacht den Lastfluss und erstellt langfristige Netzentwicklungspläne.

    Der wichtigste Abnehmersektor für Elektrizität sind Privathaushalte, deren Verbrauch 2024 bei 34,7 Prozent des Gesamtstromverbrauchs lag. Es folgten der Handels- und Dienstleistungssektor mit 28,5 Prozent sowie die Industrie mit 21,9 Prozent. Auf andere Stromverbraucher entfielen 14,9 Prozent.

    Strombehörde bestimmt die Tarife  

    Die Preisabrechnung für den Stromverbrauch kann nach einem Einheitstarif oder nach einem zeitgestaffelten Nutzungszeittarif erfolgen. Nach Angaben der Strombehörde entscheiden sich die meisten Privathaushalte für den Einheitstarif. Im Jahr 2025 lag dieser nach dem durchschnittlichen Wechselkurs für die ersten elf Monate des Jahres bei umgerechnet 17,4 US-Cent je Kilowattstunde.

    Die zeitgestaffelten Tarife werden hauptsächlich von Unternehmen genutzt. Sie schwanken stark je nach Nutzungszeit und betrugen 2025 zwischen umgerechnet 7,5 und 48,7 US-Cent.

    Nach Angaben der Strombehörde lag der Durchschnittspreis, zu dem der Staat 2024 Strom aus erneuerbaren Energien kaufte – Flächen- und Dualnutzungs-Photovoltaikanlagen sowie andere erneuerbare Quellen –, bei 14,6 US-Cent je Kilowattstunde. Der Bezugspreis für Elektrizität aus fossil betriebenen Kraftwerken belief sich auf 10,4 US-Cent je Kilowattstunde. Der Preisunterschied zwischen erneuerbaren und konventionellen Energien verringert sich seit vielen Jahren.

    Große photovoltaische Bodenanlagen werden als öffentlich-private Partnerschaften ausgeschrieben. Die Ausschreibungssieger sind für den Bau und Betrieb der Anlagen zuständig, die nach 25 Jahren an den Staat zurückfallen. Der niedrigste bisher erzielte Preis lag bei 2,1 US-Cent je Kilowattstunde. Den Bau kleinerer Anlagen, die gegenüber der Flächenphotovoltaik und fossiler Energie nicht konkurrenzfähig sind, regelt die Strombehörde durch Einspeisetarife und regulatorische Erleichterungen.

    Kaum Wettbewerb auf dem Strommarkt

    Laut dem israelischen Modell sind die IEC, IPPs und Stromhändler ohne eigene Energieerzeugung auf dem Markt tätig.  Allerdings bedeutet diese mehrschichtige Struktur nicht, dass echter Marktwettbewerb herrscht.  Vielmehr ist die Stromwirtschaft nach dem Single-Buyer-Modell aufgestellt.

    Die IPPs dürfen ihren Strom fast nur an die IEC verkaufen. Ausnahmen werden in bestimmten Fällen für eingebettete Stromerzeugung gemacht, wenn das Kraftwerk innerhalb einer Industriezone Strom liefert oder auf dem Gelände eines Betriebs steht. Die Preise, die einzelne IPPs für ihren Strom erhalten, werden im Rahmen der von der Strombehörde realisierten Ausschreibung für das jeweilige Kraftwerk festgelegt.

    Ein Wettbewerbselement sind die Ausschreibungen von Kraftwerken und PV-Anlagen. Hier treten Bewerber gegeneinander an und müssen dem Staat Preisforderungen unterbreiten. Im laufenden Geschäft ist das für ihre Rentabilität von Bedeutung.

    In der israelischen Elektrizitätswirtschaft kommt der IEC eine Sonderrolle zu. Sie ist zwar nicht der einzige Stromerzeuger. Im Gegenteil – ihr Anteil sinkt. Allerdings betreibt sie das Stromverteilungsnetz, während der Stromnetzverwalter Noga nur Steuerungs- und Überwachungskompetenzen besitzt. Daher bleibt die IEC das Kernelement der Stromwirtschaft. Sie ist auch der einzige Stromproduzent, der Elektrizität an Kunden zu staatlich festgelegten Preisen verkauft. Die Preisbestimmung richtet sich nach der Kosten-plus-Kalkulation. Damit ist sie im Stromhandelsbereich faktisch ein Monopson ebenso wie ein Monopol.

    Öffentliche Beschaffung nur per Ausschreibung

    Das Kaufverhalten staatlicher Stellen oder staatseigener Unternehmen unterliegt dem israelischen Ausschreibungspflichtgesetz. Laut diesem muss die Beschaffung der öffentlichen Hand fast ausschließlich per Ausschreibung erfolgen. Ausgenommen sind lediglich Bagatellbeträge.

    Bei Beschaffungsmaßnahmen der öffentlichen Hand im Wert ab 5 Millionen US$ müssen ausländische Auftragnehmer in Israel Gegengeschäfte im Wert von 20 Prozent des Auftragswertes tätigen. Die Gegengeschäftsverpflichtungen können auf mehrere Arten erfüllt werden, darunter durch Vergabe von Unteraufträgen an israelische Unternehmen, sonstige Beschaffung von israelischen Waren und Dienstleistungen sowie Investitionen.

    Die wichtigsten staatlichen Akteure in der israelischen Elektrizitätswirtschaft, für die das Ausschreibungspflichtgesetz und damit auch die Gegengeschäftspflicht gilt, sind die IEC und das Finanzministerium. Letzteres ist bei BOT-Projekten Vertreter des Staates, der der offizielle Eigentümer des jeweiligen Kraftwerks ist. Der Erbauer und Betreiber tritt lediglich als Konzessionär auf. Demgegenüber gelten für private IPPs, die ihre Kraftwerke ohne PPP-Elemente errichten, marktwirtschaftliche Grundsätze. Sie sind in der Wahl ihrer Lieferanten oder Generalbauunternehmen frei. Die Gegengeschäftspflicht gilt in diesen Fällen nicht.

    Tipps für den Markteinstieg:

    • Hebräischsprachige Marktregulation macht fach- und sprachkundige Berater oder Vertreter unerlässlich.
    • Beim Markteintritt ist zu berücksichtigen, dass zahlreiche Projekte wegen bürokratischer Hürden verzögert werden.
    • Vor Geschäftsabschluss mit Kunden der öffentlichen Hand Informationen über die Abwicklung von Gegengeschäften einholen.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Wladimir Struminski | Israel

  • Das Energieministerium und die Strombehörde spielen die entscheidende Rolle für die israelische Stromwirtschaft. Sie stecken den Rahmen für die Tätigkeit privater Stromerzeuger ab.

    Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade and InvestAußenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    Exportinitiative Energie

    Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen 

    Factsheets der Exportinitiative Energie

    Factsheets mit allgemeinen Energieinformationen zum Land (teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus)

    AHK Israel

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen   

    Ministry of Energy and Infrastructure

    Federführendes Ressort für die Energiepolitik
    Israel Electricity Authoritystaatlicher Marktregulator      
    Noga - Israel Independent System Operatorstaatliche Stromnetzverwaltungsgesellschaft (nur hebräisch)

    Green Energy Association of Israel

    Fachverband für erneuerbare Energien

     

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