Trotz großer Öl- und Gasvorkommen will Algerien den Anschluss bei den erneuerbaren Energien nicht verpassen. Mit der Inbetriebnahme großer Solarparks erhöht sich die Dynamik.
19.05.2026
Von Verena Matschoß
|
Tunis
Ausblick der Energiewirtschaft in Algerien
Bewertung:
Zwei große Ausschreibungsrunden treiben den Ausbau der Solarenergie voran.
Projekte werden als EPC‑Aufträge umgesetzt und hängen damit maßgeblich von der Finanzlage des Staates ab.
Chinesische Unternehmen sind stark an den Vorhaben beteiligt.
Die lokale Solarbranche profitiert von den Anforderungen an die lokale Wertschöpfung.
Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Mai 2026
Bis 2035 sollen die Erneuerbaren in Algerien Kapazitäten von 15 Gigawatt erreichen. Dies scheint zwar schwer zu schaffen, aber erste Großprojekte gehen ans Netz.
Fossile Energieträger stehen für über 90 Prozent der algerischen Exporteinnahmen und etwa die Hälfte der Staatseinnahmen. Das Land profitiert derzeit stark von den gestiegenen Energiepreisen infolge des Irankriegs. Langfristig steht der Sektor jedoch unter Druck durch alternde Förderfelder und einen wachsenden Inlandsverbrauch.
Um ein wichtiger Rohstofflieferant zu bleiben, muss Algerien weiter in die Öl- und Gasförderung investieren. Der Minister für Kohlenwasserstoffe und Bergbau, Mohamed Arkab, kündigte an, dass der Öl- und Gasriese Sonatrach von 2025 bis 2030 rund 60 Milliarden US-Dollar für den Kohlenwasserstoffsektor ausgeben werde. Ein Großteil soll in den Upstream-Sektor fließen.
Zahlreiche Abkommen zwischen Sonatrach und internationalen Energiefirmen zu Erkundung und Förderung von Rohstoffvorkommen untermauern die Ambitionen. Im April 2026 startete unter dem Namen "Algeria Bid Round 2026" die zweite internationale Ausschreibungsrunde seit 2024 für Explorations‑ und Produktionslizenzen im Öl‑ und Gassektor.
Gas bleibt auch der mit Abstand wichtigste Energieträger bei der Stromerzeugung. Rund 99 Prozent des Stroms werden durch den Einsatz von Gas produziert und rund 40 Prozent des gesamten Gasverbrauchs im Land entfallen auf die Gaskraftwerke. Der Ausbau der Erneuerbaren soll ermöglichen, die Gasexporte bei steigendem Stromverbrauch konstant zu halten.
Dabei hat sich Algerien ambitionierte Ziele gesetzt: Bis 2035 sollen Anlagen mit insgesamt 15 Gigawatt installierter Leistung aus erneuerbaren Energieträgern errichtet werden. Branchenexperten halten die Ziele für zu hoch gegriffen. Durch die Inbetriebnahme zweier großer Solarparks im Frühjahr 2026 dürfte die installierte Leistung aus erneuerbaren Energien bald die Marke von 1 Gigawatt erreichen. Insgesamt wurden im Jahr 2023 Projekte mit einer Gesamtleistung von 3 Gigawatt ausgeschrieben. Später kam noch das Projekt eines 200‑MW‑Solarparks bei Gara Djebilet zur Versorgung des gleichnamigen Eisenerzprojekts hinzu. Die installierte Stromerzeugungskapazität auf Basis von Erdgas liegt bei rund 27 Gigawatt.
Im Rahmen einer Regierungsumbildung im September 2025 wurde ein neues Ressort für Energie und erneuerbare Energien (MEER) geschaffen. Die Zuständigkeit für den Öl- und Gassektor fällt nun in das Ministerium für Kohlenwasserstoffe und Bergbau. Diese Neuaufstellung soll die Regierung stärker auf die Energiepolitik fokussieren. Präsident Tebboune hat zudem im April 2026 angeordnet, zu prüfen, ob die Position eines Staatssekretariats für erneuerbare Energien geschaffen werden könnte. Im März 2026 wurde die Roadmap für den Erneuerbaren-Ausbau in einer Regierungssitzung vorgestellt.
Die Pläne für den Ausbau der Erneuerbaren in Algerien werden konkreter. Das Land soll eine zentrale Rolle bei der Versorgung der EU mit grünem Wasserstoff einnehmen.
Im April 2026 wurde ein Meilenstein in der algerischen Energiewende erreicht. Zwei Solarkraftwerke mit einer Leistung von jeweils 200 Megawatt sind in Betrieb gegangen. Sie befinden sich in den Wilayas El Meghaier und Biskra. Bis Ende 2026 sollen nach Angaben des Energieministeriums insgesamt 1.400 Megawatt ans Netz gehen.
Die Projekte sind Teil der ersten Phase der Ausschreibungen aus dem Jahr 2023 über insgesamt 3.000 Megawatt Leistung in Solaranlagen. Drei Vorhaben über insgesamt 520 Megawatt wurden 2025 neu vergeben. Der Baufortschritt in den 22 Solarkraftwerken liegt derzeit insgesamt bei rund 40 Prozent.
Der Ausbau der Erneuerbaren konzentriert sich in Algerien auf der einen Seite auf die Großprojekte und auf der anderen Seite auf kleinere Solaranlagen für öffentliche Gebäude. Experten sind überzeugt, dass es zwischen den beiden Extremen noch viel Potenzial gibt.
Es gibt noch viel Luft nach oben, was Projekte mit mittlerer Leistung angeht, die im ein- bis zweistelligen Megawatt-Bereich liegen. Dies würde auch Chancen für deutsche Unternehmen bringen, die mit ihrem Know-how in Algerien hoch angesehen sind. Bei den Großprojekten haben sich vor allem chinesische Firmen durchgesetzt.
Dr. Madjid Chikh
Leiter der Abteilung Erneuerbare Energien, Commissariat aux Energies Renouvelables et à l'Efficacité Energétique (CEREFE), Algier
Boukhalfa Yaici, der Direktor des Green Energy Clusters Algeria, einem Zusammenschluss von Branchenunternehmen, sieht den Industriebereich als wichtigen Baustein in der Energiewende an. Seiner Meinung nach sollte vermehrt die Möglichkeit betrachtet werden, dass Unternehmen direkt mit Stromproduzenten Abnahmeverträge unterzeichnen können. "Über solche Corporate Power Purchase Agreements (CPPA) könnte die Attraktivität der erneuerbaren Energien in Algerien gesteigert werden", sagt Yaici. Bisher fehle hierfür noch der Rechtsrahmen.
Windkraft noch weitgehend ungenutzt
Algerien verfügt zudem über ein erhebliches, bislang kaum genutztes Windpotenzial. Derzeit ist lediglich ein Windpark in Adrar mit 10,2 Megawatt in Betrieb. In Zusammenarbeit mit der Weltbank prüft das Energieministerium derzeit die Umsetzung von Windkraftprojekten mit einer Gesamtleistung von 1.000 Megawatt an zehn Standorten.
Sonatrach plant, bis 2030 rund 1,3 Gigawatt Solarleistung an eigenen Öl‑ und Gasförderstandorten zu installieren, um den Eigenstrombedarf der Anlagen schrittweise aus erneuerbaren Quellen zu decken. Als Pilotprojekt nahm der Konzern 2018 gemeinsam mit Eni eine 10‑Megawatt‑Photovoltaikanlage im Ölfeld Bir Rebaa Nord in Betrieb. Weitere Projekte an mehreren strategischen Standorten befinden sich in Vorbereitung oder in der Umsetzung.
Für die Einspeisung und den Transport erneuerbarer Energien baut Algerien auch seine Netzinfrastruktur aus. Energieminister Mohamed Arkab kündigte im April 2024 ein sogenanntes "Projekt des Jahrhunderts" an: Hochspannungsleitungen mit 400 Kilovolt und einer Länge von rund 880 Kilometern sollen den Süden des Landes an das nationale Stromnetz anbinden.
Südlicher Wasserstoffkorridor soll Algerien mit EU verbinden
Zudem positioniert sich Algerien als wichtiger Player bei der Produktion von grünem Wasserstoff. Im März 2023 hat das Land seine Wasserstoffstrategie veröffentlicht. Es geht in der Strategie explizit um die Entwicklung von grünem und blauem Wasserstoff und vor allem um Exportpläne. Von 40 Terawattstunden, die bis 2040 produziert werden sollen, sind nur 10 Terawattstunden für die lokale Industrie vorgesehen.
Im Jahr 2023 hat Algerien seine Wasserstoffstrategie veröffentlicht. Bis 2040 sollen bis zu 40 Terawattstunden Wasserstoff hergestellt und exportiert werden.
Dabei sind folgende Schritte vorgesehen:
Demonstrationsphase (2023 bis 2030): Umsetzung von Pilotprojekten
Anwendungsphase (2030 bis 2040): Expansion und Schaffung von Märkten
Marktphase (2040 bis 2050): Industrialisierung und Exportaktivität
Aufgrund seiner Anbindung an das europäische Gasnetz hat das Land einen Vorteil gegenüber regionalen Konkurrenten, die in die aufstrebende Branche einsteigen wollen. Denn die Transportkosten wären durch eine direkte Lieferung über Pipeline um einiges günstiger als die Exporte in Form von Derivaten wie Ammoniak oder Methanol. Allerdings müssten für den Wasserstofftransport Teile der Pipeline umgebaut und mit neuen Kompressorstationen ausgerüstet werden.
Der südliche Wasserstoff-Korridor (SoutH2 Corridor) soll 3.300 Kilometer umfassen und ab 2030 Nordafrika mit Italien, Österreich und Deutschland verbinden. Ende November 2023 wurde das Vorhaben in die Liste der Projekte von gemeinsamem Interesse (Projects of Common Interest, PCI) der EU aufgenommen. PCIs sind wichtige grenzüberschreitende Infrastrukturprojekte, die die Energiesysteme der EU-Länder miteinander verbinden. Am 21. Januar 2025 haben Italien, Österreich, Deutschland, Algerien und Tunesien eine gemeinsame Absichtserklärung zur Entwicklung des Wasserstoffkorridors unterzeichnet.
Deutsch-algerische Zusammenarbeit im Energiesektor
Die algerische Regierung arbeitet beim Ausbau der erneuerbaren Energien und der Wasserstoffwirtschaft eng mit Deutschland zusammen. Grundlage dafür ist die deutsch‑algerische Energiepartnerschaft im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE), die 2015 mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung ins Leben gerufen wurde. Sie bildet die zentrale Plattform für den institutionellen energiepolitischen Dialog zwischen beiden Ländern.
Beim Besuch des deutschen Wirtschaftsministers Robert Habeck in Algier im Februar 2024 wurde zudem eine bilaterale Wasserstoff‑Taskforce gegründet, die vom BMWE und dem algerischen Ministerium für Energie und erneuerbare Energien getragen wird. Über das Programm TaqatHy+, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Europäischen Union finanziert wird, unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) algerische Akteure bei der Umsetzung der Energiewende.
Algerien hat dank seiner strategisch günstigen Lage, hoher Sonneneinstrahlung, verfügbarer Flächen und gut ausgebildeter Fachkräfte viele Voraussetzungen, ein wichtiger Partner Deutschlands im Bereich erneuerbarer Energien und Wasserstoff in Nordafrika zu werden. Die Energiekooperation unterstützt den Ausbau von Solar‑, Wind‑ und Wasserstoffprojekten durch Kapazitätsaufbau und fachlichen Austausch zwischen öffentlichen Institutionen und Privatsektor.
Lisa Gager
Leiterin Energieportfolio, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, Algerien
Deutschland unterstützt Algerien auch finanziell beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. So stellt die KfW Entwicklungsbank einen Zuschuss für ein Referenzprojekt zur Erzeugung von grünem Ammoniak mit Wasserstoff, der mittels erneuerbarer Energien durch Elektrolyse gewonnen wird, bereit. Als Standort wurde Arzew in der Region Oran, einem der wichtigsten petrochemischen Zentren des Landes, gewählt.
Ein grundsätzliches Problem bleibt jedoch bestehen – in Algerien ebenso wie in vielen anderen Ländern: Solange es keinen verlässlichen Abnehmer für den produzierten Wasserstoff gibt, wird die Regierung voraussichtlich zurückhaltend bleiben, das finanzielle Risiko solcher Projekte zu übernehmen.
Von Verena Matschoß
|
Tunis
Die lokale Solarbranche wächst. Chinesische Unternehmen spielen aber weiterhin eine zentrale Rolle.
Im Bereich der Solarenergie gibt es in Algerien einige private Komponentenhersteller, ebenso wie Beratungsbüros. Als Betreiber der Anlagen fungiert der staatliche Riese Sonelgaz beziehungsweise im Industriebereich Sonatrach. In den vergangenen Jahren hat sich die Wertschöpfungskette für Solarenergie in Algerien stetig weiterentwickelt.
Solarindustrie hat sich im Green Energy Cluster zusammengeschlossen
Die wichtigsten nationalen Akteure haben sich im Green Energy Cluster Algeria zusammengeschlossen. Sie decken die ganze Bandbreite der Branche ab, von der Montage von Solarmodulen über die Projektentwicklung, Installation bis hin zu Versicherungen und Forschungseinrichtungen, und bieten sich als lokale Partner an. Derzeit sind über 40 Akteure Teil des Clusters, davon sind 80 Prozent Unternehmen.Auch Niederlassungen ausländischer Firmen, wie Schneider Electric aus Frankreich, Huawei aus China oder Ozgun aus der Türkei haben sich dem Cluster angeschlossen.
Mit Anforderungen an die lokale Wertschöpfungsquote bei Solarprojekten will die algerische Regierung die Solarindustrie im Land fördern und ausländische Unternehmen zu einer Produktion vor Ort bewegen. Bei den großen Solarausschreibungen sind Mitgliedsfirmen nach Angaben des Green Energy Clusters stark involviert. Durch die vorgeschriebene lokale Wertschöpfungsquote von 35 Prozent profitieren auch Hersteller von Kabeln, Metallstrukturen und Schaltschränken sowie Dienstleister aus Engineering, Installation, Versicherung und Finanzierung.
Wichtige Forschungseinrichtung auf dem Gebiet der Erneuerbaren in Algerien ist das Centre de Développement des Energies Renouvelables. Das CDER ist eine öffentliche Einrichtung, die wissenschaftliche und technologische Forschungs- und Entwicklungsprogramme im Bereich der Erneuerbaren durchführt.
Wichtige Branchenunternehmen in Algerien (Auswahl)
Unternehmen
Sparte
Zergoun Green Energy
Produktion von Solarmodulen
Terra Sola Algérie
Projektentwickler (Schweiz)
SPS - Systèmes Panneaux Sandwichs
Hersteller von Sandwichpaneelen
Aures Solaire
Produktion von Solarmodulen
Milltech
Produktion von Solarmodulen
Amimer Energie
Projektentwickler, EPC-Auftragnehmer im Bereich der Solarenergie
Condor Electronics
Elektronikanbieter
ENIE
Elektronikunternehmen
GISB Electric
Hersteller von Kupfer-, Aluminium- und Almelech-Walzdraht
Schneider Electric Algérie
Anbieter von Energie‑ und Automatisierungslösungen
Quelle: Green Energy Cluster Algeria 2026
Bisher gibt es zwei Fabriken in Algerien, die zertifizierte Solarmodule herstellen. Die Gesellschaft Zergoun Green Energy produziert in Ouargla, im Nordosten der Sahara, mit einer Jahreskapazität von 200 Megawatt Solarmodule. In der Region Mila hat die Fabrik von Milltech eine Kapazität von 100 Megawatt pro Jahr. Beide Unternehmen wollen ihre Produktionskapazitäten erweitern und größere Module herstellen.
Vorprodukte wie Solarzellen, Glas und Schlüsselkomponenten werden importiert - zum Großteil aus Asien. Boukhalfa Yaici, der Direktor des Green Energy Cluster Algeria, ruft dazu auf, dass die algerische Produktion weiter diversifiziert wird und noch mehr Wertschöpfung im Land generiert werden kann. So könnten laut Yaici in Algerien auch Solarglas oder Aluminiumrahmen für Solarmodule produziert werden.
Ein wichtiger Bereich, in dem algerische Unternehmen aktiv sind, ist die Projektentwicklung, Installation und Wartung von Solarvorhaben. Großprojekte werden meist von Sonelgaz als staatlichem Auftraggeber vergeben, häufig an Konsortien aus algerischen und ausländischen Firmen.
Chinesische Unternehmen gewinnen große Aufträge
Chinesische Unternehmen spielen beim Ausbau der Solarenergie in Algerien eine zentrale Rolle. Denn bei den beiden Ausschreibungen über insgesamt 3 Gigawatt gingen 60 Prozent der Leistung an chinesische EPC-Unternehmen. Das spricht dafür, dass Zulieferprodukte und Dienstleistungen auch bevorzugt aus China, dem mit Abstand führenden Hersteller von Solarmodulen, bezogen werden.
Allein das Konsortium aus drei chinesischen Firmen (CWE-HXCC-YREC) wurde für die Umsetzung von fünf Solaranlagen ausgewählt, mit Leistungen zwischen 80 und 220 Megawatt.
Die anderen Aufträge gingen an algerische Unternehmen, die entweder allein oder in Partnerschaft mit europäischen Unternehmen an den Ausschreibungen teilgenommen haben.
Von Verena Matschoß
|
Tunis
Die großen Solarausschreibungen wurden als EPC-Modell ausgeschrieben. Lokale Zulieferungen sind verpflichtend.
Algerien hat sich wie viele andere Länder ambitionierte Ziele beim Ausbau der erneuerbaren Energien gesetzt. Bis 2035 sollen rund 15 Gigawatt installierte Leistung aus erneuerbaren Energieträgern aufgebaut werden. Aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung - 80 Prozent des Landes sind von der Sahara bedeckt - und der gesunkenen Kosten für Solarmodule liegt der Schwerpunkt dabei eindeutig auf der Solarenergie. Ergänzend sind Projekte in der Windkraft sowie in geringerem Umfang Biomasse und Geothermie vorgesehen; parallel setzt Algerien weiterhin auf Kraft‑Wärme‑Kopplung zur Effizienzsteigerung.
15GW
Leistung sollen bis 2035 aus Wind- und Solarkraftwerken stammen.
Experten schätzen das wirkliche Tempo als langsamer ein. So geht die Economist Intelligence Unit davon aus, dass im Jahr 2035 nur rund 9,5 Gigawatt an Solarkapazitäten installiert sein werden.
Erneuerbare für steigenden Inlandsbedarf
Die staatliche Regulierungskommission (Commission de Regulation de l'Electricité et du Gaz) legt per Verordnung die Strompreise fest. Dabei variieren die Kosten je nach Verbrauch, es gibt insgesamt vier Kategorien.
Der algerische Staat subventioniert die Strompreise - die Produktionskosten liegen über den Preisen. Der Ausbau erneuerbarer Energien soll dazu beitragen, den wachsenden Inlandsstrombedarf zu decken und perspektivisch zusätzliche Gasmengen für den Export freizusetzen.
Die Preise für Haushalte pro Kilowattstunde lagen im September 2025 dem Internetportal Global Petrol Prices zufolge bei umgerechnet rund 4 Eurocent. Die Preise sind stark subventioniert und zählen zu den niedrigsten weltweit. Zum Vergleich: Weltweit zahlten Verbraucher im Durchschnitt 16 Eurocent pro Kilowattstunde.
Sonelgaz ist staatlicher Monopolist bei der Energieversorgung
Die staatliche Energieversorgung wird von Sonelgaz und seinen Tochtergesellschaften dominiert, die ein Monopol bei der Strom- und Gasversorgung haben. Für den Ausbau der erneuerbaren Energien ist vor allem das Energieministerium zuständig. Das erst 2020 gegründete Ministerium für die Energiewende und Erneuerbare Energien wurde im September 2022 im Rahmen einer Kabinettsumbildung aufgelöst. Im September 2025 wurde wieder ein Ressort für Energie und erneuerbare Energien (MEER) geschaffen. Kleinere dezentrale Projekte fallen teilweise in den Zuständigkeitsbereich des Umweltministeriums.
Das CEREFE (Commissariat aux Energies Renouvelables et à l'Efficacité Energetique) ist eine staatliche Institution im Zuständigkeitsbereich des Premierministers. Sie wurde 2019 gegründet und ist dafür zuständig, die staatlichen Programme im Bereich der erneuerbaren Energien zu evaluieren und leistet bei der Umsetzung von Projekten technische Beratung.
Ausschreibungen im Energiebereich werden im Ausschreibungsblatt des Energiesektors BAOSEM veröffentlicht. BAOSEM ist eine Tochtergesellschaft der Konzerne Sonatrach und Sonelgaz und wurde am 17. November 2002 gegründet.
Local Content spielt wichtige Rolle
Bewerber auf die großen Solarausschreibungen müssen sich verpflichten, einen bestimmten Anteil der eingesetzten Produkte und Dienstleistungen von algerischen Herstellern zu beziehen. Laut Boukhalfa Yaici vom Green Energy Cluster Algeria liegen bei den beiden großen Ausschreibungen die Anforderungen an den Local Content bei mindestens 35 Prozent.
Ausschreibungen laufen als EPC-Modell
Ursprünglich wurde das Projekt Solar 1000 im Dezember 2021 für unabhängige Stromerzeuger (IPP) ausgeschrieben. Dies hätte bedeutet, dass der Bauträger gleichzeitig auch als Betreiber fungiert hätte. Nach mehreren Verzögerungen wurde schließlich zu einem reinen Bauvertrag nach dem EPC-Modell (Engineering, Procurement, Construction) gewechselt. Dies bedeutet, dass nach einer gewissen Übergangsfrist der staatliche Stromversorger Sonelgaz die Anlagen betreibt. Dadurch hängt die Umsetzung der Projekte von der Haushaltslage ab. Denn die Finanzierung der Projekte wird der algerische Staat alleine stemmen. Die Umsetzung als EPC-Modell hängt auch mit der fehlenden Erfahrung bei IPP-Projekten zusammen. Die Finanzierbarkeit und damit die Bankfähigkeit der Stromabnahmeverträge wäre zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben.
Ausschreibungen stehen allen Unternehmen offen - national wie international. Die 51/49-Regel, nach der ausländische Unternehmen immer einen lokalen Partner mit Mehrheitsanteilen an Projekten benötigt hatten, wurde bereits vor einigen Jahren für sogenannte nicht strategische Bereiche abgeschafft. Bei den Ausschreibungen erhält grundsätzlich das Unternehmen mit dem niedrigsten Angebot den Zuschlag. Zwischen den Solarprogrammen über 2.000 und 1.000 Megawatt konnte Algerien die durchschnittlichen Tarife senken: von rund 7,38 Dinar (etwa 5,5 Eurocent) je Kilowattstunde auf rund 6,09 Dinar (etwa 4,5 Eurocent). Damit liegen die Kosten jedoch weiterhin deutlich über den Großprojekten der Golfstaaten, wo Solarstrom teils für knapp ein Eurocent je Kilowattstunde erzeugt wird.
Derzeit erlaubt der Rechtsrahmen in Algerien bei kleinen Photovoltaikanlagen lediglich den Eigenverbrauch, nicht jedoch die Einspeisung von Überschussstrom in das öffentliche Netz.
AHK Algerien ist erste Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Für deutsche Unternehmen bleibt Algerien ein herausfordernder Markt. Firmen, die einen Markteintritt im Land planen, sollten Kontakt zur deutsch-algerischen Industrie- und Handelskammer aufnehmen. Im Rahmen der Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz finden immer wieder Informationsveranstaltungen oder Geschäftsreisen für deutsche Unternehmen mit einem Interesse am algerischen Markt statt.
Projekterkundungsreise für deutsche Unternehmen
Über die Exportinitiative Energie findet vom 21. bis 25. September 2026 eine Projekterkundungsreise nach Tunesien und Algerien statt. Schwerpunkt sind Geschäftschancen für deutsche Unternehmen entlang des SoutH2-Wasserstoffkorridors.
Melden Sie sich an und fügen Sie dieses Inhaltselement einer Sammelmappe zu. In Ihrem Profilbereich können Sie Ihre Sammelmappen verwalten und daraus PDFs erstellen. Sie finden auf der gesamten Website Inhaltselemente, die Sie Ihren Sammelmappen hinzufügen können.
Die nachhaltige Energieerzeugung mittels Windkraft und Solarenergie steht hoch im Trend. Der Aufstieg grünen Wasserstoffs zur vierten Säule der Energiewende als Energieträger und -speicher wird den Ausbau der erneuerbarer Energien zusätzlich beschleunigen. Die weltweite Nachfrage nach Energiespeichertechnologien und smarten Energiemanagement-Lösungen zieht ebenfalls kräftig an. Nutzen Sie unsere Berichte für die Erschließung neuer Energiemärkte.
Wie entwickelt sich die algerische Wirtschaft aktuell und welche Standortfaktoren zeichnen das Land aus? Wie sehen die Trends in den wichtigsten Branchen Algeriens aus? Und...
Fragen zur Dekarbonisierung der Wirtschaft und Herausforderungen des Klimawandels begegnen deutschen Unternehmen immer häufiger - auch im Auslandsgeschäft.
Melden Sie sich an und fügen Sie dieses Inhaltselement einer Sammelmappe zu. In Ihrem Profilbereich können Sie Ihre Sammelmappen verwalten und daraus PDFs erstellen. Sie finden auf der gesamten Website Inhaltselemente, die Sie Ihren Sammelmappen hinzufügen können.
Zustimmung zu Statistik-Tracking und Nutzungsbedingungen
Zur Verbesserung unseres Chatbots erfassen wir Nutzungsdaten, einschließlich der IP-Adresse. Die Verarbeitung erfolgt über Microsoft Azure in Rechenzentren innerhalb der EU. Die Daten dienen ausschließlich statistischen Zwecken und werden nach 90 Tagen gelöscht. Mit der Nutzung der KI-Suche stimmen Sie unseren Nutzungsbedingungen zu.